Kleine haarige Geschichte 13

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Emelie

Sie liebte ihre langen Haare, streichelte sie und schmuste mit ihnen. Sie waren so schön. Ja, es gab nichts schöneres für sie als die langen Haare.
Man konnte so viel damit machen. Ganz kunstvolle Frisuren und es machte Spaß, dies zusammen mit ihren langhaarigen Freundinnen zu tun.

Morgen hatte sie Geburtstag. Sie freute sich schon auf die Geschenke.

Sie hatte sich ein Frisurenbuch gewünscht, zum Geburtstag, und ein wenig Haarschmuck.

Mutter klopfte an der Tür.

"Ich habe dir ein Geschenk mitgebracht, das du schon heute bekommst."

Neugierig öffnete sie das Paket und fand ... eine Perücke.

"Danke für das Geschenk, aber wozu brauche ich eine Perücke, ich habe doch eigene Haare?"

"Du wirst diese Perücke tragen, morgen zu deinem Geburtstag und auch an allen Tagen danach, bis sie vielleicht so abgenutzt sein sollte, dass wir eine neue kaufen müssen. Sie hat uns einiges gekostet, fast ein halbes Monatsgehalt."

"Aber warum eine Perücke, ich verstehe das nicht"

"Weißt du, wir alle tragen Perücken, seit unserem 14. Lebensjahr. Nun ist es auch an der Zeit für dich, eine zu tragen."

"Und die eigenen Haare, darunter versteckt?"

"Ja, die eigenen Haare. Mach dich fertig, wir haben heute noch einen Termin bei Erwin"

Erwin, dass war doch der Frisör unten an der Ecke der Straße."

"Was habt ihr mit mir vor?"

"Erwin wird dir die Haare scheren."

"Die Haare scheren? Heißt das, er wird mir eine Glatze schneiden?"

"Unter den Perücken haben wir keine eigenen Haare mehr. Er schneidet dir eine Glatze"

Sie war schockiert, alles, nur das nicht. Sie liebte ihre langen Haare doch so sehr.

"Komm, lass mich die Haare im Nacken abschneiden, die Länge brauchst du ohnehin nicht mehr"

Mutter hatte eine Schere in der Hand und wollte nach Emelies Haaren greifen.

Sie wich zurück. "Nein, das will ich nicht. Es sind meine Haare, sie gehören mir"

"Willst du unsere Traditionen brechen? Sei hunderten von Jahren zelebrieren wir dieses Ritual. Kein Mann wird jemals eine Frau zu sich nehmen, die noch eigene Haare auf dem Kopf hat, die länger als 1 cm sind. Das ist so ungefähr das monatliche Wachstum der Haare. Also, wehre dich nicht. Es ist einfacher für dich. Haare sind doch bloß ein überflüssiges Beiwerk, auf die Persönlichkeit kommt es an."

"Nein, dann bleibe ich lieber allein. Wenn ihr mir die Haare nehmt, dann auch das Leben".

"Man kann doch Haare nicht gegen das Leben aufwiegen. Wie verwirrt du schon bist. Komm, lass dir Haare abschneiden. Je eher sie weg sind, desto eher gewöhnst du dich daran".

"Nein, ich will nicht. Du musst sie mit Gewalt nehmen, Aber bin ich dann noch deine Tochter?"

"Wenn ich es nicht mache, der Vater wird sie dir abschneiden, oder die Brüder."

"Dann verlasse ich euch"

"Das ist nicht möglich, die Familie lässt das nicht zu. Die Frau hat dem Manne zu folgen und ihm zu Diensten zu sein. Niemand darf die Ehre der Familie verletzen."

"Ja, und um das zu demonstrieren, werden die Haare abgeschnitten."

"Willst du politisch werden. Du weißt, was dir dann passieren kann. Oder willst du lieber leben, dir deinen eigenen kleinen Bereich erobern? Was wir heute nicht können, vielleicht schafft es die nächste Generation. Kennst du nicht das Lied "silent running"? Es beschreibt unser Leben".

Wie sollte sie dagegen ankommen?

"Bitte. Das geht nicht. Wenn ihr mir die Haare nehmt, ich werde nicht bei euch bleiben. Egal was es euch und mich kostet. Du bist doch selbst eine Frau. Wenn es dabei nur um die Männer geht, lass sie uns doch täuschen. Schau, ich verstecke die Haare unter meiner Kleidung und setze die Perücke auf, niemand wird erkennen, dass ich noch eigene Haare habe. Es gibt doch diesen Glatzenüberzug, den wir verwenden können. Warum gibt es den wohl? Jetzt weiß ich es endlich. Nackt darf mich nur mein Ehemann sehen, und so wie das aussieht, ich bleibe lieber allein. Verkuppeln ist ja verboten, zumindest in diesem Punkt hat es Fortschritte gegeben."

"Und was willst du mit den versteckten Haaren?"

"Weißt du, wenn ich allein mit mir bin, oder unter ganz engen Freunden, dann mache ich die Haare auf und wir werden sehr viel Freude mit ihnen haben. Du weißt doch, wie gerne wir Frisuren machen und mit Haarschmuck spielen. Wie sehr wird mich das entschädigen, für alles andere, was ich in dieser von Männern dominierten Gesellschaft mitmachen muss. Es ist ein Teil meiner Weiblichkeit, den ich für mich bewahren will. Und für die anderen, wenn sie es nicht schaffen, sie haben dann nur noch mich mit ihren ganzen Träumen von langen Haaren. Was ist das Leben ohne Träume? Meine Haare sind ein Traum, nicht nur für mich".

"Na ja, wenn es herauskommt, mehr als kahlrasieren wird man dich dann auch nicht. Eigentlich hast du Recht, es ist fast so wie eine vorweggenommene Strafe."

Emelie besorgte sich einen Glatzenüberzug, für alle Fälle, falls die Perücke einmal herunterfallen sollte. Die Haare unter der Kleidung versteckt und die Perücke aufgesetzt, so feierte sie dann Geburtstag. Eine Langhaarperücke, glatte rote Haare. Offenbar gab es da keine Vorschriften. Haare, die ihr bis zur Hüfte reichten. Ihre eigenen waren knöchellang.

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