Kleine haarige Geschichte 53

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Ein feminin aussehender Junge soll seine langen Haare abschneiden.


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Androgyn

"Wenn die Welt anders wäre, würde man sich nur wundern."

Was war denn mit der Welt? War dort etwas nicht in Ordnung? Es gab doch Männer und Frauen, und ...

Ja, darum geht es hier.

Hella schaute Joseph an. Nein, eigentlich Josepha. Er hatte dermaßen weibliche Züge und dann die langen Haare. Dabei trug er das meiste davon versteckt. Wenn man genau hinschaute, die versteckten Haare wirkten ein wenig voluminös.

Sie reichten ihm offen bis zu den Kniekehlen. Versteckt meistens bis zu den Schultern oder bis Mitte Rücken. Wenn er sie hochband, um die Stirn wickelte und die Kurzhaarperücke aufsetzte, dann sah er richtig kurzhaarig aus. Mit einem Perücken-Pony.

"Du bist femininer als die meisten Frauen."

"Das ist bestimmt übertrieben. Ich verstecke mich nur manchmal ganz gerne zwischen ihnen."

Ja, auf der Schule. Nur der Name machte Probleme. Es fehlte das a. So kam es dann auch, dass ihn die Autoritäten zum Frisör schicken wollten. So ginge das nun wirklich nicht. Man wüsste ja gar nicht ...

Sollten die doch zum Optiker gehen! Und dann die Schulordnung. Männer hatten einen ordentlichen Kurzhaarschnitt vorzuweisen.

So wie der Direktor?

Bitte, lasst sie mir doch, ich möchte meine langen Haare behalten.
Ich liebe sie so sehr, sie sind so wunderschön geworden.

Er konnte so flehendlich bitten, mit seinen schönen großen Augen und dem femininen Gesicht.

Man glaubte einen Engel vor sich zu sehen.

Eigenlich unpassend für einen Jungen, aber ...

Er stieß auf wenig Verständnis. Ihn mit physischer Gewalt zum Frisör befördern?
So weit war man noch nicht.

Offenbar schaffte er es auch, sich unter den ganzen kurzhaarigen Jungen zu behaupten.
Nun ja, wenn er sich meistens zwischen den Mädchen versteckte. Sie akzeptierten ihn.

Nur, ob man ihn von der Schule verweisen würde, das war noch nicht entschieden.

Josephs Aussehen sorgte für Verwirrung bei denen, die gerade versuchten ihre sexuelle Identität zu entdecken. Das war wohl auch der Hauptgrund, warum man ihn zum Frisör schickte. Ob er dann weniger weiblich aussah?

Darauf kam es gar nicht an, wurde er belehrt.
Mit einem passenden Kurzhaarschnitt würde man ihn schon richtig einordnen können.

So ein Blödsinn. Nur weil alle Mädchen hier lange Haare hatten? Dabei gab es sehr feminin aussehende Kurzhaarschnitte. Da würde er wohl den Anfang machen.

Aber ... nein, das wollte er nicht. Er liebte doch seine langen Haare.

Erna wollte sich opfern. Eine sehr schöne junge Frau.
Mit einem Kurzhaarschnitt würde sie die Grenzen unscharf machen.

Sanft nahm er sie in seine Arme. Küsste sie direkt auf den Mund, dann ihre Haare. Streichelte sie sanft. Nein, das wollte er nicht. Bittend schaute er ihr in die Augen. Da war etwas, keine Abwehr, etwas Erstaunen, aber auch Sympathie.

Sie hätte ihm eine knallen können. Aber sie tat es nicht.

Obwohl, Erna wusste nicht so recht. Er gefiel ihr. Sie mochte ihn ja auch, und das nicht nur seelisch.

Bitte nicht, bitte nicht meinetwegen, sagte er zu ihr. Dann will ich auch nicht mehr langhaarig sein.

Das wollte sie nun nicht. Sie mochte nun mal lange Haare bei Männern. So blieb es wie es war.

Hella: "Wenn du schon so weiblich aussiehst, warum dann nicht richtig?"

Joseph: "Du meinst, eine Geschlechtsumwandlung? Nein, das will ich nicht. Die zerstören doch nur meine Sexualität."

Hella: "Ach stell dich doch nicht so an, die Mediziner werden schon wissen, was sie tun. Dann kannst du endlich deinen Namen ändern."

Ach ja, das fehlende a.

"Kann man das nicht auch so erreichen?"

"Ich weiß nicht, glaube nicht, ein Mann mit einem weiblichen Vornahmen?"

"Das gibt es!"

Nun gut, versuchen wir es.

Eine schwierige Prozedur. Er musste sogar eine andere Staatsbürgerschaft annehmen.
Aber dann klappte es. Josepha *freu*.

Eine neue Schule. Geschlechtsangabe? Warum sollte er lügen. Es gab ja mehrere Optionen. Er wählte die Unbestimmte.

So saß dann Josepha zwischen den Mädchen der neuen Klasse. Hier war alles ein wenig anders. Die meisten Mädchen liebten ihre langen Haare und die Jungen? Nun ja, kurz war wohl nicht zu umgehen. Obwohl, es gab auch Individualisten mit langen Haaren.

Muss man denn lange Haare haben, um Individualist zu sein?

Nein, natürlich nicht.

Nicht alle Mädchen hatten hier lange Haare. Er sah den femininen Kurzhaarschnitt gleich auf dem Stuhl neben sich. Und er sah extrem lange Haare, in der Reihe davor. Es schien keine Anfeindungen zu geben. Man akzeptierte sich so, wie man eben war. ...


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