Kleine haarige Geschichte 50

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Haare fürs Leben

Grundina haßte ihre langen Haare. Was sollte sie nur damit? Damit sie nicht störten, wurden sie hochgebunden. Dann hatte sie einen Kürbis auf dem Kopf, den sie ausbalanzieren mußte. Was für ein Wort! Für mehr als nur einen Fehler. Fast so schlimm wie die Haare. Sollte sie Zirkusartistin werden? Oder schon mal üben, für einen Topf, den sie auf dem Kopf mit sich herumtragen mußte? Aber sie war doch gerade mal 11. Noch nie waren ihre Haare geschnitten worden. Das wäre etwas ganz besonderes. Ja, für wen denn? Die Schönheit ihrer Haare ... sie konnte es nicht mehr hören.  Sie wollte frei sein, frei von diesen Haaren. Spätestens mit 15, dann würde sie sich kahlscheren lassen.
...

Grundina mit 13. Sie hatte nun gelernt, Zöpfe zu flechten.

Zöpfe, Zöpfe als Alternative zum Kürbis? Dann hatte sie 4 bis 8 von diesen langen Dingern um sich herum. Eingewickelt wie eine Schlange. Und breit waren sie. Sie konnte sich gar nicht mehr richtig bewegen.

Sie einfach nur runterhängen lassen, das ging nicht. Sie wollte ja nicht den Fußboden damit scheuern.

Früher, den Sklaven mußte es so gegangen sein. Mit solchen Haaren ... ein ideales Putztuch. Ob sie einfach mal ... nein, etwas in ihr sträubte sich dagegen.

Es ist doch nur ein Spiel.

So etwas spielt man nicht.

Mmmmh. Nun gut, mit dreckigen Haaren ... das mochte sie auch nicht. Und das Waschen war immer so eine schreckliche Prozedur, die einen ganzen Tag dauern konnte.

Warum nicht einfach selbst ein Stück davon abschneiden? Da sich die Frisöre weigerten... Inzwischen hatte sie bereits alle durch. Emma, Hera, Augustus, Juvisu, Scharf, Schneider, Scherenglück ... sie alle hatten sich geweigert.
Nein, deine Haare schneiden wir nicht ab.

Sollte sie vielleicht die Haare wachsen lassen wie ein Schaf, bis sie geschoren wurde?

Ja, es gab diesen Haareausverkauf. Irgendjemand schien dafür sogar Geld ausgeben zu wollen.
Sie dachte an Annemaria, gestern noch mit 30 cm langen Haaren und heute? Da waren doch noch 3 cm übriggeblieben. Grundina beneidete Annemaria um ihre kurzen Haare. Warum nur diese Tränen? Den ganzen Tag hatte Annemaria geweint. Man weinte doch nicht um ein paar Haare. Und so lang waren die doch gar nicht gewesen. Wenn die ihrigen ... das war doch ein ganz anderes Kaliber.

Dass manche Leute so an ihren Haaren hingen.

In 2 Jahren waren Annemarias Haare doch wieder nachgewachsen.
Die wuchsen immer wieder nach.

Und es einfach mal selbst probieren? Die Schere in der einen Hand, den Zopf in der anderen.

So stand sie nun vor ihrem großen Spiegel und schaute ... sie sah ein Mädchen mit einem Zopf und einer Schere in der Hand. Nun mach schon, lächelte sie ihr zu.

Warum gerade dieser Zopf? Nun einer mußte ja den Anfang machen. 8 Zöpfe hatte sie geflochten. Jeder davon war länger als sie selbst und verschwand irgendwo in ihrem Zimmer.

Die Zöpfe waren viel zu dick für diese dünne Schere.

Sie suchte ... und suchte ...

Mmmmh. Ja, hiermit mußte es gehen.

Aber ... warum mit Gewalt. Sie konnte doch die Haare einfach öffnen und dann würde auch die kleine dünne Schere reichen.

Es dauerte fast 20 Minuten, dann stand sie da, in ihren Haaren. Im Spiegel sah sie nichts anderes als Haare und ein bisschen Gesicht, ein Auge war frei.

Oh man, nein Frau, nein! Mädchen!!

Das freie Auge sah nur Haare, nichts als Haare. Von Armen, Beinen, Kleidung sah sie nichts.

Die Haare hatten sie sehr gut versteckt.

So stand sie nun da und schaute und schaute. Noch nie hatte sie ihre Haare so bewußt wahrgenommen.

...

Mmmmh. Irgendwie hatte sie vergessen, warum sie nun so dastand und ihre Haare anschaute. Da war etwas, das sie noch gar nicht kannte, nie erlebt hatte.

Ach ja, die Schere. Die Hand wollte gar nicht danach greifen. Und dann ... aua, sie war glühend heiß.

Nein. Heute nicht. Die vielen Haare mußten nun wieder eingepackt werden. Oh man ... Mädchen! Und wenn sie einfach damit herumlief?

Nein, den Boden hatte sie zwar schon sauber gemacht, aber die Treppe ... das war viel zu gefährlich. Sie konnte sich in den Haaren verheddern und darüber stolpern.

Also, was tun?

Wenn sie die Haare unter der Kleidung ... Ja, sie wickelte sich darin ein, band sie fest und zog die Kleidung einfach darüber. Ein wenig pummelig sah sie aus. Aber nicht allzusehr. Schließlich war sie ja nicht magersüchtig.

Dann sah sie sich im Spiegel. Oh! Die Haare waren gar nicht zu sehen. Ein scheinbar kurzhaariges Mädchen schaute sie an.

...

"Grundina! Was hast du mit deinen Haaren gemacht!"

Ein Aufschrei. Sollten sie doch.

"Weg. Was weg ist ... ist weg."

"Aber. Wie konntest du nur! Sieh dich nur an!"

"Ja, und wie sehe ich aus?"

"Schrecklich. Häßlich. Wie konntest das nur tun."

Häßlich. Nein. Sie war doch nicht häßlich. Sie mochte ihr Gesicht, die Augen, die Nase, den Mund ... diese Sanftheit in ihrem Äußeren, die Symmetrie ... Sie war schön! Es konnte doch nicht alles an diesen Haaren hängen. Was für eine primitive Einschätzung ihres Selbst.

"Ich bin nicht häßlich. Und wenn du das glaubst ... das Häßliche kommt von dir! Ich benutze das Wort gar nicht."

Argumente.

"Ich will nicht mehr mit dir befreundet sein."

Ach, und das nur wegen so ein paar Haare? Da bin ich doch froh ... dass ich allein sein kann.

Aber die Enttäuschung, sie schlug nun doch durch. Nun haßte sie sie wieder, diese Haare. Sie machten das Leben zur Hölle.

Da war doch ein Haarausverkauf, auf dem Markplatz. Hair for sale. Ja, genau, wollte sie doch mal sehen, was sie dafür bekam.

Haare wieder ausgepackt ... und die 8 Zöpfe. In sich gedreht reichten sie gerade bis zu den Kniekehlen. Damit konnte sie auf die Straße gehen.

Auf dem Weg zum Marktplatz.

"Hallo Grundina, du Haarmonster."

Ach, die Klicke um Giselina, oder Clique? Na ja, egal. Giselina und ihre drei Freundinnen. Sehr anspruchsvolle Mädchen, die nicht mit jeder redeten.

"Wie du nur wieder aussiehst, mit diesen altmodischen Zöpfen. Oh nein, wie kann man nur so antiquiert sein."

Antiquiert? Das war für die bestimmt schon ein Zungenbrecher. Dass sie das überhaupt hingekriegt hatte.

Die mit ihrer Papageienfrisur. Ein farbiger Kehrbesen ohne Blech. Nein, das konnte sie sich nur denken.

"Weißt du, wir sind nur mit dir befreundet, wenn du diese elenden Zöpfe endlich abschneidest."

Abschneiden? Sie war doch gerade auf dem Weg dahin. Und das mit dieser eleqenten Unterstützung

...

Aber ... war da nicht ein wenig Trotz. Weil die es wollten?

"Ich mag meine Zöpfe."

"Nein, wie dumm du bist. Und so häßlich. Einfach widerlich."

Und weg waren sie.

Häßlich wegen der Haare? Sie hatte doch gerade vor kurzem ... Meinungen. Es gab so viele davon. Was aber ... wollte sie selbst?

...

Eine Schaufensterscheibe. Sie schaute in den Spiegel. Nein, die Zöpfe waren nicht häßlich. Sie nahm einen davon in die Hand. Er fühlte sich weich an.

"Hallo Grundina. Du hast so schöne lange Zöpfe. Darf ich sie bitte einmal berühren?"

Petros! Nicht, dass sie in ihn verliebt war, aber sie mochte ihn.

Sie schaute ihn an.

"Bitte, haue mich nicht. Ich ... sah dich und ... du bist so schön. Aber ... wenn ich dich nerve, dann gehe ich."

"Nein, bitte bleib."

Sie reichte ihm einen ihrer langen Zöpfe.

"Was hast du damit vor?"

Wenn der jetzt anfangen würde, den Zopf zu streicheln. Nein, Fetischisten mochte sie überhaupt nicht.

Petros nahm den Zopf in die Hand.

"Er ist ein Teil von dir. Es ist schön, dich zu berühren. Ich mag diesen Teil von dir."

Er gab ihr den Zopf zurück.

Mmmh. Nun ja. Sie schaute ihm direkt in die Augen ... und da war etwas. Etwas, das sie berührte.

"Darf ich dich küssen?"

...

Auf dem Marktplatz. Der Stand für den Verkauf der Haare.

"Siehst du, dort wollte ich hin."

"Willst du es denn immer noch?"

"Ich weiß es nicht. Es ist so radikal. Wenn die Haare weg sind, es dauert bestimmt 10 Jahre, bis sie wieder nachgewachsen sind. Wenn überhaupt. Und der Wandel, die Sehnsucht nach etwas Neuem? Ich kann die Haare auch verstecken, dann sehe ich neu aus."

"Und wenn du nur ein Stück davon abschneiden läßt?"

"Es ... ist alles oder nichts. Haare können sehr extreme Gefühle auslösen. Positive Gefühle für die Haare, es ist eine neue Erfahrung für mich. Dass ich sie auch verteidigen muss, wenn ich sie behalten will ... nie hatte ich daran geglaubt, und doch ist es so. Sie lösen auch bei anderen Menschen Gefühle aus ... und bei so extrem langen Haaren sind die Meinungen sehr extrem und kontrovers."

"Dann lass sie doch erst einmal dran und schaue, was sie dir an Gefühlen vermitteln."

"Dass du die Haare magst, das weiß ich. Und es gibt noch einige andere, die sie mögen. Dann gibt es den Neid, der auch Feindseligkeit bewirken kann. Wenn ich sie abschneide, werde ich nicht allen gerecht, wenn ich sie dranlasse, auch nicht. Es muss meine Entscheidung sein. Und wenn ich mich dafür entscheide, es sind Haare fürs Leben. Sie hängen nicht nur einfach so herum, sie brauchen sehr viel Pflege und es muss auch ein wenig Liebe dabei sein, für die Haare. Nur dieser Fetischismus, der dabei aufkommen kann, den mag ich überhaupt nicht."

"Ich bin nicht perfekt und einen Teil davon habe ich auch in mir, von diesem Fetischismus."

"Ja, ich weiß. Aber du gibst es zu und du denkst darüber nach. Du hast mich geküßt und nicht die Haare gestreichelt. Ich werde versuchen, mit ihnen zu leben. Und überlege dir sehr genau, was du sagst, wenn ich sie doch einmal abschneiden will."
...

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