Arianne 54

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Singuläre Welten

Singuläre Welten

Die gab es auch in der Existenz der Arianne.

Nachdem sie nun wusste, wie gefährlich sie werden konnten, wollte sie diese Welten etwas genauer kennenlernen.

Arianne bestieg ein Photonenschiff. Als unendlich ausgedehnte Welle mochte sie nicht dort hinein diffundieren.
So reduzierte sie ihr Ich auf einen beinahe endlichen Bereich, den Bereich des Photonenschiffes. Allerdings war sie damit auch nicht mehr überall in der Existenz gegenwärtig. Es war so, als wenn sie eine Ruhepause eingelegt hätte.

Eine Dunkelphase der Ewigkeit war das noch nicht. Das Photonenschiff war ja selbst nicht exakt lokalisierbar. Ein Teil von ihr blieb so der Unendlichkeit verhaftet. Sie wollte auch nur kurze Zeit abwesend sein, zu kurz, als dass es sich auf die Existenz auswirken würde.

Ja, das war ein Vorteil der Trägheit der Materie. Nichts geschah wirklich unmittelbar, brauchte seine Zeit. Eine wesenliche Voraussetzung für Existenz.

Der toten Ebene war diese Eigenschaft verlorengegangen. Sie konnte kein Leben mehr hervorbringen.

Den Besuch der singulären Welten hatte sie bisher vermieden, daher wusste sie auch nicht, was dort im Innern geschah. Aber nun wollte sie diese Welten kennenlernen.

Arianne, das absolutes Wesen, sie war doch ziemlich neugierig. Nun wollte sie Dinge erkunden, die selbst über ihre Unendlichkeiten hinausgingen.

Diese Reise würde sie alleine machen. Für die anderen höheren kosmischen Wesen war es einfach zu gefährlich. Sie konnte sich ja auch ohne Photonenschiff in jedem Raum-Zeit-Punkt der Existenz manifestieren.

Alexa: "Arianne, ich habe Angst um dich. Bitte bleib hier."

Arianne: "Nein, diese Welten sind ein Teil meiner Existenz. Ich muss sie begreifen lernen.
Weißt du, auch die tote Ebene würde es nicht geben, wenn ihr Wesen der Existenz es nicht gewollt hätte. Und was darüber hinausgeht? Ich glaube nicht, dass die weiße Frau im Nebel ihre Träume von außen zerstören lässt."

Alexa: "Dann möchte ich mir dir gehen."

Arianne: "Alexa! Ich möchte dich nicht verlieren. Nicht allen Gefahren, denen ich trotzen kann, wirst du widerstehen können. Es sind unbekannte Gefahren, die noch nicht einmal ich kenne."

Alexa: "Und wenn du nicht zurückkommst?"

Arianne: "Dies ist meine Existenz. Habe keine Angst, ich werde zurückkommen."

Arianne bewegte sich in ihrem Photonenschiff durch die Ebene.

Eine Singularität der Oberfläche, sie würde sich auch im Innern der Ebene bemerkbar machen.

Viele gab es nicht davon, sie musste einige Zeit suchen.

Ja, Arianne, die eigentlich über alles in der Existenz Bescheid wissen sollte. Aber wir wissen ja schon, nicht alles ist so perfekt, wie es gesehen wird, vor allem von den Außenstehenden. Das ist auch gut so. Perfektion ist instabil.

Dann wurde sie fündig.

Ein Bereich der Oberfläche wurde unscharf, die Konturen verschwanden.

Gleichzeitg gab es einen Sog. Ein Sog Richtung Oberfläche. Sehr merkwürdig.

Nun ja, ein Sog konnte ihr nichts anhaben. Sie lokalisierte nur die Bewegung.

Das Innere der Ebene, es wechselwirkte mit diesem merkwürdigen Bereich.

Bereich ist gut, eine unendlich ausgedehnte singuläre Zone, die auch gleich noch mehrere Zeitströme umfasste. Da hatte sie ja etwas ganz großes gefunden.

Arianne lies sich von dem Sog einfangen und materialisierte direkt im singulären Bereich.

Das Photoneschiff löste sich auf. So war sie plötzlich ganz allein den Wechselwirkungen mit den Singularitäten ausgesetzt.

Die Haare? Ja, sie umrahmten sie. Zeigten sich von der äußeren Umgebung völlig unbeeindruckt. So schwebte sie in ihnen und mit ihnen in etwas, das nicht definierbar war.

Hier gab es keine Naturgesetze, alles entstand irgendwie von irgendwoher und verschwand wieder. Raum und Zeit, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft flossen durcheinander, bildeten Wirbel, explodierten oder lösten sich auf. Quantenfluktuationen gab es im großen Maßstab.

Geodätische Linien zerriss es förmlich. Das hatte auch ihr Photonenschiff zerstört.

Ein endliches Wesen würde diese Umgebung zerreißen. Die Elektromagnetische Kraft war zu schwach, um gegen diese Wirbel bestehen zu können. Damit gab es auch keine zusammenhängende Materie. So etwas wie Atome konnte es hier nicht geben.

Mathematisches Beispiel einer wesentlichen Singularität in der Funktionentheorie (Link)

Die Existenz spiegelte sich wieder in den singulären Bereichen. Sie wirkten wie ein Computer, der die Vorgänge der Existenz auswertete, ohne Rücksicht darauf, ob sie zusammenpassten oder sich widersprachen. Was dabei herauskam konnte etwas völlig neues sein, dass es noch nie gegeben hatte.

Ob hier etwas entstehen konnte, das andere Existenzen bildete? Parallele Ebenen?

Dann war dies also das Wesen der singulären Bereiche.

Sie erzeugten nicht die Grundlagen der Existenz sondern werteten das vorhandene aus, für etwas, dass es vielleicht einmal geben würde.

Das Spirituelle der Existenz. Es manifestierte sich in den Singularitäten selbst. Überlagerung vieler Einzelschicksale, die irgendwann einmal stattgefunden hatten.
Aber auch die Wünsche, die Fantasie der Wesen der Existenz, sie wurden ein Teil davon.

In den Singularitäten bildeten sich dadurch Traumwelten, Pararäume der Fantasie.
Für Arianne war es fast so, als wenn sie eine Berührung mit ihrem eigenen Unterbewusstsein erlebte.

Singuläre Welten der Existenz, das Unterbewusstsein der Arianne.

Die virtuellen Welten konnten die Größe von Universen erreichen.

In diesem ganzen Chaos erkannte sie kleine Wirbel, die Inseln der Stabilität bildeten.

Dann plötzlich.

Ein Hauch von Ewigkeit berührte sie.

Was war das? Dann, ein leuchtendes Schemen direkt vor ihr.

<< Wer bist du >>

Arianne: "Arianne"

<< Du bist so urgewaltig, dass du den Widersprüchen in sich trotzen kannst. Wir müssen uns mit ihnen bewegen, ihre Unstetigkeiten vorausahnen können, nur dadurch erreichen wir eine Existenz. Du dagegen zeigst dich völlig unbeeindruckt. Alles muss sich nach dir richten. >>

Arianne: *grins*. "Das beruhigt mich aber. Weißt du, ich bin das Wesen der Existenz, zu dem auch dieser Bereich gehört."

<< Bereich ist gut, ich verstehe was du meinst. Ein Bereich ist etwas stabiles. Das was für dich stabil erscheint, ist für uns nur relativ erfahrbar, in dem wir uns einer rasenden Bewegung anpassen. Wir könnten in einem stabilen Bereich gar nicht existieren >>

Arianne. "Aber wir können miteinander kommunizieren, ist das nicht fantastisch?"

<< Das geht nur, weil du es willst. Du bist schon etwas besonderes. Was hat dich nur in unsere Welt verschlagen? >>

Arianne: "Ich möchte euch kennenlernen. Ihr seid ein Teil meiner Existenz und ich weiß doch so wenig von euch."

<< Dann komm mit mir. Ich bin nicht allein >>

...

<< Arianne, dass du uns besuchen kommst. Wir fühlen uns geehrt. >>

Arianne: "Ich möchte niemanden allein lassen, in meiner Existenz. Danke für euer freundliches Willkommen."

<< Wir sind ein wenig inkompatibel mit den anderen Teilen deiner Welt. Aber Raum haben wir ja genug >>

Arianne: "Wenn ihr Hilfe braucht, ruft nach mir. Ich werde euch hören."

So hatte nun auch Arianne ihre eigenen singulären Wesen. Sie würde sie beschützen, sie mochte sie einfach, und sie wusste um die Gefahren, die durch einer Überlagerung der normalen Raum-Zeit mit den Singularitäten entstehen konnten.

Sie bewegte sich zurück, in Richtung ihres eigenen Lebensbereiches, in dem Existenz etwas Stabiles darstellte.

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