Kleine haarige Geschichte 25

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Punzelina 02

Punzelina wieder zu Hause. Innerlich war sie doch sehr erschrocken, wie konnte sie das nur geplant haben. Dann die Zuwendung von so vielen Leuten, sie musste lächeln.

Die Leute hatten sie nach Hause gebracht und dabei die Haare getragen. 4 Begleiter hatte sie gehabt, für die Haare :-)).
Stolz hatten sie die Länge gezeigt, in der Stadt. Ihre Geschichte war nun bereits über das Radio verbreitet worden, von manchen Passanten hatte sie spontan Beifall bekommen.

Sie sah die Truhe im Zimmer, die sie als Grab für die Haare vorgesehen hatte. Nein, die würde jetzt leer bleiben. Sie setzte sich darauf. Ihre Haare waren nun lose im ganzen Zimmer verteilt.

So viele Haare. Ein vertrauter Anblick :-)).

Es klingelte an der Tür. Wer konnte das sein? Die Nachbarin? Ein wenig bekam sie es mit der Angst zu tun, wenn die nun mit Gewalt ... Sie konnte nicht kämpfen, mit so vielen Haaren. Ihr ganzes Wesen war sehr sanftmütig ausgelegt. Sie verteidigte sich mit Worten und sie hoffte so sehr, dass man sie so lassen möge, wie sie war. Sie liebte ihre Haare.

Es war Julius, ihr bester Freund.

Ihre Haare hatte sie nach hintengeschoben und im Nacken zusammengebunden. Der Hauptteil der Haare befand sich im Wohnzimmer. Wenn man sie jetzt von vorne betrachtete, sah sie ziemlich kurzhaarig aus.

Ihr Freund schaute sie mit großen Augen an.

"Punzelina, hast du deine Haare noch?"

Punzelina musste lächeln. "Komm bitte herein ... "

"... und fall nicht über die Haare :-)))."

Julius: "Ich bin so froh, dass du sie noch hast."

P: "Ja, ich auch :-))). Entschuldige bitte, dass ich sie so einfach abschneiden wollte, ohne es dir vorher zu sagen. Mir war einfach so. Und Freundschaften sollten ja nicht auf Äußerlichkeiten begründet sein."

J: "Ja, das stimmt schon. Ich hätte dich deswegen auch nicht aufgegeben. Nur, du warst manchmal so glücklich mit den Haaren, als wäre es eine Liebesbeziehung, als hättet ihr euch nach sehr langer Zeit gefunden. Das alles wäre verloren gewesen. Auch wenn sie dir viel Ärger und manchmal Kummer bereitet haben. Sie sind doch ein erhaltenswertes Kulturgut."

P: "Erhaltenwertes Kulturgut. Das klingt gut :-)). Manche sehen die Haare wie ein Kleidungsstück, das man nach Bedarf wechseln kann. Es gibt doch sooooo viel wichtigeres im Leben. Dass manche Menschen Gefühle für Haare entwickeln können, sie erhalten möchten wie einen lebendigen Teil des Körpers, das sehen sie gar nicht. Ich glaube, sie verstehen es auch nicht."

J: "Ja, das sind unterschiedliche Sichtweisen. Aber auch deine Sichtweise ist Wirklichkeit und meine Sicht der Dinge. Existenz. Realität. Etwas, das in unseren Bewusstseinen ruht."

P: "Weißt du, als ich einigen Leuten erzählt habe, dass ich meine Haare abschneiden will, hat man mich zu einem Film eingeladen. Dort sollte ich mit meinen Haaren spielen, ihre Schönheit zeigen, haarige Selbstverliebtheit demonstrieren und sie am Ende abschneiden lassen."

J. "Warum das denn? Weil diese Selbstverliebtheit unmoralisch ist? Oh mein Gott, was die Menschen so alles lieben, Gewehre, Kanonen, Kriegsschiffe, ihre Autos, Hunde, Katzen ..."

P: "Die Haare sollten dann gespendet werden, für Menschen, die selbst keine Haare bekommen können."

J: "Das ist ja nichts negatives. Nur, muss man etwas schönes zerstören, damit man moralisch anerkannt wird? Warum darf man es nicht einfach genießen, sich daran erfreuen? Sind nicht diejenigen selbstsüchtig, die ihren eigenen moralischen Beitrag über das Opfer von anderen definieren?"

P: "Die Frisöre und die Kosmetikindustrie können von langen Haaren, die nicht ständig gestylt und geschnitten werden wollen, nicht leben. Haare sind etwas sehr eigenes, man kann mit ihnen glücklich sein, ohne dass man andere äußere Dinge braucht. Komm, lass uns unter meine Haare kriechen."

J: "Ist das nicht ein bisschen warn darunter, mit all diesen Klamotten, die wir anhaben?"

P: *grins*. Sanft zog sie ihn aus, dann lies sie sich von ihm ausziehen. Sie lächelte ihn dabei an.

Dann lagen sie beide eng umschlungen auf einer Matratze, bedeckt von all den Haaren. Es war sehr warm unter dieser Haarpracht und sie fühlten sich so geborgen darin. Die Haare streichelten die Haut bei jeder Bewegung. Sie waren eins mit all ihrer Körperlichkeit und ihren inneren Wesen. In sich ruhend. Kein Hauch von Ewigkeit hätte jemals schöner sein können.
...

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