Arianne 55

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Katzenaugen

Dann sah sie die Katzenaugen.

Sie materialisierten einfach aus dem Nichts, schauten sie an und verschwanden wieder.

Es waren tatsächlich nur Augen, ohne materielle Tiefe. Sie existierten wohl nur spirituell Aber sie hatten einen Gegenpart in ihr, sonst hätte sie sie gar nicht wahrnehmen können.

Arianne konnte sie nicht erfassen.

Wie war das möglich?

Sie konnten damit nicht zu ihrer Existenz gehören.

Ein Katzenauge entstand aus dem Nichts, diffundierte zur Oberfläche, durchstieß sie.

Es bildete sich eine Singularität.

Was waren das für Gebilde? Sie mussten absolut zerstörerisch sein. Wenn schon eine bloße Berührung mit dem Materiellen eine Singulariät erzeugte?

Ein Katzenuage näherte sich ihr, es schien sie berühren zu wollen.

Arianne verspürte Angst, etwas, dass sie für sich selbst sonst nicht kannte. Sie dachte an die vielen Wesen, deren Gefühle sie miterlebt hatte. Sie wusste, was Angst war.

Das Katzenauge schien die Angst zu spüren, wich zurück und verschwand dann.

Eine Begegnung der dritten Art. Dabei war sie selbst ein Hyper-Wesen.

Die neue Singularität, sie bildete dunkle Kanäle, die bis in die Ebene hineinreichten.

Sie näherte sich einem davon.

Am Eingang befand sich ein Geistwesen, vielleicht eine Art Wächter. Es vermittelte eine telepathische Botschaft.

<< Arianne, die Kanäle führen hinaus aus deiner Existenz. Bitte bleib ihnen fern, dort kannst du nicht bestehen >>

Ein Wächter, der bitte sagen konnte, das war doch schon etwas.

Dann, in einem der Kanäle blinkte ein Licht. Das Wesen davor trat zur Seite, gab den Weg frei.

Das Licht, es kam aus der Unendlichkeit. Es wirkte wie eine Einladung. Dann erlosch es wieder.
Wahrscheinlich hatte es weitaus weniger als eine Planck-Zeit existiert, nur, Arianne hatte es gesehen.

Arianne schwebte hinein, in den Kanal. Er war unendlich tief, er reichte über alle Stufen der Unendlichkeiten hinaus.

Nur eine Arianne war in der Lage, ihm zu folgen. Alle anderen Wesen würden die explodierenden Unendlichkeiten irgendwann zerreißen.

Nun war Arianne doch sehr froh, dass Alexa nicht mitgekommen war.

Dann, nach unendlich langer Zeit, gemessen an der Eigenzeit des Erzählers, sah sie ein Schemen. Es bildeten sich Konturen heraus.

Die weiße Frau im Nebel.

"Hier im Dunkeln warte ich schon lange auf dich."

Arianne verspürte Freude bei der weißen Frau im Nebel.

Katzenaugen umflogen sie beide. Es wurden immer mehr, hunderte, Tausende. In der Tiefe des Kanals mussten es Milliarden sein, vielleicht sogar unendlich viele.

Arianne stand nur da.

Die weiße Frau im Nebel bewegte einen Arm. Die Katzenaugen verschwanden schlagartig.

"Entschuldige bitte, ich spüre, dass sie dir Angst machen. Es sind meine Augen. Sie sollten dich zu mir führen"

Sie schaute Arianne an.

Komm, berühren wir uns.

Beide umarmten sich. Die weiße Frau im Nebel streichelte sie sanft.

"Weiß du, du bist so liebenswert. Ein Wesen der Existenz, das das Leben will und dafür auch das Leid auf sich nimmt. Du musst wissen, nur auf der Ebene der Existenz kann sich noch ein zusammenhängendes Bewusstsein bilden. Was darüber hinausgeht, es zerfällt. Möglicherweise bilden sich eigene Ebenen, aber manchmal verschwinden sie auch einfach, die Mega-Bewusstseine."

Arianne: "Bist du nicht das zusammenhängende Bewusstsein von allem?"

"Ich kann überall sein und überall existieren, aber nicht in allem zugleich. Die potentiellen Möglichkeiten und die aktuellen, manchmal widersprechen sie sich. Auch du kennst den Widerspruch in sich, in der Mathematik. Das ist bei mir noch viel ausgeprägter. Es sind meine Träume, die in sich abgeschlossen Existenzen schaffen und sie manchmal auch wieder verlieren."

Arianne: "Ich als Traum, mit wem spreche ich dann?"

"Im Grunde mit dir selbst. Wir sind uns sehr nahe, nur, für die Existenz braucht es ein abgeschlossenes Bewusstsein, auch wenn es unendlich ausgedehnt ist. Das sind die Träume in mir. Du selbst träumst dann die Wesen der Existenz. Indem du ihnen einen eigenen Willen gibst, bist du nicht allein. Du Glückliche :-). Ich danke dir, dass du zu mir gekommen bist. Lass uns eins werden für eine Unendlichkeit. Nichts in deiner Existenz geht für dich verloren, wenn wir uns wieder trennen, du kehrst dann an deinen Ausgangspunkt zurück."

Arianne: "Mit dir vereinen? Ja, der Gedanke daran macht mir Freude :-))) Ich verliere mich und gewinne doch so unendlich viel."

Und so geschah es.

...

Alexa auf Ariannes Heimatplanet. Sie war traurig.

Sie vermisste Arianne. Eine Träne suchte ihren Weg. Sie musste weinen. "Arianne, wo bist du? Ich vermisse dich so sehr".

Wie ein Häufchen Elend saß sie auf dem Boden. Ohne Arianne war alles so sinnlos und leer.

Eine schwarze Katze näherte sich ihr. Wo kam die denn her? Hier hatte es nie Katzen gegeben. Ariannes Planet war zwar so etwas wie eine Arche Noah, aber es gab einfach zu viele verschiedene Lebensformen. Und es war ja auch in wesentlichen ein Blütenplanet.

Die Katze schaute sie an.
Alexa streichelte sie, nahm sie auf den Arm.

Die Augen der Katze, sie waren so intensiv. Das war keine gewöhnliche Katze.

Alexa schaute in die Katzenaugen und verlor sich daran. Unendliche Weite und Tiefe. Dann sah sie Arianne.

Arianne winkte ihr zu.

<< Hab keine Angst um mich, ich bin bald wieder zurück. "Bald" ist für ein unendliches Wesen etwas ungenau *grins*. Bevor der Tag zu Neige geht, bitte, bereite schon das Abendessen vor. Vielleicht bringe ich jemanden mit *wink* >>

Alexa fühlte sich mit einem mal so erleichtert wie nie zuvor.

Katzenaugen

Katzenaugen

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