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Arianne 266 - Solfire 03

Solfire auf der Erde, im Gespräch mit Thalia und Obussus. Sie sprechen über das Wesen der menschlichen Zivlisation.


Die letzte Zivilisation

"Thalia, die Sonne, sie  flackert und ...."

"Nein, Obussus, sie wird nicht explodieren. Noch nicht."

T: "Das klingt schon fast wie ein Gebet. Sie ist kleiner geworden."

O: "Sie wird schon wieder wachsen."

T: "Zu einem roten Riesen? Bis die inneren Planeten verschluckt werden ... und dann?"

O: "Darüber brauchen wir uns keine Gedanken zu machen. Dann gibt es uns nicht mehr."

T: "Ich will nicht vergehen! Ich liebe mein Leben doch so sehr."

Tränen liefen ihr aus den Augen. Nein, sie wollte nicht sterben.
...

Plötzlich verblasste die Umgebung. Alle vorher sichtbaren Dinge verschwanden in einem nebligen Schleier. Und dann ...

T: "Eine Vision, ein Wachtraum!"

Ja, das musste es sein. Solche Dinge kamen öfter vor. Man hatte sich daran gewöhnt. Alle Menschen des Planeten träumen dann genau das gleiche. Und sie sprachen miteinander, in diesen Träumen, mit den Wesen, die sich dort manifestierten. Waren es Geister? Sie waren nicht fassbar, sprachen von Dingen, die unbegreifbar waren. Von Ängsten, von Verlust ... und ... sie zeigten die Zeit, all das, was einmal gewesen war, was hätte sein können. Und was noch kommen würde?

Die Zukunft! Sie wurde immer blasser in all ihren Variationen und Möglichkeiten. Manchmal wirkte sie so schrecklich müde, als wenn sie enden wollte ...

O: Wie kann eine Zukunft müde sein? Sie ist doch kein Wesen?

T: Es ist einfach so. Ein Gefühl, ich weiß nicht, woher es kommt ...

Doch nun zurück zur Gegenwart.

O: "In welche denn?"
...

Ja, manchmal endeten die Visionen in einer Gegenwart, die so ganz anders war als die Erinnerungen an das Vergangene. Dann überlagerte sich alles und es bildete sich etwas Neues.

Eine neue Zeit?

Sie hatten sich daran gewöhnt und akzeptierten es so wie es sein wollte. Die alten Erinnerungen wurden zu Visionen und verschwanden nach und nach, wenn sie kausal in nichts Bestehendes eingebaut werden konnten.

Es erschien Ihnen wie ein Paradox in der Zeit, das einen neuen Lebensraum schuf.

Zeitparadoxien?

Und überhaupt ... von wem sprechen wir hier?

Von der Bevölkerung, 200 Milliarden Menschen und andere intelligente Lebensformen, innerhalb einer Kugel mit einem Durchmesser von 10000 km.

Andere intelligente Lebensformen?

Weiterentwicklungen des Oktopus, um nur eine Spezies zu nennen. Ja man lebte miteinander, manchmal auch gegeneinander, wie es eben so ist, in der Welt.

Und die Oberfläche?

Ein Naturschutzgebiet. Von allen Intelligenzwesen akzeptiert. Sie hielten sich dort fern. Dort gab es Meere voller Blumen, Wiesen, Urwälder, Tiere ... Eine wunderschöne, kunstvoll gestaltete Natur. Mit einem spirituellen Touch, ja, all das hatte einen Namen, sie nannten es Gaia.

Aber ... die Natur ist doch grausam. Sie bedingt ein ständiges Fressen und gefressen werden.

Du siehst die Dinge zu einseitig.

Nein, realistisch.

Und das Schöne? Ist das nicht auch real? Überdenke deinen Blickwinkel!

Das tue ich ja.

Was ist mit den Intelligenzwesen. Wie verhalten sie sich?

Kriege werden im Innern der Kugel ausgefochten.

Kriege?

Die alten Gewohnheiten ...
...

Etwas schien sich formen zu wollen. Eine Gestalt? Ein menschliches Wesen?

Lange weiße Haare wurden sichtbar und ein menschlicher Körper, vollkommen nackt, zum Teil von den Haaren bedeckt. Ein Wesen wurde sichtbar, eine Frau?

Sie schien alt zu sein, sehr alt und doch war sie unbeschreiblich schön. Sie zeigte sich in einer überirdischen Art von Harmonie.
...

<< Darf ich mich vorstellen? >>

O: Oh ja bitte, sage uns deinen Namen.

<< Ich bin Solfire >>
...

Solfire ... da war eine Erinnerung, fast schon verdeckt von all diesen Veränderungen in der Zeit.

T: "Solfire, das Wesen der Sonne? Du bist das Wesen der Sonne?"

O: "Die Sonne, stirbt sie? Bedeutet das für uns ... das Ragnarök?"

Solfire: "Das Ragnorök ... das Ende der Welt, das jüngste Gericht, es sind Symbole, Vorstellungen, Hoffnungen und Ängste. Vielleicht. Wenn die Sonne zum roten Riesen wird und ihre Substanz verbrennt. Dann sterben auch die Götter, die darin eingebettet sind. Gaia, die Erde und all die anderen in den paranormalen Welten. Es ist aber nicht die Spiritualität, die nach der Welt greift, um sie zu beenden. Es ist physikalisch bedingt. Der Wasserstoff ist verbrannt und das Helium, die Sonne wird heißer und schafft dadurch die höheren Elemente, aus denen das Leben entsteht. Eure Welt, sie hat so viele Jahre gelebt und ist dabei alt geworden.

T: "So wie du ... das spirituelle Bewusstsein der Sonne?"

Solfire: "Auch die Sonne wird älter und ich? Ich bin nicht unsterblich, die Zeit, sie ist wie Wasser, das zwischen den Fingern zerrinnt. Die Sonne, sie ist mein Körper, wenn sie vergeht ... Ich werde sterben, wie alles was lebt und einen Anfang hatte ... "

T: "Aber ... wir können nicht leben, ohne die Sonne und ... ohne dich."

Solfire: "Ihr könnt das System verlassen, eine andere Welt suchen. So wie so viele vor euch ..."

O: "Andere haben die Welt verlassen? Dann waren die vielen Engpässe in der Zeit, in denen nur ganz wenige übrigblieben, vielleicht ein Resultat der Auswanderung?"

Solfire: "Das eine wie das andere ist geschehen. Ihr wart so viele ... als alle die Welt verlassen wollten gab es doch wenige, die geblieben sind. Und sie bildeten den Kern einer neuen Zivilisation.

Es gab auch Katastrophen, Meteoriteneinschläge, Supervulkane. Es hat niemals alle hinweg gerafft.

Warum dies alles?

Natürliche Intelligenzwesen neigen dazu, sich in eine Endlosschleife zu begeben, in der nichts Neues mehr geschehen kann. Einfach aus der Angst vor Veränderung, Angst vor dem Verlust des Alten. Sie verstecken sich in einem selbst gebastelten Käfig und sehen das Äußere nicht mehr.

Es gab Zeitalter der Religiosität, in denen sich über Millionen Jahre nichts mehr bewegt hat. Aber die Fixierung auf das Gott gebene war nur eine Illusion. Gott lässt sich nicht in eine Form pressen, die so klein und so endlich ist. Der Zufall entscheidet dann. Ein großer Meteorit, mehr als 2 Kilometer dick ... und das war es dann mit der Unendlichkeit und den Ewigkeiten in der Vereinigung mit Gott."

O: "Es gab doch auch Zeiten ohne Religiosität."

Solfire: "Ja, die Zeiten der großen Geschäfte, Kapitalmärkte, Börsenspekulationen. Am Ende wurde darauf gewettet, dass Geld verschwinden konnte ... und dann war es gleich wieder da. Merkwürdige Vorstellungen vom Werden und Vergehen. Das wurde dann verboten, da das Geld niemals wirklich verschwand, es wanderte nur zu den großen Haufen."

O: "Die dann so groß wurden, dass sie kollabieren mussten. Wie ein Schwarzes Loch."

T: "Die Schwarzen Löcher der Ökonomie. Wir haben einige der Schriften hierzu gefunden, sie müssen bereits Millionen von Jahren alt sein."

Solfire: "Diese Zeiten ... sie kollabierten in regelmäßigen Abständen. Manchmal zerstörten sie dabei eine ganze Zivilisation. Ohne das alle daran zugrunde gingen. Dann begann wieder alles von vorne."

O: "Es gab doch auch soziale Experimente. Die Gleichheit der Menschen als eine Idee, alles gehörte allen."

Solfire: "Bis auf diejenigen, die gleicher waren als andere. Wer die Kontrolle besaß und die Macht hatte, gab sie nicht mehr ab. Bis sie ihnen genommen wurde. Eine Idee alleine schafft noch keine ideale Welt ... und wenn es dann doch geschah .... die idealen Welten waren alle instabil, da sie keine Veränderungen mehr duldeten. Die Natur, das Leben, es verlangt nach Veränderungen. Eine unendliche Monotonie ist nicht möglich."

T: "Du sprachst doch auch über Religiosität ... wir hatten nie direkten Kontakt mit den Göttern."

Solfire: "Oh doch, das hattet ihr. Nicht ihr persönlich, aber eure Spezies an sich. Die Begegnungen sind verborgen in einer Zeit, die nach Milliarden von Jahren zählt, und in ihren parallelen Dimensionen. Einmal hatte ich selbst eine Berührung der multiplen Art. Sie nannte sich Erotica. Es war so schön ... der Gedanke an sie, er macht mich so glücklich. Es ist schon so lange her ... Aber nun weiß ich, dass es höhere Wesenheiten gibt. Sie sind nicht sichtbar, aber sie sind existent."

O: "So viele Jahre?"

Solfire: "Und doch hat sich bei euch so vieles wiederholt. Die Charaktere der Menschen, sie veränderten sich nicht. Am Anfang sind alle gleich, dann gibt es einige die mehr haben als die anderen und das Mehr vergrößert sich und vergrößert sich. Zum Schluss haben wenige viel und viele wenig. Auch das Wenige wird ihnen dann genommen und ... Die nun alles haben merken, dass sie ihren Besitz nicht aufessen können. Das System endet ... irgendwie .... und alles beginnt wieder von vorne."

O: "Ja, so ist es. Wir haben nichts aber auch gar nichts entwickeln können, was darüber hinausgeht. Alle Zivilisationen, keine hat eine Form von Eigenintelligenz entwickelt, die ihr ein dauerhaftes Überleben ermöglicht hätte. Nicht einmal die künstliche Intelligenz hat sich anders verhalten, schließlich wurde sie ja auch von den natürlichen Intelligenzwesen geschaffen."

T: "Es gibt dann noch die Moral, sie lieferte manchmal einen Halt, aber sie ist nur für die Kleinen da. Die Großen brauchen sie nicht."

Solfire: "Wisst ihr eigentlich, wie lange es euch schon gibt?"

T: "Nach unsere Berechnungen ... etwa 300 Millionen Jahre. Das ist der Bereich, den wir erforschen können. Die Zeit davor .... sie verschwindet im Dunst großer Veränderungen. Tektonische Verschiebungen, Supervulkane, Meteoriteneinschläge. Wir wissen nicht, was davor gewesen ist. Nur so ein paar Fossilien deuten auf ein davor, dass es dort Leben gegeben haben muss."

O: "Diese Cola-Dose, sie muss mehr als 300 Millionen Jahre alt sein."

T: "Und diese Kunststoffe in den Tiefen der Meere. Als wenn sie für die Ewigkeit geschaffen wurden."

Solfire: "Was habt ihr sonst noch gefunden?"

T: "Ein MacDonalds Plakat. Was immer das gewesen sein mag."

Solfire: "Eure Spezies gibt es in dieser Form bereits mehr als 6 Milliarden Jahre."

O: "Oh."

T: "Und das trotz unserer Fehlbarkeit? Die Lust zu töten, andere zu quälen, den eigenen Größenwahn zum Maß aller Dinge zu erheben. Der Wunsch nach totaler Kontrolle. All dies ist vergangen und gegenwärtig. Manchmal wurde es über Jahrhunderttausende verdrängt, aber dann brach es doch wieder hervor. Wir haben es nicht im Griff."

Solfire: "Und der Gegenpart dazu. Der Wunsch danach in einem System aufzugehen, die Suche nach dem Starken, der die Qual der Unsicherheit beseitigen kann."

O: "Genetische Experimente gingen eine Zeitlang gut, erwiesen sich dann aber als nicht stabil. Die entstehenden Zombies brachten sich gegenseitig um. Nur dadurch konnte die Spezies überleben."

T: "Manchmal haben wir uns schon gefragt, ob es der Evolution nicht allmählich langweilig wird, mit uns."

O: "Welche Götter meinst du, Solfire? Bist du nicht selbst ein Gott?"

Solfire: "Es ist nur so ein Gedanke. Das Wesen der Spiritualität, es manifestiert sich in einzelnen Individuen. Es ist die Idee des großen Zusammenhangs, die zu den Göttern führt. Erotica ist eine davon. Und die Liebe, wenn sie eine Entität sein sollte ... Aber ich selbst ... Mein Wesen hat sich oft mit euch beschäftigt, und ich habe mich nicht immer herausgehalten, aus der Welt. Wenn sie nun zu Ende geht ... für mich. Nicht für euch. Ich werde euch helfen ein Sternenschiff zu bauen, das euch hinaus bringt in eine stabile Wirklichkeit, in der ihr weiterleben könnt."
...

T: "Und was wird aus dir?"

Solfire: "Fragt nicht nach mir. Ihr seid die Lieblinge der Evolution. Wesen voller Fragilität und Fehlbarkeit. Aber doch immer wieder glücklich im Kleinen und manchmal so voller Größe. Es ist die Liebe, die euch gefunden hat. Manchmal, wenn ihr euch nicht selbst zerstören wolltet. Ihr könnt sie nicht festhalten, aber sie hat euch nie ganz verlassen. Denn ihr lebt, und ihr existiert."
...

Thalia: "Wir wollen dich nicht verlieren. Nachdem wir dich endlich gefunden haben. Nein, bitte, bitte bleib, sei unsere Göttin. Dann sind wir nicht so alleine in der Unendlichkeit des Weltalls."

Solfire: "Das ist nicht mehr meine Entscheidung. Mein Wesen ist nicht für die Unendlichkeit gedacht."

Thalia: "Gedacht? Sind Wesen denn gedacht ... und von wem?"

Solfire: "Erotica kann es, wenn sie denkt, dann geschieht es."

Obussus: "Solfire, was geschieht mit der Sonne?"

Solfire: "Die Sonne wird sich verändern. In einer dramatischen Weise. Wasserstoff und Helium gab es dort nicht mehr im ausreichenden Maße. Dafür Kohlenstoffbrennen und Sauerstoffbrennen, selbst das Eisen brennt bereits."

O: "Das Eisen brennt?

Solfire: "Ja, ihr könnt es sehen. An den Spektrallinien, die ausgesandt werden."

Aber ...

Das Eisen verbrennt zu Elementen höherer Ordnung, der Vorgang schluckt Energie. Dadurch wird der Strahlendruck immer geringer und die Gravitation quetscht den Stern zusammen. Es droht ...

ALARM!!!!

Die Vision verblasste. Eine Gegenwart hatte sie wieder.

T: "Eine Explosion. Eine Supernova? Aber dafür ist der Stern doch zu klein. Oh ... es knallt gerade ganz mächtig. Die Schockwelle, sie wird uns in 8 1/2 Minuten erreichen."

Woher könnt ihr das wissen? Die Ausbreitung von Information geschieht doch mit Lichtgeschwindigkeit ...

Wir haben Quantensonden in die Nähe der Sonne geschickt, quantenmechanisch verschränkt mit einem Gegenpart hier auf der Erde. Die Explosion auf der Sonne hat den Quantenzustand der Sonden geändert und damit auch den des Gegenparts. Daher wissen wir es, bevor uns die Schockwelle trifft.

Quantenkoinzidenz, sie ermöglicht eine Blick in die Zukunft! Die Grenze der Übermittlung von Information durch Lichtgeschwindigkeit kann dadurch überwunden werden.

Megadicke Blöcke aus Metallplastik und Beton begannen sich zu schließen, um die sensiblen elektronischen Geräte zu schützen und die empfindlichen Quantencomputer. Die Eisenkugel des Zentrums begann zu rotieren, immer schneller. Damit wurde das Magnetfeld des Planeten verstärkt, um die Auswirkungen des Sonnensturmes abzuschwächen.

Andernfalls würde die ganze Zivilisation versinken, in einen Zustand ohne jede Form von Elektrizität und Quantenkoinzidenz.

Nun gut, auch damit hatte man gerechnet. Tief im Innern der Erde gab es Überlebensinseln, in denen die Menschen auch ohne Elektrizität überleben konnten.

Selbst wenn die ganze Oberfläche verbrannt war.

Und Quantenmechanik brauchte man in diesem Urzustand auch nicht mehr.

Vielleicht treibt die Sonnenexplosion den Planeten hinaus, in die endlose Weiten. Dann überleben wir im Innern und bewegen uns durch den Raum und die Zeit ...

Das tun wir doch jetzt auch schon, mit dem ganzen Sonnensystem.

Aber die Neutrinoschauer, die durch den Planeten rasen werden ...

Sie wechselwirken nicht, mit den lebenden Körpern.
...

T: Obussus, diese ganzen Gedanken um uns herum. Das sind doch gar nicht unsere eigenen ... Und die Vision von Solfire, hast du sie nicht auch erlebt?

O: Du hast Recht, Thalia. Solfire ... es war so realistisch. Und jetzt diese vielen Gedanken. Wer bitte denkt dort?
...

Gedanken sind frei. Sie kommen von überall her. Alles was lebt, denkt ...
...

T: Mmmmh. Die Gedanken, sie reagieren auf uns. Ob das losgelöste freie Gedanken sind, oder .... haben sie eine Quelle?

O: Konzentrieren wir uns doch darauf. Oh ... ich spüre die Menschen um uns herum. Es sind so viele ... so viele .... und alle denken, haben Gefühle. Wie kann ich das alles erfassen? Und doch, ich spüre die vielen Leben und kann sie auseinanderhalten ... und ich verliere mein eigenes Ich nicht dabei ...

T: Obussus, weiß du was das ist? Das ist ... Telepathie! Etwas, das wir uns immer gewünscht haben und das uns irgendwie doch verweigert wurde. Nun haben wir es! Im Angesicht des drohenden Untergang unseres ganzen Sonnensystems! Der letzte Schub, den uns die Evolution zugesteht? Bevor wir alles verlieren?
...


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