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Arianne 285 - Der Zufall 03

Timefrost, das Wesen der Zeit, offenbahrt sich den Kaninchen, als die Welt von der Vernichtung bedroht ist.


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Das Wesen der Zeit

Die Zivilisation der Kaninchen setzte sich durch, allen Unkenrufen zum Trotz.

Unkenrufe?

Nur so ein Satz.

?

Ob der Zufall dabei geholfen hat, wir wissen es nicht.
Es war eine friedliche Welt, geboren aus einer defensiven Lebenseinstellung. Und es war eine verborgene Welt. Verbunden durch Rohre, Schächte, Tunnel. Ja, sie hatten gelernt zu graben. Und sie entwickelten sich zu den wahren Baumeistern.

Es gab Höhlenstädte, die bis in eine Tiefe von 120 km reichten. Mit eingeschlossenen Magmakammern für die Energieversorgung. Aber es war ohnehin recht warm dort unten. Frieren mußten sie nicht. Und die Oberflächenwesen schafften es nicht, sich bis in diese Tiefe hinunterzugraben.

Warum auch. Es gab genug zu fressen und die Anstrengung des Grabens, für so ein paar kleine Häppchen?

Sie lebten auf der Oberfläche, ihren eigenen Traum vom Hiersein. In einer Welt des Fressens und Gefressen werden.

So verging die Zeit.


Unsere beiden Hoppelchen lebten zwischen den Höhlenkaninchen, unerkannt, bescheiden und glücklich. Wenn es an der Zeit war, wanderten sie weiter. Es gab ja so viel Raum und Zeit, die es zu erforschen galt.  Und das alles mehr als 150000 Jahre lang.

Die Höhlen, ob sie bis zum Mittelpunkt der Erde reichten?

Nein, dort unten war doch überfall Feuer, flüssiges Gestein und Eisen. Kein Ort, an dem ein Leben möglich wäre.

Aber hatte der Zufall nicht einst ... ?

Wenn sie weiter wanderten, verloren sie ihre Freunde und die Liebsten, die sie in einer kleinen endlichen Zeit gewonnen hatten, und es tat so weh. Aber da mußten sie durch, sie wollten leben, immer neugierig auf die Zukunft, bereit zu lernen. Das Schicksal sollte nicht über sie triumphieren, nein, sie wollten es ihm zeigen!

Ob der Schmerz eines Tages unerträglich werden würde?

Sie wußten es nicht, aber wenn sie den Prognosen des Zufalls glauben sollten ...

Es gab immer wieder neues Glück und neuen Schmerz. Wieviel davon konnte ein armes kleines endliches Wesen ertragen?
Sie waren ja nicht allein. Die Liebe zwischen ihnen ... sie berührte die Ewigkeit.

Doch dann, eines Tages, verdüsterte sich die Welt.
Es wurde schwarz auf der Oberfläche. Dichte Wolken aus Rauch und Staub verbargen das Licht.

Was war geschehen?
...

Ein Riesenmeteorit hatte eingeschlagen und die Supervulkane der Welt brachen auf ...
...

Der Weltuntergang. Die Oberfläche verbrannte und die Höhlenstädte wurden durch schwere Erdbeben erschüttert.

All jene die nur ans Fressen denken konnten ...
Und wenn sie satt waren an die Fortpflanzung...
Damit das Fressen nie aufhören würde?
Es gab sie nicht mehr.

War dies nun der himmlische Frieden? Oder der Frieden der Hölle?

Nein, friedlich war das überhaupt nicht.
Feuerstürme jagten über die Oberfläche, begleitet von Flüssen aus glühendem Magma. Und es regnete Feuer vom Himmel. Die Temperaturen stiegen bis auf 900 Grad. Dort war kein Leben mehr möglich.

Ob es den ganzen Planeten zerreißen würde? Dann wären auch die Kaninchen nur eine Fußnote in der Zeit, an die sich bald niemand mehr erinnern würde.
...

<< Zufall, wo bist du? Geistwesen, lass dich doch bitte ... sehen ... oder fühlen ... wir brauchen euch jetzt so sehr ... >>

Gedanken an höhere Wesenheiten. Weil die Verzweiflung so tief war ... ? Nein. Sie beteten auch, wenn es ihnen gut ging. Aber nun ... sie wollten dies nicht alles verlieren.

<< Nein! Wir möchten nicht die Einzigen sein, die übrigbleiben. Wir ertragen es nicht. Dann lasst uns lieber mitschwimmen, in die Meere des Todes. Wir werden zerbrechen. Wir können es  nicht allein durchstehen ... >>

Es wurde still um die beiden Hoppelchen. Der Atem ging langsamer, das Herz ... es ...
...

Standing still!

Der Tod wurde sichtbar, in seiner skurillen Gestalt.
Wandelndes Skelett eines Kaninchens.

<< Ihr habt mich gerufen? Nun, hier bin ich. Kommt mit mir. >>

Kann es denn niemals enden, nicht einmal mit dem Tod?
Aber der Tod war nicht der Einzige hier, der etwas sagen wollte ...
...

Die Zeit fror ein. Etwas regte sich in der Stille ... und ... eine Gestalt wurde sichtbar.

<< Ich möchte mich gerne vorstellen. Ich bin Timefrost, das Zeitwesen dieses Zeitstromes. >>

Träumten sie nun im Angesicht des Todes oder war es real?
Der Wille zu sterben, nein, das bedarf keines Willens. Wenn kein Wille mehr ist ... dann kommt es doch von selbst.

Poch... Stille ... Poch poch poch... Hoppelchen-M spürte seinen Herzschlag wieder. Und Hoppelchen-F? Die Angst um sie wirkte belebend. Plötzlich war er wieder da. Und warum sollte es  seiner Liebsten anders gehen. Sie schauten sich an ...

Dann wandten sie sich dem Wesen zu, das wie selbstverständlich vor ihnen stand.
Ein Kaninchen, in einer unvorstellbaren schönen Gestalt.

Unvorstellbar?

Ja. So etwas kann man gar nicht denken!
...

Hoppelchen-F: "Bist du der Zufall. In seiner ureigenen Gestalt?"

<< Nein, der bin ich nicht. Der Zufall hat keine Gestalt. Aber er ist nicht die Einzige hier. >>

Hoppelchen-M: "Sie? Ist der Zufall weiblich? Aber ... Timefrost ... ein Zeitwesen ... Ist die Zeit denn lebendig? Will sie sich verändern, jetzt und gerade hier?"

<< Die Zeit hat sich schon verändert. Ihr seid es, die es bewirkt haben. >>

"Wir denken, die Zeit ist ein lebendiges Wesen. Nun steht sie vor uns ... ist das nicht ein bisschen viel für uns kleine endliche Wesen? Wir begreifen vielleicht noch das Feuer und die Vernichtung und wir wollen es nicht ... aber dies hier? Wo ist denn der Tod geblieben?"

<< Der hat sich davongemacht. Meine Vitalenergie macht ihn obsolet. >>

Hoppelchen-M: "Deine Vitalenergie? Dann bist du ein lebendes Wesen."

<< So wie ihr. Ich spiegele mich in euch und ihr in mir. Nur ihr seht es nicht, in dieser Existenzform. >>

"Unsere Existenz ... alles um uns herum ist Vernichtung. Wie sollen wir da existieren? Auch wenn uns der Zufall zum Mittelpunkt der Erde führt, dies alles, wir können es nicht ertragen."

<< Ich weiß. Darum möchte ich euch helfen." >>

"Wie der Zufall? Warum hat er dies nicht verhindert?"

<< Stellt euch einen Fluß vor, der seinen Weg gefunden hat. Alle seine Wasserteilchen, sie tanzen auf ihrem Weg. Für die Gesamtheit des Wassers sind diese Bewegungen zufällig. Einzelne Wasserteilchen können ihre Bewegungen verändern, ohne dass sich dadurch der Verlauf des Stromes verändert. Könnt ihr euch vorstellen, dass ihr diese kleinen Teilchen seid, im Strom der Zeit? Hier kann der Zufall etwas bewirken, ohne dass ein Wesen am Ufer des Flusses es bemerkt. Aber den ganzen Lauf verändern? Das ist etwas anderes. Und wo fließt das Wasser dann hin? Was bewirkt es? Was verhindert die Änderung des Verlaufs? Es ist  eine andere Dimension des Denkens. Ihr seid nicht die einzigen Wesen im Strom der Zeit, all dies muss dabei berücksichtigt werden.

Der Zeitstrom ist weitaus komplizierter als ein Fluß. Seine Teilchen können Eigenbewußtsein erlangen und benachbarte Teilchen beeinflussen. Eine einfache Analogie ist die makroskopische Erscheinung des Magnetismus, hervorgerufen durch Ausrichtung von Elementarmagneten.

In einem Zeitstrom kann sich durch innere Bewegungen der gesamte spirituelle Inhalt verändern und seinen Verlauf. 
Änderungen in der Zeit können Paradoxien hervorrufen, die ihn vernichten können. Oder er verzweigt in parallele Welten.

Und nun zu eurer Frage, nein, es ist kein Zufall in meinen Gedanken. Ich ... und ... später erzähle ich euch vielleicht von ihr ... unsere Gedanken können die Welt gestalten.  Auch ich bin nicht allein. Und ich erkenne, was ihr seid. Ich spreche zu euch als Liebende der Ewigkeit, weil ... auch ich dazugehöre. >>

Hoppelchen-F: "Liebende der Ewigkeit ...  Es klingt groß und es ist groß. Wir leben bereits mehr als 150000 Jahre und unsere Liebe ist nie verlorengegangen. Aber, wenn eure Gedanken die Welt gestalten können ... Das klingt wie ein Widerspruch. Kann denn irgend etwas von Gedanken Gestaltetes vor dem Zufall bestehen?"

<< Nichts, was vergänglich ist und was aus der Vergänglichkeit heraus geschaffen wurde. Aber ich ... ich bin nicht vergänglich. >>
...

Hoppelchen-M: "Ist das nicht eine etwas gewagte Aussage? Du bist ... aber bist du eine absolute Existenz?"

<< Ich bin unendlich, ohne Anfang und Ende. Das meine ich mit der Unvergänglichkeit. Aber natürlich hast du recht, ich bin keine absolute Existenz. Nur, was sie auslöschen könnte, es liegt weit jenseits eures Ereignishorizontes. Darum ist es einfacher, mich als unvergänglich zu betrachten. >>
...

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