Arianne 28 - Wesenheit und Alexa

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Wesenheit und Alexa

Es geschah in einem abgeschlossenen Universum, ein grenzenloses Universum, aber doch in sich geschlossen.

Dort gab es ein dominierendes Wesen, dessen Gesetze die Entwicklung dieses Universums bestimmten. Es bezeichnete sich selbst als Wesenheit.

Wesenheit forderte die Einhaltung strenger Gesetze. Die Gesetze forderten Ethik und Moral, Anerkennung und Ehrfurcht vor dem Höheren, dem Spirituellen.

Aber wie das so ist, mit den einfachen, sterblichen Wesen, die aus Lebensenergie und Naturgesetzen hervorgegangen sind, sie hatten ihren eigenen Willen. Wesenheit lies ihnen diesen Willen, denn es wollte eine Entscheidung, eine Entscheidung, die das sterbliche Wesen selbst treffen konnte. Entscheidungen im Sinne der Gesetze, oder gegen sie.

So entwickelten sich Zivilisationen und sie vergingen auch wieder. Sterne, Galaxien, Haufen von Galaxien. Sie entstanden und verglühten.

Alles löste sich wieder auf, denn es gab hier keine physikalische Substanz, die unendlich lange existieren konnte. Aus der vorhandenen Energie konnte sich nur eine Maximalzahl von Elementarteilchen bilden, die ihrerseits die Grundlage für komplexere Strukturen darstellten.

Die Zeit. Sie krümmte sich mit dem Universum  in sich selbst. Am Ende einer  Entwicklungspase stand ein Neubeginn.

Nach endlich vielen Zyklen wiederholte sich alles.

Auch die schwarzen Löcher, die sich in den Zyklen bildeten, lösten sich nach endlicher Zeit wieder auf.

Die Lebensenergie der Verstorbenen verwehte nicht einfach. Sie war gefangen,  in diesem abgeschlossenen Universum. Wesenheit erfasste das gesamte Universum und sorgte dafür, dass auch die Verstorbenen eine eigene Existenz hatten. Aber diese Existenz war an die Gebote der Wesenheit gebunden. So gab es dann eine Hölle für die Gefallenen und ein Paradies für die Folgsamen.

Wesenheit  beschloss eine Schlusstrich zu setzten. Über Jahrmilliarden hinweg hatte sich Leben entwickelt, nun war es an der Zeit, Bilanz zu ziehen. Einfach auch deswegen, da für ihn ohnehin nichts Neues mehr geschehen konnte. Wesenheit erlebte nur noch Wiederholungen.

Wesenheit vermisste die Unendlichkeit. Nur die Unendlichkeit ermöglichte eine ständige Erneuerung, die sich nicht wiederholt. Aber Unendlichkeit, das war nur ein Gedanke, eine Illusion, in diesem Universum. Aus endlich vielen Elementarteilchen lassen sich eben nur endlich viele verschiedene Strukturen bilden. Und die Lebensformen die daraus entstanden, sie wiederholten sich schon sehr oft.

Was sollte nun werden? Himmel und Hölle als ewige Heimstatt für die Verdammten und die Gesegneten? Sollten sich die Dinge dort unendlich oft wiederholen?

Wesenheit saß zu Gericht.

Eine junge Frau trat vor.

Wesenheit erwartete eine Lebensgeschichte zu hören, aber der von ihm eingesetzte Verwalter schwieg.

Das war sehr ungewöhnlich, eigentlich unmöglich und noch nie vorgekommen.
Wesenheit konnte sie nicht erfassen. Das war noch mehr als ungewöhnlich und galt nicht für die lebenden und verstorbenen Wesen dieses Universums.

Wesenheit wandte sich direkt an die junge Frau. Das geschah auch nicht sehr oft. Der Verwalter regelte die Angelegenheiten.

W: "Bitte, sage mir wie du heißt"

F: "Alexa"

W: "Du bist nicht von hier?"

A: "Nein"

W: "Bitte erzähle über dich"

A: "Ich komme von außerhalb dieses Universums. Mein Wirken besteht darin, Unendlichkeiten zu schaffen, die Endlichkeit zu überwinden."

W: "Unendlichkeiten? Gibt es außerhalb dieses Universums eine Unendlichkeit?"

A: "Ja, die gibt es. Innerhalb der Unendlichkeiten gibt es ein Wesen, das Grenzen setzt und damit die Entwicklung der Existenz ermöglicht. Arianne."

W: "Dann stehst du hinter Arianne?"

A: "So einfach sind die Dinge nicht. Ich existiere, bin also auch ein Teil der Existenz. Arianne umfasst aber alles, was existiert, ich bin damit auch ein Teil von Arianne. Sie ist aber auch ein Teil der Unendlichkeiten, hinter denen ich stehe und damit ein Teil von mir.

Arianne geht aber noch darüber hinaus.

Wenn sie uns hier gegenübertreten würde, vereinfacht ausgedrückt, sie umfasst mich. Wenn sie meine Existenz aufheben wollte, es genügt ein einziger Gedanke. Umgekehrt, wenn ich nicht existieren sollte, sie kann die Unendlichkeiten auch aus sich selbst heraus schaffen, die sie dann wieder beschränkt. Nur, wenn sie auf mich verzichten würde, verzichtet sie auch auf einen Teil von sich selbst. Umgekehrt, auf Arianne verzichten zu müssen, es würde grenzenlose Einsamkeit bedeuten. Für ein höheres Wesen wie mich wäre das nicht zu ertragen. Vielleicht würden die kleineren endlichen Wesen das überleben können, ich weiß es aber nicht.

Arianne ist sehr wichtig für die Existenz, ich glaube aber auch, dass sie mich mag :-). Ich mag sie sehr :-))".

W: "Diese Vorstellungen sind neu für mich. Was stelle ich darin dar?"

A: "Du bist ein lebendes Wesen, das aus den Grundlagen der Existenz hervorgegangen ist. Dies sind die Naturgesetze und das Lebens, getragen von den Janines. Dieses abgeschlossene Universum beschränkt deine Entwicklung, hier kannst du keine Unendlichkeit erlangen. Wisse, ich bin ein unendliches Wesen, ich kann dir helfen, darüber hinauszugehen."

W: "Wie willst du das erreichen?"

A: "Das Problem dieses Universums ist folgendes. Es ist undurchlässig in beide Richtungen. Es kommt nichts herein und es geht nichts hinaus. Damit ist es in seiner Endlichkeit gefangen und wird irgendwann einmal statisch, einfrieren. Die Lebensenergie dort drin ist gefangen. Wenn das Universum eine Janine hervorbringen würde, dann würde Arianne diese Grenze durchlässig machen, denn sie mag keine gefangenen Janines. Janines sind unendliche Wesen."

W: "Wie bist du dann hineingekommen?"

A: *grins* "Ich bin ein höheres kosmisches Wesen. Diese Grenze existiert für mich gar nicht."

W: "Kannst du die Grenze für uns nicht selbst durchlässig machen?"

A: "Eine gute Frage. Ich bin nicht allmächtig, dafür musst du dich direkt an Arianne wenden. Es ist aber auch so, dass nur Arianne aus ihrem Willen heraus Grenzen entstehen lassen sollte und sie auch wieder aufhebt. Denn bedenke, diese Dinge sind mit den Naturgesetzen verknüpft. Und Arianne mag es nicht so sehr, wenn eine höhere kosmische Macht dort hineinwirkt. Manche habe schon ihren Zorn zu spüren bekommen."

W: "Dann willst du die Entscheidungen von Arianne willendlich beeinflussen, berechenbar machen? Aus deinem eigenen Willen heraus?"

A: "Ja und doch auch wieder nicht. Janines sind etwas ganz besonderes. Arianne liebt sie so sehr, dass sie alles für sie tut"

W: "Eine Janine? Was ist eine  Janine und wie soll sie geboren werden?"

A: "Sieh hier, dein Gericht, du hast einen Überblick über alle Wesenheiten deines Universums. Suche dir eine Gerechte, die es einfach geben muss. Nicht unbedingt im Sinne deiner Gebote, aber im Sinne einer Kosmologie, die das Leben in alle Teile der Unendlichkeit hineintragen will. Es muss ein Wesen sein ohne Falschheit, Neid, Hass, Selbstsucht, erfüllt von der Liebe für das Leben. Frage sie, ob sie eine Janine werden will. Wenn sie es will, Jasmin wird sich um sie kümmern. Sie macht dann eine Reise durch die Zeit. Eine Janine muss sehr viel lernen, sie entsteht nicht spontan. Aber was bedeuten schon einige hundertausend Jahre, wenn sie in ein Zeitwesen eingebettet sind".

W: "Jasmin, Zeitwesen? Ich werde sie wohl noch kennenlernen, fangen wir erst einmal an zu suchen. Verwalter, du hast alles mitbekommen?"

...

<< Wir haben ein Wesen gefunden, sie ist zwar eine Hexe, aber mit dem Teufel ist sie nicht im Bunde. Man nannte sie die "Graue Wölfin".  Ein Zeitwesen hat sie bereits in ihre Obhut genommen, ein sehr einsames Zeitwesen, gefangen in dieser Welt. Es sehnt sich so sehr nach einer Janine  >>

W: "Ein Zeitwesen in meinem Universum, ich weiß gar nichts davon"

A: "Zeitwesen sind in der Regel Teile einer Janine. Dieses hier ist gefangen in deinem Universum und allein. Das ist auch einer der Gründe, warum ich hier bin. Ich möchte es befreien und auch retten, auf die Dauer hätte es die Isolation nicht überlebt."

W: "Und was wäre in diesem Fall passiert"

A: "Eine tote Zeit. Dann kann nur noch alles statisch sein."

Verwalter: "Die graue Wölfin. Sie will eine Janine werden"

A: "Ich freue mich ja so :-))))). Glaube mir, hier geschehen jetzt bedeutende kosmische Ereignisse. Die Isolation deines Universums, sie wird beendet werden."

Nachspiel

Arianne: "Alexa, was tust du? Eine Janine entsteht aus sich selbst heraus, sie wird nicht ausgesucht."

Alexa: "Hättest du das Zeitwesen sterben lassen? Und wenn sich eine Janine finden lässt, ist das nicht genug?"

Arianne: "Das einsame Zeitwesen. Ja, ich hätte mich um sie kümmern sollen. Die Graue Wölfin. Sie hat wirklich das Potential für eine Janine. Nur, nicht jedes Potential wird durch mich realisiert. Die Naturgesetze müssen es manchmal selbst schaffen. Die eigenständige Entwicklung könnte sich sonst auflösen, verlorengehen, wenn wir sie zu stark dominieren. Ganz besonders dann, wenn Paradoxien dabei entstehen. Dann müssen wir alles mit unserem Willen gestalten."

Alexa: "Lass mir doch bitte ein wenig Spielraum. Was bedeutet es sonst, deine Vertraute zu sein? Wenn du alles alleine gestalten willst, oder alles nur von den Naturgesetzen abhängen soll, warum existiere ich dann überhaupt? Siehe, ich mache mir meine Gedanken, über mögliche Konsequenzen und ich stehe in der Verantwortung dazu. Wenn du mir keinen eigenen Spielraum einräumst, dann will ich auch gar nicht mehr existieren."

Arianne: "Ja, ich weiß. Ich möchte dich nicht missen, du bist ein Teil meines Gewissens, das auch ich brauche. Und du bist unabhängig von mir, weil ich es so will. Die Unendlichkeiten, in denen ich mich bewege, sie stammen von dir. Damit stehst auch du hinter der Existenz, die ich geschaffen habe. Ich habe deine Janine liebgewonnen, sie ist jetzt ein Teil meiner Ewigkeit und sie wird sich mit dem Zeitwesen vereinigen. Ich danke dir dafür, ich hätte es vielleicht nicht geschehen lassen. Aber ich bin jetzt glücklich, dass es geschehen ist".

Arianne ging auf Alexa zu, umarmte sie. "Weiß du Alexa, kein höheres Wesen ist mir so nahe wie du. Ich liebe dich."

Alexa war sichtlich gerührt. Sie musste weinen. "Ich dich auch, liebe Arianne."

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