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Arianne 272 - Das Charakteristikum

Gedanken über das Leben und den Tod.

Die englischsprachige und deutschsprachige Version unterscheiden sich.
Sie vermitteln unterschiedliche Sichtweisen auf das Charakteristikum.

Leben und Tod

Leben und Tod, wie kann das eine Einheit sein?

Das Leben trägt den Tod in sich. Manchmal kannst du ihn erahnen. Denke an deine Alpträume, in denen das Fieber steigt, bis auf eine Grenze, die nicht überschritten werden darf. Der Tod, er reicht tiefer als das Leben. Und wenn die Grenzen überschritten werden ...

Alpträume? Sie machen Angst. Jagen den Puls auf Rekordhöhe ... aber es sind doch nur Träume. Träume, die einen Ausgleich suchen, für Erfahrungen des Lebens. Die Ängste aufzeigen und die nach einer Lösung suchen.

Träume können tödlich sein. Wenn sie eine Berührung mit dem Tod ermöglichen ... Es geschieht, wenn die Grenze überschritten wird.

Und dann? Wenn der Tod sich manifestiert hat, das Leben nur eine Erinnerung sein könnte?

Es ist nicht definiert, was dann geschieht. Der Tod reicht in die Unendlichkeit. Das Leben, wenn es nur einen endlichen Bereich ausgemacht hat? Es verschwindet darin. Nichts davon ist mehr nachweisbar.

Und das Bewusstsein?

Denke an die Angst vor dem Tod. Glaubst du nicht, dass sie sich dort realisieren kann?

Aber der Tod, er ist doch das Ende. Das Leben endet. Das Bewusstsein, es ist einfach nicht mehr da.

Wie kannst du dir da so sicher sein? 

Einen Toten kann man nicht befragen. Also ist da nichts mehr.

Und all die Fragen, die ein Leben aufgeworfen hat? Die nicht beantwortet wurden? Sie sind immer noch da und sie warten auf eine Antwort. Wenn das Leben die Antwort nicht gibt oder nicht geben kann?

Der Tod? Er stellt Fragen?

Die Fragen existieren weiter, auch wenn das Leben verschwunden ist. Und sie nagen an der ewigen Ruhe, die es nicht geben wird...

Was können das denn für Fragen sein?

Die Frage nach dem Sinn eines Lebens. Hast du ihn gefunden? Und wie siehst du dich nun? Wo die Antwort für dich keine Bedeutung mehr hat?
Glaubst du, dass du dir dein Leben verdient hast? Oder war es einfach nur umsonst verschwendet? Wie willst du nun den Preis dafür bezahlen?

Höre, was andere zu sagen haben. Wie sie dich sehen. Beantworte ihre Fragen, die sie dir stellen.

Und wenn ich selbst Fragen stellen möchte?
...

Was bin ich?

Was möchtest du sein?

Die Frage ist nicht so schwer zu beantworten. Schön möchte ich sein, intelligent und stark.

So sei es.
...

Abraskus der Starke hatte es weit gebracht. Nun war er der Erste im Land, der auf dem Thron des allesumfassenden Auges residieren durfte.
Dabei war es gar nicht so schwer gewesen.

Die mächtigen Frauen des Paladins, sie alle waren ihm verfallen. Seine Schönheit blendete die Frauen. Dabei war er sehr maskulin.

Schön und Maskulin?

Warum soll sich das widersprechen? Es kommt auf die Sichtweise an. Bei ihm auf die Sichtweise der Frauen. Schönheit muss nicht immer feminin sein.

Die Frauen. Sie hatten ihm Türe und Tore geöffnet. Er hatte noch nicht einmal zu integrieren brauchen. Alles ging so einfach vonstatten, wenn man die Winkelzüge der Anderen so einfach voraussehen konnte.

Es gab hier niemanden im Lande, der es intellektuell mit ihm aufnehmen konnte. Er war Großmeister in allen Varianten der Brettspiele und selbst die Philosophen konnte es nicht mit ihm aufnehmen.

Na ja, wenn es dabei nicht so sehr um Spezialwissen ging ...

Was kümmern den großen Geist die Schuster und Schneider ... ?

Arroganz ist eine Form der Korruption. Dies ist eine Antwort auf die Frage.

Also Intelligenz und Schönheit. Gut. Und Stärke?

Die Ritter des eisernen Schwertes, Wächterorden und Leibgarde des Altvorderen, nichts hatte sie ihm anhaben können. Er hatte sie alle besiegt.

Wahrscheinlich war er der Einzige im Land, der es auf rechtschaffende Weise zum Ersten gebracht hatte.

Auf rechtschaffende Weise?

Die Kämpfe waren fair gewesen.

Ist es denn fair, wenn man seine Überlegenheit derart ausspielen tut?

Der Gedanke verwirrte ihn.

Aber ... der Kampf um Positionen, er ist ein Teil dessen, was die Kultur und die Zivilisation ausmacht.

Und nur der Starke kommt zum Ziel?

Nein. Es gehört auch Intelligenz dazu.

Und Schönheit, damit die Tugendhaften geblendet werden und Dinge erzählen, die der Schöne gar nicht wissen dürfte.

Aber ... das Wissen. Gehört es denn den Anderen allein?

Nein. Nur, hast du es redlich erworben, oder einfach nur geklaut?

Es ... es wurde mir gegeben.

Nun, wieviel Anstrengung hast du aufwenden müssen, außer das Bett der Alostria zu besteigen? Und ihrer 23 Mitstreiterinnen? Hat es dir das Mühe gemacht? Gibt es überhaupt etwas in deinem Leben, was anstrengend gewesen wäre?

Warum diese Zweifel? Er hatte sich seine Position erkämpft, mit den Mitteln, die ihm zur Verfügung standen. Warum sonst wurden sie ihm gegeben?

Aha. Der erste Schritt zur inneren Einkehr. Die Dinge ... sie wurden dir gegeben.

Und ich habe sie genutzt.

Das ist wohl wahr. Nur, was nutzt deine Position den Armen und Schwachen und Verlorenen im Lande? Hast du jemals einen Gedanken an sie verschwendet?
Die Tränen der Frauen um ihre von dir getöteten Männer, hast du sie jemals getrocknet?

Was glaubst du, denken sie über dich? Und meinst du, dass deren Urteil weniger bedeutet als dein eigenes?
...

Ein Dialog. Dialog? Fragen tauchen auf, und sie suchen nach einer Antwort.

Ein einfaches Leben. Wie soll es all dies erfassen können? Wer fordert es denn ein?

Niemand. Es geht nur um die Fragen. Fragen, die wichtig sind.
Manche davon wurden in den realen Leben nie gestellt, oder verdrängt, einfach nicht wahrgenommen. Viele wurden auch durch das Leben selbst beantwortet, Aber bei weitem nicht alle.

Aber, wenn ein Leben dies alles berücksichtigen täte, wäre es dann nicht handlungsunfähig?

Ein Charakter, er ist was er ist. Es manifestiert sich auf die eine oder andere Weise, je nachdem, welche Umgebung vorhanden ist.

Auf die eine oder andere Weise?

Nun, ein Charakter kann geboren werden als König oder als Bettler. Mit all seinen Gaben. Was er daraus macht, es gibt Auskunft über sein Selbst. Aber welche Aussage ist über das Selbst möglich, wenn es nur in einer einzigen Lebenssituation befragt werden kann? Die auch noch zufällig bestimmt ist.

Kann ein Charakter denn mehr als ein Leben umfassen?

Es kommt darauf an. Reinkarnation ist eine Möglichkeit, aber es ist nicht die Einzige. Was sich dabei reinkarniert, wir wissen es nicht so genau.

Eine Raum-Zeit-Spiegelung eines Bewusstseins? Oder die Reinkarnation einer Seele, eines Geistes?

Es ist ein Zusammenhang. Ein Zusammenhang zwischen Dingen, die vorher verschieden waren.

Die Frage ist, ob sich ein Zusammenhang bildet, über verschiedene Raum-Zeit-Bereiche hinweg. Ob sich die überlappenden Bereiche miteinander vertragen und eine Struktur bilden können, die mehr ist als die Summe der einzelnen Teile. Dies kann über ein einzelnes Bewusstsein geschehen, aber es kann sich auch ein neues Bewusstsein bilden. Ein Bewusstsein, das sich wie ein Quant in den verschiedenen Leben manifestieren kann und doch sein eigenes Selbst hat.

Dann gibt es Leben, die mehr als ein einziges Leben umfassen?

Es kann geschehen.

Denke an die Liebenden der Ewigkeit.

Wenn ich nur wüßte, wo sie geblieben sind? Sie sind nicht mehr hier, im Charakteristikum der Terrania.

Doch nun zurück zum Leben.

Aus den Erfahrungen verschiedener Leben kann sich eine Intelligenz bilden, die ein eigenes Bewusstsein entwickelt.
Und sie kann zurückwirken, auf die endlichen Raum-Zeit Bereiche, sie kann die Ereignisse der Raum-Zeit verändern.

Führt das nicht zu Paradoxien? Es sind Änderungen in der Zeit.

Nicht für eine übergreifende Intelligenz. Es sind Teile ihres Bewußtseins, die sie neu strukturiert.

Aber das Leben, die Zeit, geht dabei nicht etwas verloren?

Innerhalb des Charakteristikums wird es ersetzt, durch etwas Neues. Aber das muss nicht alles sein. Es gibt Berührungen mit Dingen, die nicht in das Charakteristikum gehören.

Denkst du an Arianne? Ihre Berührung mit Terrania im Tempel der geschorenen Haare?

Es sind Legenden, Unschärfen zwischen Fantasie und und einer Wirklichkeit, die es einst möglicherweise gegeben hat.

Aber du hast sie doch gesehen ... und sie hat zu dir gesprochen.

Ja, so wirkt es in mir. Aber es gibt so viele Bewegungen in mir, die etwas Gegenständliches erschaffen, das mir bewußt wird. Und vieles davon ist nur ein Traum.

Mmmh. Dann kannst du selbst nicht zwischen Traum und Wirklichkeit unterscheiden?

Nicht immer, nicht wenn ich mich mit meinem inneren Selbst beschäftige. Es ist entstanden aus Wirklichkeit und Fantasie.

Eine Frage hätte ich noch.

Nur zu.

Was geschieht, wenn zwei übergreifende Intelligenzen neu entstehen, die sich widersprechen?
Nimm als Beispiel einen Engel des Himmels und einen Dämon der Hölle.
Geboren aus verschiedener Leben.Beispiele dafür gibt es genug.
Ich denke gerade an die irdischen Religionen, wie sie miteinander konkurriert haben, um die eine wahre Lehre.

Sie haben sich direkt bekämpft. Und doch gab es am Ende nicht nur die eine Lehre.

Weil sich die Zweifel nicht ausräumen ließen. Zweifel an einem Gott, an einem höheren Wesen, das die Dinge gestaltet.

Aber ... es gibt dich doch. Und Solfire, Gaia  und all die Berührungen mit ... ich weiß nicht womit. Es waren Berührungen der höheren Art.

Wenn wir uns nicht offenbahrt haben, dann haben sie uns nicht gesehen. Sie glaubten. Sie glaubten an etwas, das sie nicht sehen konnten. Das konnte so stark sein, dass sie ihre eigene Wirklichkeit diesem Glauben unterordnet haben. Da viele das gleiche taten, erschuf sich daraus eine scheinbare Objektivität. Die Wirklichkeit dahinter? Dieser Glaube ist entstanden aus den Bedürfnissen der lebendigen Welt, aus ihren Wünschen und Hoffnungen, dem leidvollen Kampf mit den Wirkungsvariablen der Evolution.

Und eure Offenbahrungen?

Es waren nur kleine temporäre Eingriffe in das Geschehen die Welt. Wahrgenommen wurden wir wie ein Traum, ein aus der Fantasie entsprungenes Etwas, das sie bestaunen konnten. Es dauerte nicht mehr als 2 Generationen, dann waren wir nur noch Legende. Die Gestaltungskraft des Lebens, wir wollten sie ihnen nicht nehmen. Alles andere hätte sie dermaßen abhängig gemacht, dass sie daran zugrunde gegangen wären.

Auf die eine oder andere Weise. So haben sie sich durch ihre Kriege getötet und zerfleischt.

Wenn das alles gewesen wäre ... es gab so viele, die im Kleinen gewirkt haben, zufrieden mit dem was sie hatten. Sie haben ihre Kinder großgezogen und das Leben weiter getragen. Ihretwegen hatte das Leben Bestand, über so viele Jahre. Und aus diesen kleinen Wesen wurde ich geboren, ich, Terrania.

Die Entscheidung für alle Konflikte liegt nun bei mir.
Nichts von dem, was jetzt noch im Charakteristikum geschieht, kann mein Selbst verändern, wenn ich es nicht will.
Für mich sind es Bewegungen meines Unbewußten, Träume, der Ausgleich von unbeantworteten Fragen.

Fragen, die wichtig sind und für die keine Antwort gefunden wurde.

Das ist das Wesen des Charakteristikum, es stellt Fragen. Und manch ein Charakter würde lieber in einer Hölle versinken, als sich diesen Fragen stellen.

Diese Wahl gibt es hier nicht. Nichts bleibt verborgen, alles gerät ans Licht. Die Würfel sind gefallen. Und es gibt keine Ruhe, bevor eine Antwort gefunden wurde.

Aber ... nicht für jede Frage gibt es eine Antwort.

Dies ist das Schicksal jeder Art von Intelligenz. Wenn aber die Intelligenz da war und wenn sie verleugnet wurde, für jede Lüge gibt es eine Antwort.
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