Arianne 43

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Körperlichkeit und das Wesen des Todes

Link: Bild des Todes

Akadia und Sarah

Akadia zurück im Tempel der Langhaarigkeit. Ein bisschen fühlte sie sich wie eine Urlauberin, Urlaub von der kosmischen Größe. Wieder einmal ganz klein sein, die Körperlichkeit genießen. Ja, die Körperlichkeit. Sie hatte jetzt wieder eine menschliche Gestalt, mit bodenlangen Haaren.

Die Mönche waren so begeistert, sie wieder bei sich zu haben. Alle hatten jetzt lange Haare, nachdem man wusste, das die spirituellen Größen sie auch mochten.

Akadia hatte sich auf ihr Zimmer zurückgezogen. Sie liebte ihre superlangen Haare, rollte sich darin ein, spürte sie auf der Haut. Sie mochte es, wie sie ihre Haut streichelten, jeden einzelnen Quadratzentimeter davon.

Sie fühlte sich so fragil, verletzbar, aber es war auch wunderschön.

Sie spielte mit ihren Haaren, streichelte sie sanft auf der Haut.

Die Haare hatten ja ein eigenes Leben, aber die kleinen Wesen, sie rührten sich nicht. Gingen sie auf in den Gefühlen ihrer Janine?

So saß sie da, mitten drin in ihrer Haarpracht und genoss es, einfach nur so da zu sein.

Etwas näherte sich ihr. Sie steckte ihre telepathischen Fühler aus. Sarah :-))).

Sarah betrat den Raum.

"Du bist ja ganz nackt."

"Nur unter den Haaren" *grins*.

Komm, willst du dich nicht auch ausziehen, lass uns gemeinsam unsere Körperlichkeit genießen, Kleidung stört da doch nur.

Sarah musste lächeln, zog sich langsam aus.

Nun saßen sie beide nebeneinander, auf dem Boden. Schauten sich an. Liebevolle Blicke, die alles in sich aufsaugten, was sie sahen. Sie spürten die unendliche tiefe Sehnsucht der Seele nach Körperlichkeit und nach dem jeweils anderen Wesen. Liebe, ja, diesmal war sie nicht unsichtbar.

Janines waren so herrlich körperliche Wesen.

Telepathie, sie tauschten ihre Gefühle aus und fanden doch wieder zu sich selbst zurück. Seele und Körper, es wurde eins, sie verschmolzen miteinander. Eine Welle von Glück durchströmte die beiden.

...

Die Liebe

Die Liebe betrachtete sie und fühlte sich gut dabei. Als höheres kosmisches Wesen spürte sie die Gefühle der Janines. Die beiden waren so verloren, wenn sie sich aufeinander konzentrierten, es gab nichts anderes mehr für sie.

Wovon die Liebe nichts wusste, Ariannes verlorenes Haar schützte sie.

Black Dog

Was die beiden Janines nicht wussten, am Eingang vor dem Tempel stand ein hühnenhaftes Wesen und hielt Wache. Black dog. Heerscharen begleiteten ihn. Schon beeindruckend, dass die Mächte der Finsternis so besorgt um die beiden Janines sein konnten.

Sehen konnte man ihn nicht. Er war einfach nur da.

Jasmin und der Archivar

Aber auch Jasmin und der Archivar waren gekommen. Die beiden hatten sich gefunden. Sie saßen in menschlicher Gestalt draußen, am Brunnen vor dem Tore.

Ja, Liebe musste auch beschützt werden. Aber das gleich so viele kosmische Größen bereit standen. Wie einfach war es doch für die kleinen endlichen Wesen, sich einfach nur zu lieben. Jasmin und der Archivar. Dass die in aller Öffentlichkeit miteinander schmusen mussten!

Die Liebe musste lächeln. Schade, dass Black Dog sie nicht sehen konnte. Für ihn musste es schon merkwürdig sein, was sich dort in den Liebesbeziehungen tat. Rituale aus seiner Sicht, die er nicht unbedingt verstehen musste. Er sah nur die Schwäche der Wesen und dass sie beschützt werden mussten, verstand aber nicht, warum sich die Wesen so schwach zeigten. Na ja, er verstand aber, dass dies alles für Arianne sehr wichtig war. Nichts durfte diesen Wesen geschehen. Dafür stand er, und wenn es ihn das Leben kosten sollte.

Der Tod

Noch jemand anderes hielt Wache, von dem die anderen nichts ahnten. Der Tod.

Ein Wesen aus einer anderen Ebene, die sich begradigt hatte. Vereinfacht ausgedrückt. Was viel schlimmer war, diese Ebene konnte sich nicht mehr bewegen, regenerieren, eine neue Existenz schaffen. Ihr Bewusstsein war tot und was nur er wusste, dieses tote Bewusstsein, das war er.

Das Reich der Toten

Es gab dort eine Tiefe, eine endlose Schwärze, die immer weiter weg führte von allem was ist. Aber es gab auch Netze, das die Toten auffangen konnte. Vor dem Sturz in die endlose Tiefe.

Netze?

Das ist symbolisch zu verstehen. Die tote Ebene könnte so ein Netz sein, denn sie I.S.T. Auch wenn sie tot ist.

Sie I.S.T. tot.

Oder das Reich der Persephonia, die Hölle des Teufels. Nicht jedes Netz schickt die Toten wieder zurück.

In unendlicher Zeit?

Dort gibt es Ewigkeiten, die keine Rückkehr ermöglichen.

Auch er konnte hineinfallen, in die endlose Schwärze, und eines Tages würde es geschehen. In der Istzeit wanderte er zwischen den Netzen des Todes.

Die IstZeit?

Sie gehört zur Existenz. Es ist die Eigenzeit der Arianne.

Ob sich nach seinem Verschwinden eine neue Inkarnation des Todes für die Istzeit bilden würde? Oder wurde der Tod dann zu dem Nichts, das viele in ihm sahen? Und die Netze würden verschwinden?

Die Seele kehre nach dem Tod des Körpers zu Arianne zurück, so hieß es. Das mochte so sein, aber wen oder was begleitete er dann in die tote Ebene? Nun denn, die Dinge können getrennt wirken, obwohl sie doch eins sind. Und was von Arianne kommt, kehre auch wieder zu ihr zurück. Doch was ist mir ihrem eigenen Selbst? Wenn sich die Existenz verlieren sollte, so wie es in der toten Ebene geschehen ist?

Was sich dort wirklich tat, in der toten Ebene, das ging den Lebenden nichts an.

Er wußte es und damit sich das Schicksal der toten Ebene nicht wiederholt, dafür hielt er hier Wache. Er wusste wie tödlich es für Ariannes Traum sein konnte, wenn den Janines etwas geschah. Ein Tod im Bewusstsein der Arianne, das war genug. Im Grunde war die tote Ebene ein Alptraum der Arianne und nichts wünschte sich das Wachbewusstsein der Arianne mehr, als dass ihr Traum von Leben und Körperlichkeit Bestand hat.

Sollte irgendein kosmisches Wesen es wagen, sich den Janines in böser Absicht zu nähern, er würde es dort hineinschicken, in die tote Ebene.


Der Tod

Arianne

Auch Arianne wachte über die Janines. Sie sah die versammelte kosmische Garde und musste lächeln. Dieser Tod war schon merkwürdig, ein Teil von ihr und doch getrennt. Er stammte wohl aus einem anderen Traum, eher ein Albtraum, vermutete sie. Der Tod war das erste kosmische Wesen, das Aussagen über den Kosmos machte, die über ihr Verständnis hinaus gingen. Nicht, dass dies zu einer Sinnkrise geführt hätte. Sie war ja selbst ein Traum, aber ein Traum einer absoluten Wesenheit. Ob sie mit dieser Wesenheit verschmelzen konnte? Was ging hinaus über das Leben, den Tod, die Existenz? Arianne stellte sich Fragen, die sie nicht selbst beantworten konnte. Eigentlich ein Paradoxon, denn Arianne war ja allwissend. Es war aber auch ein bisschen schwierig, eine Arianne, die träumte, und der Traum der Arianne, der sich selbst als Arianne verstand.

Nun ja, die Existenz funktionierte trotzdem und es gab so viel Licht darin, das ihr Freude machte. Das half ihr, den Schmerz zu überwinden, den sie in sich trug.

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