Arianne 45

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Julius und Jasmin

Julius und Jasmin im Photonenraumschiff. Sie drangen direkt in die Ebene ein.

Jasmin zeigte ihm die Existenz, wie sie sich hier widerspiegelte, die Universen, die darin eingebettet waren und die Dynamik der Welt.

Urknall, Zusammenbruch, Wiedergeburt. Nichts verging wirklich, wenn sich etwas auflöste bildete es die Substanz für etwas Neues.

Das Wesen der Existenz.

Er sah fremde Zivilisationen, wie sie miteinander rangen, Kriege führten und Frieden stifteten. Wie sie sich weiterentwickelten, untergingen, aber auch manchmal eine höhere Daseinsform erreichten.

Er sah Wesen, die Fähigkeiten eines Gottes in sich vereinigten. Realität und Pararealität, Fantasie und Wirklichkeit, wie sie die Welt gestalteten.

Ein kosmologisches Seminar.

Sie waren Jahre unterwegs, in seiner Eigenzeit.

Während der ganzen Zeit nahm er nur auf, aß nicht, trank nicht, schlief nicht, sein Körper schien sich von kosmischer Energie zu ernähren.

Julius empfand die Größe der Existenz, sie schien grenzenlos zu sein. Was ihn überraschte, er hatte keine Angst vor der Unendlichkeit. So viel Größe. Jasmin vermittelte es ihm. Er hatte telepathischen Kontakt mit ihr, eine Telepathie, die den Kosmos umspannte.

Julius: "Es ist fantastisch und es ist so schön :-)))."

Er kam aus dem Staunen nicht mehr heraus.

Jasmin: "Ja, das ist es. Siehst du die wunderschönen Farben dort, wie sie ineinanderfließen, sich scheinbar in die Unendlichkeit ausdehnen?"

Julius: "Ja."

Mehr konnte er gar nicht sagen, so sehr ergriff ihn dieses Schauspiel.

Jasmin: "Eine Janine. Eines der schönsten Wesen der Existenz. Sie ist ein unendliches Wesen."

Julius: "Eine Janine?"

Jasmin: "Sie verbreitet das Leben, man kann auch sagen, sie ist das Leben. Sie umfasst den materiellen Teil und die Seele."

Julius: "Und du?"

Jasmin: "Ich bin das Bewusstsein hinter dem Licht. Alle Photonen der Existenz sind ein Teil meines Ich."

Julius: "Gibt es denn für alle Naturkräfte ein Bewusstsein?"

Jasmin: "Die ganze Existenz bildet ein einziges Bewusstsein."

Julius: "Ebene, Existenz, wie hängt das alles zusammen?"

Jasmin: "Davon später. Du solltest wissen, warum ich gerade zu dir gekommen bin. Du hast das Potential einer Janine. Willst du eine Janine werden?"

Julius: "Ich eine Janine? So viel Größe? Ich bin doch nur ein kleines endliches Wesen. Sind Janines nicht weibliche Wesen?"

Jasmin: "Du bist ein kleines endliches Wesen mit großem Wachstumspotential. Bedenke, du gehörst nicht nur dir selbst, das Leben hat dich hervorgebracht und mit dir hat es etwas besonderes geschaffen. Eine männliche Janine, das ist doch ein reizvoller Gedanke :-))). Viele kosmische Wesen verstehen sich als weiblich oder männlich, aber auf dieser Ebene des Bewusstseins können sie ihr Geschlecht selbst bestimmen oder neutral sein. Du magst doch beide Teile in dir. Deine langen Haare haben eine besondere Bestimmung, wenn du eine Janine werden willst, aus ihnen bilden sich die Ströme der Zeit, in die du das Leben hineintragen wirst."

Julius: "Etwas besonderes? Ich will doch gar nichts besonderes sein. Nur leben, seine Schönheit wahrnehmen und mich vor ihr verneigen. Wenn die langen Haare so wichtig sind, können kurzhaarige Wesen dann keine Janines werden?"

Jasmin: "Ja, ich weiß was du fühlst :-))). Es ist auch deine Bescheidenheit, die wichtig ist. Das Potential einer Janine hängt nicht von der Länge der Haare ab. Es ist nur so, dass ich und viele Janines Langhaarigkeit mögen, so wie sie sich in euren Gefühlen ausdrücken kann. Wir verkörpern für die Menschen ja  auch Feen, märchenhafte Wesen. Die Haare sind eine Ausdrucksform für viele andere Dinge, die nicht direkt angesprochen werden. Sie sind ein Teil der Körperlichkeit und sie sind so leicht verwundbar. Es ist auch so, dass wir den Menschen in menschlicher Gestalt erscheinen. Wir passen uns den Zivilisationen an. Einer Zivilisation mit Echsen würden wir als Echsen erscheinen. Wenn du hier zusammen mit einer Echse stehen würdest, ihr beide würdet mich unterschiedlich wahrnehmen."

Ja, auch ein kurzhaariges Wesen könnte eine Janine werden. Die Länge der Haare ändert doch nicht das Bewusstseinspotential.

Körperlichkeit ist aber wichtig, Janines sind körperliche Wesen. Das gilt auch für mich und den Avatar, irgendwie haben wir da sehr viel Glück gehabt :-))), oder es ist die Gnade, die uns Arianne zuteil werden lässt. Dafür lieben wir sie ja so :-))).

Die Liebe existiert nur als Geistwesen, um in Erscheinung zu treten, nimmt sie oft die Gestalt eines anderen Wesens ein. Sie kann sich aber auch als reine Energie manifestieren. Ich habe sie auch schon als Comic Figur gesehen, manch einer hat sie da gewaltig unterschätzt. Die Hypermonster bestehen aus reiner Energie."

Julius: "Wenn ihr so viel Größe in euch vereinigt, könnt ihr mir meine Julia nicht zurückgeben? Ich vermisse sie so sehr. :-((("

Jasmin: "Du hast einen Wunsch, dessen Verwirklichung in der Existenz gar nicht vorgesehen ist. Ich muss Arianne um Rat fragen. Gedulde dich bitte etwas."

Jasmin erstarrte in ihrer körperlichen Gestalt. Sie rührte sich nicht mehr. Die Stunden vergingen, dann Tage ...

Julius Körper meldete sich wieder, er äußerte seine Bedürfnisse. Wenn Jasmin nicht bald wieder erwachte ...

Das Raumschiff meldete sich.

<< Für deine körperlichen Bedürfnisse ist gesorgt. Wir haben ein Quartier für dich eingerichtet >>

So lebte er nun einige Zeit für sich allein im Photonenschiff. Allein? Er bekam Besuch. Von einer wunderschönen Frau mit körperlangen Haaren.

"Hallo, Julius, ich bin ein Zeitwesen."

Julius: "Hallo, du bist so wunderschön. Gehörst du zu diesem Schiff?"

"Ja, ich bin ein Teil von ihm."

Julius: "Ein Zeitwesen?"

"Die Zeit ist ein lebendes Wesen. Alles was dort geschieht, es wird zu einem Teil eines lebenden Bewusstseins."

Julius: "Ist dann meine Julia auch ein Teil von dir?"

"Ja, sie ist in mir und ihre Zeit lebt in mir. Aber auch der Schmerz, den sie erleiden musste. Ich kann dich jetzt nicht zu ihr führen, warte bitte, bis Jasmin wieder zurück ist. Später werde ich dir dann deine Zeit zeigen. Wenn du eine Janine werden willst, dann musst du sehr viel lernen. Du wirst hundertausende von Jahren mit mir verbringen, und dabei auch die parallelen Dimensionen der Zeit kennenlernen. Ich gehe jetzt wieder, wollte nur einmal hallo sagen. Wenn du dich ganz einsam fühlst, dann rufe bitte nach mir."

Nach zwei Wochen rührte sich Jasmin wieder.

Jasmin: "Du denkst vielleicht an eine Reise durch die Zeit. Sie würde deine Julia wiedererstehen lassen, für dich. Es wäre aber eine neue parallele Realität mit einem anderen Wesen, erzeugt durch ein Ausschließungskriterium der Naturgesetze, das Paradoxievermeidungsgesetz.

Denn du hast in der Vergangenheit, in die du eintreten möchtest, keine Kausalität, keinen Ursprung. Du entstehst dort praktisch aus dem Nichts. Solche Zeitreisen verletzen den Energieerhaltungssatz und würden ohne das Paradoxievermeidungsgesetz ein Perpetuum Mobile ermöglichen.

Da du in eine Zeit zurückwillst, in der du deine Julia noch lebend erlebt hast, würdest du in dieser neu entstehenden parallelen Welt doppelt existieren. Die daraus sich bildende Zukunft ist ungewiss.

Es gibt in der Existenz solche Interferenzen in der Zeit, sie bilden neue Zeitströme. Manchmal erzeugen sie aber auch Paradoxien und vernichten sich dadurch selbst. Was für dich aber wichtiger ist, du würdest dein Ziel nicht erreichen, deine Julia wieder für dich zurückzuhaben. Sie wäre ein anderes Wesen.

Wir könnten sie auch neu für dich schaffen, denn ein Abdruck ihres Bewusstseins ist zu Arianne zurückgekehrt. Als endliches Wesen würdest du den Unterschied gar nicht merken. Es wäre aber eine neue Existenz, als Janine würdest du das erkennen und dich fragen, was ist aus meiner Julia geworden? Weißt du, Julia ist gestorben und diese Erfahrung können wir durch eine Zeitreise nicht rückgängig machen."

Julius: "Was ist mit ihr geschehen, dass ihr sie  mir nicht zurückgeben könnt?"

Jasmin: "Sie ist nicht mehr hier, im Bereich der Ebene. Um sie wiederzufinden müssten wir in die tote Ebene eindringen."

Julius: "Das Reich der Toten, gibt es so etwas wirklich? Das klingt aber sehr mystisch, wie eine Legende der alten Griechen. Aber, ach ja, du bist ja ein höheres kosmisches Wesen."

Jasmin: "Ich kann dort nicht eindringen. In der toten Ebene kann ich mich nicht entfalten. Du müsstest Kontakt zum Tod aufnehmen, nur der könnte dich in die tote Ebene begleiten und auch nur er wäre in der Lage, Julia wiederzufinden. Aber als sterbliches Wesen kannst du den Tod nur wahrnehmen, wenn du stirbst. Als Janine wärst du potentiell unsterblich, aber die tote Ebene ist dann genau so unzugänglich für dich wie für mich."

Julius: "Dann möchte ich sterben um bei ihr sein zu können."

Jasmin: "Wenn du stirbst, bist du für die Existenz verloren. Und in der toten Ebene, als gestorbenes Wesen? Du weißt nicht, was dich dort erwartet. Kälte, grenzenlose Einsamkeit? Ob sie dort auf dich wartet? Wie willst du sie finden? Die tote Ebene umfasst alle Stufen der Unendlichkeit, ich weiß nicht, wie groß das ist. Die tote Ebene, eine Erfahrung mit der Unendlichkeit, vor der ich als höheres kosmisches Wesen sehr viel Angst habe."

Julius: "Das ist aber sehr traurig. Das, was mir in meinem Innersten am meisten bedeutet, ist nicht möglich. Warum soll ich dann zu einem kosmischen Wesen werden? Ist es da nicht besser ich bleibe in meiner Endlichkeit und lasse mich täuschen? Ihr könnt doch bestimmt auch die Erinnerung an ihren Tod löschen."

Jasmin: *seufz*. Wenn jemand das Licht sehen kann, sollen wir ihn dann in die Blindheit zurückschicken und die Erinnerung an das Licht nehmen? Aber dennoch hast du ja recht. Also gut, wir werden Arianne aufsuchen, in ihrer Heimat, und sie um eine Audienz beim Tod bitten. Sie kann dir vielleicht helfen, den Kontakt mit dem Tod zu überleben.

Ich kann deine Julia sehen, in der Zeit. Ich zeige sie dir."

Julius sah seine Julia. Seine Sehnsucht nach ihr wurde so stark, dass er Jasmin bat, mit ihr in Kontakt treten zu dürfen.

Jasmin: "Du kannst nur in einem Traum zu ihr gehen, denn Träume sind frei von den Gesetzen der Existenz. Sie wird aber die Erinnerung an dich wieder vergessen, denn wir dürfen nicht in ihre Zeit einwirken. Auch deine Erinnerung wird verschwinden, denn du darfst dich nicht an etwas erinnern, das nicht gewesen ist. Kannst du das?"

Julius: "Ja, bitte."

So trafen sich die beiden Liebenden in einem Traum. Der Abschied war sehr schmerzlich, denn es würde keine Erinnerung an dieses Treffen geben.

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