Arianne 51

Home   nächste Seite

Der Asylant

Müde erhob er sich von seinem Nachtlager. Ja, es ging zu Ende mit ihm. Lange hatte er sich verbergen können, auf diesem kleinen Planeten, in dieser Höhle. Über Jahrhunderte hatte er den Wesen des kleinen Dorfes geholfen, sich gegen ihre übermächtigen Feinde zu behaupten. Nicht mit der Magie des Zauberers, einfach naturwissenschaftliche Kenntnisse, Wissen über Mechanik, Chemie, Biologie.

Nun ja, der kleine Zaubertrank ... Er musste innerlich lachen. Ein bisschen zusammenbrauen, das konnte er auch noch.
Keine wirkliche Magie. Er kannte aber die eine oder andere Möglichkeit der Bewusstseinserweiterung. Schließlich hatte er eine Milliarden Jahre zählende Entwicklung hinter sich.

Er hatte mechanische Rüstungen gebaut, die der Feind nicht durchschlagen konnte, mit Mechanismen versehen, die die Wesen darin sehr viel stärker machten als ihre Feinde.

Alles nur auf mechanischer Basis.

Mit den mechanischen Kanonen, die er bauen lies, hätten sie Raumschiffe abschießen können, aber darum ging es hier gar nicht. Es reichte ja, die feindlichen Kriegsmaschinen zu zerstören.
Die großen Maschinen, mit denen sie tonnenschwere Felsbrocken verschleudern konnten.

Das Imperium duldete keine Enklave, die es nicht beherrschen konnte.

Die 12 Kanonen zusammen mit ein paar weiteren Überraschungen reichten aus, um 50000 Legionäre auf Abstand zu halten. Insgesamt gab es fast 100 mechanische Roboter, die es mit den Legionären aufnehmen konnten.

Und wenn das alles nicht mehr half, es gab Fluggeräte, mit denen die Dorfbewohner entkommen konnten.

Aber es waren nicht die Legionäre, es waren die Toten, die ihn bedrängten. Sie ließen ihn nicht mehr los. Eine Armee der Finsternis, was sollte er tun? Ein einst mächtiges Wesen, auf der Flucht vor der Vernichtung. Er war ein Fremder in dieser Welt, eigentlich hatte er hier nichts zu suchen, hätte mit seiner Umgebung untergehen müssen, wie viele andere.

Um die Wälder herum hatten das Imperium Stellung bezogen. Sie trauten sich nicht weiter vorzurücken, aber es waren Zehntausende, wenn nicht Hundertausende. Wenn er nicht mehr war, was sollte dann aus den Menschen werden, in ihrem Dorf?

Noch war er nicht tot. Er würde ihnen ein Vermächtnis hinterlassen, mit dem sie sich behaupten konnten.

Nun hatten die Legionäre, die um das Dorf herum lagerten, ein Liebespaar gefangen. Eine Brieftaube hatte ihm die Nachricht gebracht. Die Legionäre hatten dabei die ungeschriebene Grenze überschritten. Wie lange würden sie sich noch zurückhalten?

Das bedeutete Krieg, Krieg den er nicht wollte, hatte er denn das Recht, in dieser Welt Menschen in den Tod zu schicken? Nein, hier hatte er überhaupt keine Rechte. Aber es gab ihn, er konnte denken und fühlen. Gab es nicht etwas größeres als das Leben und den Tod?

Er musste etwas unternehmen, nahm seine Holzkrücke und schleppte sich nach draußen.

Alt sah er aus und krank.

Nun ja, das konnte er schon ändern, aber der Einsatz paraphysischer Energie würde eine Welle erzeugen, die nicht unbemerkt in den Tiefen des Alls versickern würde. Die Wächter der Naturgesetze, sie würden ihn finden, dann ging es zurück in die tote Ebene, aus der er entkommen war.

Ob er der Einzige war, der entkommen konnte?
Von den großen kosmischen Wesen, die es einst gab?

Er war vielleicht der einzige Zeuge der Apokalypse. Sie war gewaltig gewesen, unvorstellbar, selbst für ein unendliches Wesen. Aber selbst mit der Vernichtung seiner Welt, es gab ihn ja noch. Dass es parallele Existenzen geben könnte, nie hatte er das für möglich gehalten.

Viele der kleinen Wesen hatten nicht die Möglichkeiten gehabt, sich ihrem Schicksal zu entziehen. So viele Tote. Er erschrak, wenn er nur daran dachte.

Sein Entkommen, ein Tribut an die Unwahrscheinlichkeit von Ereignissen in einer unendlich ausgedehnten Welt. Die Wahrscheinlichkeit für ein Entkommen war zwar Null, aber die Welt war ja unendlich groß gewesen. Damit waren auch Unwahrscheinlichkeiten möglich.

Na ja, so ganz unwahrscheinlich war es ja auch nicht gewesen. Die weiße Frau im Nebel hatte ihm einen Fluchtweg gezeigt. Einen Fluchtweg in den Zwischenraum, von dem aus er dann in diese Ebene entkommen konnte.

Was sollte er tun? Er hatte Angst um die beiden Wesen, die gefangen worden waren. Er musste sich um sie kümmern, unmittelbar, nahm telepathischen Kontakt auf.

Dabei wusste er, dass er nun nicht mehr unentdeckt bleiben konnte.

Nun würden ihn die Toten jagen und die Wesen dieser Existenz.

Wenn er nur nicht so schwach wäre. *seufz*

Und die beiden Gefangenen? Nun gut, sie waren erst einmal eingekerkert, aber es geschah ihnen nichts.
Zu ihren Schutz plazierte er einen Schatten in einer Ecke des Kerkers. Wenn er schon entdeckt werden würde, warum sollte er sich dann noch länger zurückhalten.

Dann machte er sich zu Fuß auf den Weg ins Lager der Legionäre.

Sollten sie ihn doch für klein und schwach halten.

...

Soldat: "Halt."

Er blieb stehen.

"Ich begehre Einlass."

Soldat: "Wer bist du, dass du etwas begehren kannst?"

Offizier: "Lass ihn herein. Wir kennen ihn. Lasst uns hören, was ihr begehrt."

"Gebt mir die zwei zurück, die ihr gefangen habt."

Offizier: "Was hast du uns dafür anzubieten."

"Frieden."

Offizier: "Nun, wir wissen, dass du uns Schwierigkeiten machen kannst. Aber so wie du aussiehst?"

"Das täuscht manchmal."

Offizier: "Das werden wir gleich sehen."

Er winkte einigen Soldaten zu. Ein Netz wird auf ihn geworfen.

Das Netz löst sich in Luft auf.

Ein Wind kam auf, nein ein Hypercane nähert sich dem Lager, alles geriet in Bewegung, nur ER stand da, völlig unbeeindruckt. Auf seine Krücke gestützt."

Offizier: "Nein, nein, gut, okay, aufhören!!!!! Wir geben uns geschlagen. Holt die beiden."

...

Soldat: "Das geht nicht, es traut sich niemand mehr hinein, in den Kerker, dort spukt es."

Ploppp

Die beiden standen plötzlich da, aus dem Nichts materialisert.

ER fasst sie an den Händen.

"Habt keine Angst, ich nehme euch wieder mit nach Hause."

Niemand wagte es mehr, sich ihm in den Weg zu stellen.

So humpelte der dann wieder davon, gestützt von den beiden.

...

Ein Raumschiff war gelandet.

Waren denn die Wächter so schnell? Nein, keine Wächter. Eine Janine?

Ein Wechsel in der Geschichte

Weiter geht es mit Eleisa, Julius und Julia.

Eleisa: << Wir werden jetzt eine Rast einlegen, auf einer Welt, die über eine endliche Distanz nicht erreichbar ist >>

Julius: "Also unser erster Kontakt mit der Unendlichkeit?"

<< Diese Welten sind wie irrationale Zahlen. In endlich vielen Wegetappen erreicht man sie nicht. Aber wir unendliche Wesen können auch unendliche Entfernungen zurücklegen >>

Julius: "Eine unendlich weit entfernte Welt in einer Galaxis, die selbst nur endlich groß ist?"

<< Ja, das gibt es öfter. Die Struktur der Raum-Zeit ist etwas komplexer als nur linear in einigen Dimensionen. Man kann es mit den irrationalen Zahlen vergleichen, es ist eine Unendlichkeit im Kleinen.

Solche Dinge entstehen durch Verwerfungen der Raum-Zeit, geschlossene Raum-Zeit-Kontinua, manchmal sind es Schwarze Löcher. Wenn man sich den Objekten nicht anpasst, kann man bei der Annäherung zerrissen werden.

Aber die Anpassungsfähigkeit ist nun mal eine Eigenschaft der Janines, wir können es >>

Julia: "Gibt es etwas Besonderes auf dieser Welt?"

<< Ein Licht, ein höheres kosmisches Wesen, besser ein flackerndes Licht. Das Merkwürdige daran, wir können keinen kausalen Bezug zur Existenz herstellen >>

Julius: "Das heißt?"

<< Es gibt keinen Ursprung in der Zeit, es ist einfach dort hinein materialisiert. >>

Julia: "Ein Zeitreisender?"

<< Nein, denn es gibt keine Zukunft aus der er stammen könnte. Er ist im Raum-Zeit-Kontinuum quasi entstanden >>

Julia: "Also eine spontane Entstehung, gibt es denn so etwas?"

<< Nein. Wir sehen ja das Kontinuum als Ganzes in allen seinen Verzweigungen und Dimensionen >>

Julius: "Dann kommt es von außerhalb der Ebene!"

<< Außerhalb der Ebene? Die Ebene umschließt doch die gesamte Existenz >>

Julia: "Ich war bereits einmal draußen"

<< Stimmt, es gibt offenbar ein Äußeres der Ebene. Ob es vielleicht aus der toten Ebene entkommen ist? >>

Julia: "Und was sagt Arianne dazu?"

<< Arianne, sie weiß alles, was wir wissen, hat ihn aber nicht eleminiert. Also duldet sie ihn zumindest >>

Julius: "Hat sie ihn vorher nicht erkannt?"

<< Er muss es irgendwie geschafft haben, sein wahres Wesen zu verbergen. Fragt mich nicht wie das geht. Für Wesen der Existenz ist das unmöglich, aber er gehört ja nicht dazu >>

Julia: "Dann könnte von Außen etwas in die Existenz eindringen, das Arianne nicht bemerkt?"

<< Nur wenn der Eindringlich überhaupt nicht mit der Existenz wechselwirkt, also nichts an der Raum-Zeit verändert, sich nicht bemerkbar macht. Damit eigentlich gar nicht vorhanden ist. Sonst erkennt sie ihn sofort. Sie weiß auch jetzt über unseren Eindringling  Bescheid, denn er hat etwas verändert, auch wenn es nur eine winzige Veränderung ist >>

Julius: "Was geschieht jetzt?"

<< Zunächst einmal müssen wir ihn finden...>>

...

... << Dort, seht ihr ihn?>>

<< Hallo, du musst keine Angst vor uns haben, wir werden dir helfen.>>

<< Die Wächter der Naturgesetze werden eingreifen. So schwach wie du bist, das kann dich vernichten... Da sind sie schon >>

Julia: "Können wir ihm nicht helfen?"

<< Nur durch die Ebene, bittet Jasmin einen Zugang zu öffnen. Da Arianne ihn offenbar toleriert... Wir sehen nichts Negatives an ihm, das die Ebene gefährden könnte  >>

Gegen die eigenen Naturgesetze! Na ja, der Geist hat eben seinen eigenen Willen.

Julia: "Ja, wir werden um Asyl für ihn bitten, für uns ist er jetzt der Asylant."

<< Bitte liebe Jasmin, hilf uns, lass uns in die Ebene hinein >>

Ein rundes Loch öffnete sich, mitten im Raum.

<< Geht hindurch. Wir bleiben draußen. Uns werden die Wächter nichts tun, denn eine Janine ist für sie tabu >>

Julius: "Hoffentlich. Wir haben ein wenig Angst um euch beide, Zeitwesen und Eleisa."

<< Wir Janines können uns auch wehren und wir sind sehr schnell, sehr viel schneller als alle anderen höheren Lebensformen :-) >>

Julia: "Wir danken euch für alles. Hinein in die Ebene. Den Asylanten nehmen wir mit"...

Julia, Julius und der Asylant gingen durch das Tor.

Krachend schloss es sich hinter ihnen.

Der Asylant



nächste Seite