Kleine haarige Geschichte 44 <<Home>> nächste Seite =>

Military Request
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Eine neue Anforderung. Alle Jungen sollten ihre Haare militärisch kurz schneiden. Nicht länger als 2cm.
Jeremias hielt seine beiden Zöpfe fest in den Händen. Er liebte sie doch so. Dies alles sollte nun abrasiert werden? Der Gedanke trieb ihm Tränen in die Augen.

Julia war schockiert.

"Nein, bitte nicht. Deine langen Haare sind doch so schön."

Jeremias umarmte sie, streichelte sanft ihre superlangen blonden Haare.
Die meisten Jungen hatte lange Haare und Jeremias war noch nicht einmal derjenige mit den längsten Haaren. Die beiden Zöpfe reichten bis zu den Kniekehlen. Bei Otto bis zu den Fußknöcheln und Michael? Die Zöpfe waren zweimal ineinander gebogen und reichten dann immer noch bis zu den Kniekehlen.

Es gab wunderschöne männliche Pferdeschwänze in der Gruppe. Eine Mischung aus femininen und männlichen Ausdrucksmöglichkeiten. Die Grenzen zwischen den Geschlechtern waren nicht mehr so scharf, wie in den vergangenen Zeiten.

Das alles sollte nun verschwinden?

Warum nur? Wollte man einen neuen Krieg beginnen und die Jungen auf ihre künftige Rolle als Soldaten vorbereiten? Sicher, mit solchen Haaren lies sich schlecht ein Krieg führen. Aber warum mußte ein Krieg geführt werden?

Erst die Haare und dann das Leben verlieren? Wofür?

Diese Fragen wurden sicher nicht zum ersten mal gestellt. Es war aber einfacher, kinnlange Haare auf militärische Konventionen zurückzuführen als superlange Haare einfach abzuschaffen, die sich in der Gesellschaft etabliert hatten.

Jungen und Mädchen, sie liebten ihre langen Haare und sie spielten so gerne damit.
Gegenseitige Berührungen, Streicheleinheiten, einwickeln in die langen Haare. Oft ersetzten die Haare die Kleidung und niemand nahm daran Anstoß. Und die Haare spiegelten Gefühle zurück. Keiner der Wissenschaftler wußte, wie das geschehen konnte, denn Haare waren doch totes Material. Oder?

Es geschah. Die Betroffenen fühlten es und sie waren glücklich damit.
Julia küßte die Zöpfe von Jeremias, drückte sie fest an sich.

Es war so viel Begeisterung für die Haare vorhanden, einfach auch deswegen, weil sie so schöne Gefühle vermitteln konnten.

Haare vermitteln Gefühle?

Ja.

Ups.

Und sie können leuchten, in der Dunkelheit!

Das ist doch nur Einbildung.
...

Der Direktor stand nun vor der Klasse, schaute seine Schüler an. Neben ihm der Barbier. Was hatte der in der Schule verloren?

"Am besten wir beginnen gleich hier. Jeremias, komm nach vorne, setzt dich hier auf den Lehrerstuhl.
Barbier Meier wird dir die völlig überflüssigen alten Zöpfe abschneiden. Zum finalen Styling gehst du dann in den Nebenraum. Dort warten zwei Lehrlinge auf dich."

Finales Styling? Wieviel mm würden sie ihm belassen? Oder eine blankpolierte Glatze?
Hatte der Direktor jemals Widerspruch erfahren, gegen seine Anweisungen?

"Nein, ich will nicht. Es sind meine Haare."

...

Direkter Hasenfuß donnerte in den Raum ... "Du kommst jetzt sofort nach vorne."
Doch seine Anordnung verpuffte und Jeremias war kräftiger gebaut als er. Das wurde dem Direktor mit einem mal bewusst. Der Versuch, jemand anderen nach vorne zu bestellen, scheiterte ebenfalls. Autoritätsverlust, das Schlimmste, was ihm hier passieren konnte. Es musste etwas dagegen tun.

Gerade die Mädchen protestierten lautstart. Die Mädchen? Na dann. Wenn sie Gleichbehandlung fordern
...

"Der Oberste Militärrat hat den Ausnahmezustand verhängt und ich bin hier in der Schule sein Exekutivorgan. Ich ordne hiermit an, dass die Haare aller Schüler weder den Nacken berühren noch die Ohren bedecken dürfen. Die hier vorherrschende Langhaarigkeit ist damit ab sofort verboten."

Das bedeutete ... auch die Mädchen sollten ihre Haare abschneiden.

"Wer morgen um 8 noch mit langen Haaren hier erscheint, hat die Schule zu verlassen. Ich werde den Fall dann an die zuständigen Behörden weitergeben."

Absolute Autorität, sie duldete keinen Widerspruch. Sie würden eher die ganze Schule schließen, als nachzugeben. Und was kam dann? Wenn das Militär seine Anweisungen mit Gewalt durchsetzen würde?

Wie sah es an anderen Orten in der Stadt aus? Gaben die Jungen und Mädchen nach?
Nun, man lebte ja in den Zeiten des Internets. Messages hierhin und dorthin, hin und her. Es bildete sich spontan eine haarige Solidarität. Niemand wollte sich seine Haare abrasieren lassen.

Ja, nachdem die Langhaarigkeit zu einem festen Bestandteil der Gesellschaft geworden war ...

...

Eine Videobotschaft.

Hansi Klein in einem Frisierstuhl, die vollen langen glatten Haare hingen offen über die Stuhllehne nach hinten. Der Meister griff nach einer Schere, Hansi konnte ihn im Spiegel sehen. Plötzlich waren überall Tränen in seinem Gesicht, obwohl er das Weinen krampfhaft zu vermeiden versuchte. Er weinte leise aber intensiv.

Der Meister griff sich einen Haarstrang und Hansi zitterte am ganzen Körper.

"Bleib doch ruhig sitzen. Es ist nicht schlimm, es tut überhaupt nicht weh."

Nun konnte sich Hansi nicht mehr halten. Die Tränen kullerten ihm aus den Augen. Er schluchzte herzzerreißend.

"Ein Junge von 14 Jahren! Du führst dich auf wie ein Mädchen!"

Der Meister führte die Schere heimlich von unten an die Haare heran, so dass Hansi nicht sehen konnte, was er vorhatte ... aber ... ein kleines Mädchen hatte seine Hand ergriffen, mit einem festen Griff wie ein Bauarbeiter. Sie schaute ihn strafend an.

Wo war die denn hergekommen?

Hansi konnte vor Tränen nichts mehr sehen. So entging ihm, was hinter ihm geschah. Okay, so ging das nicht. Der Meister legte die Schere weg, nahm die Haare in die Hand und legte sie Hansi auf dem Schoß. Was für eine gewaltige Menge an Haaren. Hansi umarmte sie mit seinen Händen, drückte sie an sich, küßte sie und weinte dabei.

Irgendwann musste doch dieser Tränenfluss einmal versiegen.

Dann stand er auf und setzte sich in eine Ecke, den Kopf in den Haaren verborgen. Er glaubte wohl, der Meister hätte ihm die abgeschnittenen Haare in den Schoß gelegt.

Die zuschauenden langhaarigen Mädchen und Jungen reagierten betroffen. Sie kannten ja dieses Gefühl für die langen Haare. Warum ... wie konnte man nur so grausam sein? Aber, die Haare waren ja noch dran!

Und das kleine Mädchen. Wo war sie denn hin? Merkwürdig. Zweifel tauchten auf. War sie überhaupt dagewesen?

Julia ging rüber zu Hansi, fasste ihn sanft an den Händen. "Komm doch, bitte steh auf." Nun erst merkte Hansi, dass seine Haare Widerstand leisteten, sie fielen nicht einfach zu Boden.

Er tastete an den Haaransatz und fühlte, dass sie noch mit der Kopfhaut verbunden waren. Wieder musste er weinen, aber... es waren Tränen der Freude. Und alle anwesenden Jungen und Mädchen weinten mit ihm.

So viele Gefühle für lange Haare? Ja, wenn man die Gefühle kennt. Nicht jeder hatte dieses Haar-Gen in sich drin, aber die es kannten. Sie begriffen die Schönheit der Haare und deren Zerstörung bereitete ihnen seelische Schmerzen.

Es war nicht das einzige Video mit dieser Botschaft.

...

Die Schule wurde geschlossen. Mädchen und Jungen nach Hause geschickt. Einsatzpläne wurden ausgearbeitet. Man würde die Widerspenstigen direkt zu Hause aufsuchen, jeweils 1 Barbier, 2 Lehrlinge und 10 Kampfsoldaten.

So viele Barbiere hatte man doch gar nicht.

Dann eben die Soldaten mit Scheren ausrüstern. Oder noch einfacher. Den Betroffenen eine scharfe Schere überreichen und zum Abschneiden der Haare auffordern. Bei Zuwiderhandlung ist von der Schußwaffe Gebrauch zu machen!
Davon hatte man ja genug.

Und Scheren?

Irgendwo in deren Haushalten wird sich schon ein brauchbares Abschneidegerät finden lassen.

Die Soldaten. Waren die denn alle kurzgeschoren?
Der oberste Militärrat hätte es wohl gerne so gesehen. Aber ... die Liberalisierung der Gesellschaft. Selbst die Kleidung war den langen Haaren angepaßt worden, um sie darin unterbringen zu können. Damit sie bei den Manöverübungen nicht störten.

Doch nun war alles anders. Es drohte ein Krieg mit den Nachbarn, und da konnte man auf solche Sentimentalitäten keine Rücksicht mehr nehmen. Nur, die Soldaten hatten selbst lange bis superlange Haare. Da musste innerhalb der Kasernen erst einmal durchgegriffen werden.

Haar- und Bartappell in Meisenspiegels Eliteeinheit.

"Stillgestanden. Diiiieeeee Haaaaare vorzeigen!"

Ups. Was war denn das? Die Uniformen der Soldaten wurden davon geradezu eingehüllt. Der Spieß der Kompanie konnte die doch wohl nicht alle selbst abschneiden wollen? Wo sollte er anfangen?

So viele Haare. Selbst den Barbier würde das hoffnungslos überfordern. Also mussten die Soldaten es selbst erledigen. Am besten die Stubenkameraden schnitten sich gegenseitig die Haare ab.

"Es ergeht folgender Befeeeeeeehl, der unverzüglich durchzuführen ist. Der Stubenälteste schneidet dem Zweitältesten die langen Haare ab, ... u.s.w. Anschließend wird ein Rasierapparat verwendet, um sie auf 2 mm Länge zurückzuführen."

Befehl ausgegeben. "Aaaaaaabtreten!"

...

Stube 213 in Block 31A. Hansi Hohlknecht hielt in der einen Hand einen der zwei langen Zöpfe von Uwe Niedermeyer, in der anderen Hand eine Schere. Niedermeyer stand ganz ruhig da ... und ... er weinte!

Man hörte nichts von ihm, aber beim genauen Betrachten konnte man die Tränen sehen, wie sie leise sein Gesicht hinunterliefen.
Wie kann denn ein Mann weinen! Und dann auch noch um die Haare!

Hohlknecht stand nur da, in der einen Hand den Zopf, in der anderen Hand die Schere. Und tat nichts.
Er stand einfach nur da.

Er dachte an die eigenen Haare. Wenn er jetzt den Zopf abschnitt, dann folgte der zweite Zopf und ... dann würden die eigenen Haare fallen. So lautete der Befehl. Die Haare, die er in der Hand hielt, sie waren doch so schön. Und sie waren mehr als nur lebloses Material. Die Gefühle, die sie zurückspiegeln konnten. Das Abschneiden war ja eine Kastration. Warum sollte er sie zerstören ...

Ach ja, der Befehl. Eine Träne bahnte sich ihren Weg.

"So wird das nichts" murmelte Joseph Wagenknecht.  "Soll ich es machen?"

Hohlknecht schaute ihn an. "Und dann? Anschließend fallen deine Haare und ... am Ende haben wir alle eine Glatze."

"Mir liegt nicht so viel an den Haaren, obwohl ... es hat 10 Jahre gedauert, bis ich meine Länge erreichen konnte. Der ganze Haarzauber, darauf verzichten zu müssen ... "

"Okay, dann machen wir nichts. Fragen wir doch mal bei den anderen Stuben nach ..."
...

Unteroffizier Niesbach: "Ich befehle jeden von ihnen, schneiden sie sich die Haare selbst ab. Tun sie es nicht, so ist das Befehlsverweigerung!"

Es tat sich nichts. Alle standen nur stumm da. "Dann mache ich es!"

Niesbach griff nach einem der Zöpfe von Niedermeyer, d.h. er wollte danach greifen. Jemand hielt seine Hand fest!
Angriff gegen einen Vorgesetzten! Das würde dem Angreifer  teuer zu stehen kommen!

Aber, hinter ihm stand niemand. Und muss es denn ein Er gewesen sein?

Was war denn das?
Meuterei. Befehlsverweigerung. Revolution. Man musste ein Exempel statuieren. Wenn erst einmal einige wegen der Haare ihr Leben lassen mussten ...

Man wollte es mit Gewalt durchziehen. Und dann mit Gewalt in die Häuser der Anwohner und dann ... den Krieg führen. So dachten die Generäle und die politischen Machthaber.
...

Nun ist es an der Zeit, den Dingen eine andere Richtung zu geben. Schließlich befinden wir uns hier in Ariannes Existenz.

Das kleine Mädchen?
...

General Hammpf hatte plötzlich eine Vision. Er sah ein kleines Mädchen in seinem Zimmer.
Und was tat sie? Sie griff sich seinen schriftlich fixierten Befehl und zerriss ihn. Dann holte sie die dem Schriftstück entsprechenden Bits und Bytes aus seinem Computer und fraß sie einfach auf. Ja, sie fraß sie auf!

So konnte er einen Virus direkt bei der Arbeit beobachten. Es machte ihm schreckliche Angst.
Anschließend sah er sich selbst, direkt über einem schwarzen Loch, das ihn zu verschlingen drohte.

Panik kam in ihm auf. Das Herz raste, Schweiß brach ihm aus allen Poren, Wenn das noch ein paar Sekunden so weitergehen würde ... die pure Todesangst griff nach ihm. Er hatte bereits Herzrythmusstörungen. Der Tod war so nah .... Er konnte ihn sehen, wie er ihm zuwinkte. << Komm zu mir >>.

Dann verblassten die Erscheinungen.

So etwas. Das durfte doch nicht wahr sein. Dann bemerkte er, dass seine Kleidung völlig naß war und er sah die Fetzen des Papiers auf dem Fußboden ... und der Computer ... ??? Eine häßliche Fratze schaute ihn an. Eingebrannt in den Bildschirm.

General Hammpf telefonierte mit dem Staatsoberhaupt, dem Beauftragten für die innere Sicherheit und dem Polizeichef, eigentlich mit allen wichtigen und einigen unwichtigen Leuten.  

Eine Konferenzschaltung.

"Sie ist wieder da und sie verteidigt, was sie hier bei uns angerichtet hat. Der Krieg muss verschoben werden. Bieten wir dem Feind Verhandlungen an und machen alle Zugeständnisse, die notwendig sind. Der Haarabschneide-Befehl wird ausgesetzt."
...

"Jeremias, die Soldaten kommen nicht."

"Ja, Julia, irgendetwas ist geschehen. Ob Sie eingegriffen hat?"

Die langen Haare, sie waren immer noch da. Bei beiden. "Solange wir unsere Haare noch haben, wird es keinen Krieg geben."

Sanft streichelten sie sich gegenseitig die Haare und die nackte Haut darunter ... und sie fühlten sich so glücklich dabei. Haut und Haare, waren sie nicht eins? Dann wickelten sie sich in die Haare ein, nackt wie sie waren. Sie waren sich jetzt so nah, spürten die Berührung und die Haare beschützten sie! Ja, sie spürten es. Zum erstenmal, ganz deutlich. Es war ein unendliches Gefühl der Geborgenheit.

Widerspiegelung der Gefühle eines Liebespaares?
...

Langhaarige in Ariannes Welt


 

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