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Arianne 325 - Die Reise 07 -
Das Ende der Verständlichkeit

Cosma, Romana, Friedrich und Janina treffen Arianne.

Das Wesen der Existenz

Cosma war nun verantwortlich für diese Welt. Aber wenn das so weiterging, wie viele Welten wollte sie dann betreuen?

Alle vier waren etwas ratlos. Es gab so vieles, was nicht dem entsprach, wie sie es gerne hätten. Aber das alles verändern und dann die Verantwortung mittragen?

Es musste dafür eine Grenze geben. Die Multidimensionalität der Welt, sie war für so bescheidene kleine Wesen nicht erfassbar und schon gar nicht in ihrer Unvollkommenheit.
...

Aber war Unvollkommenheit nicht auch ein Motor für das Neue, für die Entwicklung nach ein bisschen mehr?

Woran ist Vollkommenheit zu messen? Ist vielleicht sogar das Chaos eine höhere Form des Seins? Bedenkt, es ist viel schwieriger, ein lebendiges Chaos zu schaffen als in Monotonie und Wiederholungen zu erstarren.

Denkt an die Mathematik der Zahlen.

Die irrationalen Zahlen sind viel komplexer als eine rationale Zahl. Jede einzelne beinhaltet unendlich viel Information.
Das ist mehr als unendliche Spiegelungen und manche fraktale Gebilde leisten können.

Oder an die Entropie. Die Unordnung nimmt zu mit der Zeit. Also liegt der Sinn eines Zeitstromes darin, Unordnung zu schaffen?
...

Fragen, die sich stellten und sie sollten eine Antwort finden.

Plötzlich waren sie zu fünf. Keiner hatte es bemerkt, sie waren viel zu sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt gewesen. Nun wurden sie sich ihrer Identitäten wieder bewusst, bildet eine Viererclicke und, wer war die Fünfte zwischen ihnen?

Zunächst einmal waren da eine Unmenge von roten Haaren mit allen Farbschattierungen und ein schönes Gesicht, das ewige Jugend und unendliche Weisheit zugleich ausstrahlte.
Und Augen, die in die Unendlichkeit zu blicken schienen.

Die Frage stand im Raum, wie eine Seifenblase, die zu zerplatzen drohte.

"Nun, ihr wollt wissen wer ich bin, ich bin Arianne."

Arianne?  Die Gedanken liefen Sturm. Man hatte ja bereits Hairflower kennengelernt und nun?

Cosma formulierte vorsichtig einen Gedanken und sprach ihn aus.

"Arianne, das Wesen der Existenz?"

Arianne: "Es kommt darauf an, was Du damit meinst. Diese Existenz, in der ihr Euch befindet oder Existenz im Allgemeinen."

Cosma: "Ich denke an das hier und jetzt, aber gehst Du noch darüber hinaus?"

Arianne: "Alles was sich begrifflich fassen oder artikulieren lässt, ist dadurch bereits beschränkt und es gibt etwas Größeres, Umfassenderes."

Romana: "Der Bereich der multiplen Existenzen?"

Arianne: "Das ist das eine, aber auch die Nichtexistenz ist beschränkt, wenn sie als Begrifflichkeit verstanden wird."

Friedrich: "Die andere Seite, die Gegenwelt des Charakteristikums?"

Janina: "Und da wir es ausgesprochen haben, was geht darüber hinaus? Aber ist nicht die Vorstellung des darüber hinaus gehen bereits wieder eine Begrifflichkeit, die beschränkt ist?"

Arinne musste lächeln.

"Ich sehe, Du verstehst das Problem."

...

Friedrich: "Arianne, wie verstehst Du Hairflower?".

Arianne: "Hairflower ist ultimativ in dem, was sie ist."

Friedrich: "Könnt ihr so einfach problemlos nebeneinander existieren?"

Arianne: "Hairflower korrigiert, wo eine Korrektur notwendig ist. Aber das heißt ja noch nicht, dass die Probleme damit ausgelöscht sind. Ihr wisst ja, sie können sich verzweigen."

Friedrich: "Und Du?"

Arianne: "Ich muss die Verzweigungen denken, sonst werden sie nicht real. Wobei real etwas ist, dass für Euch eine Bedeutung hat, für mich nicht unbedingt. Ihr kennt ja virtuelle Welten und paranormale Existenzen."

Cosma: "Du meinst ... Hexen, Vampire und andere Fantasiegestalten haben eine eigene Realität?"

Arianne: "Betrachten wir eine Fantasieserie, z.B. Twin Peaks. Ihr wisst wovon ich rede?"

Janina: "Nein, nie davon gehört."

Arianne: "Und jetzt?"

Janina: "Ich ... ich erinnere mich. Wie hast Du das gemacht?"

Arianne: "Ich habe es in eure Bewusstseine hinein gedacht."

Friedrich: "Und unsere Bewusstseine, sind sie auch von Dir gedacht?"

Arianne: "Das gilt für Dich, Janina und für Friedrich. Aber bedenkt, wir haben auch zwei Gäste hier."

...

Janina: "Realität? Wie kann ich sie erkennen?"

Arianne: "Gar nicht. Ihr lebt relativ zu einer Umgebung. Was ihr als Verständnis betrachtet, ist die Relation eures Selbst zu dieser Umwelt. Wie die Umgebung beschaffen ist, könnt ihr nicht erkennen."

Cosma: "Aber es gibt doch die paranormale Energie ..."

Arianne: "Sie ist ein Teil der Umgebung."

...

Arianne: "Nun zurück zu Twin Peaks. Ich kann Euch in diese Welt hinein projizieren und ihr werdet dann zu den Akteuren. Aus bewegten Bildern eines Speichermediums werden lebende Wesen. Dabei können sich die Handlungen an die Vorlagen halten oder auch nicht. Tun sie es nicht, so habt ihr innerhalb der Geschichte einen freien Willen. Tun sie es, so ist alles was geschieht bereits vorherbestimmt."

Friedrich: "Ein ganzen Leben innerhalb dieser Geschichte? Aber sie ist doch beschränkt, auf eine kleine endliche Anzahl von Episoden."

Arianne: "Nicht in der paranormalen Realität, in die sie hinein gespiegelt wird. Es ist eine eigene Welt mit einem eigenen Zeitstrom. Betrachtet das Medium der Geschichte als eine Tangente, die sie berührt."

Cosma: "Der Zeitstrom kann sich dann auch wieder beliebig verzweigen?"

Arianne: "Das kann er. Aber ob ich die Verzweigungen denken will, bleibt mir überlassen."

Cosma: "Arianne, warum hast Du gerade diese Geschichte als Beispiel ausgewählt?"

Arianne: "Sie behandelt das Erklärbare und das darin enthaltene Unerklärliche, ohne dass sich dabei notwendigerweise ein kausales Verständnis ergeben muss. Es sind Beobachtungen, die real sein können oder aber nur in den Gehirnen der Menschen stattfinden. Ein Alptraum kann Realität sein und die Realität ein darin stattfindender Alptraum. So wie es auch in der wirklichen Welt oft geschieht. Aber ihr wisst ja bereits, Wirklichkeit und Realität sind für Euch nur relative Begriffe."

Cosma: "Und das Absolute, gibt es das nicht?"

Arianne: "Nein."

Cosma: "Und die Wahrheit?"

Arianne: "Manche Götter behaupten von sich, sie seien die Wahrheit und das Leben. Für die davon betroffenen Lebensformen ist es nur ein Regelsystem, dem sie sich unter zu ordnen haben, um die Herrlichkeit des göttlichen Egos zu zelebrieren."

Cosma: "Du magst keine Götter? Aber Du bist doch selbst eine ..."

Arianne: "Ich schaffe die Möglichkeiten für Entwicklungen."

Cosma: "Und wenn sie Dir nicht gefallen?"

Arianne: "Dann treffe ich eine Entscheidung."

Cosma: "Kann es eine falsche Entscheidung sein?"

Arianne: "Ja. Es tut dann sehr weh, aber ich lerne daraus."

Friedrich: "Das heißt, in dem Du Entwicklungsmöglichkeiten schaffst und Dir Irrtümer eingestehst, entwickelst Du Dich selbst weiter?"

Arianne: "Ja, sonst könnte ich in meiner Allmacht erstarren. Aber eine absolute Monotonie ist nicht möglich, warum auch immer. Die Existenz würde verbrennen und Firefly erschaffen."

Romana: "Firefly?"

Arianne: "Ein hypertranzendentes Wesen der totalen Vernichtung. Eine Bewusstseinsentität des unendlichen Feuers. Nur wenn er sich selbst aufgibt, ist ein Neubeginn möglich. All dies geschah bereits einmal, aber nicht in meiner Existenz."

...

Cosma: "Warum denkst Du manche Verzweigungen nicht, Arianne?"

Arianne: "Weil ich ein Individuum bin."

Friedrich: "Ein Individuum der Unendlichkeit? Wie ist das möglich?"

Arianne: "Denke z.B. an die Zahl Pi. Sie ist ein atomares Individuum der Unendlichkeit."

Janina: "Und Du?"

Arianne: "Ich umfasse mehr als das Kontinuum der reellen Zahlen."

Janina: "Wenn ich die Dinge der Existenz als Elemente einer Menge betrachten würde, wie stehst Du dann dazu?"

Arianne: "Ich bin ein Element dieser Menge und ein Teil von ihr und ich umfasse sie. Das gilt auch für alle Elemente dieser Menge."

Friedrich: "Wenn Du ein Teil der Menge bist und sie umfasst, dann bist Du diese Menge. Da Du aber auch ein Element dieser Menge bist, bist Du eine Menge, die sich selbst als Element enthält."

Janina: "Dafür gibt es nur eine mögliche Realisierung, die Menge aller Mengen. Und doch gibt es noch etwas Größeres ... Cosma und Romana sind der lebende Beweis!"

Arianne: "Ihr könnt nur in Begriffen denken und begreifen und Dinge durch Eure Sinne wahrnehmen. Dazu gehört auch die Empfänglichkeit für paranormale Phänomene und das Gestalten von Materie und Energie über Gedanken. So wie es manche Götter tun. Aber das ist nicht alles. Bedenket, ein Gott muss nicht existieren um eine Welt zu denken und zu lenken."

Cosma: "Arianne, existierst Du?"

Arianne: "Ich bin ein unendliches Wesen. Für Euch existiere ich nicht. Ihr könnt die Unendlichkeit nicht begreifen und sie auch nicht approximieren. Sie aber kann Euch zerreißen und in Nichts auflösen."

Janina: "Aber ... Du kommunizierst Doch mit uns?"

Arianne: "Es sind Gedanken, die Euch bewusst werden. Aber kennt ihr die Quelle davon?"

Romana: "Dann können wir nicht entscheiden, ob Du existierst oder nicht?"

Arianne: "So ist es. Aber ihr könnt daran glauben. Da das vielleicht ein wenig unbefriedigend ist, ihr habt ja Hairflower. Sie hat sich als endliches Wesen manifestiert und ist damit für Euch fassbar."
...

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