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Arianne 310 - ZEITLEBEN 01

Eine multiple Existenz zwischen den Welten.


Kathrin und Romana

SIE bewegte sich durch den Raum und die Zeit. Dabei konnte sich ihre Persönlichkeit verändern. Aus Romana wurde Kathrin und aus Kathrin konnte Romana werden. Obwohl beide doch ihre eigene Existenz hatten.

Kathrin war Schwesterschülerin in einem Hospiz. Sie erinnerte sich an ihre Kindheit. Es war sehr schön gewesen, so allmählich in die Welt hinein zu wachsen. Da sie selbst so glücklich war, dachte sie viel an die anderen, denen es nicht so gut ging. Und sie wollte ihnen helfen.

Romana war eine Philosophin, die die Grundlagen ihrer Existenz zu ergründen versuchte. Ihr Diplom hatte sie mit Auszeichnung bestanden. Das Studium war ihr nicht leicht gefallen, sie hatte nebenbei arbeiten müssen, um sich im Leben behaupten zu können. Und sie fühlte sich oft krank und schwach. Aber etwas in ihr drin, es trieb sie an. Sie haderte nicht mit ihrem Schicksal sondern versuchte das Beste daraus zu machen.

Ob Romana von Kathrin wusste? Manchmal, in den Träumen lies sich das eine von dem anderen nicht so genau trennen. Dann träumte Romana von Kathrin oder Kathrin von Romana. In manchen Träumen sah sich Kathrin dann selbst in einem ihrer Träume von Romana.

Das alles geschah im Unbewussten. Waren sie wach, so vergaßen sie ihre Träume.

Bis es eines Tages zu einer Begegnung der besonderen Art kam.

...

Kathrin in tiefem Schlaf. Sie träumte.

Eine Landschaft mit 2 Flüssen, die sich nicht berührten. Das Wasser wirkte in irgendeiner Weise lebendig und dann sah sie in jedem der Flüsse einen Menschen.
Sie schaute genauer hin. Das musste Romana sein. Romana kannte sie ja bereits aus ihren Träumen. Sie schwamm in dem Wasser, lies sich von der Strömung treiben.

Und die Frau in dem anderen Fluss? Sie kam ihr so bekannt vor. Dann sah sie sich plötzlich selbst, morgens im Badezimmer, vor dem großen Spiegel. Ja, das war sie selbst. Die Frau in dem Wasser.

Also träumte sie von sich selbst und von ihrem Traum Ich. Aber all dies alles wirkte so real, als wenn es gar kein Traum wäre.

Dann sah sie sich zu zweit in einem Vorlesungssaal. Sich selbst und Romana direkt neben sich. Sie berührten sich. Unfassbar, dass ein Traum so real sein konnte.

Eine Stimme aus dem Nichts.

"Dies ist kein Traum."

Wo kam das denn her? Hatte die Tafel zu ihnen gesprochen?

Der Professor vor der Tafel schaute sie nun beide an. Sie fühlten sich zweimal durchleuchtet und doch wie eine EINS.
War sie eine gespaltene Persönlichkeit? Dann spürte sie die Einheit in sich drin. Sie existierte einfach mehrfach.

"Na endlich kommen wir auf den Punkt."

Das war der Professor, er sprach zu ihr. Zu Ihr?

"Du bist ein Wesen mit einer multiplen Existenz. Denke an die 2 Flüsse, jeder davon steht in Deinen Gedanken für einen Zeitstrom, und sie sind verschieden. Du bist eine Existenz zwischen den Welten. Bedenke, jeder Zeitstrom ist seiner eigenen Welt zugeordnet und wenn die Zeitströme verschieden sind, sind auch die Welten nicht gleich."

...

Ah ja, das klang irgendwie einleuchtend. So gab es dann wohl eine Schizophrenie in einer Welt und eine über mehrere Welten verstreut.

"Du bist nicht schizophren. Es ist Deine Natur. Du bist ein Wesen und Du realisierst Dich unterschiedlich in den Welten, die Du betrittst."

Eine multiple Existenz. Hatte sie denn einen eigenen Namen?

"Nenn Dich einfach nur SIE, für den Anfang, oder DU, je nachdem, wie DU betrachtest wirst. Oder ICH, wenn DU DICH selbst sehen willst."

Ah ja. Eine multiple Existenz lies sich offenbar nicht auf einen einzigen Namen festlegen.

"Es ist nur ein Lernprozess. DU erkennst DEIN eigentliches Selbst."

Wenn das so ist, warum nicht KathrinRomana?

"Weil das nicht die einzigen Existenzformen sind, die DU annehmen kannst."

Dann eben nicht. Wo kommt überhaupt dieser Professor her? Ist er vielleicht nur eine weitere Inkarnation? Aber dann würde SIE ja von sich selbst lernen!

"Das ist so bei multiplen Existenzen, die über die Zeitströme verstreut sind."

Okay, dann gebe ich mir selbst einen Namen. Ich nenne mich ZEITLEBEN.

...

ZEITLEBEN war nun wach. Ihre beiden Existenzen blieben ihr in Erinnerung. Aber wie sah die Welt aus, in der sie sich jetzt befand? Sie wirkte seltsam unstrukturiert. Als wäre alles hinter einem Nebel verborgen.

Das musste der Traumnebel sein. Obwohl, er verbarg eigentlich nur den Sprung in eine der multiplen Existenzen. Vielleicht träumte sie gar nicht, sondern wechselte nur ihren Standort.

Nun, wenn diese Welt unvollständig war, dann musste sie wohl gedacht werden.

ZEITLEBEN dachte sich einen Tisch, einen Stuhl und ein Frühstück darauf. Warum ein Frühstück? Weil sie eine Erinnerung an Nahrung hatte, ans Schlafen und ans Aufstehen. An den Hunger. Nun, Romana und Kathrin aßen beide, wenn sie hungrig waren. Warum also sollte sie als ZEITLEBEN hungern?

...

Es war ein wundervolles Frühstück. ZEITLEBEN fühlte sich gesättigt und pudelwohl. Zum Geschirr abwaschen und Wegräumen hatte sie keine Lust. Nun denn, sie dachte sich die Reste einfach weg. Wenn sie auf waschen wollte, dann eben als Kathrin. Wozu gab es denn die verschiedenen Existenzen.

Mmmh. Nein. Kathrin war doch kein Sklave von ihr. Sie war eine Inkarnation ihres Selbst. Also dachte sie sich das Geschirr und die Reste wieder zurück und machte sich an die Hausarbeit.

Hier musste erst einmal eine ordentliche Welt geschaffen werden.

Natürlich musste sie sich vorher eine Küche denken mit Regalen, in die das Geschirr hinein passte. Nachdem sie das Geschirr mit der Hand gewaschen hatte ... hmmh. Ich denke mir eine Geschirrspülmaschine. Das macht es beim nächsten mal einfacher.

So wurde die Welt von ZEITLEBEN immer größer und komplexer. Es gab nun ein Schlafzimmer, ein Wohnzimmer mit bequemen Sesseln, einen Serviceroboter, der Getränke aus dem Kühlschrank holte. Es fehlte eigentlich nur noch der Besuch.

Dann stellte sie fest, dass die Wohnung keine Fenster hatte ...

Nun hatte sie Fenster in der Wohnung und schaute freudig hinaus, aber da war nichts. Hmmmh. Sie dachte sich einen Garten und einen Himmel ...

Aber dahinter war alles so leer ...

Nun gab es rundherum einen Horizont und bis zum Horizont war die Welt nun gestaltet, aber sollte die Welt eine flache Scheibe sein, eingebettet in eine Unendlichkeit des Nichts?

Nein, so ging das nicht. Die Welt sollte rund sein, wie eine Kugel. Mit Pflanzen und Tieren darin. Und um sie herum sollte es ein Universum geben, mit leuchtenden Sternen.

Damit war sie erst einmal zufrieden. Ohne dass sie sich allzu viel Gedanken über das Universum machte. Es war noch klein und bestand aus leuchtenden Sternen. Sie hatte einfach ein Bild aus der Existenz der Kathrin übernommen, wenn sie abends auf ihrem Balkon die Sterne beobachtete.

Es war auch nicht mehr als ein Bild.

Das Fressen und gefressen werden wollte sie hier nicht.

Sie dachte sich Pflegefeen, die die Tiere und Pflanzen mit dem Lebensnotwendigen versorgten. Wann immer sie ein Bedürfnis artikulierten. Noch war dies eine durch Gedanken geschaffene Welt, in der Tiere und Pflanzen kein Eigenbewusstsein besaßen. Sie waren nur eine Reflexion ihrer Erfahrungen in den Welten ihrer multiplen Existenz, eigentlich nicht mehr als ein gemaltes dreidimensionales Bild.

Mit ein bisschen Dynamik darin. Tiere konnten sich ja bewegen.

Aber warum sollten sie kein Eigenbewusstsein haben? Weil das zu Neid, Zank und Streit führen konnte? Der eigene Wille als Beginn des Chaos, aus dem sich eine eigene Ordnung erst entwickeln musste?

Nein, das wollte sie nicht. Aber sie wollte auch keine Statisten um sich herum haben. Wer sich streiten wollte, sollte das in einer der Existenzen tun. Zeitströme gab es ja genug. Dies war ein Ort der Ruhe und der Erbauung, der Freude und des Seins.

...

Nachdem sie mit ihren Gedanken so viel erschaffen hatte, fühlte sie sich müde. Es war an der Zeit, schlafen zu gehen.

...

Nun war sie wieder Kathrin. Sie lag in ihrem Bett und war wach. Gedanken kreisten in ihrem Kopf. Hatte sie nicht gerade von einer fremden Welt geträumt, die sie selbst geschaffen hatte? Die Erinnerungen waren so real. Sie schloss die Augen und befand sich in der fremden Welt. Aber sie schlief nicht. Sie lebte simultan in 2 verschiedenen Welten. Das ging doch gar nicht! Als wenn sie in einen Film einsteigen würde und den gleichzeitig auch noch beobachtete und bewertete. Mit dem Bewusstsein zweier verschiedener Welten in sich drin.

Es machte ihre keine Angst. Sie musste lächeln, in Gedanken. Was sich ihr Gehirn alles so ausdenken konnte. Es war ja kein böser Traum. sie selbst als Erschaffer einer eigenen Welt. Ein faszinierender Gedanke. Und sie sah die Elemente ihrer eigenen Wirklichkeit in dieser neuen Welt. Mit ein paar Abweichungen, die nicht aus ihrer Welt stammen konnten.

Es machte ihr Spaß, dort zu zu schauen und sich doch gleichzeitig der eigenen Existenz bewusst zu sein.

Dann hörte sie eine sanfte Stimme.

<< Hallo Kathrin. >>

Genau darauf hatte sie gewartet, die fremde und doch so vertraute Welt sprach zu ihr.

<< Hallo sanfte Stimme, ich höre Dir gerne zu. >>

...

<< Weißt Du, wir sind Eins >>

<< Wenn Du es sagst, dann kommuniziere ich mit mir selbst? >>

<< Ja >>

<< Okay. Ich bin Kathrin und Du, mein zweites Ich, hast Du einen eigenen Namen? >>

<< Ich bin ZEITLEBEN >>

<< Oh, das klingt interessant. >>

<< Ist es auch. Kannst Du Dich an Deine Träume erinnern. An andere Wesen, die dort vor kamen? >>

<< Romana. >>

<< Wir gehören zusammen. Du bist eine Inkarnation von mir und Romana ist eine andere. Wir alle zusammen sind ZEITLEBEN. >>

...

ZEITLEBEN, Romana und Kathrin gemeinsam beim Abendessen in ZEITLEBEN's Welt.

Kathrin: "Es ist schön hier. Stammt das alles von Dir?"

ZEITLEBEN: "Es kommt aus den verschiedenen Welten, in denen ich Inkarnationen habe."

Romana: "Ja, ich sehe dort hinten eine Pflanze aus meiner Welt."

Kathrin: "Wir sind drei und doch eins. Irgendwie ist das schön, unser Zusammensein, und dass wir uns auch getrennt wahrnehmen können. Und ich hatte immer so viel Angst vor Schizophrenie."

ZEITLEBEN: "Wir sind nicht schizophren. Es ist unsere Art. Ich selbst schöpfe meine Welt aus meinen Inkarnationen. Die Frage ist dann doch, kann ich auch auf die Welten einwirken?"

Romana: "Das wäre schön. Wir haben so viele Probleme, die wir nicht lösen können."

ZEITLEBEN: "Ich kann die Zeitströme hinauf und hinunter sehen. Romana, Deine Probleme sind wirklich sehr ernst. Wir müssen etwas unternehmen."

Romana: "Was hast Du gesehen?"

ZEITLEBEN: "Spoiler. Es würde Dich verwirren. Vielleicht bewirke ich ein Zeitparadoxon, das könnte Dein Eigenbewusstsein gefährden, wenn Du über die Zukunft Bescheid weist."

Romana: "Aber wir sind doch eins."

ZEITLEBEN: "Ich bin nur vorsichtig. Lass uns gemeinsam in Deine Welt eintauchen, als getrennte Wesen."

Kathrin: "Und ich?"

ZEITLEBEN: "Natürlich kommst Du auch mit."

...

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