Arianne 80 - Teufel 02

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Teufel 02

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Eine kleine Janine. Laut hatte sie es hinausgerufen in die Welt. Sie suchte jemanden, der ihr half, die Ungereimtheiten der Existenz zu verstehen.

Noch war sie ja keine richtige Janine, aber sie war so wissbegierig, wollte lernen. Ein bisschen traurig war sie schon, dass sich niemand meldete.

Ploppp

Ein Wesen materialisierte. Etwas nebulös, unscharf, nicht genau zu erkennen.

<< Hallo kleine Janine, ich habe dich rufen hören >>

Janine: << Hallo :-))) schön dass du gekommen bist. Aber wer bist du? >>

<< Ich bin nicht das, was du erwartest hast, aber hab keine Angst >>

Janine: << Nein, Angst habe ich nicht, aber ich möchte wissen wer du bist >>

<< Der Teufel >>

Ploppp

Schon saß sie auf der obersten Astgabel des großen Baumes und schaute 30 Meter in die Tiefe, auf diese Mischung aus weißem Nebel und dunklem Schatten.

<< Bleib fern, nein, ich will nicht von dir gefressen werden >>

Teufel: << Ich tue dir nichts. Nur deine Fragestellungen. Von den kosmischen Wesen kann ich dir noch am ehesten Antworten geben >>

<< Teufel, du willst doch nur alles in deine Hölle einverleiben >>

Teufel: << Ich analysiere die diabolischen Verhaltensweisen der Wesen der Existenz und suche nach Netzwerken, Gemeinsamkeiten. Somit bin ich eher ein Analytiker der Schattenseite. Die Ergebnis sind aber wissenschaftlich zu betrachten. Was am Ende daraus für Konsequenzen gezogen werden? Das weiß ich jetzt auch noch nicht. Die Hölle, ich habe sie nicht geschaffen. Es sind die Inhalte des diabolischen Netzwerkes, die die Wesen der Existenz selbst zu verantworten haben >>

<< Aber warum antwortest gerade du mir? >>

Teufel: << Ich finde deine Motivation interessant. Sie kann mir weiterhelfen, aber auch den anderen Wesen, die meinen, sie stehen im Licht >>

<< Seufz, Teufel, wenn ich dir glauben könnte. Ich bin ja noch gar keine richtige Janine, daher kann ich dir auch nicht davonlaufen >>

Teufel: << Arianne schützt dich. Wenn ich nach dir greifen würde, ich glaube nicht, dass ich dich erreichen könnte >>

<< Arianne, wer ist Arianne? >>

Teufel: << Später. Nun musst du dich entscheiden, willst du mir glauben? Obwohl, glauben ist ja eher eine Sache Gottes >>

<< Gott, gibt es den auch als kosmisches Wesen? >>

Teufel: << Es gibt eine Inkarnation auf meiner Ebene. Der Gegenspieler des Teufels. Aber Gott ist möglicherweise viel weitreichender. Das kann ich aber nicht beurteilen, denn ich bin auf meine Unendlichkeiten beschränkt.

Vielleicht gibt es auch keinen allesumfassenden Gott, so wie es keinen allesumfassenden Teufel gibt. Aber diese Fragen kann ich nicht beantworten, du siehst, auch grenzenlose Wesen können offene Fragen haben. Es gibt eine Arianne, die die Existenz umfasst. Für die Wesen der Existenz ist sie ein Gott. Sie umfasst auch mich, in meinen ganzen Unendlichkeiten >>

<< Du bist ein grenzenloses Wesen? Ein Wesen der Unendlichkeit? >>

Teufel: << der vierten Stufe >>

<< Ist das mehr als die Unendlichkeit, die eine Janine umfassen kann >>

Teufel: << Ja, es ist eine höhere Form der Unendlichkeit >>

<< Ich würde gerne von dir lernen, aber es ist so mystisch, unheimlich, größer als ich momentan begreifen kann. Und hier ist kein anderes Wesen, das dir widerspricht oder zustimmt. Ich habe Angst >>

Plötzlich materialisierten zwölf kapuzenhafte Wesen. Sie hingen in der Luft, über der Janine und warfen ein Netz aus. Plötzlich war Janine gefangen und was noch schlimmer war, sie konnte sich nicht aus dem Netz befreien.

Teufel: << Ähem >>

"Wer spricht dort, wir sehen nichts. Zeig dich. Wir sind die Zauberer der Inquisition. Diese Hexe hier gehört uns"

Teufel: << Ja, stimmt, ich mache mich mal sichtbar, nur für euch >>

Die Wesen erstarrten, fielen zu Boden und wurden zu Stein. Vor Schreck.

Teufel: << So was aber auch >> *kopf schüttel*

Er nahm sich das Netz mit der Janine darin und schulterte es wie einen Sack.

Teufel: << Janine, lass uns erst einmal verschwinden. Dieses Netz, es schützt dich auch vor ein paar Dingen >>

<< Ich  will hier raus !!!!!! >>

Ein Rauschen. Was war das?

Ein Wesen der Unendlichkeit. Janines Rufe waren wohl doch nicht so ungehört verhallt. Na ja, 2. Stufe. Wahrschenlich ein Hypermonster. Damit brauchte sich der Teufel nicht abzugeben. Er ignorierte es einfach.

Und das Hypermonster? Es erkannte seine Grenzen und verschwand wieder.

Teufel: << Janine, das hätte dir gefährlich werden können. Obwohl, Arianne hätte wahrscheinlich eingegriffen. Ganz sicher bin ich mir aber nicht. Sie redet in ihrer Gesamtheit ja nicht mit mir, duldet mich nur >>

...

Der Teufel zerriss das Netz, das Janine umspannte, mit den bloßen Händen. Ein Netz, das selbst Zauberkräften trotzen konnte. Janine war wieder frei.

Du willst die Ungereimtheit der Existenz verstehen.

Ich zeige dir ein paar Dinge, die im diabolischen Netzwerk gespeichert sind.
Nein, dorthin will ich dich nicht mitnehmen, es sind nur ein paar Eindrücke, die ich dir vermitteln will. Die Sichtweise des Teufels auf die Existenz.

...

Hexen, festgebunden an einem Pfahl, bereit zum Verbrennen?
Bereit? Als wenn sie das selbst anstreben würden.

Zuschauer, die das Sterben mit Wonne beobachten wollten. Destruktives Empfinden von Lust. Freude an der Zerstörung.
Lust und Freude, hatten sie nicht ursprünglich einen anderen Zweck?

Brot und Spiele. Menschen die von wilden Tieren zerrissen wurden. Die zuschauende Menge in hysterischem Blutrausch.
Wo war das bisschen Geist geblieben, das sie einst besessen hatten?

Oh wie großartig, ein wehrloses Wesen zu töten. Wenn einem selbst dabei nichts passieren kann.

Rausch der Gefühle. Gefühle von Größe und Macht. Ausleben von Wut, Zorn und Hass.
Und die Ernüchterung? Oder fordert es nur Wiederholung, solange, bis nichts mehr zu wiederholen ist?

Das Leiden der anderen zu sehen und sich dabei wohlzufühlen, dass es einen selbst nicht trifft?
Oder Belohnung für die Folgsamkeit, Unterwerfung unter einen Mächtigen? Für den Verlust der eigenen Würde?

Soldaten, die mit ihren Schwertern wehrlose Frauen und Kinder durchbohrten. Gefangen in einem Blutrausch, Gefühle, an denen sie sich berauschten. Mitleid? Nein, es war berauschender, zu töten. Letztendlich war die eigene Existenz ja auch nur sinnlos. Und die Gefühle, die dabei entstanden? Ein frei gewählter Zustand. Aber auch töten auf Befehl, ohne einen weiteren Gedanken daran zu verschwenden. Es sicherte zumindest die eigene Existenz.

Aufgabe der Individualität durch Befehl und Gehorsam. Und die eigene Verantwortung? Die gab es dann oft nicht mehr.

Verkrüppeln und auch Zerstörung von Körperlichkeit, aus vielerlei Gründen. Standen dahinter Einsichten, die Intelligenz erforderten?
Warum Intelligenz, wenn der Rausch der Gefühle doch so sehr viel befriedigender ist? Und das Ziel dahinter? Es kann nur einen geben, der alles beherrscht.
Aufgabe der Individualität durch Identifikation mit einer abstrakten Größe.

Trennung von Körper und Geist. Der Körper muss unterworfen werden. Was kümmern seine Bedürfnisse nach Zuwendung und Streicheleinheiten? Aber gibt es denn überhaupt einen Geist unabhängig vom Körper, für ein kleines endliches Wesen?

Absolute Macht, Unterwerfung, bedingungslose Kontrolle. Was für Adrenalinschübe dabei entstehen konnten.

Freiwillige Abhängigkeit von endorphinen Drogen?

Verstand und Gefühl. Gefühl ohne Verstand? Ob ein Tier zielgerichteter handelt?

Absolutistische Herrscher. Mord an Millionen von Wesen, die mit ihren Gefühlen Freude und Liebe empfinden könnten.
Was ihnen blieb, der Schmerz der Vernichtung. Nur der Wunsch, es möge doch endlich alles vorbei sein.

Ist dieser Wunsch nicht genau so wichtig zu nehmen, wie der Wunsch nach Liebe, Geborgenheit, Glück?

Zivlisationen unter dem Atompilz. Menschen, die als brennende Fackeln durch die Straßen rannten.

"Leiber zerfetzt von eisernen Splittern" (Zitat aus dem Musical Haare).

Und dies alles überall in der Existenz. Man konnte problemlos von einem Schlachtfeld ins nächste wechseln. Überall Tränen und Leid.

Janine sah das schwarze Netzwerk über der grünen Kugel der Hoffnung und der roten Farbe der Liebe. Und doch war es nur ein Netzwerk, kein flächendeckender Bereich, der alles zu verschlingen drohte. Es war dynamisch, es verbreiterte sich und manchmal schrumpfte es wieder, wenn sich die zerstörten Bereiche zu erholen begannen.

Die Ebene zeigte viele Bereiche in grün und rot, aber dazwischen auch immer wieder schwarze Flecken. Manche bereits eingebunden in das diabolische Netzwerk, andere isoliert.

Teufel: << Siehst du, dies ist das diabolische Netzwerk der Ebene. Sollte es einst die ganze Ebene umfassen, so wird es sie verschlingen. Nichts wird sich dann jemals wieder erholen können. Eine endlose Wiederholung immer der gleichen Schrecken, die ihren Untergang begründet haben. Das ist bereits einmal geschehen, in der toten Ebene. Aber sie hat wieder Hoffnung. Ein einziges kleines Licht, das dem Untergang trotzte. Ja, so mächtig kann ein Licht sein. Das alles zu verlieren in endloser Schwärze, es ist mein Ziel, aber dennoch möchte ich es nicht.

Ich bin ein Teil von Arianne, aber Arianne ist auch in mir, ich spüre sie. Das ist so bei unendlichen Wesen, man kann nicht ein Teil eines anderen Wesens sein, wenn es nicht auch im eigenen Selbst verankert ist.

Darum kümmere ich mich auch ein wenig um dich. Bedenke, nur ihr habt die Macht, es zu verhindern. Ich verwalte es nur >>

Fortsetzung: Arianne 82

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