Kleine haarige Geschichte 28 <<Home>> nächste Seite =>

Thorania

Es war mal wieder soweit. Eine große Spendenaktion war angesagt. Haare spenden für Menschen, die selbst keine Haare bekommen konnten. Menschen, die unter Alopecia litten. Vor allem Kinder. Im Fernsehen hatte man einige krebskranke Menschen gezeigt. Das rührte die Menschen und sie waren bereit, ihre Haare zu spenden.

Eine Reihe von Stühlen stand bereit. Man wollte ihnen also die Haare im Sitzen schneiden.

Thorania begleitete ihre Freundinnen. Sie wollte sich das ganze angucken. Nein, sie wollte ihre Haare nicht hergeben, aber wenn die anderen unbedingt wollten. In Freundschaften teilte man Freude, Leid, überhaupt alle Gefühle und so war sie mitgekommen. Die anderen waren so vereinnahmt von dem Gedanken, Kindern eine Freude machen zu können. Sie war da eher skeptisch. Was stand hinter den Leuten, die Haare sammelten? So genau wusste man das nicht. Aber sie halfen ja auch. Grundsätzlich ablehnen konnte sie diese Aktionen nicht. Nur ihre Haare waren ihr so wichtig, sie liebte sie. Konnte sie nicht auch auf andere Weise helfen? Ja, sie hatte abgeschnittenen Pferdeschwänze dabei, für viele Euro beim Perückenhersteller gekauft. Auch wenn ihr das wehtat. Aber manche Menschen wollten ihre Haare auch loswerden. Das war ein Fakt. Vielleicht gehörten diese Pferdeschwänze ja Menschen, denen ihre Haare nicht so wichtig gewesen waren.

Es war hochwertiges Material, kein Spliss, ungefärbt, irgendwie doch sehr jungfräuliches Haar. Sie hatte die Haare in einer großen Tüte bei sich. Ihre eigenen Haare waren in einem Dutt versteckt. Nein, mit offenen langen Haaren wollte sie hier nicht herumlaufen.

Sie würde die Haare der Frisöse anbieten, alternativ zum Haarschnitt. Für jede ihrer Freundinnen einen Pferdeschwanz. Das war nicht mit den Freundinnen abgesprochen. Vielleicht würden sie darauf eingehen, vielleicht aber auch nicht.

Man wusste nicht alles über seine Freunde. Nur, sie liebte die Haare ihrer Freundinnen, damit zu spielen, sie zu streicheln. Es war so ein so schönes Gefühl, diese Langhaarigkeit zu sehen und zu spüren.

Sie wusste, den anderen ging es ähnlich. Nur dieses Gefühl, unbedingt helfen zu wollen, es war noch stärker.

Aber auch ihre Entscheidung wurde akzeptiert. War sie am Ende dieses Tages die einzige, mit deren Haaren sie alle zusammen noch spielen konnten?

Sie wusste nicht, ob sie das dann noch wollte.

Nein, ihre Haare würde sie nicht abschneiden. Aber sie würden dann nur noch ihr gehören und sie würde sie den anderen nie wieder offen zeigen.

Nur für sich allein, abends vor dem Spiegel. Sie liebte das Bild so sehr, das sie dort sah. Ein wenig mochte sie auch sich selbst gehören.

Haare wuchsen ja nach, aber so lange Haare? Es würde Jahre dauern, viele Jahre.

Alia, ihre beste Freundin, hatte die Haare offen herunterhängen, sie reichten bis weit über den Po. Atania und Stephania hatte ihre Haare in jeweils 2 lange Zöpfe geflochen und die reichten bis Mitte Oberschenkel.

So schöne Haare, einfach ein Traum. Man sah den Haaren an, mit wievel Liebe sie gepflegt wurden. Musste man denn so etwas schönes zerstören um helfen zu können?

Nur Ceria hatte ihre Haare in einem Dutt, so konnte man die Länge nur erahnen. Sie hatte wie Thorania knielange Haare. Ja, sie waren eine kleine langhaarige Clique, und das sollte nun alles vorbei sein?

Die 5 Frauen standen zusammen und beobachteten das Geschehen.

Die Stühle vor ihnen waren besetzt. Sie standen sozusagen an, zum Haareschneiden.

Vor ihnen, einige der Mädchen ließen die 25 cm abmessen, die sie spenden wollten. So würden sie nach dem Haarschnitt immer noch lange Haare haben.

Aber machte das Sinn? Diese 25 cm waren Haare, die bestimmt schon länger als 3 - 5 Jahre alt waren. Konnte man die überhaupt verwenden zur Perückenherstellung? Wahrscheinlich hätten sie die langen Haare im Nacken abschneiden müssen und nur die oberen 25 cm wären überhaut brauchbar gewesen. Nur so ein Gedanke, der Thorania gerade kam. Aber genaueres wusste man nicht. Die Haaresammler gaben keine Informationen heraus, was mit den Haaren geschah.

So schauten sie dann zu. Schnitt schnapp ratsch, und die Haare waren ab. Die Mädchen strahlten nach dem Haarschnitt, hielten ihre abgeschnittenen Haare stolz in der Hand, Okay, wenn es ihnen Freude machte. Aber sich mitfreuen, irgendwie konnte sie es nicht.

Verstohlen griff sie nach einem der langen Zöpfe von Stepania, nahm ihn in beide Hände und streichelte ihn sanft. Stephania spürte die Berührung, sagte aber nichts.

Nun saß Stephania auf dem Stuhl, direkt vor ihr. Die beiden langen Zöpfe hingen über die Stuhllehne bis auf den Boden. Thorania wurde ganz warm ums Herz. Sie mochte diese beiden Zöpfe doch so sehr.

Nein, ein letztes mal wollte sie die Haare spüren. Sanft nahm sie die Zöpfe in die Hand, küsste sie ein letztes mal und gab sie dann wieder zurück.

Stephanie drehte sich um, schaute sie an. Eine Träne rollte aus Thoranias Auge.
Stephanie musste spontan mitweinen. Aber das geschah eben so, beim Haarespenden. Es rührte die Seelen der Zuschauenden. Dadurch erkannten sie auch, wie großzügig diese Spende wirklich war.

Nun mussten sie alle weinen. Nicht heftig, eher verstohlen. Man musste schon hinschauen, um die Tränen zu sehen.

Den Zuschauenden erging es genau so. Selbst der anwesende Reporter musste sich eine Träne aus dem Auge wischen.

Die Frisöse beobachtete das ganze. "Sind sie wirklich sicher, dass sie ihre Haare spenden wollen?"

Stephanie schaute sie ganz traurig an, sagte aber nichts.

"Nein, wir wollen die Haare doch nicht mit Gewalt nehmen. Es muss aus dem Gefühl heraus kommen. Wenn ihr eure Haare so sehr lieb habt, dann ist es besser, wenn ihr sie behaltet. Wir wollen euch doch die Freude nicht nehmen."

Das hatten sie nun überhaupt nicht erwartet.

Thorania ging auf die Frisöse zu, umarmte sie. Dann nahm einen der langen Pferdeschwänze aus der Tüte und reichte ihn ihr.

"Bitte, nehmen sie diese Haare als Ersatz für Stepanies Haare."

Da waren noch mehr Pferdeschwänze in der Tüte. Ja, sie hatte 2000 Euro ausgegeben. Für jede ihre Freundinnen hatte sie einen Pferdeschwanz gekauft. Damit war ihr Sparbuch nun leer.

Die Frisöse nahm die Pferdeschwänze in Empfang, schaute die 5 Mädchen an.

"Nein, ich möchte euch die Haare nicht wegnehmen. Vielen Dank für die Spende."

...

nächste Seite =>