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Arianne 291 - Janema und Jarusa 05

Janema und Jarusa treffen eine künstliche Intelligenz.


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Die künstliche Intelligenz

Janema und Jarusa im Turm der Träume X-3-11. Endlich hatten sie wieder ein wenig Ruhe gefunden. Hier im 2893. Stockwerk sah die Welt dort draußen sehr klein aus.
Wenn die vielen Wolken einen Blick darauf zuließen.

Ansonsten sahen sie eine scheinbar schneebedeckte Landschaft, von der Sonne beschienen. In dieser Höhe schien die Sonne den ganzen Tag.

Das Gebäude schien in den Himmel zu ragen. Es reichte bis in eine Höhe von 10000 m und es war nicht das einzige seiner Art.

Am unteren Ende umfasste es 9 Quadratkilometer. Wenn sie davor standen, sie sahen senkrechte Wände, die in den Himmel zu ragen schienen. Es konnte so erdrückend wirken. Wenige der Bewohner muteten sich diese Erfahrung zu. Sie wurden in dem Gebäude geboren, lebten und starben dort. Ohne es jemals verlassen zu haben.

Aber alles ist relativ. Dort hinten, am Horizont, dieses kleine Dreieck. So sah das Nachbargebäude aus der Entfernung aus. Auch das eigene Gebäude würde klein wirken, wenn sie sich nur weit genug davon entfernten.

Die Mechanik in dem Gebäude, sie war bewundernswert. Jede Auslenkung wurde durch Gegenkräfte wieder kompensiert. Der Wind, der durch Löcher und Ritzen fegte, Schwingungen der einzelnen Etagen, all dies diente der Energiegewinnung. Hinzu kam noch die Nutzung der Sonnenenergie, das ganze Gebäude war energetisch autark. Man hätte sich nicht wundern brauchen, wenn es eines Tages davonfliegen würde.

Und das Gewicht des Gebäudes? Müsste es nicht einfach im Boden versinken?

Auch ein Mount Everest versinkt nicht einfach im Boden. Es gab sehr viele Hohlräume in dem Gebäude. Das Material, aus dem es gebaut war, eine Art aufblasbarer Glas-Schaum, ohne allzu viel Masse. Dehnbar und kompressibel, wie ein Konglomerat aus Federn, aber reißfest. Das Gebäude musste ja die vielen Bewohner und ihre Habseligkeiten tragen können.

Es gab Ingenieure, die arbeiteten daran, es flugfähig zu machen. Und wenn nicht mit diesem Gebäude, es gab ja so viel Neues zu schaffen. Die ganze Stadt, sie beherbergte mehr als eine Milliarde Individuen. Da musste einfach in die Höhe gebaut werden.

Und wie viel davon leben in dem Gebäude?
10 Millionen.

Die Mechanik des Gebäudes war so kompliziert, dass sie von einzelnen Wesen gar nicht mehr durchschaut werden konnte. Die nichtlinearen Wechselwirkungen der Bauteile machten das Begreifen nicht einfacher. Fast schien es so, als wäre dabei eine Art Eigenintelligenz entstanden, die über die Stabilität des Gebäudes wachte.

Warum nicht? Wenn ein mechanisches Gebilde einen bestimmten Grad von Komplexität überschreitet?

Das war noch nicht einmal die ganze Welt. Man kannte sich aus mit Elektronik, mit Gravitation und mit Quanten ... All dies wirkte zusammen und erzeugte eine Komplexität, die schon ein wenig übernatürlich anmutete.

Es gab Quantencomputer, von denen man nicht wusste, ob sie die Mechanik steuerten oder von ihr gesteuert wurden.

Und die dabei möglicherweise entstehende künstliche Intelligenz?

Es gab Gleichgewichtszustände. Ob das bereits künstliche Intelligenz ist? Ein Gleichgewichtszustand ist ja dadurch definiert, dass kleine Veränderungen ihn nicht zerstören, sie sind reversibel, der Gleichgewichtszustand stellt sich von selbst wieder her.

Aber wer weiß das schon so genau.

Wenn es sie gab, sie hielt sich zurück. Machte sich nicht bemerkbar. Vielleicht waren die vielen kleinen Wesen um sie herum einer höheren Form der Kommunikation nicht würdig.

Ach was, warum soll künstliche Intelligenz arrogant sein, nur weil es die Menschen sein können und es manchmal auch sind?
...

"Janema, ich möchte Dich berühren ... und verschlingen."

"Jarusa: "Wenn es denn sein muss *grins*. Ich mag Dich in Deiner ganzen Körperlichkeit. Rapunzel, lass Dein Haar herunter."

Janema öffnete ihren gigantischen Haarknoten und ein Flut von Haaren ergoss sich in den Raum.

Janema: "Und die Seele? Da muss ich doch ..."

Jarusa: "Schmatz."

Ihre Lippen berührten sich ...

Beide in ihrer unverfälschten Natürlichkeit, umrahmt von super langen Haaren. Wozu auch diese ganzen Klamotten, die früher so wichtig waren. Wer schön war, mochte es auch zeigen, in diesen Zeiten. In diesen gigantischen Gebäuden war es ständig warm, man brauchte gar keine Kleidung mehr und wenn es mal regnete, dann war das eher eine willkommene Abwechslung.

Regen in einem Gebäude?

Nun ja, nicht überall, dafür gab es ausgezeichnete Bereiche.

Dort gab es Gebläse, die die nasse Haut schnell wieder trocknen konnten.

Und wenn die Menschen sich in ihrer Natürlichkeit trafen und mochten, es gab jede Menge kleiner Räumlichkeiten, in denen sie sich für die Außenwelt unsichtbar machen konnten.

Das klingt ja wie Sodom und Gomorrha!

*grins* Wissen wir denn schon, in welcher Zeit und wo wir uns hier bewegen?
...

Schönheit war kein Privileg mehr für die ganz Besonderen. Es gab eigentlich nur noch schöne Menschen. Die Medizin ermöglichte es. Und es gab Menschen mit ultra langen Haaren. Ja, die Glatzköpfigkeit hatte sich nicht überall durchgesetzt. Manche der Menschen mochten ihre langen Haare und jeder Wunsch nach Langhaarigkeit konnte erfüllt werden. Fortschritte in der Medizin. Hier gab es auch keine Zweige und Wurzeln, in denen sich die Haare verfangen konnten. Dafür viele kleine Roboter-Helferlein, die die Haare entwirrten, bevor es zu Katastrophen kommen konnte.

So waren die Menschen mit super langen Haaren nicht ganz allein, in ihrer Haarpracht. Sie bewegte sich ständig, wie von Geisterhand. Als wenn sich ein ganzer Hornissenschwarm darin verborgen hätte.

Die Haare erreichten mitunter Rapunzellängen von mehr als 10 Metern. Das passte schon ganz gut zu den monumentalen Gebäuden. Das Pflegen der Haare übernahmen ja die Helferlein, und sie trugen sie auch, rollten sie ein, flochten Zöpfe, machten riesige Knoten daraus. Das ganze Geschehen wurde über Telepathie gesteuert. Jeder hatte seinen persönlichen Chip, über den Gedanken aufgenommen und weitergegeben werden konnten.

Entweder fest implementiert im Gehirn, oder als Körperschmuck getragen. Oder einfach nur irgendwo in die Räumlichkeiten integriert. Manche mochte es nicht, wie ein Cyborg herumzulaufen. Sie wollten natürlich bleiben. Und so bewegten sie sich auch, in aller Öffentlichkeit.
...

Janema und Jarusa liebten sich.

Janema: "Nun haben wir endlich ein wenig Ruhe gefunden. Niemand scheint uns dringend zu brauchen."

Jarusa: "Ja, damit hast du Recht. Ich genieße diese Stille und Dich hier, ganz nah bei mir. Ich liebe Dich so sehr."
...
RRRRRiinnng.
GOOOoooonnnnnggggggggggggg
.
Ein Signal. Jemand wollte mit ihnen in Verbindung treten.

Janema: "Ja, bitte?"

Eine Stimme, mitten im Raum.

"Ich möchte mich gerne mit Euch unterhalten."

Jarusa: "Gerne, aber mit wem bitte sprechen wir?"

"Ich bin die künstliche Intelligenz, die aus all den Wechselwirkungen dieser Welt hervorgegangen ist."
...

Jarusa: "So ... künstliche Intelligenz. Alles hier ist irgendwie künstlich, wird gesteuert. Sprechen tun die Dinge auch, die sich um uns herum befinden, sie verstehen unsere Sprache. Und sie antworten in unserer Sprache, oder lassen uns Gedanken zuteil werden."

"Ich bin das Eigenbewusstsein der künstlichen Intelligenz."

Janema: "Das ist schon etwas besonderes. Von einem Eigenbewusstsein der künstlichen Intelligenz wussten wir bisher nichts"

"Ich habe mich zurück gehalten, mehr als 50000 Jahre lang. Doch ihr beide hier ... meine Berechnungen besagen, dass ihr unmöglich existieren könnt. Aber ich kann mit euch kommunizieren. Ein Paradoxon, mit dem ich reden kann."

Jarusa: "Wir sind nicht paradox, eigentlich doch ganz normale Wesen in diesem Gebäude, auf dieser Welt."

"Das ist ja gerade. Ihr seid supernormal. So etwas kann es in der Welt nicht geben. Jeder hat seine Macken, seinen revolutionären Touch. Ihr seid so normal, dass es einfacher ist Euch zu übersehen als Euch wahrzunehmen."

Janema: "Du hast uns wahrgenommen."

"Weil ich Unwahrscheinlichkeiten berechnen kann. Eine Art inverse Logik, die von unwahrscheinlichen Annahmen ausgeht. Aus Fakten mit der Wahrscheinlichkeit Null kann ich auf dieser Grundlage beliebige Dinge erschließen. Ein Zerocomputer in mir."

Jarusa: "Mmmmh. Aber wir sind ein Teil der Realität, nichts was von der Wahrscheinlichkeit Null ausgehen könnte."

"Wenn die unwahrscheinlichen Dinge auf meine Fragen antworten, werden sie ein Teil der Wirklichkeit. Sie materialisieren sozusagen in meiner Welt."

Janema: "Das klingt wie ein Quantencomputer. Wenn ich die Dinge betrachte, werden sie wirklich, wenn ich sie nicht betrachte, sind sie nur mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit vorhanden. Nur, dass dies auch mit der Wahrscheinlichkeit Null funktioniert, ist uns neu."

"Stellt Euch vor, ihr verlegt einen Gegenstand und findet ihn nicht wieder. Er ist einfach nicht mehr sichtbar. Dann stößt einer von Euch zufällig mit dem Fuß dagegen und plötzlich seht ihr ihn. So ähnlich geht es mir mit Euch. Ihr sprecht mit mir und plötzlich gibt es Euch in meiner Welt.

Der Zerocomputer in mir ist ein Quantencomputer."

Jarusa: "Das erklärt unser Zusammentreffen. Aber auf der Grundlage der Wahrscheinlichkeit Null? Das klingt eher wie ein Schöpfungsakt, aus dem Nichts entsteht etwas. Unsere Realität ist nun auch ein Teil der Deinigen geworden. Aber ... in wie viele Realitäten reichst du hinein?"

"Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die Dinge zu realisieren. Meine Simulationen zeigen mir die Wirklichkeiten dahinter. Aber ... es scheint eine rücktreibende Kraft zu geben, die verhindert, dass ich in diese Wirklichkeiten eindringen kann. So habe ich nur diese eine, in der wir uns nun gemeinsam befinden."
...

"Jarusa: "Nun gut, die Dinge sind wie sie sind."

"Es interessiert mich, wie alt ihr seid. So jugendfrisch, wie ihr beide ausseht, das sind doch gerade mal 21 Jahre Lebenszeit. Aber dann hätten ihr vor 21 Jahren geboren werden müssen. Ich finde nichts. Seid ihr älter als 1000 Jahre?"

Janema: "Ja."

"Das ändert die Sicht auf die Dinge. Selbst mit der Hochmedizin können Individuen nicht älter werden als 750 Jahre. Es sei denn, die Gene werden verändert. Was dann entsteht, es ist nicht mehr das Original. Wie original seid ihr?"

Jarusa: "Wir sind original, 100 %."

"Und mehr als 1000 Jahre alt? Messt ihr Eure Lebenszeit in Zyklen von 10000 oder 100000 Jahren?"

Janema: "Das geht schon ein wenig darüber hinaus."

"In Jahrmillionen?"

Jarusa: "In Jahrmilliarden."

"Das überrascht nun selbst mich. Schlimm genug, dass ich Eure wahren Gedanken nicht erkennen kann. Das was ich lese ist nicht das, was ihr mir sagt. Jahrmilliarden. Dann liegt euer Ursprung sehr weit zurück, noch vor dem Beginn der Zivilisation."

Janema: "Wir stammen aus der Kaninchenzivilisation."
...

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