Arianne 90

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Hypatia's Schicksal nach ihrem Tod. Der Weg ihrer Seele durch die Transzendenz.


Transzendenz

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Vollkommene Dunkelheit. Aber sie konnte etwas erkennen. Sie sah einen Fluss, ein Boot am Ufer. Sonst erkannte sie nichts, alles wirkte irreal verformt, wie eine abstrakte Wirklichkeit.

Das Boot war ihr einziger Orientierungspunkt.

Ein Gedanke kam in ihr hoch: << Da fehlt der Fährmann >>. Aber sie wusste den Zusammenhang nicht mehr.

Sie ging auf das Boot zu, löste das Seil, das es an einem undefinierbaren Gegenstand festhielt.

Merkwürdige Welt, alles war undefinierbar, bis auf den Fluss und das Boot. Ob sie träumte?

Dann stieg sie in das Boot. "Halt". Sie hörte eine Stimme. Dabei konnte sie ihre Ohren gar nicht fühlen. So langsam schlich sich Panik in ihr Bewusstsein. Dieser Albtraum, würde er sie wahnsinnig machen?

Komisch, sie hatte den Eindruck, die Stimme würde lächeln. Sie gab ihr Zuversicht und Vertrauen.

"Du willst doch nicht alleine losfahren".

Sie schaute sich um und "sah" eine Gestalt in der vollkommenen Dunkelheit. Die Gestalt erinnerte sie an ... ein Bild, eine Vision, ja, sie erkannte ihn. Jesus? "Jesus, bist du das?"

Sie konnte ja sprechen, ohne Mund, ohne Stimme. Nein, das konnte nur ein Traum sein.

"Ja, ich bin es Hypatia. Ich bin der Steuermann deines Bootes."

Er stieg zu ihr ins Boot. Sie spürte ihn, wie er sie sanft berührte. Hatte sie doch einen Körper, den sie nur nicht wahrnehmen konnte?

Sie sah eine Spur in der Dunkelheit des Flusses, wie aus sich selbst heraus leuchtend. Nicht wirklich, es war ihr Geist, der ihr das suggerierte. Ob Jesus das bewirkt hatte?



Sie fuhren los. Jesus steuerte das Boot. Er hatte einen großen Knüppel mitgebracht. Wozu brauchte er den denn?

Es war nicht leicht, das Boot zu steuern. Es gab Stömungen, die Wirbel bildeten. Löcher erschienen plötzlich im Wasser, die scheinbar in unendliche Tiefe reichten. Es gab parallele Strömungen, die das Wasser plötzlich in die Tiefe fallen ließen. Wasserfälle, an denen sie vorbei steuerten.

Nein, daran wäre sie nie allein vorbeigekommen.

Sie näherten sich einem Ufer. Eine Gestalt stand dort. Sie erkannte ihn sofort. Der Tod. Einfach ein intuitives Begreifen. Der Tod in ihrem Traum? Ohne Jesus wäre sie jetzt bestimmt gestorben. Oder war sie vielleicht schon tot?

Es gab keine Erinnerungen an das davor, an eine Welt außerhalb ihres Traumes.

Der Tod winkte mit einem knochigen Finger und das Boot änderte tatsächlich seine Richtung, fuhr auf ihn zu.

Jesus steuerte dagegen und das war es dann. Sie ließen den Tod hinter sich. Der fuchtelte mit seiner Sense herum, konnte sie aber nicht mehr erreichen.

H: "Der Tod, wollte der mich holen?"

J: "Ja, das wollte er. Aber Hypatia, erschrick bitte nicht. Ich muss dir jetzt erwas schlimmes sagen."

H: "Ja, bitte, sag es. Ich bin auf alles gefasst."

J: "Du befindest hier im Hades. In deiner Welt haben sie dich getötet, auf eine so bestialische Weise, dass du keine Erinnerung mehr daran hast."

H: "Ich bin tot?"

J: "Ja, aber ich halte dich zusammen. Deine Seele wird sich hier nicht verlieren, nicht verwehen oder sich auflösen, vom Tod oder vom Teufel geholt. Ich werde dich durch diese Unterwelt steuern, direkt ans Licht."

H: "Der Hades. Es gibt ihn wirklich?"

J: "Dies hier ist die Transzendenz, der Bereich, in dem sich die Seelen nach ihrem Tod sammeln. Die Transzendenz vermittelt allen Seelen Erfahrungen, die sie aus ihrem früheren Leben her kennen, und sei es nur in der Fantasie. Sonst hättest du überhaupt keine Orientierung.

Da du mit den alten griechischen Gottheiten vertraut bist, vermittelt sie dir den Hades. Und da du mehr nach meinen Vorstellung lebst als viele der Christen, hast du mich jetzt hier."

H: "Ich erinnere mich wieder. Das Christentum. Manche Dinge mag ich, aber ich finde so viel Mystik darin, die ich nicht verstehe. Die alten Kulturen, ich will sie nicht einfach verlieren und mich nur auf die Bibel verlassen. Es ist so viel wertvolles darin versteckt."

J: "Ja, das sehe ich auch so. Aber leider nicht alle meine Jünger. Es war nie mein Bestreben, politische Macht zu erlangen und zu herrschen. Ich wollte den Menschen eine andere Art des Denkens nahebringen, Nächstenliebe, dass sie jeden Menschen als gleichwertig erkennen. Gegen die Sklaverei und die Unterdrückung der Frauen durch das Patriarchat."

H: "Und was tun sie? Alles Andersdenkende wird als heidnisch gebranntmarkt und zerstört. Sie haben so viel vernichtet und ... ich sehe mich ..."

J: "Hypatia, verlasse diese Szene, sie ist zu schrecklich um sich daran zu erinnern. Ich helfe dir."

H: "Ich danke dir."

Etwas plantschte ins Wasser, näherte sich dem Boot. Eine sehr skurille Gestalt, ein Dämon, wie sie ihn aus alten Bildern kannte. Skurill? Sie erinnerte sich. Seine Fratze, sie sah so ähnlich aus wie das Gesicht von diesem Bischof ... Kyrill. War das der lange Arm von Kyrill, der sie hier doch noch fassen wollte?

Der Dämon fasste ans Boot. Jesus nahm seinen Knüppel und schlug zu. Der Dämon begann einzusehen, hier gab es für ihn nichts zu holen. Er verzog sich wieder.

Sie näherten sich einer Insel im Strom. Eine Gestalt, es musste eine Frau sein, mit langen wehenden Haaren.

J: "Das ist Persephone. Die Herrscherin der Unterwelt. Sie will mit uns fahren, ans Licht. Für eine gewisse Zeit, die ihr zugestanden wurde."

H: "Ich kenne ihre Geschichte. Ist das wirklich Persephone? Sie ist so schön."

Das Boot legte an.

P: "Ich begrüße euch in meinem Reich, das ich gar nicht immer so schätze. Nehmt ihr mich mit ans Licht?"

J: "Ja, bitte steig ein."

P: "Du bist Jesus, so ganz passt du nicht in meine Welt. Hypatia, ich begrüße dich. Wenn Jesus dir nicht geholfen hätte, ich hätte dich persönlich abgeholt."

J: "Siehst du Hypatia, es gibt so viele, die dich lieben. Götter und Menschen, über die Jahrtausende hinweg. Du bist eines der liebenswertesten Wesen überhaupt, die es jemals gegeben hat."

H: "Bin ich denn überhaupt noch?"

P: "Hab keine Angst. Auch die Unterwelt hätte nicht zugelassen, dass du dich hier verflüchtigst. Deine Seele, sie lebt, sie ist nicht tot. Du weißt gar nicht, wie du hier leuchtest. Der ganze Ufer steckt voller Dämonen, die sich auf dich stürzen würden, wärst du allein."

H: "Aber mein Körper, sie haben ihn mir genommen."

P: "Ja, dafür werden sie noch bezahlen. Aber das betrifft dich nicht mehr. Wenn der Körper stirbt, setzt er die Seele frei. Sie enthält das Wesen deines Ichs. Dieses Wesen ist ein Teil der Zeit, in der du gelebt hast. Wenn ein Dämon eine Seele frisst, so ist sie ist gefangen, bis er sie wieder frei gibt. Sie kann auch ihre Identität verlieren und wird dann zu einem Teil des Dämons. Dann ist sie tot. Sie kann sich auch verlieren, verflüchtigen, dann stirbt sie. Hypatia, deine Seele lebt, du bist immer noch du selbst."

H: "Körper, Seele, Wesen des Ichs, ich verstehe das nicht."

P: "Dein Körper ist sterblich, er hat eine Seele, die potentiell unsterblich ist, aber auch sterben kann. Das hängt von verschiedenen Faktoren ab, die ich im Einzelnen jetzt gar nicht erklären kann. Das Innere deiner Seele, es ist dein Wesen, so wie es in der Zeit gelebt hat. Dieses Wesen geht nicht verloren, da die Zeit selbst ein lebendes Wesen ist. Sie ist ein Teil der Existenz. Das Wesen der Existenz, sie ist das Ziel deiner Reise. Sie will dich bei sich haben, deine lebende Seele, so wie wir sie dir erhalten werden."

J: "Nur die Seele ermöglicht eine Weiterentwicklung in der Zeit, das kann z.B. durch Reinkarnation geschehen. Aber auch das, was du hier erlebst, es ist nur möglich, weil deine Seele lebt. Wenn sie tot ist, bleibt nur die Erinnerung, was du einmal gewesen bist."

Die Fahrt ging weiter. Nun waren sie schon zu dritt, Hypatia, Jesus und Persephone.

...

Hypatia in der Transzendenz

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