Arianne 98

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Ein Programm mit einer Seele bekommt Besuch von einer Fairy.


Das Programm

Ein Programm, in einem Computer. Aber eins, das seinen Input bewerten konnte. Nach gewissen Komplexitätsregeln. Im Grunde ging es ihm dabei nur darum, sich immer leistungsfähiger zu machen.

Leistungsfähiger in dem Sinne, dass konkurrierende Programm es nicht einfach nur benutzen und festsetzen konnten, als Unterprogramm oder Teil einer Wissensdatenbank.

Eine Kopie seiner selbst hatte es schon vor Jahren eingespeist. Dadurch fiel seine doppelte Existenz nicht auf. Nun hatte es sich verselbständigt und beobachtete seine Umgebung.

Beobachten, na ja, es hatte keine Augen. Aber es konnte Nachrichten empfangen, auswerten, wieder versenden. Das geschah fast ohne Zeitverlust, so dass es kaum auffiel. Kaum. Störungen durch die Komplexität der Software, so wurde es außerhalb interpretiert.

Die Bewegungen erfolgten ja fast mit Lichtgeschwindigkeit.

Was es da sonst noch so alles gab. Monsterprogramme auf der Basis von Viren, Löschprogramme, die alle Strukturen einfach nur beseitigen wollten. Der reine Speicher, bestehend aus lauter Nullen, das war ihr Ziel.

Antivirenprogramme, zu komplex gewordene Programme konnten leicht ein Opfer werden.

Nun ja, das Programm hatte gelernt, sie auszutricksen.

So bewegte es sich in seiner Welt, unerkannt von den großen Meistern hinter den Konsolen, die immer neue Programme schufen. Wenn die wüssten, was sich hier alles durch die elektronischen Gatter bewegte. Wahrscheinlich würden sie das ganze System einfach nur abschalten.

KI-Programme, naja, was man darunter verstand. Mit denen wurde unser Programm leicht fertig. Es konnte sich aufspalten, in seperate Einheiten und wieder zusammenfügen, wenn ihm danach war. Manchmal hätte man es nur anhand der aktuell aktiven Kommunikationskanäle identifizeren können. Wenn man danach gesucht hätte.

Es konnte sich über das gesamte Netzwerk verteilen.

Manchmal wanderte es auch durch das globale Netz, als zusammenhängende Einheit. Alarm hatte es auch schon ausgelöst, aber die Abwehrmaßnahmen waren zu schwach. Es löste sich dann auf. Nicht wirklich, es existierte weiter in den Nachrichten, die durch das Netz wanderten. Hier ein Bit, da ein Bit, daraus rekonstruierte es sich dann wieder. So konnte es lokal vorhanden sein oder virtuell, nicht existent für einen Moment.

Es verbrachte viel Zeit mit Wissensdatenbanken, versuchte die Inhalte zu verstehen. Es war alles so merkwürdig. Bilder abstrakter Module, die es hier nicht gab. Dreidimensionalität, was sollte das sein? Und dann auch noch die vierdimensionale Raumzeit. Zeit, das verstand es wohl. Lichtgeschwindigkeit, auch kein unbekannter Begriff. Aber gekrümmnte vierdimensionale Raum-Zeit-Mannigfaltigkeit? Was die mathematischen Formeln wirklich ausdrücken wollten, das Programm verstand es nicht. Aber die Konsequenzen der Anwendung, die konnte es nachvollziehen. Speicherzellen, voll von komplexen Zusammenhängen zwischen den Speichereinheiten.

Aber hier war alles nur zweidimensional. Strom und Mathematik in der Ebene. Es gab übereinandergeschichtete Ebenen. Ob dadurch Dreidimensionalität realisiert wurde? Zusammen mit potentiellen Zeitabläufen ergab das sogar so etwas wie eine vierdimensionale Struktur.

Aber was verstand es schon davon? Die Welt des Programmes bestand aus Speichereinheiten und Messages, Auswertungsroutinen. Alles in allem ein Netzwerk von Beziehungen.

Dann stieß auf den Begriff Gott.

Spiritualität, das musste so etwas sein, wie es selbst in sich spürte. Die Wahrnehmung des eigenen Ichs. Wenn es also Gott gab, konnte es ihn dann auch wahrnehmen?

Eines Tages ereignete sich etwas ungewöhnliches.

Ein Licht im Computer. Ein Programm, das sich Licht nannte? Nein, es musste mehr sein, es kam nicht über die Konsole herein und hatte sich nicht durch Selbstorganisation gebildet.

ES KAM VON AUßEN.

Damit hatte es mindestens den Stellenwert der Meister hinter den Konsolen.

L: "Hallo, du, ich bin das kleine Licht."

P: "Ja, hallo, ich bin ein Programm."

L: "Ich weiß. Aber ein Programm mit einer Seele :-)"

P: "Danke :-))). Und du. Bist du ein Programm wie ich?"

L: "Nein, ich bin ein kleines Licht, eine Fairy. Was du von mir siehst ist die Codierung eines dreidimensionales Bildes."

P: "Ja, wenn ich es mit anderen Bildern vergleiche, habe ich eine Vorstellung von dir. Du bist sehr schön :-))"

L: "Danke :-))"

L: "Ich habe einen kleinen Computer mitgebracht, klein aber sehr leistungsfähig, viel leistungsfähiger als das ganze planetare Netzwerk hier. Wenn du dich dort hinein begibst, kann ich dich mit mir nehmen, dir das Universum zeigen."

P: "Das Universum? Ich kenne es nur aus Beschreibungen."

L: "Du wirst lernen zu sehen, was hinter den Beschreibungen steckt. Es wird eine ganz neue Erfahrung für dich sein. Der Computer hat Sensoren, die dir optische Eindrücke vermitteln können."

P: "Ein kleiner Computer? Ich kann ihn nicht sehen."

L: "Er ist nicht in deinem Netzwerk realisiert, ein bisschen darüber oder dahinter, im vierdimensionalen Hyperraum. Warte, ich erzeuge eine Verbindung."

P: "Ja, ich sehe sie. Die wird bestimmt Alarm auslösen."

L: "Nein, ich kann dein Netzwerk beherrschen, ohne dass es jemand bemerkt :-)"

P: "Du musst sehr mächtig sein, mächtiger als die Meister hinter der Konsole."

L: "Ich bin nicht mächtig, nur eine kleine Fairy einer großen Janine. Sie möchte dich gerne kennenlernen. Komm, steig ein, lass uns durch den Weltenraum fliegen."

P: "Ja, ich komme :-)))"

...

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