Kleine haarige Geschichte 52

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Langhaar-Revolution 02

Eva, Maria und Neo beim Direktor der Schule.

Direktor: "Hallo, Eva, Maria, Neo. Wenn ich euch so sehe, mit langen offenen Haaren, dann kann es doch nur ein haariges Thema sein."

Neo: "Wir haben eine Bitte."

Direktor: "Braucht ihr die Erlaubnis für zusätzliche 80 cm Haarlänge?"

Eva. "Wir sind glücklich mit unseren Haaren, und ... wir möchten sie nicht zurück schneiden. Ist das Wachsen der Haare ein Problem?"

Direktor: "Die sind jetzt 2 m lang. Nun ja, wenn noch 50 cm dazukommen. So wie ihr die Haare meistens versteckt oder hoch steckt sieht man das vielleicht gar nicht."

Neo: "50 cm *grins*. Vielleicht in einem Jahr, bis zur Abschlussprüfung. Aber dann ..."

Direktor: "Danach verlasst ihr die Schule und wollt sicher studieren. Eine andere Umgebung mit anderen Menschen. Ob die euch mit den langen Haaren akzeptieren werden? Und ... wie lang sollen die dann noch werden?"

Maria: "Das sagen wir lieber nicht *grins*. Wir reden mit den Anderen. Meistens haben wir damit Erfolg. Nur wenn jemand lange Haare wirklich hasst, dann kann es schwierig werden."

Eva: "Oder wenn jemand glaubt, die Haare müssten gespendet werden für diejenigen, die sie wirklich brauchen. Unsere könnten ja wieder nachwachsen."

Direktor: "Und wäre das so verkehrt?"

Neo: "Nein ... sicher nicht. Aber ... wir lieben sie doch so. Sie gehören zu unserem Leben und wir möchten sie nicht hergeben."

Direktor: "Ich weiß. Ihr habt auch jede Menge Unterstützung bekommen. Der Pastor, der Bürgermeister, selbst der Frisörmeister war hier."

Eva: "Wenn wir glücklich sein dürfen, hat das nicht auch ein wenig Einfluss auf die anderen?"

Direktor: "Die meisten Menschen hier lieben eure langen Haare. Und das in einer derart kurz geschorenen Stadt. Es ist schon etwas Besonderes. "

Maria: "Und die anderen in der Klasse ... haben sie es uns nicht alle zugestanden? Trotz der Haarregeln, die es hier gibt?"

Direktor: "Als der Gedanke aufkam, es darf keine Ausnahmen geben, alle sollen die gleiche Kurzhaarfrisur tragen. Und die da? Aber dann haben sie freiwillig darauf verzichtet, ihre Haare wachsen zu lassen. Weil sie nicht wollten, dass ihr sie abschneiden lasst. Wisst ihr eigentlich, was ihr eurer Umgebung da abverlangt?"

Neo: "Wäre es Ihnen denn lieber, wir wären nicht hier?"

Der Direktor dachte nach. Es dauerte ganze 2 Minuten, Minuten der Stille.

Direktor: "Nein ... Viele leben ihre Träume von Langhaarigkeit durch euch. Das ist auch einfacher ... als sie selbst pflegen zu müssen. Ihr seid ein Gestalt gewordenes Märchen für all die Anderen. Wie aus einer anderen Welt.
...

Neo: "Doch nun zu unserer Bitte. Wir möchten ... nein, Erwin möchte seine Haare wachsen lassen und er hat uns darum gebeten, uns dafür bei Ihnen einzusetzen."

Direktor: "Das ... widerspricht aber den Regeln, die wir hier haben."

Eva: "Alles soll ordentlich sauber und akkurat sein. Der Haarschnitt alle zwei Wochen ist Pflicht."

Direktor: "Ohne Disziplin ist ein Lernen nicht möglich. Und ein sauberer Haarschnitt vermittelt eine Menge davon."

Maria: "Ist unsere Klasse denn so undiszipliniert, wegen unserer langen Haare?"

Direktor: "Das ist ja das Paradoxe. Bei euch gibt es gar nichts zu jammern. Als wenn ihr sie alle persönlich um Ruhe ermahnt hättet."

Neo: "Sie sind glücklich, dass sie uns dabei haben. Ein Verstoß gegen die Regeln, wie er extremer kaum sein könnte. Und trotzdem gibt es keinen Kampf und Streit."

Direktor: "Aber wenn jetzt einer der anderen anfängt, die Regeln zu brechen. Dann wird es die anderen auch nicht mehr halten."

Eva: "Das glauben wir nicht. Viele sind doch zufrieden mit ihrem Äußeren. Und Haare wie wir sie haben, das ist die absolute Ausnahme. Wir befinden uns genetisch in einer besonderen Situation. Also Haare wie wir sie haben, das ist eine Jahrhundertausnahme."

Direktor: "Das stimmt. Aber warum will Erwin seine Haare wachsen lassen? Ist er auch so eine Ausnahme?"

Neo: "Nein, das ist er nicht. Es ist der individuelle Wunsch, etwas Persönliches zu entfalten, und das ist bei ihm auf die Haare bezogen. Andere haben ganz andere Wünsche. Ich glaube nicht, dass die Ordnung zusammenbricht, wenn er seine Haare wachsen lassen darf. Er ist jetzt 11. Damals hatten wir bereits knielange Haare. Und seine sind gerade einmal 3 cm lang."

Direktor: "Pro Jahr sind bei euch weniger als 10 cm dazugekommen? Ich kann es kaum glauben."

Eva: "Es sind unsere Gedanken, sie können das Wachstum bremsen. Wir wollen es aber nie ganz abstellen."

Direktor: "Das ist außergewöhnlich. Haarwachstum, das auf Gedanken reagiert. Was sagen denn unsere Naturwissenschaftler dazu?"

Neo: "Die wissen das gar nicht. Es ist ihnen entgangen. Wir wollen auch nicht das Objekt naturwissenschaftlicher Studien sein."

Direktor: "Wenn ihr das Haarwachstum bremsen könnt? Geht es dann auch anders herum?"

Eva: "Ja, aber bitte, fragen Sie nicht weiter. Wir möchten die Magie der Haare nicht jetzt offenbaren. Erst wenn wir volljährig sind und unser Leben allein bestimmen können."

Direktor: "Das tut ihr doch schon jetzt. Okay. Ich werde darüber nachdenken, über die Sache mit Erwin. Vielleicht sollte ich vorher mit dem Bürgermeister reden oder mit dem amtierenden Schulrat? Nein, besser nicht. Was der nicht weiß ..."

Neo: "Sie sind doch DER DIREKTOR, oder?"

Direktor: "Ja, aber wenn die Schulaufsichtsbehörde dagegen ist, ich bin weisungsgebunden. Wenn ich ihre Anweisungen ignoriere, können sie mich von meinem Posten ablösen."

Eva: "Dann sollten wir es gar nicht öffentlich publik machen. Es einfach zur Gewohnheit werden lassen, bis es nicht mehr umkehrbar ist."

Maria: "Oder Alia für uns gewinnen. Ihre Eltern sind doch Millionäre ... und so ein kleines privates Internat ..."

Direktor: "Ihr wollt mich verlassen? Ich würde euch sehr vermissen. Lassen wir es auf einen Versuch ankommen."
...

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