Arianne 97 - Weepy 02

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Wischna verweigert sich dem Teufel und folgt Weepy in die Unendlichkeit des Seins.


Weepy 02

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Sie musste alles mit ansehen. Wie ihre Liebsten umgebracht wurden, ihre Schüler, denen sie ihr Leben gewidmet hatte, ihre Familie, Freunde, Bekannte, Nachbarn. Sie weinte so viele Tränen, nun hatte sie keine mehr.

Wishna

Leere war in ihr und noch etwas anderes, dass sie so nicht kannte. Hass. Hass auf die Verbrecher, Mörder.
Oh, so ein tiefes Gefühl.

Was sie nicht wusste, sie hatte paranormale Energie in sich. Der Hass bewirkte etwas. Sie wurde attraktiv für eine kosmische Entität.

Sie stand etwas abseits, man hatte sie zuschauen lassen. Als Zeugin der Zerstörung. Irgendwie musste ihnen das Befriedigung geben, sie so leiden zu sehen. Schwache Weiber, mehr als heulen können sie doch nicht. Wie konnten sich Männer nur so stark fühlen, wenn eine Frau weinen musste?

Doch nun war sie dran, Zeugen durften nicht überleben.

Eine bewaffnete Gruppe näherte sich ihr. So viele Schwerbewaffnete bedurfte es, um sie zu töten? Sie hatte doch nichts, womit sie sich wehren konnte.

Sie zogen ihre Schwerter, um sie in Stücke zu hauen.

Sie hatte keine Angst mehr. So viel Leid, sie hatte alles verloren, was sie in ihrem Leben liebgewonnen hatte. Nun wollte sie einfach nur noch sterben.

Ein Blitz.

Einer der Kämpfer wurde in 2 Hälften gespalten. Die anderen wurden zu Boden geworfen, die Elektrizität schüttelte sie durch. Dann starben sie.

Etwas hatte sie gerichtet.

Ängstliche Menschen. So etwas flößte ihnen Furcht ein. Die anderen wichen zurück.

"Was ist mit euch. Wir können sie nicht am Leben lassen."

"Aber der Blitz, diese Gewalt, sie ist eine echte Hexe."

"Hexen müssen vernichtet werden. Also wenn ihr es zu viert nicht schafft. Dann mache ich es alleine."

Schweren Schrittes bewegte sich der Vorkämpfer auf Wischna zu. Irgendetwas schien ihn zu bremsen, er kämpfte dagegen an und stand einen Augenblick später lichterloh in Flammen.

Das war zu viel für die anderen. Voller Furcht rannten sie davon, ihre gesamte Beute zurücklassend.

Etwas näherte sich ihr, erst schemenhaft, fast unsichtbar, dann deutlicher werdend. Eine Gestalt.

W: "Warst du das?"

"Ja. Sonst war hier ja niemand, der dir helfen wollte."

W: "Und all die anderen, warum hast du ihnen nicht geholfen?"

"Es geht um dich."

W: "So wichtig bin ich nicht. Sie haben alles zerstört, was mir lieb gewesen ist, was soll ich hier noch?"

Ihre Tränen rannten das Gesicht hinunter, sie weinte hemmungslos. Dann war es vorüber. Leere erfüllte sie, dann kam der Hass.

Sanft trocknete er ihr die Augen.

"Willst du dich rächen? Du kannst es"

Sie schaute ihn an. Ja, sie konnte sich denken, wer das war.

Ohne ihn weiter anzuschauen ging sie den Angreifern hinterher, in Richtung auf das große Feldlager.

...

Was hatte sie getan? Es gab keine Angreifer mehr, nur noch Totenstille. Aber ihre Liebsten brachte das nicht zurück. Sie hatte seine Arbeit gemacht, war sie ihm nun ausgeliefert?

"Ich werde dich zu einer Fee machen, eine Fee der Rache. Das diabolische Netzwerk, es wird dein Bereich. Hier kannst du all diejenigen rächen, die auf bestialische Weise umgebracht worden sind. Weinen ist nur etwas für schwache Weiber, du bist stark."

Schwache Weiber? Na ja, die Vorstellungen des Teufels. Sie hatte viel gelitten und viel geweint und sie hatte sich gerächt. Sollte das ewig so sein? Nein, sie wollte keine Rache-Fee sein, nur noch ruhen.

Etwas Spirituelles durchflutete den Raum. Der Teufel in seiner ganzen Größe? Nein, es war etwas anderes. Hier mitten in der Hölle.

<< Wischna, du musst ihm nicht nachgeben. Wenn du weinen musst, dann tue es. Es ist nichts falsches daran. Aber die Wogen der Vernichtung, wenn du ihnen nachgibst, davon kommst du nicht mehr los. Wenn du es nicht willst, dann tue es nicht >>

W: "Wer war das?"

T: "Ich weiß es nicht. Ein Wesen der vierten Stufe der Unendlichkeit, so wie ich. Doch ích kann es nicht sehen, nur spüren, dass es hier ist."

<< Ich bin Weepy >>

Weepy

T: "Weepy? Oh nein."

W: "Weepy, kannst du mich mit dir nehmen? Ich möchte hier nicht länger sein."

<< Ja, ich kann es. Komm, lass dich einfach fallen. >>

Und weg waren sie. Der Teufel blieb allein zurück in seiner Hölle. Weepy, dieses Heulweib, nein, anlegen konnte er sich mit ihr nicht. Es hätte seine Existenz vernichten können, das wusste er.

...

Wischna schwebte in einer Blase, die sie einhüllte. Eine durchsichtige Blase. Sie sah den Weltenraum, Sterne, Galaxien. Wie konnte sie die Galaxien nur so deutlich sehen? Sie waren doch so weit weg. Optisch betrachtet nur kleine schwach leuchtende Punkte. Wenn sie sich darauf konzentrierte sah sie sogar einzelne Planeten und Wesen auf diesen Planeten. Sie spürte deren Gedanken und Gefühle. Was für eine fantastische Blase war das hier nur?

Ihre eigene Welt, ob sie die auch sehen konnte.

Ja, dort war sie. Erinnerungen, plötzlich wurden sie real. Sie sah ihre Liebsten, vor dem Vernichtungsfeldzug.
Ein Blick in die Vergangeneit. Es berührte sie sehr, aber es tat ihr auch so fürchterlich weh. Sie wusste ja, was geschehen würde.

Sie spürte die Gegenwart von Weepy. Ein Meer von Spiritualität, es war wie ein Hauch von Ewigkeit.
Es beruhigte sie, nahm ihr den Schmerz, streichelte ihre Seele.

W: "Weepy, was bist du?"

<< Ein kosmisches Wesen. Ich leide mit den kleinen Wesen der Existenz. Ich nehme das Leid auf mich und erlöse sie damit >>

W: "So viel Leid? Wie kannst du die ganzen Schmerzen ertragen?"

<< Ich spüre den Schmerz und ich weine um sie. Das ist meine Bestimmung. Aber es ist nicht alles. Wir haben transzendente Zeitströme, in denen wir den verlorenen Seelen Geborgenheit geben >>

W: "Wir?"

<< Die Wesen der Trauer, Fairies. Es sind viele Milliarden, die mit mir zusammen trauern >>

W: "Wie hälst du das alles nur aus? Ich zerbreche an dem, was ich erleiden musste"

<< Nein, du wirst nicht zerbrechen, denn du hast dich für mich entschieden. Weine um deine Liebsten, das hilft ihnen und auch dir. Ihre Seelen spüren die sanfte Berührung in der Transzendenz >>

W: "Wenn es sie noch gibt, kann ich dann hoffen sie wiederzusehen?"

<< Ja, aber nicht jetzt. Sie sind tot, du lebst. Es ist die Transzendenz, die ihre Seelen aufgenommen hat. Der Teil, der mir gehört. Auch das ist eine Konsequenz dessen, dass du dich für mich entschieden hast. Wenn du eines Tages stirbst, wirst du sie wiedersehen. Aber das ist nicht alles, irgendwann werde ich mit dir in den Zeitstrom eintauchen, in der ihre Seelen jetzt beheimatet sind. Und ich werde dich als lebendes Wesen mitnehmen. Heute können wir nur um sie weinen >>

W: "Aber immer nur weinen, was ist mit den Mördern, muss man ihnen nicht entgegentreten? Ist das Erdulden denn die einzige Möglichkeit, die du vorschlägst?"

<< Weißt du, ihr Wesen entscheidet selbst, was ihr tut. Das ist die Freiheit der Existenz. Es gibt nicht nur eine Lösung. Wer sich für mich entscheidet, erlebt eine besondere Art des Seins. Sie ist ebenso wichtig wie all die anderen. Dennoch bin ich nicht allesumfassend, auch die anderen Entitäten wirken auf die Existenz, nach ihrer Sicht der Dinge. Ich bin nicht die ultimative Lösung. Aber bedenke, hier bin ich ein Wesen der vierten Stufe der Unendlichkeit. Damit habe ich auch die Macht dieser Wesen, nur, ich setze sie nicht ein. Wäre ich alleine, so müsste ich es tun >> 

W>: "Hier>?"

<< Was darüber hinausgeht, frage nicht danach. Du würdest es nicht verstehen. Ich helfe mit, die Existenz zu stabilisieren, und ich brauche dort eine Verankerung, damit ich es tun kann. Es ist die vierte Stufe der Unendlichkeit >>

W: "Es ist so viel, was du mir erzählst und ich wundere mich, dass ich es verstehen kann. Was geschieht jetzt mit mir? Ich habe keine Wurzeln mehr, ich weiß nicht mehr, ob ich überhaupt noch bin."

<< Du lebst. Das ist sehr viel, viel mehr als du momentan verstehen kannst. Aber glaube mir, du wirst es lernen zu verstehen. Willst du mit mir gehen, mithelfen, das Leiden der Existenz auszugleichen und ihr damit neue Hoffnung geben? Weißt du, dieses Gefühl der Hoffnung, es gehört uns. Es ist sehr tief und es ist sehr schön. Etwas, das die anderen Wesen in dieser Form gar nicht kennen >>

W: "Aber, brauchst du mich denn überhaupt? "

<< Deine Fragestellungen, sie bringen mich weiter. Du fragst nach dem Sinn hinter allem und gibst dich nicht mit der Trauer allein zufrieden. Ich brauche Wesen wie dich. >>

W: "Dann bin ich gerne bei dir. Du bist sehr schön, in der Art, wie ich dich wahrnehme"

<<Ich zeige mich dir>>

Weepy materialisiert in der Gestalt einer jungen Frau, von körperlangen roten Haaren umgeben, die sie völlig einhüllten. In ihren Haaren sah sie aus wie ein Feuerwesen.

W: "Du bist so schön:-))) Schöner, als ich mir jemals ein Wesen vorstellen könnte. Nur deine Augen, sie sind so feucht. Es macht dich aber nur noch schöner, so seltsam das ist."

<< Ich weine nicht um des Weinens willen, es ist ein Ausgleich, es bringt den Leidenden ihre Schönheit zurück. Bedenke, ich bin ein hypertranszendentes kosmisches Wesen. Alles was ich tue, es hat Bedeutung für die Realität und darüber hinaus. So, nun komm mit mir. Danke, das du dich für mich entschieden hast :-)))

Ich gebe dir deinen eigenen kleinen privaten Bereich in mir. Du wirst viele Wesen kennenlernen und Freunde finden und du wirst mir helfen, durch deine Art.

Bevor wir weiterziehen, da ich dir nun in endlicher Gestalt gegenüberstehe, lass uns umarmen, ein wenig körperliche Liebe geben.

Beide standen sie nun da, in inniger Umarmung. Weepy war völlig nackt unter ihrem Haarkleid, Wishna spürte ihre Haare und die Haut, streichelte sie sanft.

Dann küsste sie die Augen von Weepy, nahm ihr die Tränen, für einen Moment. Weepy lächelte, etwas, dass nur Wesen wie Wishna überhaupt jemals sehen konnten.

...

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