Kleine haarige Geschichte 51

Home Mobil   Home PC
nächste Seite

Langhaar-Revolution 01

Sie waren zu dritt. Eva, Maria und Neo. Drillinge. Nun waren sie 17 Jahre jung.
Ausgestattet mit superlangen Haaren, die bis auf den Boden reichten ... und darüber hinaus. 2 Meter lange Haare, bei einer Körpergröße von 1,70 m.

Wenn die Haare einfach nur lang nach unten hingen, schleiften sie über den Boden. Aber das mochten die Drei nicht so sehr.
So waren die Haare meistens nach oben gebunden, so dass sie gerade mal Knielänge erreichten.

Oder Hüftlänge, Schulterlänge, je nachdem. Sie hatten gelernt, die Haare ganz zu verstecken, unter einer Kurzhaarperücke, sie unter der Kleidung zu verbergen.
Schön sahen sie aus, die Haare, hellblond mit leichten rötlichen Streifen. Perfekt glatt, da brauchte man kein Bügeleisen mehr.
Wenn sie die Sonne reflektieren, sie sahen dann aus wie leuchtende Diamanten. Von einer Schönheit, die vielen den Atem rauben konnte.

Man?

Ach ja, Eva und Maria, die beiden Mädchen und Neo, ein Junge.

Ein Junge mit so langen Haaren?

Es war nicht immer einfach gewesen, das durchzusetzen. Aber er war nicht allein. Seine beiden Schwestern unterstützten ihn wo immer sie nur konnten.
Sie mochten seine langen Haare und natürlich die eigenen. Sie waren richtig verliebt in dieses Attribut.

Als es einmal richtig ernst wurde, mit den Abschneiden der Haare, bestanden sie darauf, dass auch die eigenen Haare abgeschnitten werden sollten.
Sie wollten Neo nicht allein lassen, mit einem Kurzhaarschnitt.

Damals waren sie 6 Jahre alt gewesen. Vor der Einschulung. Der Gang zum Frisör, alle drei auf ihren Stühlen.
Sie faßten sich an den Händen und weinten. So viele Tränen, ganz leise Tränen.

Man hörte kaum ein Schluchzen, aber alles war naß.

Ein Junge weint doch nicht um seine Haare.

Warum nicht. So viel Schönheit ist doch nicht selbstverständlich. Und wenn sie nicht geraubt wird, durch Krankheit, warum, warum muß man sie aufgeben? 
Weil die Gesellschaft es so will

.... Jungen müssen kurze Haare haben?

Damit sie später die besseren Soldaten abgeben?

So lange Haare sind doch sehr unpraktisch, wenn die JUngen herumtrollen, im Staub der Straße.
Es ist auch gefährlich, die Haare können verletzen.

Und die Mädchen?

Die spielen mit ihren Puppen ... und pflegen ihre Haare. Jungen haben gar nicht die Zeit dazu.

Aha.

Neo hatte sich daran gewöhnt, seine Haare zu pflegen. Mit 6 Jahren war er bereits allein dazu im Stande.
Und er konnte sie hochbinden, so dass sie beim Spielen nicht störten.

Ein Muttersöhnchen war er nicht und er war beliebt, bei den anderen Jungen.

Gibt es nicht auch Gesellschaftformen, in denen lange Haare bei Jungen und Männern zum Alltag gehören?
Warum muss hier alles anders sein? Wer bestimmt das?

Mit 6 Jahren konnte er seine Haare allein pflegen? Manche Mädchen schaffen das mit 12 noch nicht.

Ja, manches ist an dieser Familiensituation besonders. So schöne Haare, es ist fast schon ein göttliches Geschenk.
Oder hat man in der Nachbarschaft etwas Vergleichbares gesehen?

Juliana hat schöne lange Haare, und Josephina, Hellena, Agnetaria. So ganz allein sind die Drei nicht.

Und die anderen Jungen?

Da muss man schon suchen. Nein, das war es dann.

Hatte Neo keine Probleme mit seiner kurzhaarigen Nachbarschaft?

Es kommt dabei auch auf die Persönlichkeit an. Neo konnte sich durchsetzen, er hatte mit seinen 6 Jahren bereits Charisma und die anderen mochten ihn.
Es war einfach schön, ein leuchtendes Juwel um sich herum zu haben in dieser grauen vermüllten Umgebung, in der alles alt und verbraucht erschien.
Schmutzig, dunkel, neblig.

Es war einfach so. Er wurde akzeptiert, so wie er war. Und seine Freunde lernten zu spielen, mit seinen langen Haaren und mit den langen Haaren seiner Schwestern.
Etwas, das immer als unmännlich gegolten hatte.

Es war einfach schön und die Erwachsenen ließen sie gewähren.

Oh, welchen Schock hatten sie damals ausgelöst, als sie alle drei einmal scheinbar ganz kurzhaarig in der Schule erschienen waren.

Der Lehrerin fiel die Brille von der Nase und die ganze Klasse saß da mit offenen Mündern.

Warum ...

Gab es denn gar keine Zustimmung für Kurzhaarigkeit?

Oh doch, die Menschen sind unterschiedlich. Aber die drei wurden beschützt, von denen, die ihre langen Haare mochten.
Vielleicht war es auch deren eigener Wunsch, den sie nicht ausleben durften.

Warum nicht?

Nun, genetisch funktioniert das nicht so ohne weiteres. Und die Drei wurden als Ausnahme angesehen, man gestand ihnen die langen Haare zu.
So wie dem Weihnachtsman seinen Bart.

Alle wußten, wie sehr die Drei ihre langen Haare liebten. Und dieses Weinen im Salon ... selbst nach Jahren erinnerte man sich noch daran.

Schließlich hatten alle mitgeweint. Der Frisörmeister, die Frisösinnen, die Kunden, Zuschauer, Reporter, Kameramann, einfach alle.
Es war so rührselig und es vermittelte etwas, das niemand kannte. Ein Gefühl der Gemeinsamkeit.

Und diesmal, nein diesmal sollten die Haare nicht dran glauben müssen. Es war einfach so ein Gefühl gewesen, das alle erfaßt hatte.

Hatte nicht Neo damals gerufen. Es tut weh, es tut so weh!

Nein. Den Dreien wollte man die Haare nicht nehmen.

So lernte eine von Kurzhaarigkeit dominierte Gesellschaft mit ihren eigenen Widersprüchen zu leben.
...

nächste Seite

Valid HTML
          4.01 Transitional