Arianne 96

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Eine Liebesgeschichte um Josua und Johanna. Josua liebt Johanna. Sie soll als Hexe verbrannt werden.


Josua und Johanna

Ein Gruppe von Reitern, die Richtung Norden zog. In ihrer Mitte eine Frau, sie musste laufen, an einem Pferd festgebunden. Die anderen saßen im Sattel.

Dann machten sie eine Rast. Es wurde dunkel und man legte sich schlafen. Über einige hundert Meter verteilt. Dann, mitten in der Nacht. Einer der Reiter näherte sich der Frau, hielt ihr den Mund zu, wollte sie vergewaltigen.

"Lass sie in Ruhe", wurde er angeschrieen. Ausgerechnet vom jüngsten und schwächsten der Gruppe, Josua.

Was kümmert ihn dieser Schwächling. Er beachtete ihn nicht, riss der Frau die Kleider vom Leib und steckte ihr einen Teil der Fetzen in den Hals. Dass er sie damit umbringen würde, es schien ihn nicht zu kümmern.

Ein Stein, aua, das merkte er schon.

"Bist du verrückt geworden, ich mache Hackbraten aus dir."

Er lies die Frau los, rannte auf den Jugendlichen zu und verprügelte ihn, bis der sich nicht mehr bewegte. Na ja, umbringen wollte er ihn nicht. Hier wurde jeder Mann gebraucht.

Dann ging er zurück zur Frau, wollte sein Werk vollenden.

Ein Schuss. Die Kugel knallte ihm direkt vor die Füße.

Da soll doch mal.

Josua hielt eine Waffe in der Hand. Er blutete aus vielen Wunden im Gesicht und wankte, aber er fiel nicht.

"Lass sie in Ruhe, sonst töte ich dich."

Eine Morddrohung, den würde er in der Luft zerreißen.

Er lies die Frau los, wollte sich auf den Jugendlichen stürzen. Ein zweiter Schuß der ihn am Arm streifte. Der dritte würde ihn wohl treffen. Er blieb stehen.

Der Anführer eilte herbei: "Seid ihr verrückt geworden, was ist hier los?"

"Er soll der Frau nichts tun, nein, er soll ihr nichts tun."

"Habaras, habe ich es dir erlaubt? Wir brauchen sie unversehrt, sie soll verbrannt werden, als Jungfrau und Hexe. Lass sie in Ruhe. Josua, steck die Waffe weg. Du übernimmst jetzt die Bewachung der Frau. Du bist verantwortlich, dass sie nicht fliehen kann. Habaras, lass ihn in Ruhe, bis wir die Sache hinter uns haben. Wir brauchen ihn noch. Josua, gib mir die Waffe."

So geschah es dann. Josua hüllte die Frau in eine warme Decke und legte sich neben sie, ohne eigenen Schutz gegen die Witterung. Es war ja seine Decke, die er ihr gab. Schlafen durfte er so nicht, es war zu kalt ohne Decke. Nein, er wachte über sie. Er griff ihre gefesselten Hände, sanft küsste er sie.

Sie rollte sich zur Seite. Berührte ihn mit dem Körper, schaute ihn an. Nun war er ganz nah bei ihr. Einer der Wachhabenden näherte sich. Er hatte eine zweite Decke dabei, legte sie über beide. Merkwürdig, dass jemand von den anderen so viel Verständnis aufbrachte. Er musste doch wissen, dass dies eine Liebesnacht werden würde. Ja, vielleicht gönnte er es ihr. Sie wurde ja nicht von allen als Hexe verachtet. Es war diese verflixte Religion und der Gottesinterpreter unter ihnen.

Josua legte seine Arme um Johanna. Was unter der Decke geschah, sah man ja nicht. Die Fesseln durfte er ihr nicht nehmen, dann würde sie zu entkommen versuchen. Ganz nah drückte er sie an sich und sie wehrte sich nicht. Dann berührten sich ihre Lippen. Er konnte nicht von ihr lassen. Sie küssten sich.

Er flüsterte. "Bitte versprich mir, dass du nicht fliehst."  Sie nickte ihm zu. Er nahm ihr die Fesseln ab.
So konnten sie sich beide gegenseitig umarmen.

Zusammen schliefen sie ein, nicht einmal nackt und unzüchtig. Einfach nur in inniger Berührung. Kein Vergehen gegen die heiligen Gebote des Glaubens.

Am anderen Morgen. Er setzte sie auf sein Pferd, ging selbst zu Fuß, das Pferd an der Leine. Sie hatte ja gar keine Schuhe mehr. Der Fußmarsch war ein Teil der Folter für eine Hexe. Die anderen schauten nur, sagten aber nichts. Sie bemängelten nicht einmal, dass er ihr die Fesseln abgenommen hatte. Er war für sie verantwortlich. So ging es Kilometer um Kilometer.

Am Ende hatte er die wunden Füße, diese Folter hatte er ihr erspart.

Dann waren sie am Ziel, am Pfahl der Erleuchtung.

Pfahl der Erleuchtung, weil hier die Hexen verbrannt wurden. Jedes Jahr zum großen Opfertag. Heute war Johanna dran. Der Hochheilige hatte sie denunziert, was immer er gesehen haben mochte. Wahrscheinlich hatte sie ihn nur abgewiesen. Diesen hässlichen alten Sack. Aber sie waren alle sehr fromme Männer, folgten den Geboten.

Sie stieg vom Pferd.

Josua ging auf sie zu, umarmte sie ganz fest. "Nein, bitte tut ihr nichts, ich will sie als meine Frau, ich liebe sie doch so."

Tränen rannten über sein Gesicht. Noch nie hatten die Umstehenden einen Mann so heulen sehen. Der eine oder andere zückte verstohlen ein Taschentuch.

Ein Disput mit dem Gottesinterpreter bahnte sich an.

G: "Sie ist das Opfer, wir müssen sie verbrennen, denn sie ist eine Hexe."

Einer aus der Menge: "Aber er hat sie als seine Frau erklärt. Eines Mannes Wortes darf man nicht widersprechen."

"Ein Mann? Dass ich nicht lache. Das muss er erst einmal beweisen." Ja die Auseinandersetzung gestern abend, er hatte jetzt eine Feind, vor dem er sich in acht nehmen musste.

Mmmmh. Drei Kerle näherten sich, Diener des Gottesinterpreters, sie zogen ihn weg von der Frau. Ein vierter Diener packte sie und schleppte sie mit sich, zum Pfahl. Sie trat ihm in die Eier.

AAAAAOOOOUUUUUU ....

Er lies sie los. Das klang gar nicht so heilig.

Die Umstehenden mussten grinsen. Irgendwie empfanden sie keinen Hass mehr gegen die Hexe. Die Szene mit dem heulenden Jungen, wie er sie verzweifelt umklammert hielt, das öffentliche Bekenntnis seiner Liebe, sein Fussmarsch, der ihm blutende Füße eingebracht hatte, die Sache mit der Decke, ja, alle hatten es gesehen, und es hatte etwas bei ihnen hinterlassen.

Der Bärbeissige schaute sehr finster drein. Aber wenn man genau hinschaute, sein Blick war auf den Gottesinterpreter gerichtet.

Josua entwickelte Kräfte, die ihm niemand zugetraut hätte. Er riss sich los, schlug zwei von den dreien zu Boden, den dritten trat er gegen das Schienenbein, so dass er zusammenklappte wie ein Kartenhaus. Dann rannte er auf Johanna zu, umarmte sie. "Nein, bitte nicht. Wenn ihr sie tötet, dann auch mich. Ich will nicht mehr ohne sie sein."

Das war ja eine ernst zu nehmende Aussage. Er wollte mir ihr zusammen sterben? Nun, wenn es sein musste, dann sollte es so sein. So die Meinung des Gottesinterpreters.

Einer aus der Menge: "Haltet ein. Wenn ein Mann eine Frau liebt, dann hat das Gewicht. Wer sagt denn, dass sie eine Hexe ist?"

G: "Hast du nicht gesehen, wie er drei Männer beiseite geschoben hat. Sie hat ihm übermenschliche Kräfte verliehen."

Der Bärbeissige: "Das waren die Kräfte der Liebe. Etwas ganz normales in seinem Alter, die Liebe ist alles für ihn. Sollen wir die beiden deswegen töten? Wenn wir sie alleine umbringen wird er sich selbst töten. Und beide zusammen ins Feuer, nein, das dürfen wir gar nicht nach dem 78. Gebot Gottes, das uns der Hochheilige verkündet hat. Er ist ein Unschuldiger im Sinne der Hexerei. Sie selbst ist doch so schön, es macht Freude sie anzuschauen, aber nicht als verkohlter Aschehaufen. Nein, machen wir aus dem Fest eine Hochzeit, ein Fest der Freude. Ich denke nicht, dass Gott etwas dagegen haben wird."

Zustimmmendes Gemurmel.

Der Gottesinterpreter wollte protestieren. "Sei ruhig" wurde er vom Bäbeissigen angeherrscht, in einer Lautstärke, dass ihm vor Angst die Stimme wegblieb.
Der Bärbeissige war immerhin dafür bekannt, dass er einen 220 Kilo schweren Stein heben konnte.

Gott hatte überhaupt nichts dagegen.

Die Liebe war zugegen, sie vertrat ihn sozusagen. Oder war sie vielleicht selbst Gott? Wer weiß das schon so genau.

Sie stand etwas abseits, unsichtbar für die anderen. Darauf bedacht, dass Josua und Johanna sie nicht sehen konnten. Sie wunderte sich ein wenig. Hier hatte sie überhaupt nicht eingreifen müssen.

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