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Arianne 280 - Bella 01


Das Ewigkeitsschiff

"Flora, wir grüßen dich."

F: "Danke :-). Terrania, du bist ein wenig deprimiert. Ich verstehe dich. Aber du mußt es nicht sein. Dein Ich, es ist stabil. Es ist nicht abhängig von all den Wesen, die du in dir vereinigt hast."

T. "Aber ... es sind so viele gegangen."

F: "Lass sie ihre eigenen Erfahrungen machen. Diese Form von Freiheit, sie ist neu für sie. Und sie wollen sie erfahren. Es sind so viele geblieben. Du hast keinen Mangel an Bewußtseinen, um den du dich sorgen müßtest. In dir drin, es sind Billiarden. Und die Erde, dort leben wieder mehr als 20 Milliarden Individuen. Und 180 Milliarden leben in der Sonne."

T: "Aber ... wer beschützt die verlorenen Seelen? Wenn sie das Charakteristikum verlassen .. sie können verloren gehen. Und das ist dann auch ein Teil von mir."

F: "Du bist mit ihnen verbunden. Keine Angst. Ich kümmere mich um sie. Niemand von ihnen ist allein. Und dann sind da noch Agentus und Florania. Sie wollen mit ihnen reden. Mit jedem einzelnen von ihnen."

T: "Mit 320 Milliarden Individuen?"

F. "Agentus und Florania sind die Augen der Ewigkeit. Nicht einmal ich kann erfassen, was sich dahinter verbirgt. Und das, obwohl ich die Unendlichkeit des Kontinuums in mir trage. Glaube mir, sie werden es tun, und sie haben genug Zeit dafür."

T: "Bin ich hier das einzige endliche Wesen?"

Arkatus: "Nein, Terrania, mich gibt es auch noch. Und ich bleibe bei dir :-)"

T: "Danke Arkatus :-))".

Arkatus: "Flora, darf ich dich um Hilfe bitten? In einer ... persönlichen Sache?"

F: "Du meinst Bella? Ich sehe sie. Und glaube mir, sie leidet wie du."

Arkatus: "Bella leidet?"

F: "Der Trennungsschmerz. Es ging alles viel zu schnell. Bella erforscht gerade ein Universum außerhalb des Charakteristikums.

Sie hatte bereits einige Begegnungen der dritten Art.

Aber keine Angst, das Ewigkeitsschiff ist ein bisschen mehr. Ich habe selbst mit daran gebaut.
Lass ihr ein wenig Zeit. Sie muss nachdenken. Und hab keine Angst, ich beschütze sie. Ich bin mit den Ewigkeitsschiffen verbunden, sie bilden in ihrer Gesamtheit einen zusammenhängenden quantenmechanischen Zustand. Ich bin der denkende Teil davon."

T: "Dann lenkst und leitest du die Ewigkeitsschiffe?"

F: "Ich könnte es. Aber nein, ich lasse ihnen die Freiheit von ihren Insassen gelenkt zu werden.
Nur wenn sie in ernsthafte Gefahr geraten, rufe ich sie zurück. Aber das ist sehr unwahrscheinlich. Dazu müßten sie in singuläre Raum-Zeit-Bereiche eindringen, auf unendliche Wesen oder auf Hyperzivilisationen treffen. Die sind aber dünn gesät.

Für endliche Wesen ist die Wahrscheinlichkeit eines Zusammentreffens nahezu null.

T: "Endliche Wesen ... die Menschen in den Ewigkeitsschiffen ... bist du dir da so sicher?"

F. "Nein."
...

Bella

Bella unterwegs. Sie wußte gar nicht, wie weit sie geflogen war. Aber irgendwie spielte das auch keine Rolle mehr. Sie wußte nur, dass sie in endlicher Zeit mit endlicher Geschwindigkeit nicht mehr zurückkehren konnte.

Das Schiff hatte es ihr erzählt.

Ja, dieses Schiff hatte ein eigenes Bewußtsein. Aber es war ihr zu Diensten. Ein Geschenk, das sie dankbar entgegengenommen hatte.
Nun spürte sie zum erstenmal so etwas wie Einsamkeit. Sie vermisste die zärtlichen Einflüsterungen ihres ... Ja, es tat weh, so ganz allein zu sein.

<< Willst du zurück? >>

Nein, bitte, jetzt noch nicht. Es ist ... es ist wunderschön, dass ich zurück kann. Ich fühle mich nur ein wenig verloren in dieser endlosen Weite. Und wenn ich bereits unendlich weit entfernt bin
... wie weit kann ich mich dann noch entfernen?

<< Unbeschränkt. Die Stufen der Unendlichkeit haben keine Grenze. >>

Mmmmh.

<< Vor uns, einige Trilliarden Lichtjahre entfernt, hat sich ein Splitter der Existenz etabliert, der ähnlich geraten ist, wie das, was du bereits kennst. >>

Was ich bereits kenne ... was bedeutet das?

<< Es gibt dort Universen. Universen, die du begreifen kannst. Willst du sie kennenlernen? >>

Universen? Ich kenne doch nicht einmal mein eigenes. Ach ... ja, es ist bereits vergangen. Ich gehöre zu den Spätgeborenen :-(((. Die Geborenen nach der Zeit. Es ist so traurig, dass alles vorbei ist. Die Dinge sind bereits geschehen.

<< Glaube mir, dadurch versäumst du nichts. Dein Leben, es ist eingebettet in den Fluß der Zeit. Du bist eine Quelle der Existenz, die Neues schaffen kann. >>

Ich bin eine Quelle der Existenz?
Nur ... was soll ich neues schaffen können? Alles was ich habe wurde mir geschenkt.
Mein Körper, dieses Raumschiff, in dem ich leben kann und das mir alles gibt, was ich dafür brauche ... sage mir, was kommt von mir?

<< Deine Gedanken, sie wurden nicht bereits vorgedacht. Sie sind etwas Neues in der Existenz. >>
...

Bella: Ein fremdes Universum. Nicht fremd genug, um es nicht verstehen zu können?

So viele Verneinungen in einem Satz.

Denke positiv!

Bella: Merkwürdig, diese Eingebungen. Warst du das, Schiffchen?

Eine gedachte Frage von Bella. Doch das Schiff meldete sich nicht.

Bella: Das Charakteristikum mit seinen Fragen und Antworten konnte es doch auch nicht sein. Dafür war sie schon viel zu weit weg.
Gab es vielleicht noch höhere Organisationsformen?
Flora ... ja Flora war eine höhere Form.
Aber mit Flora sollte sie doch reden können.

Bella: Flora, warst du das?

Noch eine gedachte Frage von Bella. Und wieder keine Antwort.

Mmmmh.

Das Universum.

Schiffchen, bitte zeige mir das Universum.

Bilder entstanden, im Raum, um sie herum, direkt in ihrem Kopf, in ihren Gedanken ...
Sterne gab es dort. Viele Sterne. Und die Sterne hatten sich organisiert. Es gab Galaxien, Haufen von Galaxien, Superhaufen ...

Bella suchte nach Bewegungen, Bewegungen zwischen den Sternen. Nach Planeten, Planeten, die vielleicht ähnlich waren wie die Erde ...

Frage: Hier in unendlicher Entfernung?

Bella: Warum nicht. Naturgesetze müssen nicht endlich sein. Wenn sie das Sein bestimmen und der Zeitstrom sie trägt ...

Bella: Schiffchen, woraus bestehen die Sterne?

Schiff: Wasserstoff, Helium ...

Bella: Aha, die gleichen Elemente, die ich schon kenne.

Antwort: Das ist nicht gesagt. Das Ewigkeitsschiff stellt die Dinge so dar, dass sie verständlich werden.

Bella: Und wenn schon. Zumindest gibt es eine Isomorphie zwischen den Dingen, so wie ich sie sehe, und den Dingen, so wie sie sind.
Mathematisch betrachtet sind die Dinge dann äquivalent.

Frage: Dann ist also egal, ob du eine Kugel mit 2 Löchern oder einen Torus betrachtest?

Bella: Ja. Ich sehe den Torus, auch wenn es eine Kugel mit 2 Löchern ist. Meine Form der Wahrnehmung definert meine subjektive Wirklichkeit.

Frage: Und physikalisch?

Bella: Operationen zwischen den Dingen, sie müssen in angemessener Weise abgebildet werden.
Ein Beispiel sind Gruppen und Körper, ihre Struktureigenschaften hängen nicht von den konkreten Dingen ab.

Frage: Das sollen physikalische Größen sein?

Bella: Frage, denke dir die Operationen als Austausch von Masse und Energie durch virtuelle Teilchen.

Kommentar. Ich sehe schon, Du findest dich zurecht.

Bella: Wenn ich nur wüßte, wer oder was dieses Ich ist. Egal, ich nehme an, was mir vermittelt wird und ich arbeite damit.

Kommentar: Vertrauen ist gut ...

Bella: Was soll das? Wie soll ich ein Ewigkeitsschiff kontrollieren können?? Oder eine Flora???
...

Bella: Schiffchen, die Elemente, woraus sind sie zusammengesetzt?

Schiff: Protonen, Neutronen ...

Bella: Und Quarks, Leptonen ... gibt es die hier auch?
Okay. Also die gleichen Elementarteilchen in altbekannter Zusammensetzung.
Eine Wiederholung der bereits bekannten Strukturen?

Schiff: Nicht ganz. Es gibt größere Mengen seltsamer Materie und Galaxien aus Antimaterie.

Bella: Oh! Und wenn Antimaterie auf Normalmaterie trifft?

Schiff: Transformation in neutrale Energieteilchen.

Bella: Wie harmlos das klingt.
Galaxis und Antigalaxis, das ergibt Explosionsblasen mit tausenden Lichtjahren im Durchmesser.
Die dabei entstehenden Wellen können ganze Galaxienhaufen auseinanderreißen.
Dann kann dieses Universum nicht sehr friedlich sein.

Kommentar: In den Anfängen war es das eigene Universum auch nicht.

Bella: Und lebende Materie?
Sauerstoff, Kohlenstoff? Wasser??

Ja, es gab sie, diese Materie. Große dunkle Wolken, die alle Bestandteile des Lebens in sich tragen. Dann ist es doch nur eine Frage des Zufalls ...

Bella: Bei so viel Größe, irgendwo muß sich doch Leben etabliert haben!
Leben, zwischen Materie und Antimaterie, umgeben von seltsamer Materie.
Ob dieses Leben so etwas wie Frieden überhaupt kennt?

Schiff: Du hast noch etwas vergessen.

Bella: Ja?

Schiff: Die seltsame Materie. Wenn sie auf Normalmaterie trifft, wird die Normalmaterie seltsam.

Bella: Dann steht am Ende der Evolutionskette ein seltsames Universum?
Die Frage nach Leben darin erübrigt sich dann wohl.
Oder gibt es seltsames Leben?

...

Kleine Lichtblitze zwischen den Sternen. Bella ahnte etwas. Und diese Ahnung war gar nicht so positiv.

Bella: Ich vermute, dort wird gekämpft. Es könnte eine Raumschlacht sein.

Schiff: Es gibt zwei feindliche Gruppierungen. Jede besteht aus etwa 20000 diskreten Einheiten.

Bella: Diskrete Einheiten? Was gibt es denn da sonst noch?

Schiff: "Unschärfen in der Wahrnehmung. Quanteneffekte. Wenn die Unschärfen zu groß werden, verschwinden ganze Raumschiffsverbände einfach. Sie sind dann nicht mehr wahrnehmbar."

Bella: "Und wo sind sie hin?"

Schiff: "In ein paralleles Universum. Das ist aber nicht voll etabliert. Die Unschärfen in Raum und Zeit sind dort so extrem, dass die verschwundenen Schiffe nicht existieren können."

Bella: "Ist das alles, was du mir mitteilen kannst?"

Schiff: "Materie kann in diesem Universum nicht existieren, Energie auch nicht. Es gibt nur wahrscheinliche Potentiale für Existenz."

Bella: "Und die lebenden Wesen in den Raumschiffen? Wenn es sie dort gegeben hat?"

Schiff: "Es gab sie. Sie stürzen in die Tiefe des Todes. Es gibt kein Charakteristikum dort, das sie auffangen könnte. Und da die Materie der Schiffe dort nicht existieren kann ... sie folgt ihnen. "

Bella: "Was für ein Bereich ist das, dieser Bereich des Todes? Ich habe Angst ..."

Schiff: "Du mußt keine Angst haben. Ich bin so stark, dass mich diese Tiefe nicht einsaugen kann.
Ich beschütze dich. Dafür bin ich geschaffen worden. Und wenn du in Panik gerätst, ich kann jederzeit zurück. Ich bin mit Flora korreliert. Quantenkoinzidenz."
...

Bella: "Schiff, stellen diese Kämpfe eine Gefahr für dich dar?"

Schiff: "Nein. Es gibt nur endliche Wirkungspotentiale."

Bella: "Nur endliche Wirkungspotentiale? Was in aller Welt bis du denn?"

Schiff: "Ich wurde von Flora gebaut."

Bella: "Das erkärt vieles. Diese Quanteneffekte, können sie dir gefährlich werden?"

Schiff: "Nein. Ich könnte sogar in das parallele Universum wechseln. Nur den Toten, denen kann ich nicht folgen. Diese Tiefe übersteigt meine Möglichkeiten. Damit kann ich sie nicht zurückholen."

Bella: "Nun gut, du bist ja auch kein Todesschiff. Ich möchte auch lieber unter den Lebenden bleiben.,, und weitere Tote verhindern. Schiffchen, bitte spring zwischen die feindlichen Parteien und mache dich ihnen sichtbar, wenn du kannst. Und ... verschwinde wieder, wenn es gefährlich werden sollte."
...

Ploppp.

Bella im Zentrum einer Raumschlacht. In einem weißen Schiff, das aus sich heraus leuchtete.
Ein transparentes Raumschiff. Das Innere war optisch sichtbar.

Wer Augen hatte, der konnte Bella sehen, inmitten des Schiffes.

Und er sah noch viel mehr.

Eine Landschaft mit Bäumen, kleinen Flüssen, Tieren. Ein Garten Eden, wie er schöner gar nicht sein konnte.

Die Dimensionen des Schiffes: 2000m in der Länge, bis zu 500m in der Breite.
Es konnte einfach nicht übersehen werden.

Ohne sichtbare Verteidigungsanlagen. Im Innern gab es nicht eine einzige Kanone. Alles wirkte so friedlich, paradiesisch friedlich, in einer Umgebung in der sich intelligente Wesen gegenseitig zerfetzten.

Zehntausende von Tastimpulsen jagten durch das Schiff. Es wurde bis in seine Atome hinein gescannt. In allen Wellenlängen des elektromagnetischen Spektrums.

Bella: In allen?

Kommentar: Nun ja, so weit die Technik fortgeschritten ist ...

Ein Kommentar.

Bella: Schiffchen, warst du das?

Schiff: Nein. Was meinst du?

Bella: Hast du das nicht gehört?

Schiff: Ich spüre in deinen Erinnerungen eine Botschaft. Sie hat nur dich erreicht.

Bella: Aha, also schon wieder eine Begegnung der dritten Art. Lassen wir es dabei bewenden.
Konzentrieren wir uns auf die Umgebung. Schließlich ist das keine friedliche Wiese, in der ich einfach mal entspannen könnte.

Ob beide Parteien sie nun angreifen würden?

Aber, was war das?

Der Beschuß wurde eingestellt. Alle Kampfhandlungen beendet. Nur die Wracks brannten noch.
...

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