Kleine haarige Geschichte 47

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Jerimo

Jerimo hatte sehr lange Haare. Sie umrahmten ihn, fielen offen bis auf den Boden und ließen sich dann noch einmal um ihn herumwickeln.

Einmal?

Es faszinierte ihn, wie sie ihn bedeckten.

Aber als Junge durfte er damit nicht gesehen werden. So versteckte er seine Haare.
Oder er schminkte sich als Mädchen. Seine Schwester half ihm dabei.

Als Mädchen mit offenen langen Haaren, zusammen mit seiner Schwester, es machte ihnen beiden viel Spaß. Und noch nie hatte jemand, der ihn so sah, an seiner Weiblichkeit gezweifelt. Nur die Zudringlichkeit der männlichen Spezies nervte dann manchmal.

Jungen haben kurze Haare. So bestimmte es die Schulordnung. Und der Alltag sah auch nicht anders aus. Jungen mit langen Haaren, es gab sie vereinzelt. Aber sie hatten es nicht leicht.

Oft versteckten sie ihre Haare unter der Kleidung. Was nicht gesehen wurde ... war wohl für die meisten anderen auch nicht da.

Und Jungen mit superlangen Haaren? Das gab es einfach nicht.
Wahrscheinlich würde man ihn in die Psychiatrie stecken, falls sie ihn damit entdeckten. Oder direkt zum nächsten Frisör schleifen.

An den Haaren!

Das Schminken hatte ihm seine Schwester beigebracht. Sie hatte sehr lange Haare. Oft saßen sie zusammen und bewunderten ihre Haare. Dabei lächelten sich an und streichelten die Haare.

Sex? Sex zwischen Geschwistern?

Nein, ein bisschen Streicheln. Ist das denn jetzt auch schon verboten?

Wenn er sich weiblich gab, lebte Jerimo als Jerima. Die Haare in ihrer vollen Länge, er trug sie auch dann oft mehrfach ineinander gewunden. So sah man die volle Länge nicht.

Nur manchmal, manchmal öffnete er seine volle Haarpracht. Wenn er mit Freunden zusammen war. Sie wussten, was er war und wie sehr er seine Haare liebte. Und sie mochten seine langen Haare.

Doch nun, eine Ansprache des Direktors.

"Wir sind der Meinung, dass die Haare bei vielen einfach zu lang sind."

Der Direktor ging durch die Reihen, schaute sich seine Schüler ganz genau an.

Denn blieb er vor Jerimo stehen.

Hatte da einer gepetzt?

"Die Haare sind zu lang. Die Ohren müssen frei sein und der Nacken ausrasiert."

Aber ... wie sollte er dann seine Haare verstecken?

Er nahm die Perücke ab, öffnete das Hemd und ... zog langsam die langen Haare hervor.
Das dauerte ein paar Minuten ... und nichts tat sich in dieser Zeit.

So, nun wollte er dem Direktor wenigstens einmal zeigen, was er hatte!
Der mit seiner Halbglatze.

Er war nun vollständig von den Haaren bedeckt.

Der Direktor sah Haare, nichts als Haare. Es verschlug ihn die Sprache.

Und der Rest der Klasse?

Sie saßen nur da, sagten nichts. Jerimo war in der Klasse akzeptiert, die anderen mochten ihn ... und dass sie nicht wussten, was für Haare er hatte? Die Lehrer halten ihre Schüler oft für dümmer als sie wirlich sind.

Ob das an der unbewussten Einschätzung der eigenen Intelligenz liegt?

"So viele Haare! Wie ist das überhaupt möglich? Ein Junge kann doch gar nicht so viele Haare haben ... und ... schämst du dich überhaupt nicht?"

"Nein, ich liebe meine Haare. Sie umrahmen mich, streicheln mich. Es ist wunderschön, dort drin zu sein."

"Mmmh. Du kennst die Schulordnung. Wir Lehrer müssen Mädchen und Jungen auseinanderhalten können. Also, Jungen, Haare ganz kurz. Mädchen, etwas längere Haare."

Etwas längere Haare, was sollte das denn nun schon wieder heißen? Einige der Mädchen hatten Zöpfe, die bis zu den Kniekehlen reichten.
...

"Pack deine Haare zusammen und geh zum Frisör. Nein, ich kann sie auch gleich selbst abschneiden. Dann kannst du den ganzen Ramsch in einer Plastiktüte mit nach Hause nehmen"

"Das werden sie nicht tun."

"WAS WERDE ICH?"

Beide standen sich nun gegenüber. Auf der einen Seite die Autorität, die keinen Widerspruch duldete, auf der anderen Seite ein Junge, der seine Haare verteidigte.

Die Kraftverhältnisse? Nun, Jerimo war recht sportlich und beweglich, der Direktor eher behäbig und nicht mehr ganz jung. Und wie sich der Rest der Klasse verhalten würde, er war sich da nicht sicher.

Plötzlich standen drei Mädchen und drei Jungen zwischen Direktor und Jerimo und es kammen immer mehr dazu. Das lenkte den Direktor erst einmal ab. Bevor er überhaupt reagieren konnte, war Jerimo verschwunden.
...

"Damit kommt ihr nicht durch! Ich werde die ganze Klasse vom Unterricht suspendieren!"

Gespräche im Lehrerzimmer.

Das alles wegen der Haare eines einzelnen Jungen? Warum konnte man ihm die Haare nicht lassen? Ja, die Autorität, sie brauchte ihre Rituale, bei denen sie ihre Macht demonstrieren konnte.

Die Schulordnung! Sie muss durchgesetzt werden.

Wirklich? Hat der Direktor dort nicht ein Mitspracherecht? Müssen wir denn erst alles in die Öffentlichkeit bringen und diskutieren und die Gerichte bemühen?

Ordnung muss sein.

Wenn jemand seine Haare so liebt, es wird ihn innerlich zerbrechen. Ist es das denn wert?

Zerbrechen? Wegen der Haare? Dass ich nicht lache.

Warum soll das nicht passieren können? Haben wir nicht schon genug Selbstmorde unter Jugendlichen, wegen dieser Perspektivelosigkeit?

Er muss lernen sich anzupassen. Und dann später das Militär, da kommen die Haare ohnehin ab. Warum dann nicht gleich?

Sind wir denn alle Unteroffiziere?

Gut, stimmen wir ab.

Abstimmen? Ich bin hier die Ordnung!

Sind wir ein Kollegium oder nicht? Es gab doch schon einmal eine haarige Revolution. Muss sich das alles wiederholen, im kleinen wie im großen? Haare sind doch so etwas Unwichtiges, warum müssen wir sie so wichtig nehmen, nur weil jemand sie nicht hergeben will?
...

So ging es weiter. Am Ende, es gab einige Einsichtige und einige, die auf ihren Standpunkten beharrten.

"Wenn ich es ihm erlaube, werden dann nicht auch alle anderen?"

"Nein, das werden sie nicht. Es gibt keine Revolte, die sich an den Haaren entzündet, es ist einfach nur eine persönliche Einstellung dazu. So wie andere ihren Fußball lieben oder ihr Auto, er liebt seine Haare. Lassen wir sie ihm."

"Nun gut. Wenn es schiefgeht, können wir immer noch wieder anders."

Und was ist mit Janaiusa?

"Der mit seinen schulterlangen Haaren? Lassen wir sie ihm doch, die werden ohnehin nicht länger. Wahrscheinlich auf Grund seiner genetischen Veranlagung."

"Und die Mädchen? Knielange Haare? Was das an Zeit kostet und die ganzen Spielereien damit. Wir müssen etwas dagegen tun."

"Was denn? Sollen alle mit einem kurzhaarigen Bob in die Schule kommen? Wo bleibt dann noch die Individualität?"

"Und die Freude an den langen Haaren, müssen wir ihnen denn alles wegnehmen?"
...

Jerimo auf dem Weg zum Frisiersalon, mit offenen langen Haaren. Etwas oberhalb der Fersen nach oben gebunden, damit sie nicht über dem Boden schleiften.

So ging er durch die Stadt.

Die Leute blieben stehen, schauten ihn ungläubig an. Manche lächelten dabei, andere schüttelten nur den Kopf. Ob sie einen Jungen in ihm sahen, oder eher ein Mädchen?

Dann der Salon. Er blieb stehen, vor dem Schaufenster der Moderne. Kurzhaarschnitte, Kurzhaarperücken, Bilder von Haarschnitten, alles irgendwie kurzhaarig. Nicht ganz, es gab Haarteile, Extensions, Zöpfe. Für die vornehmen Damen, die unbedingt haben wollten, was einmal einer anderen gehört hatte? Schöne lange jungfräuliche Haare für Damen ab 60?

Obwohl, den flotten frechen Kurzhaarschnitt für ältere Damen gab es ja auch. Aber wenn ohnehin alle kurzhaarig sein wollten, wozu brauchte man dann die Extensions?

Wenn man genug Geld hatte, war man wohl ewig jung. Zumindest manche fühlten sich dann so.

Daneben ein Sex-Shop.

Bei den Männern war es ja so ähnlich, wenn sie in ein Bordell gingen, oder sich Sex-Zeitschriften, Bilder oder Videos besorgten.

Je älter, desto verrückter auf nackte Haut.

Gedanken, nichts als Gedanken. Er war ja noch jung, mit seinen 17 Jahren.

Nichts von alledem sprach ihn an. Was sollte er hier?

Nun gut, er musste da durch. Aber warum eigentlich?
Diese Frage, wer stellte sie schon. Die Autoritäten wollten es so. Und er war nicht reich, nicht besonders dumm aber auch nicht besonders intelligent, irgendwie musste er sich anpassen. Er brauchte diesen Schulabschluss. Später, an der Uni, vielleicht konnte er dann die Haare wieder wachsen lassen.

Langsam setzte er sich in Bewegung, griff nach dem Türknopf ...

"Hallo Jerimo."

Überrascht schaute er zur Seite. Dort stand Sarah, eine der drei Fairytails. Ja, sie war eine Fairytale. Die langen glatten Haare um ihren Körper herum. Sie konnte sich damit die Füße streicheln, im Stehen!

Dabei war sie gerade mal 16 Jahre alt. Wehmut überkam ihn. Wie lange durfte sie diese wundervollen Haare noch behalten?

"Hallo Sarah. Du auch hier? Es macht mir Angst ... "

"Nein, Jerimo, ich will nicht in den Salon. Ich will dich mitnehmen. Wir haben beschlossen, dich in unseren Kreis aufzunehmen."

"In euren Kreis? In den Kreis der 3 Fairytales?"

"Ja, Thora und Lori wünschen es sich auch. Also, machst du mit?"

...

Eine Aufnahmen in den Kreis der Fairytales! Dafür hätten manche ihr Leben gegeben.

Manche?

Die drei, sie hatten den Status von Göttinnen. Dabei redeten sie ganz normal, kleideten sich normal, nur ... die Haare. Ihr Markenzeichen. Sie sahen aus wie Fehen und sie bewegten sich auch so.

Und sie waren beliebt. Alle liebten sie. Beinahe jeder senkte die Stimme vor Ehrfurcht, wenn sie in der Nähe waren.

Und die Lehrer?

Sie waren exellente Schülerinnen. Bei weitem intelligenter als die beamteten Pädagogen. Aber sie spielten ihre Überlegenheit nicht aus. Und ihre Eltern, arm waren sie nicht. Es gab sogar ein paar versteckte Bodyguards. Als wenn die anderen Schüler das nicht merken würden!

Aber brauchten sie das überhaupt? Alle drei waren exellente Kampfsportlerinnen. Mit denen würde sich niemand anlegen. Der dicke Albert hatte es einmal versucht. Seitdem plagten ihn Bauchschmerzen und Migräne. Und der Hintern tat ihm weh.

Albert war viel freundlicher geworden. Er grüßte seine Schulkameraden zuerst und hatte immer ein freundliches Lächeln auf den Lippen.

Ob die Schmerzen davon weggehen würden ... ?

Und diese drei wollten ihn aufnehmen, in ihren Kreis? Damit gehört er ja zu den oberen vier in der ganzen Stadt! Soviel Ehre für ihn?

"Jerimo, sei nicht so bescheiden. Du hast einen starken Willen und du verteidigst, was dir wichtig ist. Wir mögen dich ... und deine Haare, erkennst nicht die Seelenverwandtschaft ...?"

Gefühle durchströmten ihn. Die drei waren wunderschön, er war schon immer in sie verliebt gewesen, und nun so etwas ...

Immer? Nun ja, seitdem sich Gefühle für Mädchen bei ihm entwickelt hatten.

"Komm doch, wir sind nicht so platonisch, wie wir aussehen ..."
...

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