Kleine haarige Geschichte 04

Home   nächste Seite

Sarah

Sie mochte ihre langen, straßenköterblonden Haare. Sie waren nicht völlig glatt, leicht gewellt, stellenweise sogar ein wenig lockig. Kein generelles, vereinfachtes Schema ließ sich darauf anwenden.
Knielange  Haare, mit großem Volumen. Sie spürte das Gewicht und sie liebte es.

Nun fand sie sich in diesem Frisörsalon wieder. Warum eigentlich? Sie saß in einem Wartestuhl, beobachtete das Geschehen. Vor ihr fielen die Haare, veränderten ihre Farbe, Struktur. Aus Locken wurden glatte Strähnen, aus Strähnen wurden Locken. Lange Haare wurden gekürzt, Haarverlängerungen wurden eingewebt in kurze Strähnen.

Die Nächste bitte.

Ihr wurde ganz heiß. Nein, nein, ich warte noch auf eine Freundin. Das rettete sie erst einmal, ihre langen Haare.

So saßen die Damen dann vor ihr. Aus kurzhaarigen Mädchen wurden langhaarige, mit Haarverlängerungen, aus langen Haaren wurden "peppige", "freche" Kurzhaarfrisuren, aus blonden Mädchen wurden rothaarige, aus rothaarigen Mächen wurden blonde, aus schwarz manchmal grün, na ja, manche Dinge klappten nicht immer so gut. Aus langen glatten asiatischen Haaren wurde eine extreme Afrofrisur <*schock*>. Das sollte eine Dauerwelle sein? Herein kamen Menschen mit kurzen oder langen Haaren, rot, blond, braun oder schwarzhaarig, hinaus gingen Menschen mit kurzen oder langen Haaren, rot, blond, braun oder schwarzhaarig. Nur, was vorher natürlich war, war es nun oft nicht mehr. Manche schmückten sich auch nur mit fremden Federn, weil die eigenen wohl nicht mehr zum Fliegen ausreichten.

Warum kann man manche Dinge nicht einfach nur austauschen?

Nach 2 Stunden war sie die Einzige mit echten langen Haaren, in diesem Salon.

Nun waren einige der Frisörstühle bereits leer.

Nehmen sie bitte Platz. <<Aua :-( >> dachte sie.

Jetzt saß sie in einem der Stühle. Hatte Angst um ihre Haare, sie nahm sie alle nach vorne und hielt sie ganz fest. Ihr Schoß war voll von Haaren, mit den lebendigen Wurzeln verbundene eigene Haare, wohlgemerkt. Wie schrecklich mußte es sein, wenn sich dort die toten, abgeschnittenen Haare sammeln würden.

Wie hätten sie es denn gerne?

Nein, gar nichts. Ich weiß nicht, warum ich hier bin.

Oh, ich hätte da etwas für sie. Jugendlich, frech, peppig, die Haare bis auf Kinnlänge abgeschnitten, die Ohren frei an der Seite, durchgestylt, stufenweise geschnitten, mit roten und blonden Strähnchen durchsetzt, ein ganz kurz geschnittener Pony und der Rest der Haare hellrot gefärbt, ein paar Locken in die glatten Teile eingedreht und ein paar Haarverlängerungen hinten eingefügt, die bis über die Schultern hinabreichen.

Sie wurde bleich. Wie kam sie hier nur wieder heraus?

Bitte lassen sie mich doch wie ich bin.

Aber warum sind sie dann hier?

Ich weiß es nicht. Eine Freundin fand meine Haare so langweilig, gerade, als ich ganz stolz darauf war. Ich wäre stockkonservativ, wehre mich gegen Veränderung, sei völlig aus der Mode. Ich solte endlich etwas anderes probieren. Aber ich mag nicht, ich liebe meine Haare doch.

Ach, geben sie nichts auf fremde Meinungen. Ihre Haare sind sehr schön, besser gestalten kann ich sie nicht. Wenn sie die Haare so sehr mögen, lassen sie die Haare doch so, wie sie sind.
Die Spitzen sehen auch ganz gut aus. Ihre Haare sind einfach perfekt.

Sie war ganz blaff. Das hatte sie nicht erwartet. Danke für die Komplimente :-)

So verlies sie den Salon wieder, in ihrer natürlichen, schönen Langhaarigkeit. War sie damit die Einzige an diesem Tag? An diesem Ort?


nächste Seite =>

Valid HTML 4.01 Transitional