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Kleine haarige Geschichte 55

Haarblume mit langen Haaren im Kloster zwischen glatzköpfigen Mönchen.


Haarblume und ihre Haare

Die Mönche bildeten einen Halbkreis um Haarblume herum. Haarblumes lange Haare lagen auf dem Boden, direkt vor ihr. Sie bedeckten eine Fläche von mehreren Quadratmetern und erreichten dabei eine Höhe von bis zu einem halben Meter.

Nein, die Haare waren ihr nicht abgeschnitten worden. Haarblume hatte mehr als 8 Meter lange Haare, die mit ihrer Kopfhaut verbunden waren. Nun hingen die Haare ganz offen an ihr herunter.

Glänzende, perfekt glatte schwarze Haare. Und da sie nur etwa 1,73 m groß war, lag ein Großteil ihrer Haare unten auf dem Boden.

Die Mönche um sie herum hatten ihre Haare geschoren. So verlangte es die Tradition. Dabei gab es keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen.

Und, sollten nun Haarblume die Haare geschoren werden, damit sie auch optisch in den erlesenen Kreis passte?

Haarblume setzte sich auf den Stuhl, der ihr gereicht wurde. Acht der Mönche griffen sanft nach ihren langen Haaren, zogen sie in die Länge und teilten sie in 8 lange Stränge. Acht andere bewegten vorsichtig ihre Kämme durch die Haarpracht. Sie begannen ganz unten und arbeiteten sich langsam nach oben. Die noch übriggebliebenen Mönche falteten ihre Hände und sprachen ein Gebet.

Als wenn die Haare selbst ein Heiligtum wären.

Das man am Ende der Prozedur dann doch abschneidet? Als Opfergabe? Oder um damit Geld zu verdienen?

Warten wir es ab. Die Geschichte ist noch nicht zu Ende.

Das Kämmen war eine nicht ganz einfache Prozedur. Es gab Verwirbelungen und Knoten in den Haaren, die vorsichtig gelöst werden mussten. So sanft, wie die Mönche mit den Haaren umgingen, man könnte glatt glauben, dass sie die Haare liebten.

Bei manchen Knoten schienen sie tatsächlich ein Gebet zu sprechen. Als wenn es eine Göttin gäbe, die ihnen dabei helfen würde sie zu entwirren.

Offenbar war die Versammlung einberufen worden, um Haarblumes Haare zu kämmen.

Kämmen, vor der offensichtlichen Totalrasur? Damit die Haare auch einen annehmbaren Preis ergeben würden?

Wer spricht denn hier von Rasur? Haarblume lächelte sanft. Sie spürte die vielen Berührungenen, die Sanftheit darin und Wogen von Glück liefen durch ihren Körper. Ja, sie wusste, die Mönche liebten ihre Haare und sie pflegten sie.

Wenn sie das alles allein hätte machen müssen, für etwas anderes als Haarpflege wäre nicht mehr sehr viel Zeit übrig geblieben. Es schien nun aber das ganze Kloster daran teilnehmen zu wollen.

Nun, manche der Mönche meditierten und beteten den ganzen Tag für sich allein, andere beteten und entwirrten dabei Haarblumes lange Haare.

...

Nach dreienhalb Stunden waren die Haare entwirrt und durchgekämmt. Für heute war es genug, das Waschen der Haare war zu einer anderen Zeit geplant.

Haarblume nahm die Haare in ihre Hände, wickelte sie um ihren Hals und um ihren Körper. Ja, einen schöneren Halsschmuck konnte sie sich gar nicht vorstellen. Dann befestigte sie die Haare mit Bändern um ihren Körper herum und zog ein weißes Gewand darüber. So sah sie mit einem mal ganz anders aus. Von der Masse der Haare war nicht mehr viel zu sehen. Nur, dass sie nicht kahlgeschoren war.

Aber, was war das? Einer der Mönche reichte ihr einen Glatzenüberzug. Zusammen mit den Gewändern, die sie nun um ihre Schultern legte, konnte ein außenstehender Beobachter gar keinen Unterschied mehr zu den glatzköpfigen Mönchen ausmachen.

Haarblume wirkte ein wenig voluminös. Die Haare forderten Volumen für ihre Existenz.

Haarblume lächelte sanft in sich hinein. Dann gingen sie alle zusammen beten, vor der großen Statue im heiligen Zimmer der Tradition. Ein uralter Gott aus prähistorischer Zeit mit einer Glatze. Sie beteten dort zusammen mit dem Oberpriester, der nur dieses eine Zimmer bewohnte, schon sein ganzes Leben lang.

Dann gingen sie durch eine Tür in eine Halle und ... Haarblume legte ihre Kleidung ab. Sie war ganz eingehüllt in ihre Haare, so konnte niemand ihre Nacktheit sehen. Am Ende der Halle stand die Statue einer Göttin.

Ihr Name war Hairflower.

Oh, und Hairflower war nun ganz und gar nicht glatzköpfig. Die in Stein gemeißelten Haare um sie herum. Hairflower schien eine Langhaargöttin zu sein, die ihre langen Haare über alles liebte.

Und dort stand geschrieben: Hairflower hatte 30 Meter lange Haare. Ja, die 30 war nun eine heilige Zahl.

Warum aber dann die Glatzen der Mönche?

Das kommt aus einer sehr langen Tradition. Es gab zu früheren Zeiten andere Götter, Götter mit einer Glatze. Der Disput zwischen Seele, Körper und Geist und die Hingabe an das Geistige, die Abkehr von allem Irdischen, es war damals sehr wichtig. Irgendwie schien es nun auch in den Genen verankert zu sein. Bei manchen. In der Gegenwart gab es keinen Zwang mehr zur Glatze. Nur der Schein sollte gewahrt werden. Wir haben schon gesehen, wie das geschah. Wer die Glatze nicht wollte, er musste seine Haare nicht abrasieren. Und Die es nicht wollten, Haarblume gehörte dazu. So saß sie die meiste Zeit ihres Lebens mit superlangen Haaren zwischen lauter Mönchen, die glatzköpfig waren.

Es gab da noch ein paar Teenager, Jostos mit seinen knielangen Haaren, gerade mal 17 Jahre jung und einige andere. Dort in der hinteren Reihe der Mönche, dort hinten stand er, seine Haare waren unter der Kleidung verborgen und er trug immer noch seinen Glatzenüberzug. Neben ihm Anastasia mit ihren bodenlangen Haaren ...

Aha, es ist also nicht alles so wie es scheint.

Nein, ganz und gar nicht. Glaube nicht, diese Eule dort hinten ist wirklich eine Eule. Und dieser Bob dort hinten ...

Nein, das ist eine andere Geschichte. Zurück zu den Menschen.

Die meisten Mönche gaben nach außen nicht zu erkennen, ob sie die Glatze aus Tradition pflegen, oder ob sie ihre Haare nur versteckt hatten.

Eins aber war allen gemeinsam.

Die Mönche liebten Haarblumes lange Haare. Das ganze Klosterleben drehte sich darum. Sie gaben ihnen eine Art von Schönheit, die sie als heilig betrachteten.

Und wenn Haarblume sich einmal verändern möchte? Wenn sie ihrer langen Haare einmal überdrüssig werden sollte? Jeder Mensch strebt nach Veränderung.

Bis auf die ganz Konservativen.

Niemand würde ihr das verbieten, oder sie davon abhalten wollen. Es war nur so, Haarblume liebte ihre langen Haare. Sie war so glücklich damit, dass sie die Liebe mit den anderen teilen konnte. Etwas so Außergewöhnliches, das im normalen Geschäftsleben keinen Bestand haben konnte, hier durfte es ausgelebt werden. Ihre Haare waren ein Teil der spirituellen Welt dieses Klosters. Sie wurden einbezogen in die Gebete und sie waren den Mönchen heilig.

Und manchmal, manchmal schien es so, als wäre Hairflower selbst dabei und gab ihnen allen ihren Segen. ...