Arianne 87

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Ein berauschendes Konzert, Juventus am Klavier, begleitet von der Muse mit Gitarre und Gesang.


Die Muse

Müde saß er vor seinem Piano. Er hatte so viel geübt, nun beherrschte er die Stücke der alten Meister. Aber irgendwie, irgendwie fand er keinen Raum mehr für seine Kreativität. Ja, üben kann man bis zum umfallen. Aber neue Ideen entwickeln, die aus dem Gefühl heraus entstehen?

Er fühlte sich ausgebrannt. Keine Ideen mehr.

Dabei war er noch so jung.

Das große Konzert morgen. Es würde in die ganze Galaxis ausgestrahlt werden. Er hatte sich so sehr darauf gefreut, doch nun konnte er nicht mehr.

Tränen liefen über sein Gesicht.

Nein, so konnte er nicht mitspielen.

Er fehlte ihm seine Begleitung. Sie hatte sich abgesetzt, spielte jetzt bei einem der großen Hypes. Ja, es tat so weh, er mochte sie doch so gerne.

Er brauchte ihre Inspiration, alleine würde er es nicht schaffen.

Ja, wenn man so klein war wie er. Eine so schöne junge Frau konnte er nicht halten.

So schlief er dann ein, mit seinem Weltenschmerz über dem Klavier.

...

Ein Traum.

Ein kleines Licht.

"Hey du, sei doch nicht so traurig. Du bist der größte Musiker dieser Zeit, die anderen wissen es nur nicht."

<< Wer bist du >>

"Nur ein kleines Licht. Aber etwas ganz Großes ist auf dem Weg zu dir, hab keine Angst. Wenn du aufwachst, wirst du einen Schatten am Fenster sehen. Es ist die Muse. Sie kommt zu dir"

Er spürte eine Berührung, etwas streichelte seine Seele. Dann wachte er auf.

Es war dunkel im Raum. Er musste bis in die Nacht hinein geschlafen haben.

Dort am Fenster. Ein Schatten. Panik überkam ihn. Dann erinnerte er sich. Das kleine Licht. Der Schatten. Seine Angst legte sich.

Ein Gedanke mitten in seinem Bewusstsein.

<< Hallo, ich bin die Muse >>

"Die Muse?"

<< Ich komme um mich vorzustellen. Ich möchte dich auf dem Konzert begleiten >>

"Aber ich kenne dich doch gar nicht, und wie bist du hier hereingekommen?"

<< Mach bitte das Licht an, dann siehst du mich >>

"Licht!"

Und es wurde hell. Er konnte sie sehen.

Wie schön sie war. Er konnte gar nicht mehr denken, nur noch fühlen, so eine schöne Frau hatte er noch nie gesehen.

<< Schau mich nur an, es verletzt mich nicht >>. Sie lächelte ihn an.

Nach vielen Minuten regten sich wieder Gedanken bei ihm.

"Du bist wunderschön. Dein Gesicht, deine Haare, dein Körper."

<< Ja, ich weiß. Aber ich bin nicht die Göttin der Schönheit. Vielleicht sollte ich dir einmal Aphrodite schicken. Sie weiß es zu schätzen, wenn ihre Schönheit bewundert wird. Oder Erotica. Obwohl, sie ist ja ein höheres Wesen als ich.

Ich will dich nicht verführen *grins*. Ich will mit dir zusammen musizieren. Dir die Inspiration geben, die du brauchst. >>

"Höhere Wesen? "

<< Davon später. Komm, lass mich ans Klavier. Nimm dir diese Gitarre dort. Spielen wir das "Lied von der Ewigkeit". >>

"Okay, keine einfache Wahl. Aber probieren wir es."

Sie spielte die Akkorde so, dass seine Stimme und der Klang der Gitarre das zentrale Element darstellten. Dabei verstärkte sie ihn nur. Dennoch, der Klang des Klaviers passte sich wundervoll ein. Es inspirierte ihn, während des Spieles seine Stimme zu modifizieren. So gab es eine musikalische Interaktion zwischen ihm und ihr. Am Ende verlor er sich in der Musik, wurde eins mit ihr. Seine Gefühle strahlten aus, in den Raum.

"Das war wunderschön. Mit dir zusammen kann ich den Konzertsaal erobern. Mehr als 2000000 Menschen vor ihren View-Stationen. Wir werden die erste Runde überleben." *freu*

<< Das war nur der Anfang. Wenn du richtig drin bist und loslassen kannst, werden deine Gefühle in der Musik aufgehen. Widersprüche, die niemand lösen kann, in der Musik werden sie deutlich. Es wird sie berühren. >>

"Ich danke dir. Aber bitte, sag mir, wer bist du?"

<< Die Muse, ein höheres kosmisches Wesen der dritten Stufe der Unendlichkeit >>

"Stufen der Unendlichkeit?"

<< Denke an die Mathematik. Die Unendlichkeit der natürlichen Zahlen bildet die erste Stufe. Dann deren Potenzmenge, die zweite Stufe. Es ist die Unendlichkeit der reellen Zahlen.
Die dritte Stufe. Die Potenzmenge der reellen Zahlen. Dafür ist keine Zahlenmenge bekannt. Ihre Mächtigkeit übersteigt das Begriffsvermögen der Menschen. >>

"Mathematik? Ja, Analysis und Unendlichkeit, ich erinnere mich. Dass diese Dinge eine Realität haben können, wundert mich. Die Physiker haben doch den Begriff der Unendlichkeit aus ihrer Wissenschaft verbannt."

<< Nun ja. Endliche Wesen können nun mal nur endliche Dinge erfassen. Aber bedenke, ein endlicher Raum und eine endliche Zeit würde auch die Entwicklung der Arten beschränken. Am Ende müsste man mit dem zufrieden sein, was möglich ist oder was sich zufällig entwickelt hat. Damit Entwicklung unbegrenzt stattfinden kann, brauchen wir die Unendlichkeit. >>

"Ich muss darüber nachdenken. Nun gut, Musik ist ja auch ein wenig Mathematik. Tonleitern, Akkorde, Notenbezeichnungen und komplexe formale Verbindungen."

<< In der Musik enthalten ist aber auch Gefühl. Die formalen Symbole bilden nur den Rahmen, in dem es stattfindet.

Sie können aber nicht alles erfassen.

Improvisiere, lass dich während des Spieles von deinen Gefühlen leiten. Es wird ein wenig Ahnung von der Grenzenlosigkeit der Gefühle einfließen lassen >>

"Aber wenn du als höheres kosmisches Wesen mitspielst, was bedeute ich dann noch?"

<< Die Ideen und Gefühle, sie entstehen in dir. Es gibt keine externe Quelle, aus der sie dir zufließen. Ich verstärke sie nur, fixiere den Blickwinkel darauf. So dass sie auch jeder hören und verstehen kann. >>

"Wenn du es so siehst. Dann bitte begleite mich."

...

Der Konzertsaal. Jeder der wollte, durfte mitspielen.

Die erste Runde. Die Zuhörer stimmten ab. Für viele war der Auftritt schon nach 20 oder 30 Sekunden zu Ende.

Juventus und die Muse.

Nach 15 Minuten spielten sie immer noch. Die Menge wagte nicht einmal zu applaudieren. Es war einfach zu schön, niemand wagte die Musik zu stören. Dann eine kurze Pause, na ja, es sollte eine kurze Pause werden.

Standing Ovations, 20 Minuten lang.

Manchen taten anschließend die Hände weh, vom Klatschen.

So ging es dann weiter, von Runde zu Runde.

Am Ende verbeugte sich der Moderator, bevor er den Pokal überreichte.

...

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