Kleine haarige Geschichte17

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Lange Haare für Jungen und Mädchen


Ein Mädchen mit knielangen Zöpfen. 10 Jahre war sie gerade einmal jung. Sie war so glücklich mit ihren Haaren, streichelte sie, schmuste mit ihnen. Sie liebte ihre langen Haare. Dann kam der Tag, an dem die Haare ab sollten.

Warum? Weil es einfacher war, pflegeleichter und auch nicht so auffällig. Und so schrecklich almodisch, man lebte doch in Modernen Zeiten.

Damit sie sich nicht so allein fühlte, sollte ihr Bruder Erwin auch gleich mitgehen, er mit seinen knielangen Haare. Damit sah er aus wie ein Mädchen. Und das mit 12 1/2. Er sah einfach sehr feminin aus damit. Lange glatte blonde Hare mit dunklen, natürlichen Strähnen. Und dann auch noch so volle Haare. Ein Mädchen konnte ihn darum nur beneiden. Es war an der Zeit, dass er sich ein wenig mehr um den Ernst des Lebens kümmerte. Seine Freunde waren zwar auch langhaarig, aber nicht so extrem. Wenn er erst einmal mit kurzen Haaren auftauchte, würde sich das schon ändern.

Der Rektor in der weiterführende Schule, die er jetzt besuchen sollte, er stand für Disziplin, Ordnung und Sauberkeit. Mochte diese langhaarigen Jungen überhaupt nicht. Auch für die Mädchen stand Disziplin an erster Stelle. Viele hatten schon diese kinnlangen Frisuren.

Es sollte eine neue Schulordnung kommen. Jungen dürfen nur noch Haare tragen , die nicht über den Kragen ragen, und Mädchen? Wahrscheinlich war ein Bob schon das Maximalste, was sie  überhaupt noch zulassen wollten.

So war es dann an der Zeit für Veränderung.

Und Marianne? Das langhaarigste Mädchen im ganzen Bekanntenkreis. Die Lehrerinnen wollten die langen Haare ab haben. Es störte sie bei ihren pädagogischen Anstrengungen, die Mädchen auf das Leben vorzubereiten.

Auf das Leben vorbereiten, in der Grundschule? Nur, weil viele Mädchen schon kurze Haare hatten?

Es gab wohl auch ein bisschen Unruhe, Neid, aber sie hatte doch ihre Freundinnen, die die langen Haare mochten. Musste denn alles so pflegeleicht sein?

Kinnlange Haare für Mädchen, das war jetzt modern. Die Lehrerinnen wollten wohl die Mädchen in diese modernen Zeiten integrieren. Die langen Haare störten da, ein Anachronismus, eine alte Zeit, die man schon längst übewunden hatte.

Naja, diese Haarregeln gab es vor 50 Jahren auch schon mal. So ganz neu war das gar nicht.

Dabei sahen die Frisuren der Lehrerinnen manchmal aus wie der alte Handfeger von Großmama, den sie wahrscheinlich schon von ihrer eigenen Großmutter geerbt hatte.

Da erzähle mal einer etwas von modernen Zeiten.

Regenbogenfarben. So etwas war erlaubt, weil es modern war.  Oder knallige, leuchtende Farben. Nichts gegen Farben, aber wenn man die alle 2 Tage wechselte? Die Summe aller Farben sollte eigentlich weiß ergeben, aber was da als Haarfarbe herauskam? Das ging ohnehin nur mit kurzen Haaren, obwohl, manche glatzenartigen Ansätze mussten ja such irgendwo ihre Ursache haben. Wer es sich leisten konnte, kaufte sich dann Perücken oder moderner, Extensions. So gab es dann tatsächlich auch ein paar langhaarige Mädchen auf der Schule. Lange schwarze dicke Haare, deren Herkunft man schon erahnen konnte.

Warum war das alles erlaubt, aber natürliche, schöne lange Haare mussten ab? Weil man sie nicht jeden Tag wechseln konnte?

Die Mutter gab ihre Anweisungen.

"Schneiden sie dem Jungen bitte eine modische Kurzhaarfrisur, so dass die Ohren frei sind. Dem Mädchen bitte eine kinnlange Frisur."

Erwin reagierte sehr betroffen. So schlimm hatte er sich das nicht vorgestellt. Vielleicht ein paar Zentimeter Spitzenschnitt, aber die Haare waren doch so schön. Was sprach denn nur dagegen? Nur, weil er damit wie ein Mädchen aussah? Mussten Jungen denn unbedingt kurze Haare haben? Er mochte sie doch so gerne. Seiner Schwester wollten sie die langen Haare ja auch wegnehmen, obwohl sie doch ein Mädchen ist. Nein, da stimmte doch etwas nicht.

So saß das kleine Mädchen nun auf seinem Wartestuhl, beobachte die Menschen um sich herum.

Der Bruder direkt neben ihr.

Vestohlen griff er sich einen ihrer langen Zöpfe, hielt ihn fest in der einen Hand, streichelte ihn sanft mit der anderen Hand.
So versteckt, dass man es kaum sehen konnte, wenn man nicht direkt darauf achtete. Als wenn er die langen Haare des Mädchens auf diese Weise beschützen wollte.

Aber sie spürte es. Sie sah ihn an und lächelte. Griff sich eine seiner Haarsträhnen. Hielt sie sich an die Backe, schmuste damit.

Das konnte man schon deutlich sehen.

Und das in aller Öffentlichkeit. Die Mutter schüttelte den Kopf.

Ein Stuhl wurde frei,

"Kommst du bitte"

Die Frage war an das kleine Mädchen gerichtet. Wohl mehr eine Aufforderung als eine Frage.

"Nein".

Die Frisöse zog eine Augenbraune nach oben.

"Aber warum bist du dann hier?"

"Schauen, was ihr so macht."

"Okay, dann zuerst der junge Mann hier, Nimmst du bitte Platz"

Sie wollte jetzt an die Haare ihres Bruders.

"Nein"

Die Mutter: "Ihr werdet euch jetzt beide auf die freien Stühle setzen. So haben wir es beschlossen."

Die beiden murrten, aber sie fügten sich dann doch. Sie nahmen noch einmal die Haare des anderen Geschwisters in die Hand, küssten sie. Marianne umarmte die Haare ihres Bruders, vergrub ihr Gesicht darin. Er nahm ihre langen Zöpfe zärtlich in die Hand. So standen sie da und umarmten sich.

Die Mutter mochte das überhaupt nicht.

"Schluss  jetzt damit. Wir sind hier unter fremden Leuten."

Nun saßen sie auf ihren Frisierstühlen.

Die Tränen rollte ihnen aus den Augen.

Ein Junge, der weint, so etwas gibt es doch nicht. Na ja, er sieht ja ohnehin wie ein Mädchen aus. Das muss anders werden.
Das Mädchen, na ja, Mädchen weinen ohnehin bei jeder Gelegenheit. Das gibt sich schon wieder. Hinterher ist sie froh, dass sie die Haare endlich los ist.

2 Frisösinnen machten sich an die Arbeit.

Die eine griff nach den langen Haaren von Erwin, legte sie über die Stuhllehne.

Ihm wurde ganz heiß. Wie schön es doch war, wenn die langen Haare seine Haut streichelten, seinen Rücken, den Po und wenn sie die Kniekehlen berührten. Er mochte sie, wie sie so lang heruntergingen und er hatte eine Freundin, die gerne damit spielte, ihm Zöpfe machte. Sie hatte selbst polange Haare. Die beiden waren ein richtiges kleines haariges Liebespaar. Mutter musste ja nicht alles wissen. Auch seine Freunde mochten die Haare, sicher, er sah  aus wie ein Mädchen, aber eigentlich doch nur, wenn man ihn von hinten betrachtet, oder wenn er sich unter den Haaren versteckte. Das tat er manchmal sehr gerne. Warum konnte man die Menschen nicht so leben lassen, wie sie wollten? Wenn einer lange Haare nicht mochte, dann eben nicht. Aber er, er liebte sie geradezu, sie waren einfach so schön.

Wenn er daran dachte, dass dies einfach alles wegrasiert werden wollte. Er musste weinen. Vor lauter Tränen sah er nichts mehr, wusste gar nicht, wie er sich wehren sollte.

Die andere Frisöse griff nach den Zöpfen von Marianne.

Nein, nein, nein, dachte Marianne nur. Die Haare waren wie ein Märchen für sie, und sie mittendrin, wie eine Fee.
Sie hörte auf zu weinen, ein wenig böse Gedanken kamen bei ihr hoch. Der Frisöse sollte man gegen das Schienenbein treten.

"Ich schneide dir erst einmal die Zöpfe ab. Die Feinheiten machen wir dann später."

Sie griff nach einer Schere.

"Nein". Das Mädchen rannte davon, setzte sich wieder auf den Wartestuhl.

Nun war es an Erwin, seine Haare zu retten.

"Ich will nicht." Er verlies den Stuhl, setzte sich neben seine Schwester.
Dass er den Stuhl überhaupt gefunden hatte, so verheult wie er war. Na ja, jetzt wischte er sich erst einmal die Tränen aus den Augen.

"Nein, das lasse ich nicht zu." Und er fühlte sich gut dabei.

Die Mutter: "Was ist denn in euch gefahren?"

Erwin: "Wir wollen nicht. Es sind unsere Haare, Wir lieben sie so. Was ist denn so besonders an diesen Kurzhaarfrisuren, nur weil sie besser ins Bild passen?"

Frisöse: "Kurze Haare sind doch völlig out. Wollt ihr denn Außenseiter sein? Ich zeige euch, wie schön ein modischer Kurzhhaarschnitt aussehen kann"

Sie sprach eines der Mädchen an, dass als Kundin gekommen war. Es hatte schon vorher angekündigt, ihre lange Mähne sollte heute fallen.

"Ich?"

"Nein, doch lieber nicht."

Die Tür ging auf, Erwins Freunde kamen herein.

"Bitte. lasst ihm doch seine Haare. Sie sind einfach nur schön. Wir möchten nicht, dass ihr ihn in einen kurzhaarigen Jungen transformiert."

Was sollte sie da noch machen, die Mutter?

"Ich verstehe das ja, aber die neue Schulordnung, der Direktor, die Grundschullehrerinnen. Ich muss auch an die Zukunft der Kinder denken."

Ein paar Mädchen betraten den Salon.

"Nein, bitte nicht. Wir mögen ihre langen Haare. Man kann so schön damit spielen."
"Wir möchten selber gerne so lange Haare haben, aber wir dürfen nicht. Dann lasst ihr doch bitte die Haare. Dann haben wir auch ein bisschen davon"

Was war das denn?

Dass sich so viele Jugendliche mit den beiden solidarisierten?

Ein Pressefotograph war auch dabei.

"Ich werde die Geschichte in die lokale Zeitung setzten. Vielleicht bewirkt es ein bisschen Bewusstseinsveränderung. Viele Menschen verstehen nicht, dass lange Haare auch um ihrer selbst willen gemocht werden können, nicht nur als Signal für Protest auftauchen."

Mutter: "Okay, lassen wir das für heute, mit dem Haareschneiden .. Nein. Meine eigenen Haare bleiben auch so wie sie sind. Ich will doch mal sehen, ob da noch was wächst."

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