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Arianne 263 - Chaota

Chaota's Leben wird bedroht. Sie kann mit der Macht des Chaos zurückschlagen, aber Gaia, die Erde, offenbahrt sich ihr
und versucht sie zu überzeugen, es nicht zu tun.

Chaota wehrt sich

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Sie war ein ganz liebes kleines Mädchen. Nun hatte sie zwei lange dicke Zöpfe, die ihr bis zu den Knien reichten. Mit 12 1/2 Jahren. Die sollten nun ab. Nein, so ging das einfach nicht. Die Nachbarn, die Lehrer ...  alle wollten die Zöpfe weg haben. Ganz besonders die Prediger.

Die Prediger ... ach ja, die religiöse Tradition.

Die überlebt doch nur, weil die Alten sie den Jungen aufzwingen. Oder werden die Jungen vielleicht um ihre Meinung gefragt?

Das waren ihre Gedanken. Nur, wen kümmerte das? Haben Gedanken denn immer so zu sein, dass sie zu dem allgemeinen Erscheinungsbild passen? Müssen Gedanken den Lehrern, Eltern und Predigern folgen?

Weil sie besser denken können?

Nun, nicht alle Wünsche der Eltern gehen in Erfüllung. So blieb sie wie sie war, langhaarig. Mit Haaren, in die sie sich einwickeln konnte.

Dieser ständige Widerstand ihrer Umgebung. Wie schaffte sie das eigentlich, ihr Selbst zu behaupten, gegen den ganzen Widerstand?

Nun, nicht alle Dinge in der Familie müssen Gegenstand einer öffentlichen Debatte sein. Sie musste sich auf irgendeine Weise wehren können, aber niemand wusste wie. Da sich ihr Erscheinungsbild nicht änderte, hatte sie offenbar Erfolg.

Nachfragen der Nachbarn und der Lehrer und des Predigers brachten auch nicht viel zu Tage. << Sie will nicht >>. Das war die Antwort. Und << Soll sie doch ihr eigenes Leben gestalten ... >>

Sie mit Gewalt zu der besseren Einsicht zwingen? Nein, das wollten ihre Eltern nicht. Sie mochten die Kleine ja und sie liebten sie.

Liebe gegen Religion. Ob das ein Widerspruch sein kann?

Was sollte man schon dagegen sagen? Schließlich war Toleranz ein Gebot der Stunde ... aber ... wenn da nicht.
Die heiligen Schriften! Sie enthalten die Wahrheit! Und dort steht geschrieben ... die Haare der Mädchen sollen geschoren werden ... und als Opfer dar gebracht werden. Wenn sie sich anschickt, zu einer Frau zu werden!

Als Opfer? Für die eitlen Frauen der reichen Vorstädte, deren Haarpracht vor dem eigenen Spiegelbild nicht mehr bestehen kann? Ruiniert durch multiple Verschönerungstechniken, an deren Ende nur die Glatze stehen kann?

Nein. Chaota weigerte sich. Und ihre Eltern wollten sie nicht verlieren.

Es ergab sich nun eine Diskussion, über das Fallen und Andersseinwollen eines jungen Mädchens. Innerhalb der Exekutive, Legislative und der religiösen Wirkungsstätten.

Ob dort nicht nur über den Grad ihrer Bestrafung diskutiert wurde?
...

Chaota? Ist der Name wirklich so rein zufällig? Nachdem die Welt nun so wunderbar geordnet erscheint. Nachdem sich die einzige wahre Religion durchgesetzt hat. WILL SIE DIE WELT INS CHAOS STÜRZEN? Mit ihrem Eigensinn?

Indem sie alles in Zweifel zieht, was so mühsam über viele Jahre zum allgemeinen Geistesgut geworden ist?

Weil sie alles in Zweifel zieht?
Nur, weil sie ihre langen Haare liebt und sie nicht hergeben will?

Die Menschen brauchen Sicherheit und Gewissheit und ein äußeres und inneres Gleichgewicht. Sie müssen gleich sein vor Gott und das schafft nur die Religion!

Gleich sein ... bis auf diejenigen, die gleicher sind als die anderen...

Gott schuf die heiligen Schriften und dort steht geschrieben ...

Die Schriften, steht dort nicht auch, du sollst Gottes Schöpfung achten, sie lieben und ehren und niemals in Zweifel ziehen? 

Da steht noch mehr.

Du sollst lernen die Schöpfung zu begreifen, zu verstehen und dein Handeln nach deinen Einsichten richten. Nach deinem Verstand, nicht nach deinem Zorn und nach deinem Begehr.

Und es steht da geschrieben...

Du sollst dich mäßigen, bescheiden sein, mit deinen Irrtümern leben und sie bereuen und nicht versuchen, Gott nachzueifern. Damit du wahrhaftig vor Gott erscheinen mögest. Es liegt an Gott, wie er dich sieht, nicht an dir, wie Gott dich sehen soll.

Es gab Spielraum für Interpretationen. Und wenn man die Schrift nicht wörtlich auslegen wollte, die verschiedenen Deutungsmöglichkeiten diskutierte ... musste man dann immer zu den gleichen Schlüssen kommen wie der höchste Prediger?

Und der Prediger vor ihm und der vor ihm ...
...

Der Prediger. Er war auch noch Bürgermeister, oberster Richter, Polizeichef und Vorsitzender des Vereins zur Wahrung von Moral, Anstand und Sitte.

Das eigentliche Zentrum der Macht.

Warum nennen wir ihn dann nicht gleich Diktator?

Also, bitte ...

Ist es denn nicht der Wille Gottes, der geschehen muss? Darf der Mensch überhaupt einem Prediger folgen? Einem Menschen? Wir wissen doch, Menschen können sich irren. Muss der Mensch nicht in seinem Inneren den Willen Gottes spüren, damit er den richtigen Weg erkennt? Jeder für sich allein, denn die Wege Gottes sind zahlreich und vielfältig und unergründbar.

Warum sollte es sonst auch so viele Menschen geben und nicht nur einen Einzeller?

Die Diskussionen dauerten sehr lange. Denn Gottes Worte, die in den heiligen Schriften dokumentiert sind, sie  sind weise und tief ... Worte, die zu allen Zeiten und für alle Menschen gleichermaßen gültig sein müssen ....  und so blieb die Kleine erst einmal so wie sie war.
...

Doch nun wurde sie eigen. Mit 14 1/2. Ihr ganzer Körper war mit Schmuck behängt. Perlenketten, Armbänder ... aber keine Tattoos. Nein, das wollte sie nicht.

Auch Ohren stechen war nicht ihr Fall. Körperschmuck, ja, sie liebte ihn, aber die Haut verändern ... Löcher stechen lassen ...

Sie hasste jede Form von körperlichem Schmerz.

Sie liebte ihre nackte Haut, konnte sich stundenlang im Spiegel anschauen. Als wenn sie mit ihrem Spiegelbild kommunizieren würde. Beide lächelten sich dabei gegenseitig an, die ganze Zeit.

Aber ... ist das nicht selbstverständlich für ein Spiegelbild?

Vielleicht ... aber es muss nicht immer so sein.

Aja. Ist sie vielleicht ein Vampir, der sein Spiegelbild nicht sehen kann?

Sie ist weiblich.

Es gibt auch weibliche Vampire.
...

Der ganze Schmuck, den sie besaß. Sie spielte damit ... bis von der nackten Haut gar nichts mehr zu sehen war. Und das nicht allein. Sie hatte Freundinnen und Freunde dabei. Was dort geschah, in diesem Haus, niemand durfte zugucken. Und erzählt wurde auch nichts.

Dabei waren die anderen ganz normal, mit kurzen Haaren, wie es von ihnen erwartet wurde.

Mit kurzen Haaren?

Die haben Perücken auf. Ach ...  ....  du meinst ...

Hippielife. Warum nicht auch hier, in dieser Welt. Lass ihnen doch ihre Perücken *grins*.
...

Mit 16 entwickelte sie eine Allergie gegen Kleidung.

So lief sie dann völlig nackt herum. Nicht wirklich. Die Haare ersetzten ihre Kleidung und der ganze Schmuck drumherum. Sie sah angezogener aus als manch andere, die etwas zur Schau stellen wollten.

Aber der Widerspruch ihrer Umgebung. Er artikulierte sich. Bei den rechtschaffenen und gottesfürchtigen Menschen. Wenn es stimmte, was dort gemunkelt wurde, dann war sie auch noch Hermaphrodit.
...

Dann kann man doch eine Ausnahme machen! Hermaphroditen werden in den heiligen Schriften gar nicht erwähnt.
...

Sie war gerade ein wenig spazieren gegangen. Dann, auf der Wiese vor dem Wald. Plötzlich sah sie sich umringt von 15 Gestalten. Die wollen wir gar nicht näher beschreiben.

"Haben wir dich endlich."

"Was wollt ihr von mir ... ich ... ich habe Angst."

"Das solltest du auch *grins*. Zieh dich nackt aus!! Wir wollen sehen, was uns erzählt wurde!"

"Ich bin bereits nackt."

"Die Haare! Die werden wir dir ab rasieren."

"Nein, bitte nicht, ich liebe sie doch so."

"Wen kümmert deine Meinung. Wir wollen unseren Spaß haben ... und wir werden dich geradebiegen."

Einer von denen zog ein Rasiermesser und grinste sie dabei an.
...

Was der mit ihr anstellen würde? Weglaufen konnte sie nicht mehr, aber sie konnte etwas anderes tun ...

Chaota begann sich zu drehen. Erst langsam, dann immer schneller. Als wenn sie auf einem kleinen Karussell stehen würde. Den 15 Gestalten wurde bereits schwindlig vom Zugucken.

Dann blieb sie stehen. Doch die Welt drehte sich weiter um sie herum ...
...

<< Chaota, was hast du vor? >>

Ch: << Wer bist du, Geist in meinem Verstand. >>

<< Ich bin Gaia, die Erde. >>

Ch: << Die Erde? Sie redet mit mir? Ich ... ich kann das Drehen beenden, nicht zwingend für alles was sich um mich herum dreht. Etwas kann ich übrig lassen ... und das werden diese 15 sein. >>

G: << Chaota, wenn du sie auslässt, dann werden sie die Kraft der Drehbewegung voll zu spüren bekommen. Es wird sie töten. >>

Ch: << Und ... warum nicht? Wie viel Unheil haben sie bereits angerichtet? Soll ich ... nein, du bist Gaia, du wirst es bereits wissen. Haben sie es nicht verdient, dass sie ihre Strafe bekommen? >>

G: << Chaota, du musst dich entscheiden. Wenn du sie tötest, dann machst du dich zum Richter. Zu einem Richter des Chaos. Ist es das, was du anstrebst, für dich? >>
...

Ch: << Ein Richter des Chaos? Ich wehre mich doch nur. Ist das nicht ein Grundrecht jedes Lebewesens, sich seiner Verstümmlung durch andere entziehen zu können? Begründet sich darauf nicht die Evolution? >>

G: << Deine Besonderheit, die Dinge um dich herum in Drehung versetzen zu können. Das hat nichts mit Evolution zu tun. Es ist eine spirituelle Kraft, eine Begabung. Es liegt an dir, was du damit machst. >>

Ch: << Weil ich diese Kraft in mir habe, soll ich sie nicht anwenden? Vielleicht hast du recht, die 15 können mir nichts tun. Und ich soll mich nicht für etwas rächen, dass sie noch gar nicht getan haben. Gaia, du machst es so schwierig. Es ist so viel einfacher den Gefühlen nachzugeben und den Triumph zu spüren. >>

G: << Und darum schaffen es die meisten Zivilisation nicht, etwas Höheres zu erreichen als das, was sie in ihrem Selbstverständnis darstellen. Das Besondere, es ist verteilt wie die Samen eines Baumes. Wen es trifft, es ist nicht bestimmt. >>

CH: << Und es hat mich getroffen? Das Höhere, ja es ist schwierig, viel zu schwierig etwas zu erreichen, das mehr ist als die Teile dessen, aus denen ich bestehe. Hat nicht das Diabolische auch seinen Platz? Hilft es nicht, die Evolution zu regulieren? Das Böse, durch den Hass vernichtet? Wird es sonst nicht immer und immer wieder zuschlagen? >>

G: << Du kannst dich in diesem Sinne entwickeln. Aber es würde mir sehr weh tun. Du bist ein Geschöpf der Erde und damit auch ein Kind von mir. Siehst du nicht auch das Schöne, die Liebe? Und du hast eine Begabung, dafür einzustehen. Deine Entwicklung, du wirst sie selbst bestimmen. Erst dachte ich, du wärst eine Janine. Aber ... das, was in dir steckt, es ist anders. Du kannst zu einem Wesen des Chaos werden, das selbst der Teufel zu fürchten hätte. Aber du kannst auch versuchen der Existenz zu helfen, zu überleben. >>

Ch: << Die Existenz? Die Dinge werden immer größer. Eben waren es noch diese 15 Gestalten, gegen die mich wehren wollte, und nun? >>

G: "Weiß du, nein, du kannst es nicht wissen. Du stehst an einer Zeitweiche. Wenn du sie tötest, wählst du einen Zweig, wenn nicht, begibst du dich in einen anderen. Das bist du. Was aber auch du entscheiden magst, es gibt eine Welt, in der die andere Möglichkeit realisiert ist. Und wenn nicht, so wird sie entstehen.

Ch: "Eine andere Welt?"

G: "Parallele Welten. Jede mögliche Entscheidung ist auch realisiert. Manchmal nur als Potential, nicht alle parallelen Welten sind stabil. Eigentlich gibt es nur sehr wenige stabile parallele Welten. Aber für dich sind sie real, du bist eine multiple Persönlichkeit. Nein, keine Angst, du bist nicht schizophren. In dieser Welt siehst du nur dein einzelnes Ich, aber es gibt höhere Formen der Existenz, in denen multiplen Persönlichkeiten zusammengeführt werden können."

Ch: "Aber ... ich sehe doch nur mich. Und die Welt? Ist sie ihr eigenes Selbst, oder ist sie aus verschiedenen Möglichkeiten zusammengesetzt?"

G: "Sie ist eine Mischung aus vielen Extremen und daher auch stabil. Ich möchte dich so gerne in dieser Welt halten und nicht irgendwo in den Strömen der Zeit verlieren. Denn ich kann nicht alle Welten umfassen, die aus Zeitweichen heraus entstehen können, es sind unendlich viele.  Sogar mehr als das. Die Anzahl der Möglichkeiten ist überabzählbar. Und wenn die dann noch miteinander wechselwirken ...

Ch: "Das klingt ganz schön groß. Ich mag diese Welt ja, die meisten lassen mit sich reden und ändern auch ihre Standpunkte. Nur, diese 15 hier, es sind ... Verbrecher, Mörder.  Sie haben schon viele verstümmelt ... und umgebracht. Und ich als Hermaphrodit? Du kennst bestimmt einen Zweig, in dem sie ... nein, ich will es nicht wissen!"

G: "Wenn du in dieser Welt bleiben willst, ich werde dich beschützen. Bis du so weit bist, dass du alleine auf dich aufpassen kannst ohne gleich die ganze Welt um dich herum zu zerstören."

Ch: "Die ganze Welt um mich herum? Bisher sind immer nur Tassen und Teller um mich herum geflogen."

G: "Du musst vorsichtig sein. Deine Kraft ... wenn sie außer Kontrolle gerät, dann zerstörst du die Welt um dich herum ... und damit auch dich selbst, denn du brauchst eine Welt zum Leben."

Ch: "Mmmmh. Ja. Das stimmt. Also gut, ich lasse diese 15 einfach stehen. Und dann? Werden sie mich gehen lassen?

G: "Ich werde mich um sie kümmern. Sie werden alles vergessen, was mit dir zu tun hatte und gar nicht verstehen, was sie hier eigentlich wollten."
...

Chaota

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