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Arianne 327 - Die Reise 09 -
Lila

Veränderungen einer Lebensgeschichte im Innern der Existenz.

Im Innern der Ebene

Die schroffen Strukturen der Ebene wurden rund und flachten ab. Eine Szene offenbarte sich den Reisenden. Hier, im Innern der Ebene.

Sie sahen eine alte Frau auf einem Steinboden liegen, sie wirkte, als wäre sie schon lange tot, aber es gab keine Verwesungsspuren.

Informationen über ihre Geschichte gelangten in das Bewusstsein der Betrachtenden.

...

Lila hatte eine Freundin, Elena. Beide verbrachten viel Zeit miteinander, so wie es kleine Freundinnen nun einmal tun.

Lila fühlte sich ein wenig in der Rolle der Führenden, Elena folgte ihr in vielen Dingen. Manchmal wurde es Lila zu viel. Konnte Elena nicht selbst einmal die führende Rolle übernommen? Lila versuchte sie zu provozieren, aber es funktionierte nicht.

Nicht, weil sie Elena verletzen wollte, sie wollte ihr einfach nur helfen, selbst einmal eine eigene Reaktion zu zeigen.

So warf sie Elenas Puppe in ein dunkles Kellerverlies und wartete nun darauf, was passieren würde.

Die Reaktion überraschte sie. Elena warf nun ihre Puppe in den Schacht. Also lies sie doch nicht alles widerspruchslos mit sich machen ...

...

Die Gestalt der liegenden Frau veränderte sich. Sie gewann ihre Jugend zurück, wurde wunderschön. Und dann schlug sie die Augen auf.

"Wo, wo bin ich? Wer seid ihr?"

Die Antwort auf ihre Fragen gelangten unmittelbar in ihren Verstand. Und sie begriff.

Langsam erhob sie sich und schaute Arianne direkt in die Augen, ohne jede Furcht. Die Antwort auf ihre Fragen kannte sie ja nun bereits und ...

"Du konntest es doch, Du hättest es doch tun könnten. Warum hast Du nicht eingegriffen. Warum nicht, warum nicht, warum nicht ..."

Dann weinte sie. Es war so heftig, dass sie zu Boden sank und sich mit den Händen stützen musste. Ihr ganzer Körper bebte.

Dann raste eine Welle der Empörung durch ihren Körper. Sie sprang auf und schlug auf Arianne ein, mit ihren Fäusten und ihrer ganzen Kraft. Und sie hatte sehr viel davon mitbekommen ...

Arianne stand da wie ein Felsen, den nichts umhauen konnte. Aber ihr Gesicht zeigte den Schmerz. Es waren nicht die Schläge, sie fühlte das Innere von Lila.

Irgendwann hörte Lila auf. Sie stand einfach nur noch da, ohne eine Reaktion, mit gesenktem Blick. Als wäre nichts mehr wichtig für sie. Alle spürten ihre Verzweiflung. Nein, sie wollte nicht existieren und nie existiert haben. Sich einfach nur auflösen und nichts zurück lassen ...

Eine vertraute Stimme gelangte in das Bild.

Lila erkannte sie sofort ...

...


"Wie soll es nun weitergehen?"

Arianne: "Willst Du Dein Leben zurück?"

Lila: "Mein Leben ... was sind wir hier?"

Arianne: "Ihr beide lebt. Dies ist nicht der Bereich des Todes."

Lila: "Nach dem ich Dich so verprügelt habe ... "

Arianne: "Du hast Deinen Gefühlen einen Ausdruck gegeben und keine Schwächere dabei verletzt."

Lila: "Du bist eine Göttin, die sich verprügeln lässt?"

Arianne: "Ich suche keine Bestätigung in der Stärke."

Lila: "Mein Leben ... meine Erinnerungen sagen etwas ganz anderes. Sie zeigen mir, wie ich zertrümmert worden bin. Alle meine Wünsche und Hoffnungen ... ich musste sie aufgeben, um überleben zu können. Ich wurde vergewaltigt, als Kind in eine Ehe hinein gezwungen, weil ich zu schön war und allein bleiben zu können. Wie ein Juwel, das jemand besitzen wollte ... meine Eltern ließen mich nicht mehr in die Schule gehen, weil sie nicht wollten, dass ich mehr wissen könnte als sie oder ein Leben hätte haben können, das sie nicht mehr begreifen oder kontrollieren konnten. Trotzdem gab ich nicht auf und als ich es geschafft hatte ... ich, ich war innerlich so leer. Und dann ..."

Lila musste weinen.

Arianne: "Es sind meine Gedanken, die Leben schaffen. Das, was Du erlebt hast, es ist ein Teil davon. Ich will die Welt nicht auslöschen, in der Du gelebt hast. Ja, ich hätte eingreifen können. Ich habe es nicht getan, aber ich tue es hier und jetzt."

Lila: "Dann kann ich mein Leben so führen, wie ich es mir gewünscht hätte?"

Arianne: "Ja, und diesmal bist Du beschützt. Du kannst in einer Welt leben, in der Du Dich an mich erinnern kannst oder auch nicht. So wie Du es Dir wünschst."

...

Cosma: "Warum hast Du nicht eingegriffen, Arianne? So wie wir es bereits mehrfach getan haben."

Arianne: "Stellt Euch vor, ihre Geschichte wäre der Inhalt eines Buches. Ich lese das Buch und dadurch wird die Geschichte real, denn meine Gedanken schaffen Existenz. Wenn ich ihre daraus resultierende Existenz verändere, entsteht ein Widerspruch zu dem Buch. Ich habe dann eine Quelle zu einem Ereignis, das widersprüchlich zur Quelle ist."

Janina: "Und wenn Du die Geschichte so belässt, verzweigt sie dann nicht?"

Arianne: "Das tut sie. Aber wie sie verzweigt, hängt auch von den anderen Personen ab, die in ihrem Leben eine Bedeutung hatten. Ihr müsst die Geschichte dieser Personen sehen, um zu begreifen, ob sie überhaupt eine andere Entscheidung hätten treffen können. Aber auch wenn sie sich anders entscheiden können, hat das Rückwirkungen auf alle anderen Personen. Wie in einem nicht linearen Gleichungssystem. Daraus kann sich ein Gleichgewicht bilden, das alle potentiellen Möglichkeiten mit einschließt. Aber in dieser Geschichte gibt es die Verzweigung nicht, so wie ihr sie Euch wünscht."

Janina: "Dann werden nicht alle Möglichkeiten realisiert?"

Arianne: "Der Zusammenhang und die Wechselwirkungen zwischen den Charakteren einer Ereignisfolge erzeugen eine spirituelle Welt. Sie ist dann ein Individuum. Es kann sich in Grenzen verändern, aber nicht unbegrenzt. Weil jede Veränderungen Wirkungen auf andere hat, die wieder zurückwirken. Wenn die Änderungen inflationär werden, zerstören sie die Welt."

Friedrich: "Dann kannst Du nur den ganzen Zeitstrom auslöschen, oder die Welt bleibt so wie sie ist?"

Arianne: "Ein Zeitstrom kann viele Welten enthalten, die gar nicht miteinander wechselwirken müssen. Deswegen sind die Entfernungen im Kosmos so groß und deswegen gibt es die großen Leerräume. Wenn ich eine Welt nicht verändern will, kann ich mich auch anders entscheiden, zum Beispiel so, wie ich es hier getan habe."

Janina: "Oder Du lässt eine Verzweigung zu, in der Magie eine Rolle spielt."

Arianne: "Das mache ich gerade."

Cosma: "Kann so eine Welt in parallele Zeitströme hineinreichen?"

Arianne: "Es gibt verschiedene Arten von Welten. Sie können auf einen Zeitstrom beschränkt sein, sich aber auch über verschiedene Zeitströme erstrecken. Romana ist ein Teil einer solchen Welt. Bei Friedrich und Janina ist das nicht der Fall und Cosma  kommt von außerhalb der Existenz. Aus einer Welt, die ZEITWESEN geschaffen hat.

Wenn ihr Beispiele für parallele Welten haben wollt ... denkt an die Geschichte von Doktor Who oder an die von Buffy mit ihren multiplen Dimensionen. Oder an die in der Geschichte der Vampire Diaries. Das ist alles Fantasie, aber ihr wisst ja bereits, wenn ich sie verfolge, bleiben sie es nicht.

Jasmina: "Doktor Who?"

Arianne: "Ihr wisst bereits, wovon ich rede. Ich kann auch eine Tardis hier her bestellen."

Friedrich: "Warum nimmst Du gerade diese Fantasieserien, haben sie eine besondere Bedeutung?"

Arianne: "Es ist nur eine Auswahl und da ich mich mit der Welt dahinter etwas genauer befasst habe, komme ich darauf. Es ist ja auch die Welt, die Hairflower sich ausgesucht hat."

...

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