Kleine haarige Geschichte 27

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Aliana und Juliana

Aliana beim Perückenhersteller. Ihre langen Haare hatte sie in einem Dutt zusammengebunden. Ein gewaltiger Dutt, groß wie ein Kürbis.

Überall sah sie Perücken in den Regalen, Pferdeschwänze und Zöpfe, die an der Wand hingen. Es waren lange Zöpfe darunter, darunter solche von mehr als einem Meter Länge.

Ihr wurde ganz warm ums Herz. Würden ihre Haare auch bald dort hängen, und sie wäre dann heute abend zu Hause, ganz ohne die Haare?

Die armen Haare, ganz allein und von ihr getrennt. Ein wehmütiger Gefühl tat sich in ihr auf. Aber sie brauchte das Geld. Sie war mit der Miete im Rückstand und hatte nichts mehr zu essen. Sollte sie mit langen Haaren auf der Straße sitzen? Mit so langen Haaren? Wie sollte sie die Haare dann noch pflegen können?

Half ihr das wirklich? In einem Monat gab es die gleichen Probleme wieder. Nur würde sie dann kurzhaarig sein. Dann eben kurzhaarig auf der Straße sitzen. Trotz kam in ihr auf.

"Ich möchte meine Haare verkaufen. Was bekomme ich dafür?"

Er schaute sich den Dutt an. "Machen sie bitte ihre Haare auf, damit ich das Gewicht einschätzen kann."

Aliana öffnete ihren Dutt und ein Wasserfall von Haaren ergoß sich bis auf den Boden. Das war aber nicht alles. Die Haare waren in mehreren Schichten zusammengelegt. Nur das sah man so noch nicht.

"Darf ich ihre Haare anfassen?"

Sie nickte.

Er nahm die Haare in die Hände, wog sie nach Gefühl. Die waren ganz schön schwer, aber das dachte er nur. Körperlange Haare in dieser Qualität? Die konnte er gut für 2000 Euro verkaufen, aber erst nach Verarbeitung und er brauchte einen Kunden dazu.

"Sagen wir 300 Euro?"

"300 Euro." Sie schaute ihn ganz traurig an. "Sie sind mein ganzer Stolz. Aber ich brauche das Geld so dringend. Können sie nicht noch ein wenig drauflegen."

"Nein. Ich muss die Haare ja auch erst verarbeiten und dann weiterkaufen, bevor ich daran verdienen kann."

Sie seufzte. "Wenn es nicht anders geht. Es sind ja nur Haare."

"Aber warten sie bitte". Sie fasste in ihre Haare, löste die Bänder, die die Haare in mehreren Schichten zusammenhielten. Dann ging sie ein paar Schritte nach rechts. Die Haare lagen auf dem Boden und wurden immer länger. Am Ende waren es mehr als 4 Meter lange Haare.

Da bekam selbst der Perückenmacher große Augen.

"Ich werde ihnen die Haare in Nackenhöhe zusammenbinden und oberhalb abschneiden."

"Muss es denn so kurz sein, ich hätte sie gerne noch bis zur Taille."

"Ich kaufe nur die ganzen Haare."

Sie ergab sich in ihr Schicksal. Er gab ihr die 300 Euro, dann holte er ein Band und legte es um die Haare in Nackenhöhe, band sie fest zusammen. Er schob es noch ein Stück höher, so weit es ging.

300 Euro für 4 Meter lange Haare?

Sie wurde ganz traurig. Fasste mit der Hand nach dem Band. Die Tränen standen ihr in den Augen. Aber sie sagte nichts mehr.

"Ich hole eine Schere."

Nein, er sollte sie nicht weinen sehen. Sie versuchte die Tränen zu unterdrücken. Dann sah sie ihn im Spiegel mit der Schere in seiner Hand. Sie konnte sich nicht mehr zurückhalten, die Tränen rollte ihr über das Gesicht. Sie wandte sich ab, er sollte die Tränen nicht sehen.

Er griff mit einer Hand nach den Haaren, in der anderen Hand die Schere.

Sie schluchzte, ihr wurde schwarz vor den Augen und sie brach zusammen.

Das verwirrte ihn etwas. Sie saß vor ihm auf dem Boden und heulte fürchterlich.

"Es sind doch nur Haare. Die wachsen doch nach. Kommen sie, bringen wir es hinter uns."

"Die Haare wachsen jetzt bereits 20 Jahre. Wenn sie die Haare so kurz abschneiden, ich werde diese Länge vielleicht erst wieder erreichen, wenn ich eine alte Frau bin. Wenn es überhaupt möglich ist, draußen auf der Straße."

Er reichte ihr eine Hand und stellte sie wieder auf die Beine.

Sie konnte kaum etwas sehen vor lauter Tränen.

"Ich liebe meine Haare doch so."

"Nun sind sie schon einmal hier, sie haben ihre Haare verkauft, jetzt gehören sie mir."

Er griff nach ihren Haaren, hatte einen Strang fest in der einen Hand.

"Halten sie still, sonst verletze ich sie noch."

Die Tür ging auf. Eine Frau mit 2 knielangen Zöpfen betrat den Laden.  Knielange Zöpfe? Die Zöpfe waren zweifach zusammengelegt.

"Warten sie bitte einen Moment. Ich bin gerade beschäftigt."

Die Frau staunte mit weiten offenen Augen. Sie sah die ganze Haarpracht auf dem Boden liegen und den Perückenhersteller mit der Schere hantieren.

"Das sehe ich. Aber die Frau weint doch, sehen sie das nicht?"

"Sie weint? Sie hat ihre Haare verkauft, das Geld hat sie schon. Nun hole ich mir meine Ware."

Er setzte die Schere an.

"Nein, tun sie das nicht, bitte, bitte, bitte tun sie es nicht, ich bete sie an, bitte tun sie es nicht." Er wirkte etwas irritiert.

Sie ging auf ihn zu, fasste nach seiner Hand. "Lassen sie die Frau bitte in Ruhe. Nehmen sie stattdessen meine Haare. Ich wollte sie ohnehin kurzschneiden lassen, einfach nur weil lange Haare out sind. Jetzt in der Mittagspause, um die Kollegen zu schockieren, diese Haarefetischisten."

Er schaute sie an, ließ die Haare los.

"Okay. Die Zöpfe sind ein guter Ersatz."

Er griff sich einen der Zöpfe, wollte die Schere in Kinnhöhe ansetzen. Das waren ja 2 Zöpfe, der Zopf war zweifach gewickelt.

Er öffnete das Band, das den Zopf zusammenhielt. Der Zopf war jetzt doppelt so lang, bestimmt mehr als 3 Meter.

Nun griff Aliana nach seinem Arm.

"Nein, bitte machen sie das nicht."

Sie füsterte so sanft. Es irritiere ihn. Er ging einen Schritt zurück.

"Dies ist ein Geschäft das Haare kauft. Deswegen sind sie doch hier."

"Bitte nehmen sie die 300 Euro wieder zurück. Ich kann ihnen leider nichts drauflegen, für ihre Unannehmlichkeiten.

"Gut, ich nehme das Geld wieder zurück. Aber von dem langen Zopf möchte ich 80 cm abschneiden. Sie können dann gehen."

Die Frau gab ihm den Zopf in die Hand. Dabei schaute sie so traurig, dass selbst er das nicht einfach ignorieren konnte. Er schaute den Zopf an, die Schere in seiner Hand. Die beiden mochten ihre Haare doch so sehr, nein er konnte es nicht.

"Nein, ich kann es nicht. Aber was haben sie sich dabei gedacht, hierher zu kommen?"

Beide Frauen schauten ihn an, irgendwie erleichtert, um Vergebung bittend. Ja, Frauen konnten das mit ihren Augen ausdrücken. "Lassen sie uns doch einen Kaffee zusammen trinken gehen, dann erzählen wir ihnen alles."

So saß der Perückenhersteller dann mit 2 Frauen beim Kaffeetrinken, beide mit superlangen Haaren. Aliana hatte sie um den Körper gewickelt, sie sah aus wie eine Haarfee. Und Juliana hatte einen ihrer Zöpfe aufgemacht. Langes wallendes Haar umrahmte ihre rechte Körperhälfte, dabei war es noch hochgesteckt. Der andere lange Zopf war mehrfach um ihren Körper herumgewickelt.

Der Ober schaute etwas erstaunt.

"Heinrich, was ist denn mit dir los?"

"Ja, es ist wohl so. Die Rechnung geht auf mich."

"So ihr beiden hübschen. Ich habe eine Idee. Für mich als Perückenersteller arbeiten wollt ihr wahrscheinlich nicht, denn dann müsstet ihr euch damit abfinden, dass anderen die Haare abgeschnitten werden. Aber so wie ich euch einschätze, wahrscheinlich wäre ich in zwei Monaten pleite. Nein, aber wir können Videos machen, von und mit euren Haaren. Keine Angst, es werden keine Sexvideos sein, ihr müsst euch nicht vor der Kamera ausziehen. Es gibt einen Markt von Langhaarliebhabern, den könnten wir damit beliefern."

Juliana und Aliana schauten sich an. Sich selbst im Internet zeigen? Ja, warum eigentlich nicht.

"Das hiesige Theater will das Stück Rapunzel aufführen. Ich hätte da so eine Idee, wer da mitmachen könnte *grins*. Allein die Reklame, dass echte Haare dabei sind, es wird die Theaterkassen füllen."

"Aber werden Rapunzel im Märchen nicht die Haare abgeschnitten?"

"Ja, schon, aber der Regisseur ist nicht so unbedingt an das Original gebunden, er experimentiert auch ganz gerne. Ich denke wir werden die Haare überleben lassen."
...

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