Arianne 34 - Juliette

Home   nächste Seite

Eine Wette in der Abendshow, sie wollen ihr die langen Haare abschneiden.
Für wieviel Geld läßt sie sich kaufen?


Juliette

Es war eine von diesen "Für Geld machen sie alles"-Shows, "Wetten, dass wir sie dazu kriegen ... "

Sie hatten schon viele dazu gekriegt. Der Einsatz für die Wetten stieg immer weiter an.

Es ist doch nur eine Frage des Geldes. Darauf wurde gewettet. Diesmal ging es ums Haareabschneiden.

Die Auswahl der Kandidaten, über das Internet, Forenbeiträge und andere verfolgbare Aussagen. Bilder mussten auch dabei sein. Suche auf der Straße.

Darüber wurde dann abgestimmt, in der Life Show.

Eine überzeugte Langhaarliebhaberin musste gefunden werden. Was würde es kosten, ihr die Haare abzuschneiden, und wie kurz würde das Ergebnis ausfallen?

Verschiedene Kamerateams waren unterwegs.

Dann hatte man sich auf eine Person geeinigt. Juliette. Sie hatte knielange Zöpfe.

"Wir möchten ihnen ein Angebot machen?"

Juliette: "Ja, bitte?"

"Wir bieten ihnen einen kostenlosen Haarschnitt bei Starfrisör "Cut", in unserer Abendshow, vor laufenden Kameras. Sind sie interessiert? "

Juliette. "Kostenloser Haarschnitt, was verstehen sie denn darunter?"

"Wir werden ihnen verschiedene Beispielfrisuren vorlegen. Sie können dann wählen"

Juliette: "Ach ja? Ich bin aber richtig glücklich mit meinen langen Haaren, so wie sie sind. Und wenn ich die Beispielfrisuren alle nicht mag?"

"Wir sind eine Show. Es wurden Wetten abgeschlossen und es haben einige Sponsoren ihren Beitrag geleistet. Lassen sie mal sehen. Ja, wenn sie zustimmen, erhalten sie 100000 Währungseinheiten auf die Hand."

Juliette: "100000? Eine Menge Geld. Aber ich will nicht. Es sind meine Haare. Ich kann mein Leben so einrichten, dass ich damit klar komme und auch ein bisschen glücklich bin. Die Haare bedeuten mir sehr viel. Kurzhaarig, ich würde zu viel verlieren."

"Sie lehnen ab? Damit haben sie die erste Hürde genommen. Der Betrag steigt .... auf   .. 1000000. 1 Million, ist das nichts? Bedenken sie, was sie mit dem Geld alles anstellen könnten. Und wir spendieren ihnen eine körperlange Langhaarperücke aus Echthaar."

Juliette: "Ich bräuchte nie wieder zu arbeiten. Aber wenn ich morgens in den Spiegel schaue? Ich würde meine Haare sehr vermissen. Denken, was bringt mir der Tag, wenn ich das, was ich am meisten an mir geliebt habe, verloren hab? Dann hänge ich irgendwie doch nur rum, trotz des Geldes. Ich möchte das auch nicht unterstützen, Leute, die offenbar zu viel Geld haben, dafür bezahlen, dass sie das bisschen natürliche Schönheit auch noch zerstören, die es gibt."

"Der Preis steigt weiter ..."

Juliette: "Nein, ich will nicht, und wenn sie 35000000 bieten."

"Dies ist eine Grenzwette. Jeder ist käuflich. Ein Sponsor bietet ihnen 500000000. Wenn sie sich in der Show kahlscheren lassen"

Juliette: "500 Millionen? Der muss verrückt sein. Es gibt so viele Menschen, die dieses Geld bitter benötigen"

"Denen könnten sie dann helfen. Ist das kein Angebot?"

Juliette. "Das könnte ihr Sponsor auch tun. Nur damit ich mich kahlscheren lasse, dafür so viel Geld? Ich lebe gar nicht lange genug, um das alles ausgeben zu können. Aber das Leben, was ich habe, ich möchte es mit meinen Haaren teilen."

Der Kameramann stellte das Mikrofon ab, schaltete die Kamera aus.

"Dann machen wir es mit Gewalt. Was letztendlich in der Presse stehen wird, das können wir dann kaufen. Allein die Wetteinnahmen bringen mehr als 50 Millionen"

Sie befand sich innerhalb einer Gruppe von vielleicht 30 Leuten. Was sollte sie tun? Niemand von den Passanten würde ihr zur Hilfe kommen.

Am Ende würde es dann heißen, ja, sie hat ja doch wegen des Geldes. Die Tränen kann man ja wegretuschieren. Warum machten sie das ganze nicht gleich virtuell? Nein, sie brauchten ein natürliches Opfer. Auch der letzte Teil Natürlichkeit musste weichen, dann war die Welt perfekt. Und das Geld? Das würden andere für sie in Empfang nehmen. Diesen Tag würde sie kaum überleben, sie würde einfach verschwinden.

Ein Blitz. Ein gewaltiger Donnerschlag. Eine Windböe, die die sie umringenden Menschen einfach umwarf.

Wie durch ein Wunder blieb sie als einzige stehen.

Sie rannte davon. So schnell sie konnte. Entkommen lassen würde man sie wohl nicht, denn das wäre eine echte Niederlage für die Show.

Eine Niederlage für die Show, so etwas hatte es noch nie gegeben.

An der nächsten Straßenecke war sie völlig aus der Puste. Überrascht schaute sie nach vorne. Dort stand eine wunderschöne Frau mit superlangen, offenen Haaren. Irgendwie wirkte sie wie eine Gestalt aus Licht, obwohl sie doch ganz gegenständlich aussah. Nur, die Dunkelheit um sie herum, das Dämmerlicht der heranbrechenden Nacht, die Schwärze in den Ecken des Hauses, ja selbst die im Gulli auf der Straße, sie schien vor ihr zu flüchten, ohne dass sie überhaupt einen einzigen Lichtstrahl aussandte. Ein phantastisches Bild.

Und die Menschen hinter ihr, die sie verfolgen wollten, sie standen nur da, mit offenen Mündern.

"Hallo, liebe Juliette, ich bin Jasmin, willst du mit mir kommen?"

nächste Seite

Valid HTML 4.01 Transitional