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Arianne 279 - Der Aufbruch


Der Aufbruch

Ein Haus mitten in der Wüste. Zwei Stockwerke und ein Keller. 6 Zimmer, eine Küche und ein Bad. An und für sich nichts ungewöhnliches, doch mitten in einer Wüste?
Tausende von Kilometern von jeder Ansiedlung entfernt? Oder, vielleicht sogar auf einem Wüstenplanet?

Könnte es der Mars sein? Zu einer Zeit ... ja, zu welcher Zeit?
...

Arkatus und Bella, ein Liebespaar. Und sie wollten ihre Liebe nicht teilen, warum auch?
So lebten sie schon seit einigen Jahren allein in diesem kleinen Haus.
Na ja, klein ist relativ. Es gab einige Besonderheiten ... aufblasbare Teile. Wenn sie es wollten, sie konnten das Haus vergrößern.

Es zu einem Wolkenkratzer machen?

Warum nicht. Im Keller gab es einen Materie-Energie-Modifizierer.

Aja, und woher bekommt der seine Energie?

Er ist ein Teil der Sonne.

Die Sonne im Keller?

Nun, die Zivilisation ist sehr weit entwickelt. Diese Zeit hat bereits mehr erlebt als die Geschichte eines Umiversums erzählen kann. Und die Sonne ... sie ist ein leuchtender Diamant mit ganz besonderen Photonen ...

So besonders, dass sie an verschiedenen Orten zugleich sein können?

Es ist die Einheit. Sie erscheint nur geteilt, für Wesen, die in endlichen Begriffen denken müssen.
Sie sehen den Zusammenhang nicht. Und doch ist er vorhanden.

Daher ist die Sonne im Keller und doch auch 150 Millionen Kilometer entfernt.

Da ist noch mehr. Diese Sonne, diese Photonen, sie bilden ein Bewußtsein, das sich selbst erkennt und Einfluß auf die Geschicke der Welt nimmt.
...

"Bella, wie geht es dir?"

"Gut. Danke. Und dir?"

"Auch gut."

Warum sollte es ihnen auch schlecht gehen? Für alles war gesorgt.

Wer sorgt sich denn um sie?
...

A: "Bella, es geht uns gut, aber ... wir wissen gar nicht, wie es anders sein könnte."

B: "Ach, Arkatus. Willst du denn, dass es uns schlecht geht? Wir haben unsere Liebe und dieses Leben, es ist wunderschön. Und ständig können wir etwas Neues entdecken. Die Liebe ... die Welt ... alles ist unbeschränkt."

A: "Ja, Bella, ich liebe dich :-))). Und es ist so schön, dass du diese Liebe erwiderst und wir beide zusammen sein können."

B: "Warum dann diese Zweifel?"

A: Es ist nur, ich denke und ... alles um uns herum. Es ist so wohlgeformt. An nichts fehlt es uns.
Manchmal, manchmal frage ich mich, ob ich morgens nicht einfach aufhören sollte zu denken anstatt den neuen Tag zu beginnen."

B: "Und ich? Bin ich kein Grund für dich, aufzustehen?"

A: "Doch, immer und immer wieder. Es ist auch nichts zwischen uns ..."

B. "Warum zweifelst du dann? Wir kennen uns jetzt gerade mal 2 Jahre. Wird es dir langweilig in unserer Beziehung? Weil du mich nicht mehr erobern musst? Liebe kann doch so tief sein, dass wir sie gar nicht ausschöpfen können. Denk doch einmal an die Legende von den Wanderen der Ewigkeit ..."

A. "Diese Legende. Sie sollen milliarden und abermilliarden Jahre gelebt haben und ihre Liebe, sie soll niemals müde geworden sein."

B: "Siehst du. Was sind da schon 2 Jahre?"

A: "Aber ... sie hatten ständig eine Veränderung um sich herum, eine Herausforerung, die sie bewältigen mußten."

B. "Und wir? Haben wir das denn nicht? Wenn wir den ganzen Tag im Bett liegen und die Nacht und den Tag ... Ist Liebe denn keine Herausforderung mehr für dich?"

A: "Ich weiß doch schon, wie alles sein wird. Und es wiederholt sich und wiederholt und ..."

B: "Aber, du bist doch nicht ich. Ich bin ich und ich habe mich für dich entschieden. Wenn du aber Zweifel hast ... dann ... nein, ich muss darüber nachdenken. Hält denn unsere Liebe nicht einmal zwei Jahre durch?"
...

Damit war schon alles gesagt, oder, vielleicht auch zu viel gesagt. Arkatus schaute aus dem Fenster und dort, am Horizont, sah er zwei einsame Wanderer in der Wüste.
Sie schienen sich auf das kleine Haus zuzubewegen, und ... sie kamen immer näher.

A: "Bella, wir bekommen Besuch."
...

Bella?

Keine Antwort. Sehr ungewöhnlich. Auch telepathisch konnte Arkatus seine Bella nicht spüren. Ob sie sich abblockte? Wegen des Gesprächs? Es waren doch nur ... Gedanken. Gedanken zwischen vielen anderen Gedanken.
...

Klopf klopf.

Ja, es klopfte an der Tür. Diese alte Holztür, Zugang zu einem Haus in der Wüste. Sie mochten es archaisch, ohne darin aufgehen zu wollen.
Beobachten, nachvollziehen, erleben ... aber doch im eigenen Selbst zu Hause bleiben.

Den Schmerz der anderen beobachten, ohne ihn selbst erleben zu müssen? Was hat man davon?

Es ist doch nicht nur der Schmerz, so viel ist geschehen in der Zeit. Das alles erfassen, durchdenken ... Wozu geschehen die Dinge, wenn nicht mindestens einer einmal darüber nachdenken tut?

Vielleicht geschehen manche Dinge auch nur für sich selbst.
...

Arkutus öffnete die Tür.

Ein Pärchen stand dort.

"Hallo, wir beide sind Agentus und Florania, und wir möchten euch gerne besuchen."

Agentus und Florania. Arkatus dachte nach. Irgendetwas ... die Legende! Nein, das konnte doch nicht wahr sein. Legenden waren Träume der Zeit. Oder ihre Alpträume. Doch hier standen zwei menschliche Wesen vor ihm. Er spürte ihre Gegenwart und ihre Gedanken. Gefühle. Da waren nur positive Gefühle.

"Doch, wir sind es. Wir möchten mit Euch reden."

Aber ... Nun gut. "Kommt bitte herein. Ich würde Euch gerne Bella vorstellen, aber sie ist momentan nicht auffindbar. Bella! Komm bitte, du wirst es nicht glauben, es ist mehr als fantastisch..."

Aber Bella schwieg.

Agentus: "Bella ... sie ist nicht mehr hier."

Arkatus: "Aber ... wo kann sie denn sein?"

Agentus: "Sie hat den Planeten verlassen ... und das Sonnensysten. Sie ist ein Teil der großen Reise geworden, die so viele erfaßt hat."
...

Bella ist nicht mehr da? Nie hatte Arkatus sich jemals in eine solche Situation hineingedacht. Sie war doch ein Teil seines Ichs! Und er ein Teil von ihr.
Zum erstenmal in seinem Leben spürte er einen Schmerz, so tief, so intensiv ...

Arkatus: "Aber .. wo kann sie denn sein. Ich ... finde keinen telepathischen Kontakt mehr zu ihr."

Florania: "Wir spüren sie auch nicht mehr. Sie muss eines der Ewigkeitsschiffe benutzt haben ... und sie hat das Charakteristikum verlassen."

Arkatus: "Das Charakteristikum verlassen? Das ist doch gefährlich, dort draußen ... wenn sie sterben sollte ... ich ... ich habe mit einem mal solche Angst um sie."

Agentus: "Die Ewigkeitsschiffe reisen in die Unendlichkeit des Zeitsstromes. Wir können sie nicht mehr spüren, sie ist bereits sehr weit weg."

Arkatus: "Unendlich weit weg?"

Florania: "Vielleicht ... sie ist so weit weg, dass sie unsere Grenzen der Endlichkeit hinter sich gelassen hat."

Arkatus: "Dann ... muss ich hinterher. Ich werde sie suchen ... wo ... finde ich diese Schiffe?"

Agentus: "Das macht so keinen Sinn. Der Zeitstrom ist unendlich groß, eingebettet in einen multidimensionalen Raum. Sie kann überall sein und nirgends. Wir müssen ein höheres Wesen fragen, was wir tun können."

Arkatus: "Ein höheres Wesen? Die Götter? Ich dachte, die schweben in ihrem Olymp und sind für unsereins gar nicht ansprechbar."

Florania: "Früher, ganz früher, nein noch sehr viel früher, da haben die Menschen zu den Göttern gebetet und sich dadurch Hilfe erhofft."

Arkatus: "Und? Wurde sie ihnen gewährt?"

Agentus: "Es gibt verschiedene Zeugnisse hierüber. Die vielen Toten, die Opfer von Mord, Krieg, Schlachten und Metzeleien. Niemand konnte sie mehr fragen. Kein Gott mochte ihnen geholfen haben. Aber es gab auch Situationen, da geschahen Wunder. Wie in einer Zauber- oder Märchenwelt. So gab es auch diejenigen, die die Götter bezeugten. Oft waren es Wenige, die die Vernichtung von Vielen überlebten."

Arkatus: "Das Charakteristikum erlaubt doch die Kommunikation mit dem Gewesenen, mit den Toten. Ich habe es noch nie probiert, aber im Buch der Zeiten gibt es Hinweise darauf."

Florania: "Das Charakteristikum. Ist es nicht bereits selbst eine Gottheit?"

Arkatus: "Das seid ihr beide dann aber auch, Wanderer der Ewigkeit."

Agentus: "Wir sind Menschen. Das was uns beschützt, es hat uns eine besondere Stellung eingeräumt.
Ich denke, wir sind die Augen der Ewigkeit in dem, was die Menschen wirklich sind. Damit können wir aber auch niemals mehr sein als die Geringsten unter den Lebenden."
...

Arkatus: "Und nun, habt ihr euren Geringsten gefunden?"

Agentus: "Das ist keine Wertung. Jeder ist auf seine Weise einzigartig und wichtig. Es sind nur diese übersteigerten Ich-Bewußtseine, von denen wir uns abwenden. Mächtige und Reiche, die glauben, dass ihnen die Welt gehört. Bis der Tag kommt, an dem die Welt sie nicht mehr haben will."

Arkatus: "Reiche und Mächtige? Gibt es die überhaupt noch."

Agentus: "Nicht mehr so, wie in den alten Schriften überliefert wurde. Niemand hat mehr die Möglichkeit, andere in seinem Sinne zu beherrschen, wenn sie es nicht wollen."

Arkatus: "Das Regelsystem der Zivilisation. Jeder der Hilfe benötigt, sie wird ihm gewährt. Und doch ... doch habe ich ein Problem erzeugt, das mir tiefe Schmerzen bereitet. Was soll ich nur tun?"

Florania: "Du bist ein Mensch, und ist es nicht das, was du sein willst? Hat Terrania dich nicht gefragt, ob du zurückkehren willst?"

Arkatus: "Terrania. Der Traum in meinen Träumen, Ursprung und Vergangenheit. Ja, ich wollte zurück, und Bella wollte zurück. Sie war so schön ... diese Zeit ... Warum begreife ich erst jetzt, wie schön sie war, nachdem meine Liebe davongeflogen ist?"

Florania: "Komm, lass uns Terrania besuchen. Vielleicht kann sie dir helfen. Und wenn nicht ... da ist noch ein anderer Gedanke, der Gedanke an Flora."
...

Terrania in ihrem Haus. Sie saß auf den Treppenstufen zur oberen Ebene, die Arme um die Knie verschränkt. Sie sah so zerberechlich aus, beinahe wie ein kleines hilfloses Wesen.
Arkatus konnte es nicht glauben. Das Wesen dort, direkt in seiner Welt, die Gottheit seines Ursprungs im Hiersein. Er stand ihr gegenüber.

<< Arkatus, du musst dich nicht vor mir verstecken. Ich sehe deinen Schmerz. Es ist auch der meinige. So viele sind davongeflogen, hinaus in die Ungewissheit des unendlichen Zeitstromes. Dort, wo noch nichts entschieden ist. Sie wollten frei sein. Aber ... habe ich sie denn darin unterdrückt? Ich bin das Ergebnis einer jahrmilliarden dauernden Entwicklung. Und was dort geschieht, es bringt die Dinge zurück auf ihren Ursprung. Es ist ein Neubeginn. Nur, wenn all meine geistige Substanz entschwindet, ich sterbe mit jedem einzelnen Menschen, der mich verlassen hat. >>

Plooop.

Ein Wesen materialisierte.

"Darf ich mich vorstellen?"

"Ja, bitte."

"Ich bin Flora."
...

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