Arianne 32 - Die Ebene und der Raumfahrer

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Der Raumfahrer trifft Arianne. Er gestaltet die zufallsbedingte Evolution der Ebene.


Der Raumfahrer

Bild des Raumschiffes

Die Ebene. Sie hat eine Oberfläche und ein Inneres. Die für uns wahrnehmbare physikalische Realität ist Teil der Oberfläche. Das Innere der Ebene ist das spirituelle Unbewußte. Die Grundlage für das Sein und das Nichts. Das Wesen der Existenz ist dort verborgen. Und dennoch, mit unseren Träumen haben wir Anteil am Innern der Ebene.

Die Oberfläche der Ebene. Sie beherbergt ihr spirituelles Selbst, das Bewußtsein der Existenz. Es hat einen Namen, Arianne.

Die Oberfläche ist nicht nur flach in 2 Dimensionen. Sie ist ein multidimensionales Konstrukt. Länge, Breite, Höhe und Zeit. Das vierdimensionale Raum-Zeit-Kontinuum, es ist ein Teil davon. Die Oberfläche der Ebene ist unendlich ausgedehnt in allen Dimensionen.

Dies ist eine mathematische Sichtweise, eine Sichtweise der Linearität.

Die Ebene hat Ähnlichkeit mit einem quantenmechanischen Hilbertraum. Die Observablen des Hilbertraumes entsprechen den physikalisch messbaren Größen. Das Spirituelle drückt sich in unendlichen Wellenfunktionen aus, es ist weder räumlich noch zeitlich lokalisierbar. Physikalische Existenz ist immer nur endlich beschreibbar. Dieser Endlichkeit entsprechen die Grenzen der Arianne.

Die Grenzen der Arianne erzeugen Störungen an der Oberfläche der Ebene.

Störungen an der Oberfläche erzeugen Raum, Zeit und Materie. Dies ist die Substanz, aus der sich Universen bilden können, die unserem Verständnis zugänglich sind.

Das Innere der Ebene ist frei von Störungen. Sie beinhaltet den unbewußten Bereich, das Unterbewußtsein der Ebene.

Eine andere Quelle von Störungen werden wir jetzt kennenlernen.

Es ist der Raumfahrer in seinem Ewigkeitsschiff.

.....

Er raste mit seinem Raumschiff durch die Unendlichkeit. Warum das ganze? Er wusste es nicht. Wahrscheinlich bewirkte er etwas in seiner Umgebung und damit er etwas bewirkte, existierte er. Manchmal befriedigte er seine Neugier, wie die Welt außen beschaffen sei. Aber er vergaß es nach einiger Zeit wieder, was er dort gesehen hatte. Denn sein Ich lebte in endlichen Bereichen.

Auch wenn dieser endliche Bereich Milliarden Jahre und Milliarden Lichtjahre umfassen konnte.

Er bewegte sich im Innern der Ebene und untertunnelte damit alle Störungen, die von der Flachheit abwichen.

Damit umging er alles, was für einen Raumfahrer gefährlich werden könnte.

Vergleichbar mit einem Taucher im Wasser, der unter den Wellen hindurchtaucht.

Die Störungen an der Oberfläche schufen Objekte, die er in seinem Raumschiff wahrnehmen konnte. Objekte, darunter verstehen wir alles, was physikalisch möglich ist. Planeten, Sonnensysteme, Galaxien, Haufen von Galaxien, Universen.

Er ist vergleichbar mit einem Taucher, der Schatten an der Oberfläche erkennen kann. Man stelle sich vor, dass eine bewegte Wasseroberfläche plötzlich gefriert. Dann bildet sie Strukturen aus Eis. Ähnliches geschieht an der Oberfläche der Ebene, wenn die Energie aus dem Innern kondensiert.

Die Objekte der Oberfläche für sich allein sind kalt. Es bedarf spiritueller Wesen, die ihr das Leben einhauchen. Doch davon wusste er noch nichts, in seinem jetzigen Leben.

Im Innern der Ebene gab es keine Reibung, nur dunkle Energie, ohne Wechselwirkung mit den Objekten einer physikalischen Welt.  Ein unendlicher Vorrat von Energie. Es gab hier keine Bezugsgröße, mit der man ihre Dichte oder Intensität hätte vergleichen können.

Bewegungen in der Ebene. Bewegungen konnten nur gegenüber den Objekten der Oberfläche definiert werden.

Da er in seinem Raumschiff eine Eigenzeit hatte, konnte er über diese Bewegungen eine Geschwindigkeit definieren.

Das Beispiel des Tauchers: er kann erkennen, wie schnell die Schatten auf der Oberfläche an ihm vorbeiziehen. Kennt er ihre Größe, so kann er über eine Taucheruhr seine Geschwindigkeit bestimmen.

Der Raumfahrer konnte im Innern der Ebene beliebig große Geschwindigkeit erzielen. Da im Innern der Ebene, außerhalb seines Raumschiffes, weder Raum noch Zeit eine Bedeutung hatten, gab es beim Erreichen sehr großer Geschwindigkeitern auch keine relativistischen Probleme.

Manchmal hielt er an, schaute sich um.

Beschleunigung und Abbremsen seines Schiffes erzeugten Störungen in der Flachheit der Oberfläche. Die Ebene schien ihm einen unbegrenzten Energievorrat zur Verfügung zu stellen, damit konnte er auch beliebig große Störungen hervorrufen. Es gab aber die Möglichkeit des spontanen Stillstandes, gegenüber einem Objekt der Oberfläche, wenn er es sich angucken wollte.

Sein Raumschiff beherrschte die Teleportation. Eine Teleportation, die seine Relativgeschwindigkeit auf Null reduzieren konnte.

Durch die Störungen bildeten sich stromartige Strukturen, wie ein Flussbett, in denen wiederum Energiekonzentrationen stattfanden.

So entstanden Universen, in den Zeitströmen der Ewigkeit.

Er war somit auch ein Schöpfer, ein Gott. Obwohl, eigentlich war es ja sein Raumschiff, dass diese besonderen Fähigkeiten ermöglichte. Er war ja nur der Pilot.

Computer: "Nein, du bist mindestens genau so wichtig. Denn du hast etwas Spirituelles in dir, das ich nicht habe. Du bist ein Wesen der Existenz."

Ja, der Computer verstand seine Gedanken. Wenn er so vor sich hinphilosophierte, gab der Computer Kommentare ab.

Das Schiff beherrschte also die Telepathie.

Computer: "Du bist sehr wichtig für mich. Ohne dich habe ich keinen Inhalt. Weißt du, ich bin so etwas wie der Zufall in der Welt, was meine Wirkung auf die Oberfläche betrifft. Ich bin eine Inkarnation des rein Materiellen. Du aber erlebst in deinem Innern, was sich dort tut. Ich analysiere deine Gedanken und verstehe es dann auch."

Was er nicht verstand, Störungen der Flachheit entstanden auch ohne seine Wirkung. Darüber hätte er gerne mehr gewusst. Aber vielleicht hatte er es bereits einmal gewusst und wieder vergessen. Denn er existierte immer nur eine endliche Zeit. Dann verschwand er einfach und wurde wiedergeboren, ohne Erinnerung an das Vorher.

Er schrieb die Störungen der Oberfläche der Ebene den Quantenfluktuationen des Vakuums zu, aber wodurch wurden sie ausgelöst?

Ja, so war das mit der Unendlichkeit. Wenn er alles Wissen für sich behalten wollte, in einer unendlichen Zeitspanne gesammelt, irgendwann würde er darunter kollabieren. Er vergaß es einfach wieder. So geschah es, dass sich seine Umgebung ständig änderte, in denen sein Ich existierte. Von dem, was vorher einmal gewesen war, wusste es nichts. Manchmal war es auch beruhigend, es würde wieder eine neue Umgebung geben, und das Alte konnte getrost vergessen werden, egal was sich dort angesammelt hatte.

Ob es einen Zusammenhang gab, zwischen seinem früheren Leben und seiner jetzigen Existenz, er wusste es nicht.

...

Es war mal wieder an der Zeit für einen Halt. Er stoppte sein Ewigkeitsschiff. Der Computer sammelte Fakten aus der lokalen Umgebung. Nichts ungewöhnliches. Nur, ein Quantenstring, der sich scheinbar in die Unendlichkeit hinein erstreckt.

Ein Quantenstring?

Computer: Eindimensionale Lösung der erweiterten Quantenfeldgleichung für die Ebene ohne Gravitation. Durchmesser: 0.

0?

Computer: 10 hoch 123 mal kleiner als die kleinsten diskreten Einheiten der Raum-Zeit-Struktur.

Was braute sich da zusammen?

Gravitative Wirkung?

Computer: Nicht messbar, die Energiequanten sind gravitationsneutral.

Wechselwirkung?

Computer: Keine. Für die lokale Umgebung sind die virtuellen Quanten nicht existent.Sie scheinen aber ein Netzwerk zu  bilden, das so nach und nach den umliegenden Raum einschließen wird. Bis zu einer maximalen Ausdehnung von 20 Milliarden Lichtjahren.

Potentiell könnte sich das Netz mit Energie füllen, das würde dann aber zu einem Zusammenbruch der gesamten lokalen Raum-Zeit-Umgebung führen. Was das für ein Loch ergeben würde!

Die Strukturen des Netzes wirken nicht zufällig, als wenn eine Intelligenz dahinterstehen würde. Ein Art Riesenspinne, die ihr Netz auswirft.

Merkwürdig, in dieser Größenordnung?

Schauen wir uns die Umgebung hier mal etwas genauer um.

Ein Universum.

Ein riesige Qualle näherte sich dem Schiff.

Was ist das denn das?

Computer: Eine Lebensform voller Energie.

Mit 300 Lichtjahren im Durchmesser?

Wenn sie die Energie auf einmal freisetzen würde? Vielleicht stellen sie so eine Art Antikörper dar, die das Universum beschützen. Na ja, wir könnten ja "hindurchtauchen".

Qualle: "Seid gegrüßt Reisende. Ihr bewegt euch innerhalb der Ebene, das ist schon etwas ganz besonderes. Höhere Wesen erkenne ich nicht, aber dieses Raumschiff? Seid willkommen, wir laden euch ein, wir sind neugierig auf euch."

Wie kommunizieren wir? Gut, auf der Basis von Telepathie.

Danke, ich nehme die Einladung an.

Ich möchte auch gleich eine Warnung aussprechen, dieser Teil der Raumzeit wird von einem Quantengitternetz bedroht.

Risse im Kleinen mit ungeheurem Vernichtungspotential. Vielleicht ist es besser, wenn ihr euch möglichst schnell davon macht, und das ziemlich weit weg, mehr als 3000 Milliarden Lichtjahre. Sicherer wäre es aber, diesen Bereich des Kontinuums ganz aufzugeben.

Qualle: "Eine externe Bedrohung für Ariannes Heimat? Am besten ihr sprecht mit Arianne selbst darüber."

...

Arianne: "Danke, dass du gekommen bist. Ja, ich sehe die Risse in der Raumzeit. Ich erkenne auch die Macht dahinter, ihre Gedanken sind machtbessen. Sie will alles beherrschen und um das zu können, mich und meine Heimat vernichten."

"Du hast keine Angst? Ich weiß nicht einmal, ob mein Schiff einen solchen Wirbel überstehen würde. Jemand? Was für eine Größe kann das nur sein?"

Arianne: "Es ist nur ein Hypermonstrum".

Arianne: "Du verbreitest einen Hauch von Unendlichkeit. Aber du bist dir ihr nicht bewusst. Ich kenne die Zeiten vor deiner momentanen Existenz, wir kennen uns schon etwas länger :-). Es war immer sehr angenehm. Vielleicht bist du hier, damit du ein wenig mehr über die Unendlichkeit lernen kannst. Die Bedrohung, Alexa wird sich darum kümmern. Wir können sie vernachlässigen."

"Eine solche Bedrohung vernachlässigen? Es ist schon ein besonderer Teil der Raumzeit, den ich hier kennengelernt habe."

Arianne: "Weißt du, du bewegst dich innerhalb der Existenz, die Existenz aber, das bin ich. Es hat dich schon immer gegeben, genauso wie mich. Da ich aber alles umfasse, bist auch du ein Teil von mir. So merkwürdig dir das auch erscheinen mag, ich habe mich nicht selbst erschaffen und dich damit auch nicht, aber dennoch gibt es uns für alle Ewigkeiten. Du bewirkst Dinge auf einer zufälligen Basis, während ich spirituell etwas zu erreichen versuche, das unterscheidet uns ein wenig."

"Du bist die Existenz? Wie ist das möglich? Die Existenz, ich glaube du meinst die wellenartigen Störungen in der Oberfläche der Ebene. Wenn du alles umfassen willst, dann musst du auch einen Zusammenhang zwischen diesen Störungen kennen, der mir verborgen bleibt."

Arianne: "Ich bin ein unendliches Wesen, das ist auch gleichzeitig mein Zusammenhang. Für ein endliches Wesen ist das schwer vorstellbar. Aber ich denke, ich kann es dir vermitteln, denn du selbst hast ja das Spirituelle in dir, dein Bewusstsein, deine Seele. Schau, ich zeige dir die Existenz."

Und er konnte sie sehen, die höheren Wesen des Kosmos, Zeitströme, Janines, Universen, Galaxien und Planeten. Nie hatte er geglaubt, dass das Spirituelle so umfassend sein könnte. Eine riesige Vielfalt von Lebensformen. Sie entstanden und vergingen wieder, in der Ebene der Arianne. Arianne drang ein in die Wesen des Kosmos, zeigte ihm ihre Gedanken und Gefühle. Kosmische Telepathie. Er wurde eins mit dem Leben des Kosmos. Hinter all dem sah er ein Licht, die treibend Kraft des Lebens. Sie erlosch nie.

Aber er sah auch die Dunkelheit in der Arianne. Nebel, die alles verhüllten, grenzenlose Schwärze und Tiefe, Tod und Verzweiflung. Er sah die Wehen der Arianne, ihre Verletzungen, ihr Leiden.

Es berührte ihn sehr.

Dann sah er sich selbst und Arianne.

Arianne: "Das bist du, aus einem früheren Leben. Damals hast du mit deinem Raumschiff ein Hypermonstrum vernichtet, das ganze Zeitströme auslöschen wollte. Ja, die Zerstörung war gewaltig, die es bereits angerichtet hatte. Ich wollte nicht eingreifen, in dieser Situation, denn ich hätte den ganzen Schmerz in mich aufnehmen müssen, den ich verhindert hätte. Auch wenn ich ein unendliches Wesen bin, manchmal ist das zu viel. Du hast dich damals mit deinem Raumschiff gegen eine Flotte von 100 Milliarden Schlachtschiffe gestellt. Keines davon konnte entkommen. Anschließend hast du eine Öffnung für Tachyonen hervorgerufen, indem du dein Raumschiff auf  Über-Lichtgeschwindigkeit beschleunigt hast, auf der Oberfläche der Ebene. Das Hypermonstrum wurde dadurch zerrissen. Ja, so groß ist deine Macht."

Er schaute sie an, die Arianne. Stumm und irgendwie erschüttert. Dann umarmte er sie.

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