Kleine haarige Geschichte 36

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Haarige Welten

Anarius wurde zum Frisör geschickt. Die ganze Haarpracht, die er hatte, sie sollte den Scheren zum Opfer fallen. Diese Haare, sein künftiger Arbeitgeber wollte ihn damit nicht akzeptieren. Schließlich hatte er Kundenkontakt und solche Haare, das war ja schon sehr extrem. Ein Kunde hatte sich bereits beschwert, als er ihn nur einmal zufällig gesehen hatte.

Warum nur? Er stand vor einem Frisierstuhl in einem Salon und betrachtete sich im Spiegel. Im Spiegel konnte er sich von hinten ansehen, ein Spiegelbild im Spiegel. So sah er seine 8 dicken Zöpfe, die er geflochten hatte. Darüber langes offenes glattes Haupthaar, das er nicht eingeflochten hatte.



Ob sie ihm zuerst die Zöpfe abschneiden würden? So ein Undercut, und dann? Wenn alles ausgedünnt war? Dann kamen die oberen Haare dran. Am Ende der Nacken ausrasiert und die Ohren frei.

Seine Haare waren doch so schön. Ein wenig Narzissmus, Gefühle, die anderen nicht schadeten. Wenn er sich so sah, er liebte seine Haare.

Die Frisöse hinter ihm, sie nahm die Haare in die Hand, prüfte das Gewicht.

"So viele dicke Zöpfe!! Das müssen ja mehrer Kilogramm sein!!! Wie können sie dieses Gewicht nur aushalten?"

Er hatte keine Probleme damit.

"Ich gebe ihnen 500 Euro für die Haare."

Mit den Haaren Geld verdienen? Daran hatte er überhaupt nicht gedacht. 500 Euro, gar nicht so wenig Geld. Wie lang waren seine Haare eigentlich? Sie reichten bis zur Oberkante Po. Ach ja, da war noch etwas. Die Haare waren ja viel länger, er hatte die wahre Länge versteckt.

Um sie wieder auf ihre volle Länge wachsen zu lassen, er würde 10 Jahre dafür brauchen. Ja, seine Haare wuchsen sehr schnell, schneller als der Durchschnitt.
Aber 10 Jahre Haarwachstum für 500 Euro? Brauchte er das Geld so dringend?

Aber, würde er sie überhaupt wieder wachsen lassen? Oder sie alle 4 Wochen nachschneiden lassen, wenn sie erst einmal auf einen kurzen Männerhaarschnitt gekürzt waren?
An diese Ausgaben hatte er noch gar nicht gedacht.

Finanzielle Probleme hatte er momentan keine. Die vielen Gelegenheitsjobs, er hatte einiges zusammengespart. 
Nein, das Geld brauchte er nicht. Er hatte sich durch den neuen Job ein etwas bequemeres Arbeiten gewünscht. Mehr Geld, weniger Stress, keine so weiten Anfahrtwege.

Und er wollte nicht als jemand gesehen werden, der er gar nicht war. Er mochte einfach nur lange Haare, wollte damit keine private Revolution ausdrücken.
Diese ewigen dummen Sprüche, wenn er abends unterwegs war. Angebote, man würde ihm doch so gerne die Haare abschneiden. Manche griffen sogar danach.

Dass er mitunter von hinten für ein Mädchen gehalten wurde, das störte ihn nicht so sehr. Meistens erkannten sie ihren Irrtum sehr schnell, meistens.

Lange Haare außerhalb der Norm, bei manchen erzeugte es jede Menge Fantasie. Was man damit alles anstellen könnte.

Dabei zeigte er immer nur einen Teil der Haare. Die Länge eingebunden in Zöpfe oder Haarknoten, Pferdeschwänze. Oft hatte er sie auch ganz unter der Kleidung versteckt.

Er schaute die Frisöse an. Sie hatte auch lange Haare, aber ob die wirklich echt waren? Er sah einige Stellen, die irgendwie zusammengebunden aussahen. Kleine, versteckte Clips. Vielleicht würde sie sich in Zukunft mit seinen Zöpfen schmücken.

Schön genug waren sie ja.

A: "Fangen wir erst einmal an. Ich weiß nicht, ob ich ihnen die Haare geben werde. Vielleicht nehme ich sie auch mit nach Hause oder ich spende sie an eine Wohltätigkeitsorganisation, die so etwas braucht."

F: "Dann nehmen sie bitte Platz. Wie hätten sie es denn gerne"

A: "Kurz. So wie allgemein üblich. Ein ganz normaler Haarschnitt. Damit ich als ganz normaler Arbeitnehmer auch nicht mehr aus der Rolle falle."

Und schon saß er im Stuhl. Vor sich den Spiegel, in dem er auch beobachten konnte, was hinter ihm geschah.

F: "Ich werde ihnen zuerst die langen Zöpfe direkt abschneiden. Dann binden wir das übriggebliebene Haar zusammen und schneiden es ab. Danach können wir mit der Feinarbeit beginnen."

Arbeit. Na ja. Daran wollte er jetzt gar nicht denken. Aber hier arbeitete er ja nicht.

In der rechten Hand die Schere, mit der linken griff sie nach einem der langen Zöpfe.

Wenn er sie jetzt gewähren ließ ... War erst einmal ein Zopf abgeschnitten, dann würden auch die anderen fallen.
Aber warum war er sonst hier?

Sie wollte den Zopf ganz weit oben abschneiden, aber ...

"Ups. Hier ist ja ein Knoten ineinander gewundener Haare.  Das habe ich vorher gar nicht gesehen.  Durch die offenen Haare verdecken sie die Knoten im Nacken! Soll ich ihnen die Zöpfe unterhalb oder oberhalb der Knoten abschneiden? Nein, ich möchte doch die ganze Länge der Haare zuerst einmal sehen."

Sie schaute ihn an. Irgendwie fasziniert, ein wenig errötend. Er nickte mit dem Kopf.

Sie löste den Knoten auf und zog den Zopf vorsichtig in die Länge.

F: "Ich fasse es nicht."

Der Zopf reichte über die Stuhllehne bis auf den Boden und ...

F: "Ein männlicher Rapunzel!"

Fassungslos schaute sie ihn an.

D: "Diese Menge an Haaren!!! Wenn sie die Zöpfe alle aufmachen, sie müssen ja in den Haaren verlorengehen!"

Er musste grinsen.

A: "Es ist eine gewaltige Flut von Haaren. Fast wie ein kleines Haus. Ein Schneckenhaus *grins*. Meistens halte ich sie in den Zöpfen zusammen, dann sind sie einfacher handhabbar. Mit offenen Haaren, die können sich so ineinander verwickeln, dass ich Stunden brauche, um sie wieder auseinanderzubekommen. Ich muss schon aufpassen. Es kann auch zu einer Verknotungskatastrophe führen, dann sind sie verloren."

F: "Aber, aber warum haben sie dann diese Masse an Haaren?"

A: "Ich finde sie schön. Nur, sie kosten mir manchmal 4 bis 5 Stunden Pflege am Tag und diese Zeit wollte ich jetzt einsparen. Auch wenn ich sie in den Zöpfen halte, brauche ich 2 Stunden für die Pflege."

F: "Ja, das verstehe ich schon. Es sind ja auch nur tote Anhängsel."

A: "Und ihre Haare? Warum haben sie lange Haare?

F: "Damit ich sie besser verstecken kann *grins*. Wie bei ihnen. Die sind länger als man es ihnen ansieht. Die Extensions, die sie wahrscheinlich bemerkt haben, sie verdecken nur meine eigenen ineinander gebundenen Haare."

A: "Bitte, sie haben nun meine Haare gesehen, ich würde gerne ihre sehen."

Sie schaute ihn an,

F: "Vielleicht sind sie der Letzte, der sie noch lang sehen kann. Ich wollte sie mir morgen abschneiden lassen und sie spenden. Andere brauchen sie dringender als ich. Meine Freundinnen haben mich überzeugt, dass es so besser ist. Ich habe auch viel zu wenig Zeit für sie, diese ganze Haarpflege und ständig darauf Rücksicht nehmen müssen ... Schön, dass ich sie noch einmal jemanden zeigen kann, der sie vielleicht so mag wie sie sind. :-)) "

Sie legte die Schere weg und begann ihre Extensions zu entfernen. Lange blonde Strähnen von mehr als 70 cm Länge. Dann öffnete sie die ineinander gewundenen Haare.

Zum Schluss stand sie da, eingerahmt von hellblonden körperlangen Haaren, die sie völlig einhüllten. Und so ganz aufgemacht hatte sie die Haare gar nicht, dort unten waren sie ineinander gebogen ...

F: "Na, gefällt es ihnen?"

Sprachlos schaute er sie an. Dann begann er seine Zöpfe zu öffnen ...

Es war ein Schauspiel. Am Ende die beiden mit ihren langen offenen Haaren. In der ganzen Länge, nicht mehr ineinander gebogen, gewunden, versteckt.
Meterlange Haare, die endlich einmal zeigen konnten, was sie waren. Um die beiden herum dutzende von Menschen, die nur schauten. Fassungslos, zum Teil mit Freude, zum Teil mit Unverständnis. Aber alle erfassten die Besonderheit dieses Augenblicks. Kameras summten, Fernsehen und Radio waren vertreten. Die offizielle Öffnungszeit war schon längst abgelaufen. Nun ja, sie war ja die Eigentümerin des Salons, so konnte sie dort machen was sie wollte.

Ob sie nicht einen neuen Lehrling gebrauchen könnte?

Aranius und Juliania. Gemeinsam unter ihrer Haarpracht verborgen. Es war ein fantastischer Anblick. Was machten die nur unter den Haaren? Es war Bewegung zu erkennen. Die schmusten bestimmt miteinander. Dann erschienen sie wieder.

Sie hatten sich gefunden. Ein Liebespaar. Nur wohin jetzt mit all den Haaren?

"Komm, lass uns gegenseitig Zöpfe flechten. Dann wickeln wir uns darin ein und ziehen die Kleidung darüber."

Es dauerte Stunden. Aber es wurde nicht langweilig, nicht für die beiden und nicht für ihre Zuschauer.

F: "Nun, da wir fertig sind, wollen wir sie uns morgen gemeinsam abschneiden lassen?"

Traurig, wie um etwas bittend schaute sie ihn an. In ihren Augen spiegelte sich Sehnsucht, Sehnsucht nach Liebe, Zärtlichkeit, Sensibilität, Streicheleinheiten.

Aranius sah die Gefühle in ihren Augen. Spontan umarmte und küsste er sie, streichelte sie liebevoll, berührte sanft ihre Haut und die Haare. Dadurch war die Antwort gegeben. Und die Zuschauer? Es gab Beifall. Standing Ovations. Für ein lebendes Kunstwerk von Haaren, so etwas sah man ja auch nicht alle Tage.

Aranius und Angelina. Sie arbeiteten nun gemeinsam im Salon für "Haarige Welten". Mit offenen langen Haaren. Bei manchen änderte es die Vorstellung von gewünschter Frisur gewaltig. Ja, es wurde ein Langhaarsalon, in dem die Pflege für lange Haare kultiviert wurde. Natürlich gab es auch Kurzhaarschnitte, was immer die Kunden wollten. Aber nur wenige konnten sich der Faszination der Langhaarigkeit entziehen, die sich hier etabliert hatte.

Manchmal ging es leider nicht, wenn die genetischen Voraussetzungen sehr lange Haare nicht ermöglichten. Aber viele lernten auch, dass ihre Haare viele länger sein konnten, als die es jemals für möglich gehalten hätten. Und das mit einem Aufwand, der sich sogar in das gewöhnliche Geschäftsleben einplanen ließ!

...
Aranius und Angelina
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