Arianne 64

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Wesenheit findet eine fremde Welt mit vielen Problemen, und er sieht dort ein Wesen der Unendlichkeit.


Wesenheit 02

Wesenheit hatte die Endlichkeit überwunden. Sein Universum war nun offen und neugierig wie er nun mal war, bewegte er sich durch die Unendlichkeit des Zeitstromes.

Der Statthalter würde ihn vertreten, sein spirituelles Erbe verwalten. Es konnte ja nicht sein, dass es ihn dort nun einfach nicht mehr gab. Zu viele hatten sich an seine Gesetze und sein wohlwollendes Eingreifen in die Geschehnisse gewöhnt.

Ein unendliches Wesen war er nicht. Noch nicht? Es gab keine Begrenzungen für seine Reise und auch kein Ende. Wie sollte er in der Unendlichkeit auch ein Ende finden?

Eigentlich gab es nur einen Anfang, das Universum, von dem aus er gestartet war.
Aber wenn er sich in der Unendlichkeit verlor?

Ganz wohl war ihm bei dem Gedanken nicht. Er wollte wieder zurück, in seine Heimat, das war doch nur ein kleiner Ausflug.

Na ja, ein kleiner Ausflug, 300 Milliarden Lichtjahre hatte er bereits hinter sich.

So ein isoliertes Universum wie seins, es war doch irgendwie einmalig. Es gab auch außerhalb nichts zu sehen. Wenn er es nicht besser wüsste, er hätte sein eigenes Universum für das einzige existierende halten mögen.

Vielleicht hatte es sich einsam gefühlt und deswegen eingerollt. Verstehen konnte er das schon.

So betrachtet half ihm die Unendlichkeit auch nicht weiter.

Als Geistwesen, das ein ganzes Universum ausfüllen konnte, bereitete es ihm keine Probleme durch den Strom der Zeit zu schwimmen.

Von der Janine dieses Zeitstromes sah er nichts. Nun ja, Janine war ja auch ein unendliches Wesen. Man sollte nicht zu viel erwarten.

Wenn da nicht Alexa in seinen Erinnerungen vorhanden wäre.

Lange Zeit schwebte er so durch das Nichts.

Zeit? Er bewegte sich doch durch einen Zeitstrom. Es war seine Eigenzeit, die verging. Zeit, die er brauchte, um Gedanken zu formulieren, seine Erinnerungen zu durchleben. Ein unendliches Wesen schaffte das vielleicht auch ohne das Zeit verging.

Dann geschah es, es sah ein für ihn fremdes Universum.

Also hatte Alexa doch recht. Außerhalb seines Universums gab es noch etwas anderes.

Ob er dort einfach eindringen konnte? Vielleicht gab es dort so etwas wie ihn. Aber nein, dieses Universum war offen.

...

Lebensformen gab es dort. Hochentwickelte Raumfahrtnationen. Hochentwickelt? Wenn man von einer Galaxis in die nächste fliegen konnte um dort Kriege zu führen?

Eine das ganze Universum umfassende Zivilisation konnte er nicht entdecken.

Das übliche Hickhack um Positionen, Machtkämpfe, als wenn die Spezies ihre animalische Vergangenheit mit aller Gewalt technifizieren mussten. Nun ja, das kannte er ja schon.

Aber es gab auch spirituelle Entitäten, die alle möglichen Geistesinhalte verbreiteten. Manche war ziemlich selbstzentriert. Was für ein eingeschränktes Bewusstsein, als wenn das Seiende ausschließlich aus ihnen selbst entstehen würde. Die eigenen Gedanken als kosmologisches Prinzip? Was für eine Weltsicht *seufz". Aber ein bisschen kannte er das ja, aus seinen eigenen abgeschlossenen Zeiten.

Ja, manche Teile dieses Universums waren ziemlich isoliert. Und die Entitäten darin sorgten auch dafür, dass es so blieb. Bewusst oder unbewusst, sie hatten wenig oder gar keinen Kontakt nach außen.

<< Du bist nicht allein in der Dunkelheit >>

rief er einem dieser selbsternannten Götter zu. Ob der ihn überhaupt verstand? Wahrscheinlich dachte er eher, sein Unterbewusstsein hätte zu ihm gesprochen.

Wellentäler und Abgründe der Gravitation, es gab so viele fraktale Strukturen hier. Sehr inhomogen verteilte Materie.

Er selbst blieb unentdeckt. Offenbar war er für diese Wesenheiten bereits zu groß.

...

Ein sterbender Planet. Die Intelligenzwesen auf der Oberfläche hatten ihn in eine Müllhalde verwandet. Die Meere waren verseucht, Teile der Oberfläche verstrahlt. Intelligenzwesen? Was war nur in sie gefahren, so viel Destruktivität. Wo war die Freude am Leben?

Wo sollte sie in diesem Gewimmel zwischen den Stahlbetonbauten auch herkommen.

Dass sie nicht alle übereinander herfielen, eigentlich war das schon ein Wunder.
Es gab viel Theater  um nichts, Spekulationen, Träume von Reichtum, Vertrauen in etwas, das es gar nicht gab. Diese Vorstellungen waren ihnen tatsächlich wichtiger als ihre eigene Realität.

Es gab so viele Kriege und Kleinkriege. Gewalt als ein Unterhaltungsprinzip. Animalisches Ausleben von Gefühlen. Wo sollte sich da eigentlich Intelligenz entwickeln? Sie schwärmten für Macht und Größe. Dabei hatten sie doch eine Geschichtsschreibung, die ihnen zeigte, warum die großen Tiere ihrer Vergangenheit ausgestorben waren.

Das Ende war nah, aber der Horizont war wohl zu klein um das zu erkennen. Na ja, wenn man nur auf das unmittelbar Benachbarte reagieren kann. Eigentlich eher eine langweilige Welt, obwohl, es gab auch Licht zwischen den vielen Schatten.

Es gab so viel Angst, die das Leben dieser kleinen Wesen umfasste. Zwänge, die sie sehr viel kleiner machten, als sie auf Grund ihrer Intelligenz eigentlich sein mussten.

Und es gab Größenwahn von wenigen, die sich an ihrer eigenen Größenvorstellung berauschten.

Dabei war das alles doch nur temporär, nach ein paar Jahrzehnten verweht.

Warum versuchten sie nicht stattdessen, ihre Horizonte zu erweitern?

Andere lebten nur nach dem Lustprinzip. Wieder andere kämpften täglich um das unmittelbare Überleben. Denen blieb gar keine Zeit, irgend etwas anderes zu probieren.

Es gab auch sehr morbige Zustände, Lust an der Gewalt und an der Zerstörung, ohne dass hierfür eine Notwendigkeit vorlag.

Die Wehen der Intelligenz, der Kampf gegen das animalische Erbe?

Oft hatte er über diese Dinge zu Gericht gesessen, denn manches von den Geschehnissen lag auch in der Verantwortung der Individuen.

Heute dachte er etwas anders darüber. Es ging nicht so sehr um Moral. Es war die erwachende Intelligenz, die sich durchsetzen musste. Nicht indem sie ihren Ursprung vernichtete, sich versuchte davon unabhängig zu machen, nein, indem sie den Gefühlen eine Richtung zeigte, sich darin integrierte.

Verstand und Gefühl, als Teile eines neueren, höheren Ganzen.

Das war eine der Anforderungen der Evolution, ableitbar aus den Naturgesetzen.

Aber nicht einmal die Entwicklung höherer Wesenheiten musste so verlaufen. *seufz*. Das wusste er selbst aus eigener Erfahrung. Die Erscheinung der Selbstbeweihräucherung war nicht auf die kleinen Wesen beschränkt.

Ob Arianne es geschafft hatte? Oder Alexa? Manches deutete darauf hin. Oh, er wünschte sich so sehr, dass sie es geschafft hatten und dass auch er es schaffen würde.

Das was er sah, es kam ihm alles so bekannt vor, aus der langen Zeit in seinem eigenen abgeschlossenen Universum.

Dennoch, etwas an dieser Welt berührte ihn, das Aufbegehren gegen die scheinbaren Unvermeidbarkeiten. Irgendwie war doch mehr in  ihnen drin, als sie nach außen zu zeigen verstanden.

So beschloss er dann doch zu bleiben.

...

Dann sah er sie. Eine Frau mit körperlangen Haaren, unbeschreiblich schön. Sie saß dort in einem Kaffee, schaute dem Trubel zu, der um sie herum ablief. Er erkannte sofort, dass ihr spirituelles Potential seine Möglichkeiten bei weitem überstieg, unermesslich weit. Es berührte ihn, was er sah, dort auf dem Planeten, dort unten befand sich ein Wesen der Unendlichkeit.

Nicht dass er eine solche Berührung zum erstenmal erlebte, er kannte ja schon Alexa.

Aber das Wesen dort unten, es faszinierte ihn über alle Maßen. Dann schaute sie in seine Richtung, winkte ihm zu. Es erfüllte ihn mit Freude.

Dabei befand er sich fast 10 Milliarden Kilometer entfernt, auf einem Asteroiden.

Der Asteroid sollte wohl das Argamennon einleiten. Er bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von 200000 km/s auf den Planeten zu und hatte eine Dicke von fast 150 km.

Irgendjemand musste ihn auf diese Reise geschickt haben, obwohl, es konnte auch zufällig sein. Daran glaubte er aber nicht und die Anwesenheit des unendlichen Wesens bestärkte ihn in seiner Einschätzung.

Eine Wolke spiritueller Wesen näherte sich dem Planeten aus einer anderen Richtung. Was hatten sie vor? Sie würden später eintreffen als der Asteroid. Die Abgesandten des Todes? In seiner eigenen abgeschlossenen Welt hatte er die toten Seelen in sich aufgenommen, zumindest glaubte er das. Das was sich hier anbahnte war aber Teil einer offenen Welt.

So weit würde er es nicht kommen lassen. Er stoppte die Bewegung des Asteroiden.

Dann schaute er auf das unendliche Wesen, unten auf dem Planeten.

Sie nickte fast unmerklich mit dem Kopf.
...

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