Kleine haarige Geschichte 48

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Ein kleines langhaariges Paradies

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Ein langhaariger Junge

Während der ersten drei Jahre seines Lebens durften Jeremias Haare wachsen, wie sie wollten.
Oh, wie süß er doch damit aussah ... wie ein ... na ... wie ein kleines Mädchen.

Na und? Müssen denn alle kleinen Jungen bereits wie zukünftige Marine-Soldaten aussehen?
Warum gerade Marine-Soldaten?

Die haben besonders kurze Haare.
Oder wie Bankmanager?
Ach die mit Krawatte und den Dollar-Augen. Kurze Haare haben sie alle.

Aber die Leute ...
Ach, lass sie doch reden.

Dann, nach drei Jahren, wollte ihn seine Mutter zum Frisör schicken.
Mutter: "Die Haare sind viel zu lang geworden. Du bist nun ein hübscher kleiner Junge und so sollst du auch aussehen."

Mit drei Jahren zum Frisör? Um hübsch auszusehen? Nein. Immerhin war er alt genug um zu verstehen, was sie mit ihm vorhatten.

"Nein, ich will nicht zum Frisör, ich will nicht, ich will nicht, ICH WILL NICHT ... NEINNNNNNNN ... bähhhhhhhh."

Ein kleines Problem? Was konnte ein Dreijähriger schon ausrichten gegen die Allgewalt der Erwachsenen.
Vater: "Wenn er nicht will, lass ihm doch die Haare. Solange er so klein ist, wer wird daran schon Anstoß nehmen."

M: "Er sieht aus wie ein kleines Mädchen. Die Nachbarn ... und immer wieder diese Fragen, bist du nun ein Junge oder ... oh, wie süß dieses kleine Mädchen doch aussieht ... ganz wie die Mutter ... grummel ..."

Vater: "Na und! Du bist doch selbst eine Schönheit und deine langen Haare reichen offen bis über den Po. Willst du denn Stiefmutter von Schneewittchen sein?"

Mutter: "Ahh. Nein. Ich neide ihm ja nicht die langen Haare. Ich möchte nur vermeiden, dass er Probleme bekommt, für die ich dann verantwortlich bin. Mit dem Strom zu schwimmen ist sehr viel einfacher als sich dagegen zu stellen. Und sieh doch all diese kleinen Jugnen mit ihren superkurzen Haaren."

V: "Es scheint ihm nichts auszumachen, dass ihn manche für ein Mädchen halten. Er liebt seine langen Haare. Das Abschneiden der Haare... ich denke, das ist ein Akt der Gewalt gegen seine eigenen Wünsche, so wie er sein möchte. Wollen wir das wirklich durchsetzen?"

M: "Nein. Lassen wir ihm die Haare. Vorerst. Wenn die anderen ihn damit aufziehen, wird er sich vielleicht besinnen. Und ohne Zwang, vielleicht werden sie ihm selbst irgendwann einmal lästig. Diese ganze Haarpflege, das Durchkämmen, Waschen, Trocknen, Zusammenbinden, Zöpfe pflechten. All das macht sehr viel Arbeit und ist auch lästig."

V: "Er hat aber sehr viel Spaß damit. Und seine kleinen Freunde und Freundinnen, sie helfen ihm bei der Haarpflege. Sieh doch, wie die Haare von Jasminchen immer länger werden. Die beiden wetteifern miteinander. Und Jodilein, den kriegen seine Eltern auch nicht mehr zum Frisör. So ist er doch nicht der Einzige mit langen Haaren und die anderen mögen ihn, so wie er ist."

So blieben die Haare erst einmal dran. Mit 5 hatte er knielange Haare. Und er hatte sehr viel Spaß damit. Seine kleinen Freunde und Freundinnne, sie spielten mit den Haaren, machten im Zöpfe, Pferdeschwänze und Haarknoten, eigentlich alles was an Frisuren möglich war, wurde ausprobiert. Und sie gingen dabei so sanft und zärtlich mit den Haaren um.

Manche spielen nun mal mit Puppen, andere mit der elektrischen Eisenbahn
...

Aber ist er dabei nicht schon selber zu einer kleinen Puppe geworden?

Seine Haare waren sehr schön. Das zumindest mußten die Betrachter neidlos anerkennen.
Nun ja, wer lange Haare nun absolut nicht mag ...

Nun wollte ihn eine Tante zum Haarespenden überreden. Für Kinder, die ihre eigenen Haare verloren hatten.

"Darf ich deswegen keine langen Haare haben?"

Tante: "Denk doch, wie schön es ist, welche Freude du ihnen damit machen kannst."

"Und ich? Ich liebe meine Haare doch so und alle meine Freundinnen und Freunde lieben sie."

Vater: "Es gibt auch andere Möglichkeiten, den anderen Kindern zu helfen."

Ein Streitgespräch entbrannte. Am Ende war es dann so, das der Vater Geld für Haarersatzteile investierte und die Tante diese dann spenden konnte.
Zufrieden war sie damit nicht.

Seufz. Wie kann man nur so darauf fixiert sein, dass die Haare ab müssen?
Unbedingt, weil es so schön ist, zu spenden.
Wenn man selbst nichts zu spenden hat?

Ja, mit dieser kurzhaarigen Pudelfrisur. Neidisch war der Pudel deswegen nicht.

Nun, so behielt Jeremias vorerst seine langen Haare.
Für vorläufige Haare sind sie schon ganz schön lang geworden.
...

Mit 6 1/2 sollte er eingeschult werden. Nun reichten die Haare bis zu den Knöcheln.

Mutter: "Damit kann ich ihn nicht in die Schule schicken."
Vater: "Was machen denn die langhaarigen Mädchen in der Schule mit ihren Haaren?"

Mutter: "Die sind nicht so lang. Vielleich bis zum Po, aber knöchellange Haare?"

Vater: "Nun, Haare kann man zusammenbinden, Zöpfe daraus machen und die auch noch hochbinden."

Mutter: "Das sind doch alles Mädchenfrisuren. Sieh doch die anderen Jungen in der Nachbarschaft. Die werden ihn so nicht akzeptieren."

Vater: "Nun, mit der Hälfte der neu einzuschulenden Kinder ist er befreundet. Und die akzeptieren ihn so, wie er ist. Ich muss nur mal mit dem Direktor reden..."

Dann gab es noch den Elternabend. Mann und Frau gaben sich ja tolerant, und da die Angelegenheit als eine Bitte vorgetragen wurde ...

So wurde er eingeschult. Mit knöchellangen Haaren. Am ersten Schultag waren sie streng zusammengebunden. Zu der Hochsteckfrisur gab es die passende Mütze und einen riesigen Schal. Zum Teil verschwanden die Haare auch einfach unter der Kleidung.

Aber ... damit waren die anderen nicht zufrieden.

"Nun zeig uns doch einmal deine langen Haare. Nachdem du nun die offizielle Erlaubnis hast, hier mit superlangen Haaren zur Schule gehen zu dürfen. Wir möchten sie gerne einmal sehen."

Die Deutschlehreren Frida. Und die ganze Klasse schaute ihn erwartungsfroh an.

Nun denn, Jeremias setze die Mütze ab und enwickelte den Schal. Dann zog er seine Jacke aus ...

Oh!

Eine Hochsteckfrisur, die ihm bis auf den Rücken reichte. Was für ein Knoten aus Haaren.

"Bitte, mach sie auf."

Vorsichtig entwickelte er die Haare und ... wie ein Wasserfall ergossen sie sich in den Raum, wickelten ihn ein. Er verschwand geradezu unter den Haaren.

Jasminchen lief auf ihn zu. Umarmte ihn mit seinen Haaren. Dann lies sie ihre eigenen Haare herunter ...

"Ein wunderschönes Haarpärchen seid ihr beide." Aber nun ... ja, was nun. Sollten die beiden mit ihren offenen langen Haaren einfach nur so dasitzen?

Die Haare wieder zusammenzubinden, das würde die ganze Stunde kosten.

"Ach, das haben wir gelernt. Es dauert nur ein paar Minuten."
Und so geschah es.
...

Mit den Jahren wurden die Haare länger. Die Öffentlichkeit bekam das gar nicht so genau mit, da er die Haare immer öfter hochgebunden trug. Von außen betrachtet schienen sie damit sogar kürzer zu werden.

Obwohl, sie reichten optisch immer noch weit über die Schulter.
Wie auch immer, Schüler und Mitschüler hatten sich daran gewöhnt.

Er saß auch oft zwischen den langhaarigen Mädchen, mit denen er befreundet war.

Oft machten die Schüler kleine Makeup-Spielchen, in denen die Kinder die Geschlechterrollen wechselten. Boys to Girl und Girl to Boy Transformationen nannten sie das.

Es gab dann kleine Theaterstückchen, bei denen die Zuschauer entscheiden mußten, ob sie einen Jungen oder ein Mädchen vor sich hatten.

Jeremias wurde immer als Mädchen gesehen.
War er deswegen schon beinahe transsexuell?

Nein. Es war nur ein Spiel.
Seine große Liebe war Jasminchen, die sich zu einer wunderhübschen Jasmina entwickelt hatte. Beide hatten nun Haare, die länger waren als ihre Körper.

Die Haare, es war so schön sich darin einzuwickleln, sie zu streicheln, sie fühlten sich darin wie in einem Schneckenhaus.

Und die anderen?

Sie mochten die beiden. Es gab zwar gelegentlich Anfeindungen, aber die gingen unter in der allgemeinen Sympathie.
Auch manche der anderen ließen ihre Haare wachsen, länger, als es eigentlich geplant war.

Und es gab auch Jungendliche mit sehr kurzen Haaren. Streit, Neid oder Mißachtung gab es deswegen nicht. Jeder durfte so sein, wie er sich selbst sehen wollte. Und es funktionierte, allen Unkenrufen zum Trotz.
...

So gab es ein kleiner Paradies für Langhaarige, in denen sich auch Kurzhaarige heimisch und pudelwohl fühlen konnten.

Wau.

Über die Jahre bekam er mehr als 3 Meter lange Haare, die er in 20 dicke Zöpfe einteilen konnte. Und seine Jasmina überrundete ihn noch. Beide haben ihre Langhaarigkeit niemals bereut.

Jeremias

Jeremias

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