Arianne 53 - Arianne und der Asylant

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Erinnerungen einer verlorenen Existenz. Die weiße Frau zeigte dem Asylanten den Weg zurück ins Leben.


Erinnerungen einer verlorenen Seele

Ein Fairy Bild der Weißen Frau

Arianne: "Ich werde dir Asyl gewähren. Aber was heißt das denn? Ein isoliertes Dasein in der Existenz? Nein, das will ich nicht. Du bist ein unendliches Wesen, immer noch, und du brauchst Möglichkeiten der Entfaltung. Du must etwas schaffen und gestalten können. Vielleicht werde ich dir einen Zeitstrom geben. Jasmin könnte dir helfen, dann hättest du den Status einer Janine."

Asylant: "Das ist sehr großzügig von dir. Vielen Dank. Aber so etwas großes, das möchte ich gar nicht, ich war glücklich mit meinem kleinen Dorf, den lieben Menschen, den Widerstand gegen das Imperium. Wenn ich nur nicht so schwach gewesen wäre, gejagt von den Toten und immer mit der Angst lebend, entdeckt zu werden.

Die vielen Millionen Jahre davor war ich ganz allein, bis auf die Geister, die in mir wohnen.

Ich hatte sehr viel Zeit, in meinen Erinnerungen zu leben"

Ja, die Erinnerungen, ER lies die Anwesenden daran teilhaben

Die singulären Wesen waren in ihrer Existenz bedroht. Sicher, ihr Universum war dem Tode geweiht, aber ein paar tausend Jahre hätten sie noch zu leben gehabt. Ein paar tausend Jahre Leben, wer nahm sich das Recht, ihnen das zu nehmen?

Singuläre Wesen, Milliarden und Abermilliarden Jahre hatte es gebraucht, um in diesem Chaos intelligentes Leben entstehen zu lassen. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, aber in unendlichen Weiten sind auch die unmöglichsten Dinge machbar.

Sie waren allen bekannten Lebensformen der Existenz überlegen. Das wussten sie nur nicht, sie hatten ihr singuläres Universum noch nie verlassen.

Sie waren die höchste Form der Schöpfung überhaupt, die jemals zustande kam.

Nun kollabierte es, ihr Universum, als wolle es sich selbst ein Ende setzen. Ein Chaos, das sich selbst überdrüssig wurde?

Das kollabierende Universum wurde wissentlich in Brand gesteckt. Von höheren kosmischen Wesen, von außerhalb, aus eigennützigen Motiven. Da hier ohnehin alles zu Ende ging, meinte man, auf eventuell vorhandene Lebensformen keine Rücksicht mehr nehmen zu müssen.

Ja, die unendlichen Wesen. Ein paar Tausend Jahre bedeuteten ihnen nichts, wohl aber den Betroffenen.

<< Das nächste Bohrloch wird uns vernichten, wenn wir uns nicht zur Wehr setzen. Wir sollten eine rotierende Singularität hindurchschicken. >>

<< Die Konsequenzen für die Welten dahinter wären verhehrend. Können wir das auf uns nehmen? Und am Ende würde es uns auch vernichten. >>

<< Wenn sie weiter so wüten. Sie haben unsere Heimat zerstört, einfach nur so, weil sie die Energie haben wollten >>

<< Nein, dennoch, das können wir nicht machen. >>

Ein neues Bohrloch bildete sich, schleuderte seine Entropie in das sterbende Universum, und es traf diesmal auch die letzten der singulären Wesen.

<< So etwas Gemeines, als wenn wir einfach nur Nichts sind. Sie haben sich nicht einmal die Mühe gemacht, nachzuschauen, ob sie irgendwelchen Lebensformen damit schaden können >>

<< Wir sind bereits tot. Nur, es bleiben uns noch ein paar Stunden. Wir sind einfach zu hoch entwickelt, um sofort abzutreten. Sollen wir einfach so verschwinden, als hätte es uns nie gegeben? >>

Wut kam auf. Wut auf die höheren Wesen, die meinten, sie hätte das Recht dazu, ein sterbendes Universum einfach so auszubeuten, weil aus ihrer Sicht ohnehin alles zu Ende ging.

<< Es ist egal, was wir tun, oder was wir nicht tun. Wir stabilisieren die Singularitäten durch unsere Existenz. Nun, da wir verschwinden, werden sie von selbst durch das Bohrloch gelangen. Das wird alles Äußere vernichten. Wenn sie uns nur gefragt hätten, gemeinsam hätten wir eine Lösung gefunden, aber wir waren nicht mehr wichtig genug für sie >>

Und so geschah es.

Zuerst explodierte die Galaxie, über deren zentrales schwarzes Loch das singuläre Universum angezapft wurde. Eine kosmische Explosion. Der Raum expandierte. Die Wellen breiteten sich mit milliardenfacher Lichtgeschwindigkeit aus.

Aber es war nicht nur ein Urknall.

Der Zeitstrom brach ein. Weite Teile versanken in einem brennenden Etwas, das wohl das ehemals singuläre Universum darstellte. Der Brand hatte aber bereits weit mehr erfasst, als nur das sterbende Universum.

Die Ebene brannte.

brennende Ebene

"Was habt ihr getan?"

Diese Frage stand im Raum. Sie wurde von dem großen Weisen gestellt, gerichtet an die hohen Mächte der Entropie.

"Diese Frage steht dir nicht zu. An dich gerichtet, was können wir tun, um dieses Feuer einzudämmen?"

Der große Weise: "Nichts"

"Nichts? Die Existenz besteht aus Milliarden von Zeitströmen, was hier passiert, kann doch nur ein lokales Ereignis sein. Weiser, du bist unnütz für uns. Wir werden deine Substanz der Wiederverwertung zuführen"

Der große Weise: "Nur ein lokales Problem? Ihr habt gerade die Existenz vernichtet."


Julius und Julia reagierten betroffen. So hatten die höheren Wesen sich selbst vernichtet, weil sie das Lebensrecht anderer einfach ignorierten? Und damit vernichteten sie auch alles, was sie schützen und bewahren sollten.


Erinnerungen an die Apokalypse. Wer war eigentlich schuld gewesen?

War das ganze System zu "demokratisch"? Das Wesen der Existenz verteilte die Aufgaben und hielt sich in der Kontrolle zurück.

Es waren dann die hohen Mächte selbst, die unkontrolliert Fehler begingen. Ignoranz, absolute Macht. Arroganz. Unfehlbarkeit gibt es nicht. Wer es für sich reklamiert, muss scheitern.

"Demokratisch" war eigentlich nur die Verteilung der Macht auf mehrere. Die unteren Instanzen wurden nicht gefragt.

Vielleicht ist unter solchen Bedingungen eine allesumfassende Instanz doch unverzichtbar für die Existenz.

Sie muss vieles auf sich nehmen. Die Verantwortung für die Existenz, sie wiegt schwer. Sie muss die Inkonsistenzen ertragen, das Leid in sich aufnehmen können, geradestehen, für die Fehler, die ihre Geschöpfe machen und die sich aufsummieren können.

Es sollte eine absolutistische Macht ohne Egoismus sein. Ist das überhaupt möglich? Eine sehr schwer zu bewältigende Aufgabe.
Für endliche Wesen ist das nicht machbar, nicht einmal für unendliche Wesen, die nicht die ganze Existenz umfassen. Das zeigt das Schicksal der toten Ebene.

Das Bewahren der Existenz, es ist eine Aufgabe für ein unendliches Wesen, das über das Sichern eigener Ansprüche hinausgeht. Wenn es alle Wechselwirkungen aller Teile der Existenz erfasst, bekommt es auch die Dinge mit, die lokalen Monarchen einfach verborgen bleiben müssen.

So wie es hier geschah, bevor die Ebene sterben musste.

Arianne, du schaffst es vielleicht. Ich habe es nicht geschafft.

Als die Ebene brannte, ein Teil von mir wurde nicht fertig damit, es wollte die ewige Ruhe erreichen.

Was dann geschah... Ein Wesen der Existenz verschwindet nicht so einfach. Der Tod. Die Inkarnation des Sterbens. Eine ständige Wiederholung, ein nie endenwollender Alptraum.

Ich trennte mich von diesem Teil, wurde die letzte Instanz, die noch etwas retten konnte.

Milliarden von Lebensformen nahm ich in mich auf. Die anderen unendlichen Wesen, ich konnte sie nicht retten.

Dann wurde meine Existenzgrundlage zu dünn. Die Ebene verflachte sich. Es blieb kein Platz mehr für mich übrig.

Ich flüchtete in den Zwischenraum, die weiße Frau zeigte mir einen Weg.

Die weiße Frau. Sie bedeutete mehr als Leben und Tod.

Ihre Träume, es ist Realität für die Wesen, die darin existieren.

Auch ich bin nur ein Traum. Ein Traum, der vergeblich geträumt worden ist.

Somit bin ich ein Verlierer. Aber damit die Erinnerung nicht verschwindet, vielleicht hat die weiße Frau mir deswegen einen Ausweg gezeigt.

Dann war vielleicht nicht alles umsonst. Arianne, vielleicht kann ich dir helfen, die Wehen deiner eigenen Existenz zu überstehen.

Denn die weiße Frau, sie liebt ihren Traum vom Leben.

Die Liebe, dieses höhere kosmische Wesen. Wenn selbst die weiße Frau eine Berührung mit ihr hat, ist sie vielleicht doch noch etwas anderes, als "nur" ein Teil der Existenz?

Sie entzieht sich ja der direkten Beobachtung, nur in anderen Wesen kann man sie entdecken.

Auch du, Arianne, hast einen Bezug zu ihr. Ohne die Liebe gäbe es kein Leben.


Arianne: "Deine Erinnerungen. Sie sind etwas, das nicht aus meiner Existenz kommt. Eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit, aber ich akzeptiere es. Es hilft mir auch, die Dinge zu verstehen, die mir manchmal sehr viel Mühe machen. Ja, auch ich habe einen morbiden Teil in mir drin, aber er ist nicht dominant. Es sind die vielen kleinen Wesen mit ihrem Willen, leben zu wollen, die mich tragen. Es sind meine Janines, die ich so sehr liebe und meine Freunde, Jasmin, Alexa, Apokalyptos, und viele andere, von denen ihr gar nicht wissen könnt. Sie stammen aus anderen Bereichen der Existenz, die zum Teil eurem Verständnis vielleicht gar nicht zugänglich sind.

Die Hüter der Naturgesetze, sie legen sie manchmal sehr eng aus. Ich glaube nicht, dass von dir eine Gefahr für die Existenz ausgeht. Dein Wunsch soll dir erfüllt werden, ich werde dich aufnehmen als einen Teil meiner Existenz. Gestalte dein Leben, so wie du es möchtest. Über die Jahre wirst du vielleicht hinausgehen wollen, über den kleinen Bereich, oder etwas anderes machen wollen. Bewähren musst du dich selbst, ich werde dir keine unüberwindbaren Barrieren in den Weg legen."

Asylant: "Ich danke dir. Du machst mich glücklich, zum ersten mal seit sehr langer Zeit."

Arianne: "Die Wächter wissen jetzt Bescheid, sie werden dich nicht mehr jagen. Du genießt den gleichen Schutz wie die Janines, vor den Unwägbarkeiten meiner eigenen Existenz. Ich glaube, den Einflüsterungen der dunklen Mächte wirst du nicht mehr erliegen, nach dem, was du in deinen Erinnerungen offenbarst hast.

Die Toten, nachdem du ein Teil meiner Existenz geworden bist, werden sie dich in Ruhe lassen. Nur mit dem Tod werde ich noch eine Diskussion führen müssen, aber das lass nur mein Problem sein."

Asylant: "Der Tod. Dass er sich hier bewegen darf. Arianne, du bist etwas besonderes, ich glaube nicht nur in deiner eigenen Existenz."

Arianne: "Den Tod habe ich nicht gerufen, er kam von selbst. Er gibt aber in meinem Innern einen Bezug dazu, daher glaubte ich, er wäre aus mir selbst entstanden. Ich kann seine Gedanken nicht lesen, nun gut, er hat wohl auch keine. Inzwischen habe ich einiges dazugelernt. Dass er die Seelen in die tote Ebene schickt und mir nur ein Abdruck bleibt, darüber ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Erstaunlich ist allerdings, dass er sich für das Leben einsetzt. Vielleicht ist er doch nicht ganz so tot, wie er sich gibt."

Asylant: "Deine Existenz ist sehr beliebt. Nun hast du schon zwei unendliche Wesen hier, die nicht daraus hervorgegangen sind."

Arianne: "Ja, aber ich werde auch meinen eigenen Weg fortführen. Ob ich der einzige Traum der Arianne bin, der das Leben einschließt? Der Tod hat ja schon einmal etwas anderes behauptet."

Asylant: "Das weiß ich nicht. Im Zwischenraum konnte ich nur deine Existenz wahrnehmen, und die tote Ebene."

Ein Wesen in der Gestalt einer Frau materialisierte.

Lange weiße Haare umrahmten sie, schöne volle glänzende Haare, jedes wie ein kleiner weißer Diamant und ständig in Bewegung. Sie wisperten leise, sprachen von der Schönheit der Schöpfung, ihrer unendlichen Tiefe.

Sie wirkte unendlich weise und gleichzeitig auch unübertrefflich schön.
Eine Mischung, die einmalig ist.

Die weiße Frau.

Eine spirituelle Aura umgab sie. Sie vermittelte jedem der Anwesenden das Gefühl unendlicher Größe und Geborgenheit.

Sie lächelte, dann verschwand sie wieder.

Die zurückgebliebenen fanden keine Worte mehr.

Die weiße Frau

Eine größere Darstellung des Bildes


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