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Arianne 273a - Chara 1a

Sally und Amanda lieben sich und ihre Körper und geraten in einen Widerspruch zu den Anforderungen ihrer Zivilisation.

Körperliebe

Sally liebte ihren Körper und ihre langen Haare. Für sie waren Körper und Haare eine Einheit. Die Haare sind ein Teil von mir, antwortete sie, wenn jemand sie fragte, warum sie so lang waren. Die Haare waren sehr lang, sie reichten ihr bis zu den Knien und ... oh, sie drehte sie auf knielänge nach oben, weil sie nicht wollte, dass ihre Haare den Boden säuberten.

Sie fühlte sich eins mit ihrem Körper, fühlte ihn tief in ihrem Geist und sie liebte ihn so sehr. Sie konnte Stunden damit verbringen, in Gefühlen zu denken, das Fleisch spüren und lieben. Es war dann voll drin in ihrem Bewusstsein und sie erlebte Momente, die niemals vergehen sollten. Dann hatte sie keine Wünsche mehr, sie empfand nur noch Glück. Sie verlor ihre Seele in einem Himmel der Gefühle.

Manchmal wickelte sie ihren Körper ein in die Haare. Sie fühlte sich dann so sehr beschützt. Sie konnte nackt unter den Haaren sein und niemand konnte es sehen. Wie das schöne Haar sanft über ihre Haut strich.

Da war so viel Liebe mit ihrem Körper und den Haaren ... sie fühlte sich so glücklich.
Und sie konnte ihre Gefühle mit ihrer geliebten Freundin Amanda teilen.

War sie dann in Himmel 2 oder 7? Sie wusste nicht, welcher der Schönste war.

Zusammen sein, sich umarmen und küssen, die nackte Haut streicheln und damit die Seele der geliebten Freundin erreichen.

Aber es war nicht die Zeit für individuelles Glück.

Die Zivilisation forderte Konformität. Und das bedeutete Pflichtbewusstsein, Strebsamkeit, Tugendhaftigkeit und bedingungslosen Einsatz für das Allgemeinwohl. Wer nicht arbeiten wollte, sollte auch nichts zu essen bekommen. Viele Todesurteile waren bereits gegen Nichtsnutze, echte oder vermeintliche Dissidenten vollstreckt worden.

Jemand machte ein Video von ihrem Zusammensein, als sie sich unbeobachtet fühlten und über die Selbstliebe von Sally. Beide wurden beschuldigt, Lesben zu sein und sie sollten bestraft werden, für ihr uneingeschränktes lustvolles Leben.

Das der Allgemeinheit so wenig brachte. Jeder hatte dafür seinen Tribut zu leisten.

Dann hieß es, sie hätten auch Jungen an diesem amoralischen Leben beteiligt ... Jungs im Alter von 10 - 13 Jahren! Und dieses junge Mädchen im Alter von 11, hatte sie nicht gesagt ...

Das reichte aus für öffentliche Entrüstung. Schließlich mussten Kinder und Jugendliche geschützt werden und die beiden wurden nun verfolgt wegen Kindesmisshandlung.

Eine große öffentliche Aufregung war die Folge. Diese Mädchen mussten gestoppt werden. In Lust leben und immer glücklich sein und die Jugend verderben... nein, sie sollten Schmerz empfinden. Und nicht nur auf der nackten Haut durch Stockschläge. Gab es nicht auch noch einen unbekannter Mord ... und diese Hexen mit ihren roten Haaren ...

Das ist der Punkt. Sie sind Hexen! Und sie müssen endlich gestoppt werden!

Und nicht zuletzt nannten sie den Großen Führer einen hurischen Wichser. Was auch immer
das bedeuten sollte. Aber es klang wie eine sehr starke Beleidigung.

Und der hatte schon Minister enthaupten lassen, wenn sie während einer Rede eingeschlafen waren.

Ja, diese Zivilisation nannte sich fortschrittlich und war doch barbarischer, als die Historikier den Anfängen menschlicher Kultur entlocken konnten.

Beide wurden beschuldigt, eingesperrt und warteten nun auf ihre Hinrichtung. Sie sollten gehängt werden, bis dass der Tod eintrat.

Zum Spaß des Anklägers, des Richters, des Henkers und seiner Stellvertreter?

Angeklagt ohne Grund?

Der Grund lag daran, jemandem Schmerz zuzufügen, der das Leben wirklich liebt. Dies gab einigen anders tickenden Charakteren große Freude.

Und die interne Begründung, unter den Mächtigen?

Volkszersetzung! Ein sehr starker Vorwurf. Schmerz ist wichtig, um der Menge klar zu machen, dass sie folgen muss.

Das Publikum schätze den Todeskampf.

Wie die Indianer den Marterpfahl? Bei Karl May gab es solche Beschreibungen.

Wer ist Karl May?

Eine andere Welt mit anderen Regeln. Dort gibt es so etwas nicht.

Sie sollten all den Schmerz fühlen, den das Leben geben kann, den Schmerz, den sie nicht teilen wollten.

Damit das Publikum jauchzen konnte?

Oh Mann oh Mann, was für eine Art von Evolution hat das nur zustande gebracht?

Der Tag der Hinrichtung

Sally bittet den Henker um ihr und um Amandas Leben.

Sally: "Bitte, bitte lass uns weiterleben. Wir lieben unser Leben doch so sehr, es gibt uns so unendlich viel Glück. Wir lieben, lieben, lieben es ..."

Als ob es jemals etwas gebracht hätte, einen Henker um Gnade zu bitten.

Henker: "Das war genug Vergnügen für Euch. Jetzt wollen wir Euren Schmerz sehen. Das ist die Art von Kultur, die wir haben. Und es ist gerecht für all die armen Leute, die so viel Schmerz hatten und nie wirkliches Glück in ihrem Leben fühlen konnten. Der Richter hat sein Urteil gefällt. Und glaubst du wirklich, ein Henker hat die Möglichkeit, die Regeln zu ändern?"

Kultur?

Amanda: Bitte nicht, bitte bitte ...

Henker: "Keine Gnade, es ist unser Spaß. Und wir sollten damt anfangen, damit es ein Ende findet, bevor die Mittagspause beginnt."

Sally und Amanda ließen ihre Tränen fließen. Sie konnten nichts sehen, die Tränen brannten in ihren Augen.

Ein Deputy packte Sally am Arm und führte sie aus der Zelle.

"Wir werden dich zuerst ran nehmen. Amanda wird dann Zeuge sein, bevor sie Dir folgt."

Sally fühlte sich so hilflos. Warum konnte ihr nicht eine Göttin helfen? Sie wollte leben und es niemals aufgeben, sie liebte es doch so sehr. Warum musste sie das durchmachen?

Sie sagte nichts und ließ sich zum Galgen bringen.

"Bitte lass mich leben ... bitte ... ich liebe es so sehr, so sehr, sehr, es ist das schönste Geschenk, das mir jemals gegeben wurde."

Aber macht es Sinn, einen Henker um sein Leben zu bitten?

"Es ist Zeit zu gehen. Das Leben hat einen Anfang und ein Ende. Das Ende kommt jetzt für Dich."

Der Henker legte ihr das Seil um den Hals und fesselte ihre Hände.

Die Haare, was sollte er mit all diesen Haaren machen? Es war nicht genug Zeit, sie alle abzuschneiden.

Es war auch kein Schneidewerkzeug zu finden.

Er hatte schon viel zu viel Zeit verschwendet, mit dieser ganzen Bettelei. Bitten um Gnade. Und dann auch noch einen Henker darum bitten. Was für ein dummer Gedanke.
Er legte ihr die Haare auf den Rücken und ... der verdrehte Teil fiel runter. Jetzt säuberten die Haare den Boden.

"Irgendwelche letzten Worte?"

Nein, Sally weinte nur.

"Dann geh!"

Sally verlor den Boden unter ihren Füßen.

Und die Haare bedeckten ihren Körper wieder, als ob sie versuchten, sie zu beschützen.
...

Sie hatte schreckliche Schmerzen im Nacken, als hätte ihr jemand den Kopf von den Schultern gerissen. So viel Schmerz, sie hätte nie gedacht, dass sie so viel Schmerz ertragen konnte. Und ihr Bewusstsein, es weigerte sich zu gehen, es kämpfte um ihr Leben. In einem hoffnungslosen Kampf.

Sie fühlte das Seil um ihre Kehle ... und ... sie konnte nicht atmen. Sie spürte Panik und Schmerz. Ihre Füße versuchten Halt zu finden, aber sie fanden ihn nicht.

Der Schmerz drohte ins Unendliche zu wachsen. Aber ... sie war doch nur ein endliches Wesen. Wie viel davon konnte sie ertragen?

Wie kann ein Wesen in einer solchen Situation Fragen aufwerfen oder neugierig sein?

Sie fühlte, dass sie starb. Aber sie lehnte es ab. Ihr Bewusstsein kämpfte und kämpfte, sie wollte leben, sie gab es nicht auf. Nein, nein, nein ...
...

Sie spürte, dass Dunkelheit aufkam. Ihre Augen konnten nicht mehr sehen. Es wurde dunkel. Aber diese Art von Dunkelheit war viel stärker, sie kam von innen.

Sie weinte innerlich. Nein, ich will leben ... Ich liebe es ... Ich möchte leben, leben, leben ...

Offensichtlich hatte sie ihr Schicksal nicht akzeptiert. Aber ... was kann das ändern? Am Ende ...

Das Charakteristikum

Etwas hatte sich verändert.

In ihrem Universum voller Schmerzen erschien ein Kreis, direkt vor ihr. Sie konnte ihn sehen, obwohl ihre Augen nichts mehr weitergaben. Der Kreis hatte Augen, einen Mund, eine Nase und ... er begann zu ihr zu sprechen!

Sie hörte die Tubular Bells.

Und sie verstand die Worte in all dem Schmerz, und obwohl die allmächtigen Glocken in ihren Ohren dröhnten.

"Bitte gib diesen Kampf auf. Du kannst nicht gewinnen. Du wirst sterben und ich trage deine Seele mit mir fort."

<< Nein, nein, nein, nein ... Ich liebe dieses wundervolle Leben ... Ich kann es nicht ... aufgeben ... Ich will es, ich will es, ich will es ... aber alles was Ich finde ist Schmerz ... >>

Sie antwortete in einem nicht trivialen Sinne, und das in einer solchen Situation. Wie kann das möglich sein?

<< Ich, ich, ich, ich fühle so viel Schmerz. Er ist so groß ... Ich möchte ... leben, nur leben ... >>

Dann kam ein zweiter Gedanke in ihrem Bewusstsein auf, und das in einem Fluss voller Schmerzen.

Es ist nicht zu fassen. Sie bildete einen zweiten Gedanken, der sich nicht mit ihrem nahen Tode befasste.

<< Wer bist Du? >>

"Ich bin das Charakteristikum."

Dann fühlte sie eine spirituelle Berührung. Sie war viel tiefer als das schmerzerfüllte Universum, das jetzt ihr Selbst war.

"Bitte versuche den Schmerz noch einen Moment länger zu ertragen, als Du glaubst, dass Du es kannst. Er ist deine Verbindung zu dem Leben, das du so sehr liebst."

Sie fühlte ein Licht, es überstrahlte den Schmerz ...

"Jetzt hast Du genug für dein Leben getan. Ich werde Dir helfen."
...


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