Kleine haarige Geschichte 24

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Punzelina beim Frisör

Punzelina, die Frau mit dem unglaublichen Haarwachstum, einen halben Meter wurden ihre Haare jedes Jahr länger.

Als Teenager hatte sie mit 15 Jahren bereits 7,50 Meter lange Haare.

Wenn sie ihre Haare in Schichten übereinander legte, konnte sie damit die Länge bewältigen. Sie musste dabei aufpassen, dass sie die Haare nicht zerbrach, keinen scharfen Knick dort hineinmachte.
Manchmal flechtete sie die Haare in einen langen dicken Zopf, manchmal machte sie auch bis zu 10 kleinere Zöpfe.
Einen langen dicken Zopf legte sie mehrfach um ihren Körper.  Damit schaffte sie es, ihre Haare unter der Kleidung unterzubringen.

Das war ihr Lebensstil

Manchmal wickelte sie sich auch so in die Haare ein, ohne sie zu flechten . Die Kleidung darüber und die Haare waren vor der Welt verborgen.

Sie sah schon ein wenig voluminös aus unter ihrer Kleidung, aber es waren doch nur die Haare.

Sie wurde älter und die Haare wurden länger. Mit 20 verbarg sie die Haare nicht mehr so oft. Sie hingen überall um sie herum.
Aber die anderen Menschen gewöhnten sich daran. Sie war ein hübscher junger Mensch mit einem etwas eigenwilligen Geschmack, sich der Welt zu zeigen. Und sie war liebenswürdig und liebenswert. Die Welt sah ja auch nicht immer die Haare, manchmal packte sie die Haare ein, in kunstvoll gestickte Tücher.

Die Haare lose auseinanderziehen, das machte sie recht selten. Aber es musste manchmal sein und sie wollte es auch. Sie wollte keine Dreadlocks sondern Einzelhaare, die sie wieder auflösen konnte.

Ihre Freunde und  Freundinnen halfen ihr dabei. Sie  mochten diese extralangen Haare. Es war immer etwas besonderes, wenn Punzelina ihre Haare öffnete.
Am Ende war das ganze Zimmer voller Haare und oft umhüllte es alle anwesenden Personen. Sie kamen aus dem Haarestreicheln, Bürsten, Kämmen, Flechten gar nicht mehr heraus und es gab ihnen so viel Freude. Punzelina konnte mit Leichtigkeit 10 Leute mit ihren Haaren beschäftigen.

Manchmal verwickelte sie sich auch darin und sie brauchte Tage, um sie wieder auseinanderzubekommen.
Das hatte sie schon an den Rand der Verzweiflung gebracht. Es bestand durchaus die Gefahr, dass sich unauflösbare Haarknoten bilden würden. Sie hoffte so sehr, dass dies niemals geschehen würde. Nein, sie wollte die Haare nicht schneiden. Keine rationalen Gründe hören, dass man die Länge doch auch ab und zu reduzieren sollte.

Mit 40 hatte sie 20 Meter lange Haare. Sie konnte sie nicht mehr verstecken. Sie wickelte die Haare um ihren ganzen Körper und sah dann manchmal aus wie ein wandelnder Haarball. Oder sie flechtete sie in eine Unzahl von Zöpfen. Sie drehte sie ineinander, so dass die Haare nicht auf der Straße lagen, wenn sie sich dort bewegte.

Inzwischen kannte man sie ja im ganzen Land. Die Menschen reagierten unterschiedlich. Manche lächelten sie an, andere schüttelten den Kopf. Aber sie wurde respektiert, sie war eine Real-Life-Rapunzel, wie es sie kein zweites mal gab. Mit wunderschönen langen Haaren. Wie sie das nur geschafft hatte? Haare waren doch totes Material, das immer ein bisschen mehr kaputt ging.

Sie wurde oft eingeladen in Talkshows, legte ihren Standpunkt dar. Sie liebte ihre Haare, wollte niemanden damit schaden und einfach nur zeigen, dass so etwas möglich war.

Durch ihr sympathisches Wesen überzeugte sie oft auch.

Manchmal wurde sie angegriffen, aber wenn sie dann weinen musste, weil es sie verletzte, waren die anderen erst einmal ruhig. Dann erläuterte sie ihren Standpunkt erneut. Sie lies sich nicht verunsichern. Das bin ich, das sind meine Haare, sie sind ein Teil meines Ich. Seht, ich bin ein Märchen in einer realen Welt und ich schade niemanden mit den Haaren.

Ja, das war sie. Wenn Rapunzel als Theaterstück aufgeführt wurde, oft war sie dabei.
Aber sie vermiet es Leute an ihren Haaren hochlettern zu lassen. Es gab dann eine versteckte Leiter hinter den Haaren. Jeder wusste es, aber alle akzeptierten es so, dass der Prinz sich an ihren Haaren emporhangelte.

Doch nun wurde sie müde. Mit 40, sie fühlte sich mit einem mal so alt. Sollte sie ihr ganzes Leben in den Haaren verbringen?

Etwas hatte sie getroffen, war es Neid, Hass, was auch immer, sie litt unter den negativen Kommentaren ihrer Nachbarin. Das lokale Nachrichtenblatt hatte eine häßliche Karrikatur gebracht und in einem Modemagazin wurde sie mit 10 schwarzen Punkten bedacht. Als Antibeispiel, wie es niemals sein sollte.

Dann entschied sie sich, ja, sie ging zum Frisör.

Punzelina vor dem Salon, die Menschen erkannten sie und bildete eine Traube, die immer größer wurde.

"Willst du es wirklich tun?". "Ach, es wird aber auch Zeit." "Nein, tue es nicht, du bist so ein schönes Märchen für uns alle." Du traust dich ja doch nicht."
Ihre Nachbarin, der Lokalreporter, die Modeschöpferin. Warum verletzen sie sie so?

Jetzt konnte sie nicht mehr zurück und sie ging in den Salon.

...

Sie hatte die Haare zusammengebunden, um sich herum, und sie hatte nun tatsächlich einen Durchmesser von mehr als 2 m.

Die Frisöse, so als sei gar nichts besonderes geschehen: "Wie hätten sie es denn gerne?"

Punzelina. "Ach einfach nur kurz, die Haare bitte im Nacken abschneiden, ich möchte die Ohren noch bedeckt halten, bitte."

Frisöse: "Einfach so abschneiden, nein, dann müssen wir Sie aus den Haaren befreien. Ziehen wir sie erst einmal auseinander."

Sie löste die Bänder und zog und zog und zog.

Bald hatte sie die Haare 6 Meter aueinandergezogen und es wollte kein Ende nehmen.

3 ihrer Kolleginnen kamen zu Hilfe. Sie pulten die Haare auseinander und zogen, alle in eine Richtung. Dann hatten sie die Wand erreicht. 10 Meter lange Haare.

So langsam kamen sie ins Staunen.

Eine der Frauen bog die Haare nach innen und ging mit dem Ende wieder Richtung Punzelina.
Die anderen zogen weiter Haare von ihr weg.

"Wollen wir nicht erst einmal ein Stück abschneiden? Ich hole eine Schere, die größte die wir haben."

"Ja, das würde es etwas einfacher machen."

Sie holte eine riesige Schere von fast einem halben Meter Länge und wollte den Haarstrag in der Mitte durchschneiden. Punzelina sah es im Spiegel.

"Nein, bitte nicht, ich möchte sie als Ganzheit wieder mitnehmen."

Frisöse: "Nun gut, der Wille des Kunden ist Gesetz. Aber dann können wir sie doch gleich an der Kopfhaut abrasieren?"

"Nein, bitte nicht, ich möchte keine Glatze. So ganz ohne Haare, das wäre zu viel. Ich werde sie wieder ein bisschen wachsen lassen, so bis Mitte Rücken und komme dann regelmäßig zum nachschneiden. Sie können mir dann Stufen reinschneiden und damit ich mich wirklich verändere, die Haare färben."

Am Ende lagen die Haare in 4 Schichten übereinander, jede davon hatte 5 Meter Länge. Aber noch waren die Haare mit Punzelina verbunden.

"So, nun sind wir so weit."

Eine der Frisösinnen fasste die Haare mit beiden Händen direkt hinter Punzelinas Kopf.
Sie legte sich die Haare zurecht, zum Schneiden.

Diese dicken Haare. Aber das Schneiden würde gar nicht so viel Kraft erfordern. Die Schere war mechanisch so konstruiert, dass man damit sogar Metall hätte schneiden können.

Sie diente in der Regel dem Abschneiden dicker Zöpfe.

Ja, dicke Zöpfe. Die hingen zum Teil an der Wand. Manche von denen waren mehr als 5 cm dick und bis zu 2 Meter lang.
Wie würden sich die Träger der Zöpfe gefühlt haben?

Es gab Verordnungen für Schulen und Universitäten, eine bestimmte maximale Haarlänge durfte nicht überschritten werden. Oft war sie als kinnlang definiert, oft durften Haare auch nicht über den Kragen ragen, nicht einmal bei den Mädchen.

Ob ihre Haare dort auch als Trophäe hängen würden? Nein, sie würde sie wieder mitnehmen und in eine Truhe packen. Vielleicht würde sie später einmal davorsitzen und ihre Haare anschauen.
Warum kamen ihr jetzt nur die Tränen in die Augen?

"Wir schneiden sie dir hier direkt hinter den Ohren ab. Dann machen wir ein Paket daraus oder vielleicht eine Rolle?  Sie wird nicht ganz leicht sein, an die 10 Kilogramm denke ich."
Wie haben sie das nur alles tragen können?"

"Wenn man das Gewicht schön gleichmäßig verteilt, geht es."

Punzelina sah die Schere in der Hand der Frisöse. Von ihrer ganzen Haarfülle sah sie nichts mehr, die lag hinter ihr, unten auf dem Boden. So viele Haare in 4 Schichten übereinander!

Ihr wurde ganz heißt. Das alles mit einem mal weg? Ja, sie hatte so lange darüber nachgedacht, nun wollte sie endlich einmal kurzhaarig sein. So wie sie sich jetzt im Spiegel sah.

Oder wollte sie nur ihrer Nachbarin gefällig sein? Den anderen zeigen, so, das habt ihr nun davon. Nein, sie wusste es nicht. Sie hatte ihre Haare doch so lieb gehabt und nun? Was sollten sie ohne die Haare machen, den ganzen Tag? Sie waren doch ein Teil ihres Lebens geworden.

"Nein, bitte warte."

Die Frisöse, in der einen Hand die Schere, bereit zum Schneiden. Ein fragender Blick in ihren Augen? Wenn sie jetzt die Haare einfach abschneiden würde, die Frau auf dem Stuhl würde es gar nicht verhindern können. Manchmal hörte sie ja nicht so gut und draußen fuhr gerade ein Laster vorbei. Ein diabolischer Gedanke. Aber sie traute sich nicht.

So geschah erst einmal nichts.

...

Draußen, die Zuschauer am Fenster. Sie sahen wohl, dass die Sache ins Stocken geraten war.
Ob sie das wirklich wollten? Sie wussten es nicht. Aber so langsam bildete sich etwas heraus, eine Einstellung. Nein, sie hatten ihre Punzelina doch lieb gewonnen, sie kannten sie schon so viele Jahre. Sie einfach so zu verlieren, würde das Leben dadurch nicht ein bisschen ärmer werden?

Der Gedanke setzte sich durch. Die Menschen stürmten in den Laden, nahmen die Haare vom Boden auf, legen sie Punzelina auf den Schoß. Sie musste weinen, dachte sie doch, die Haare wären alle abgeschniutten worden.

Aber dann nahmen die Leute sie sie bei den Händen und führten sie aus dem Salon. Die Haare wurden von anderen getragen. Punzelina spürte den Zug an der Kopfhaut.

"Nein, bitte tu es nicht. Wir wollen es nicht, du willst es nicht."

Sie hatte Tränen in den Augen und musste mit einem mal hemmungslos weinen.
...

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