Arianne 44

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Julius

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Julius mit seinen körperlangen Haaren, gerade mal 18 Jahre jung.

Er stand vor dem Spiegel, die Haare nach hinten gelegt. So sah er fast schon kurzhaarig aus.

Er strich sich die langen Haare mit den Fingern hinter die Ohren, band sie hinten zusammen. Nun hatte er einen superlangen Pferdeschwanz.

Von vorne betrachtet sah man die Haare gar nicht.

Ja, so würde er immer aussehen, nachdem er seine Haare abgeschnitten hatte.

In der Öffentlichkeit trug er die Haare meistens versteckt unter der Kleidung. Lange Haare bei Jungen, viele mochten das nicht. Gerade die jungen Männer selber, wenn sie in Gruppen auftraten, sie würden ihn in dieser Langhaarigkeit nicht akzeptieren. Wenn er Pech hatte, würden sie ihn jagen und ihm die Haare abschneiden.

Wenn er mit offenen langen Haaren unterwegs war, er sah aus wie ein Mädchen. Es machte ihm manchmal Spaß, die anderen zu täuschen. Nur hatte er es dann unter Umständen mit Potenzgehabe bei jungen Männern zu tun.

Wie er es machte, Probleme gab es überall. Dennoch, er war so glücklich mit seinen langen Haaren. Auch wenn er sie oft verstecken musste. Gerade in der Schule, manche Lehrer schienen aus einem anderen Jahrhundert zu stammen.

Die Schere lag schon bereit.

Morgen sollte er zur Armee eingezogen werden, da war Kurzhaarigkeit obligatorisch, zumal man sich gerade im Krieg befand. Wegen irgendwelcher Weltanschauungen, er wusste gar nicht genau, warum eigentlich.

Eigentlich hätte er heute zum Frisör gehen sollen, stand schon vor dem Salon.

Aber er konnte es nicht. Fremde Hände an seinen Haaren, die einfach nur alles abrasierten. Nein, das konnte er vorher selber machen.

Er nahme die Schere in die eine Hand, in die andere Hand den langen Pferdeschwanz.

Warum dies alles?

Er liebte doch seine langen Haare. Militär, Krieg, war das sein Krieg?

Staatsbürgerliche Pflichten. Wie gut für den Staat, dass die künftigen Soldaten ohnehin schon fast alle kurzhaarig waren, da gab es keine Problem mit der Disziplin. Der Rest würde sich schon einordnen lassen.

Aber musste er es selber tun? Nein, er legte die Schere wieder weg. Zumindest nicht gleich. Vielleicht, spontan im Laufe der Nacht.

Er legte sich auf sein Bett, nackt, halb bedeckt von den langen Haaren.

Sie streichelten seine Haut, bei jeder Bewegung mit dem Kopf.

Wie sehr er dieses Gefühl liebte.

Er wollte sich noch einmal ganz darin verlieren, in diesen Gefühlen, bevor sie ihn einkassierten.
Nach einer kurzen Ausbildungszeit ging es dann an die Front, viel Zeit blieb ihm nicht mehr.

Er spürte das Leben in seiner Haut, wie es durch ihn hindurchströmte.

Er entspannte sich, gab sich den Gefühlen hin. Sie waren so schön, er liebte diese Gefühle und seinen Körper.

Warum musste sie so viel Schönheit zerstören, durch diesen Krieg?

Zärtlichkeit, Sensibilität, das Leben konnte so schön sein.

Er vergaß alles um sich herum. Er spürte die tiefe Sehnsucht seiner Seele nach Körperlichkeit und er spürte, dass sich diese Sehnsucht erfüllte. Er wurde eins mit seinem Körper, ruhte in diesem Gefühl.

So lag er nun da, stundenlang. War es nun an der Zeit, die Haare abzuschneiden, sich in einen Soldaten zu transformieren?

Er wusste nicht, was er tun sollte.

Er würde einfach nur so liegen bleiben, bis die Sonne wieder aufging.

So im Vorübergehen, wenn er bereits angezogen war, die Haare über seiner Kleidung hingen, dann würde er seinen Vater bitten alles auf die Schnelle abzuschneiden. Er wollte denen nicht die Möglichkeit geben, ihn der Lächerlichkeit preiszugeben.

So schlief er ein.

Die Träume, sie öffneten ihm eine andere Welt.

Ein kleines Licht schwebte über seinem Bett.

"Hallo du."

Julius: "Ja, hallo, wer bist du denn?"

"Ach, nur ein Bote, der Information sammelt über das Leben, die Welt, über dich, deine Gefühle."

Julius: "Und wo geht es dann hin damit?"

"Ich weiß nicht, ich löse mich wieder auf, gebe es nur weiter."

Julius: "Das ist aber traurig, du bist doch so ein schönes sanftes Licht"

"Danke :-))). Ich darf eigentlich gar nicht mit dir reden, aber deine Geschichte, sie ist so traurig."

Julius: "Nicht so traurig, wie die Geschichte der anderen, die bereits im Krieg sind."

"Ich kann leider nicht viel für dich tun, ich bin nur ein kleines Licht, kann nichts verändern, nur Informationen sammeln. Du hast versucht andere Menschen telepathisch wahrzunehmen, ohne Hokuspokus, einfach nur so, aus Neugierde heraus."

Julius: "Ja, aber das klappt nicht, jedenfalls nicht so richtig. Manchmal habe ich so eine Ahnung von fremden Gefühlen, Gedanken, aber es verliert sich wieder."

"So weit entfernt warst du davon nicht. Aber du weißt nicht, wie gefährlich es ist. Wenn du die in die Gedanken der Sterbenden fällst, es wird dich mitreißen."

Julius erschrak. Er dachte an den Albtraum vergangene Nacht. Ein tiefes schwarzes Loch, das ihn verschlingen wollte.

Julius: "Es geschieht doch aber so oft."

"Ja, es geschieht, und es ist genau so schrecklich wie in deinem Albtraum. Bitte, gib es auf, du brauchst Anleitung dazu, Hilfestellung eines höheren Wesens."

Julius: "Wovon redest du? Bist du nicht selbst ein höheres Wesen?"

"Nein, nein, ich bin nur ein Informationsquant für die höheren Wesen. Eine eigene Existenz habe ich nicht."

Julius: "Aber du redest doch mit mir und du sagst "ich"."

"Das stimmt. Ist mir noch gar nicht aufgefallen. Uh, ich verletze die Regeln. Aber was kann mir schon passieren, wenn mich ein höheres Wesen trifft, löst es mich ohnehin auf."

Julius: "Ist das nicht auch grausam."

"Ich weiß es nicht."

Julius: "Du hast doch eigene Gefühle."

"Das ist ein Teil der Information, die ich gesammelt habe. Sie arbeitet weiter in mir fort."

Julius: "Kannst du denn Schmerz empfinden, oder Freude?"

"Oh ja, das kann ich. Ach ja, du weißt nicht, warum ich hier bin, bitte lass deine Haare morgen früh nicht abschneiden. Es wird eine Überraschung geben, im Rekrutierungsbüro."

Julius: "Eine Überraschung?"

"Ja, ich denke, es wird auch dich überraschen. Oh, die Überraschung ist schon da, ich glaube, gleich gibt es mich nicht mehr."

Julius sah eine Gestalt im Zimmer, sie erinnerte in an ... Julia!!!! Ich dachte, ich hätte dich für immer verloren, nachdem dich diese Bombe zerrissen hat. Bin ich denn in einem Traum? Ich kann doch nur noch träumen, von dir."

"Du träumst und doch bin auch wirklich, in deinem Traum. Aber ich bin nicht Julia, es ist deine Liebe zu ihr, die sich in mir manifestiert."

Licht: "Es ist die Liebe, ein höheres kosmischen Wesen. Willst du mich auflösen?"

Liebe: "Nein, Licht, du hast eine eigene Existenz verdient."

Julius: "Höhere kosmische Mächte, ich verstehe das nicht. Du siehst aus wie Julia, ich vermisse sie so sehr."

Liebe: "Julia kann ich dir nicht zurückgeben. Aber ich möchte nicht, dass du in den Krieg ziehen musst. Ich will dein Leben erhalten."

Julius: "Und all die anderen, die bereits sterben mussten?"

Liebe: "Es ist nicht so leicht für mich, mich zu manifestieren. Bei dir geht es. Es ist deine Liebe zu Julia, sie war niemals egoistisch."

Julius: "Aber ich bin doch kein Heiliger. Wenn ich daran denke, was ich schon alles verbrochen habe. Liebe muss doch auch egoistisch sein, reine Selbstlosigkeit, damit funktioniert sie nicht."

Liebe: "Es kommt darauf an, auf beide Teile. Schuld und Sühne. Du hast viel leiden müssen, mehr als viele andere und doch immer wieder das Licht in der Dunkelheit gesucht. Als deine geliebte Julia ihre Haare verloren hatte, durch eine Krankheit. Du wolltest deine eigenen abschneiden, eine Perücke daraus machen, um sie zu trösten. Sie wollte es nicht, liebte deine Haare, wollte sie erhalten. Auch als Trost für ihren eigenen Verlust."

Julius: "Haare, was bedeuten sie im Angesicht solcher Tragik? Sie sind doch völlig unwichtig."

Liebe: "Ja, das sind sie. Aber wenn sie von anderen geliebt werden, die gerade darin einen Trost suchen?"

Julius: "Die Haare. Es sind auch meine Erinnerung an Julia. Wenn ich sie wegwerfe? Aber nun holt sie sich das Militär. Was kann ich schon dagegen tun?"

Liebe: "Lass es mich tun. Ich bin zwar nur die Liebe, aber auch ich kann das Weltgeschehen verändern, so wie die anderen unendlichen Wesen. Weißt du, wenn ich mich auf den Schlachtfeldern zeige, ein Teil der Soldaten wird in den Feinden ihre geliebten Menschen erkennen. Es wird nicht einfach für die Generäle, sie noch weiter zum Töten zu bewegen. Und wenn sie ihr Exekutionsrecht anwenden wollen, na ja, wir werden sehen. Muss ja nicht alles vorher verraten."

Dann wurde es wieder ruhig im Raum.

Julius schlief ein, fest und traumlos für ein paar Stunden.

Am anderen Morgen, er frühstückte, zog sich an. Dann der Abschied vom Vater. Die beiden umarmten sich.

Vater: "Soll ich dir die Haare abschneiden? Sonst werden es die Militärs tun."

Julius: "Ja, aber, Moment, ich erinnere mich an einen Traum heute Nacht. Er war so realistisch. Vielleicht sollte ich auf ihn hören. Der Traum sagte, ich soll die Haare nicht abschneiden."

Vater: "Träume? Das ist doch Esotherik. Die Wirklichkeit sieht anders aus. Komm, gib mir die Schere."

Julius: "Weiß du, wenn mich die Wirklichkeit einholen will, wird sie es ohnehin tun. Was habe ich schon zu verlieren. Nein, lass mir die Haare, und wenn es nur die Stunde ist, die ich bis zum Rekrutierungsbüro brauche."

So fuhr er dann mit offenen langen Haaren in einem öffentlichen Bus.

Für die anderen sah er aus wie ein Mädchen.

Angekommen im Rekrutierungsbüro.

"Mädchen haben hier keinen Zugang."

Er zeigte seinen Ausweis.

"Was sind denn das für Haare? Wir haben hier einen eigenen Frisör. Siehst du den Laden da hinten. Da gehst du erst einmal hin und dann sehen wir weiter.  Der Ausweis bleibt hier."

Eine lange Schlange vor dem Frisörsalon. Er stellte sich hinten an.

Die Menschen vor ihm, die meisten hatten schon kurze Haare, bei einigen waren die Ohren leicht bedeckt, er sah aber auch einige Pferdeschwänze mittlerer Länge.

Die Menschen, die den Laden wieder verließen hatten extrem kurze Haare, maximal 9 mm schätzte er.

Die Menschen in der Schlange vor ihm drehten sich um, schauten ihn an. Nicht ablehnend, wie er es befürchtet hatte. Eher neugierig, aber auch ein bisschen resignierend.

"Die Haare wirst du wohl hierlassen müssen."

Dann betrat er den Laden. Vor ihm wurden 5 Menschen gleichzeitg geschoren. Er dachte an seine Haare und es tat ihm weh.

Dann wurde ein Stuhl für ihn frei.

Er setzte sich.

"Was haben wir denn hier? Das mache ich ja ganz besonders gerne."

Der Strom fiel aus. Der Frisörmeister konnte sein Rasiergerät nicht mehr bedienen.

Dann eben nicht. Es geht ja auch mit einer Schere.

"Aua". Er ließ die Schere fallen.

Die Schere stand unter Strom. Wie war denn das möglich?

Es wurde dunkel. Richtig dunkel.

Die Menschen verließen den Frisörsalon, gingen nach draußen.

Eine Sonnenfinsternis? Merkwürdig, die war doch gar nicht angekündigt.

Es wurde Nacht. Niemand sah mehr etwas.

Ein Licht.

Es wurde größer. Eine Schale, sie sah aus wie ein Blumenkelch.

Die Schale landete. Eine Frau von absoluter Schönheit mit körperlangen Haaren entstieg hier. Sie schien aus sich selbst heraus zu leuchten.

"Julius, willst du mit mir kommen?"

Julius kam aus dem Staunen nicht mehr heraus. Er spürte die spirituelle Ausstrahlung dieses Wesens. So etwas gewaltig Großes hatte er noch nie erlebt. Er wunderte sich, dass er diese Größe überhaupt wahrnehmen konnte, das war viel mehr als ihm seine eigene Welt jemals vermittelt hatte. In ihm entstand der Wunsch auf die Knie zu fallen und einfach nur zu beten. Er hatte seine Göttin gefunden.

"Ich bin Jasmin, das kosmische Wesen hinter dem Licht"

Julius
Julius mit seinen langen Haaren. Er sieht sich selbst in einem Alptraum, mit einem kleinen Spiegel in der Hand. Die Schwärze rechts im Bild, ein Vorbote des drohenden Unheils.

Link: ein besseres Bild, aber es umfasst mehr als 160 kB.

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