Faust - Erster Teil 01

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Vogtlandtheater Plauen

Freitag 11.04.2014, 19:30 - 22:00

Besetzung

Regie Matthias Thieme
Bühne/Kostüme Christof von Büren
Dramaturgie Maxi Ratzkowski

Faust Marius Marx / Thomas Wehling
Mephisto/Herr Benjamin Petschke
Gretchen Elisa Ueberschär
Katze/Marthe/Lieschen 1/Walpurgisnachtaffe Else Hennig
Schülerin/Hexe/Lieschen 2/Walpurgisnachtaffe Johanna Steinhauser
Schüler/Frosch/Valentin/Walpurgisnachtaffe Johannes Lang
Wagner/Erdgeist/Walpurgisnachtaffe Dieter Maas/Jan Baake (11.10./18.10./03.11./16.11.)
Brandner/Walpurgisnachtaffe Hans-Joachim Burchardt

Spieldauer [ca. 2 h 30 min m. P.]

Ref: http://www.theater-plauen-zwickau.de/schauspiel-spielplan.php?seite=0&id=557  (12. April 2014)

Aus meiner Sicht war die Aufführung eine Mischung aus Klassik und Moderne. Zum Teil mit zeitgenössischer Musik unterlegt. Es waren viele Jugendliche im Auditorium. Das überraschte mich etwas, aber irgendwie passte das auch zu der Inszenierung. Goethes Sprache bereitete mir im ersten Teil vor der Pause ziemliche Probleme. Das Fazit war dann: Goethes Sprache ist nicht die Sprache meiner Gedanken. Ich dachte auch schon daran, die Aufführung wieder zu verlassen, ohne sie zu Ende gesehen zu haben. Im Sinne von: Goethe ist nicht mein Fall.

Der zweite Teil verwischte diesen Eindruck. Die Darstellung von Gretchens Leidensweg war sehr gut getroffen. Zum Teil trieb es mir die Tränen in den Augen. Aber richtig geheult habe ich nicht. Die Identifikation mit der Schauspielerin war doch etwas zu schwierig, da ich die Handlung nicht richtig erfassen und verdauen konnte.  Es fiel mir schwer, die Kausalität in der Folge der einzelnen Szenen zu erkennen.

Ohne jede Vorkenntnisse kann es wie ein viel bewegtes Durcheinander, mit schwer erfassbaren Texten, erscheinen.

Ich bin unvorbereitet ins Theater gegangen. Vor der Veranstaltung gab es eine etwa 20 minütige Einführung in Goethes Werk. Dabei wurde vor allem der historische Hintergrund beleuchtet. Das Lesen eines Abstracts in der Pause, über die Aufführung,  half mir schon wesentlich weiter.

Das Bühnenbild bewegte sich, drehte sich im Kreis. Wurde zusammengeschoben, auseinandergebracht. Dramaturgie drückte sich durch Musik aus, die Erinnerungen daran sind aber etwas flüchtig. Es gab Projektionen auf den Hintergrund, Nebel, Rauch, katzenhafte Hexenwesen. Ein bisschen erinnerten mich diese Szenen an CATs.

Das Eingesperrtsein in Boxen wurde gut herübergebracht. Mir fällt hier ein Bild von Tori Amos ein, das Cover der CD << Little Earthquakes >>.
Gretchen, am Ende ihrer langen Haare beraubt, gekleidet in ein "schmutziges", vielleicht blutverschmiertes, Gewand. Wurde sie hier von einer anderen Schauspielerin gespielt? Ich kann es nicht sagen.

Die Andeutungen sexueller Handlungen war zum Teil ziemlich direkt. Es erinnert mich ein wenig an das Musical HAIR. Erotische Szenen gab es auch, keine völlige Nacktheit, aber fast.

Gretchen musste viel leiden. Erst der Tod des Vaters, dann der Mutter, ihr Bruder und das eigene Kind. Sie selbst hatte ihre Mutter und das Kind umgebracht. Die Mutter, ohne es zu wollen. Mephisto hatte seinen Anteil dabei. Die Verzweiflung dieser jungen Frau wurde sehr gut herübergebracht. Am Ende widersetzt sie sich dem Fluchtangebot von Mephisto und appelliert an ihren Gott. Man weiß dann nicht so genau, ob sie durch die zusammenrückenden Mauern zerquetscht oder dahinter gefangen wird. Sie will leben, sie kann es nur herausschreien.

Meine Interpretation

Gretchen ist das wahre Opfer dieser Tragödie. Jung und schön, beseelt von der Sehnsucht nach Liebe und im Vertrauen auf ihren Gott. Sie erkennt Mephisto und verweigert sich ihm. Wie kann eine Liebe zwischen ihr und Faust gedeihen, wenn sie dem Faust vom Teufel gegeben wurde? Faust wurde um 30 Jahre verjüngt, auf Grund des Paktes mit dem Teufel, andernfalls hätte er nie eine Chance gehabt. Vielleicht ist es auch der innere Zwiespalt in Goethe selbst, der diesen Charakter geschaffen hat. Er selbst hat ja auch eine Geliebte verlassen, als er sie nicht mehr gebraucht hat. Oder die Geschichte eines alten Königs, der eine junge Frau begehrt. Sexuelle Lust, die das Altern verleugnen will und dadurch eine junge Frau zerstört.


Diese Interpretation ist nur ein spontaner Eindruck, der übriggeblieben ist. Um die wahren Hintergründe erfassen zu können, muss ich Faust im Original lesen. Es gibt auch zu viele Einzelszenen, die ich gar nicht richtig erfasst habe. Nun denn, das Thema ist ja auch nicht trivial.

Faust wollte mehr wissen, als es den Menschen im Allgemeinen von den Göttern zuerkannt wird. Daher der Pakt mit dem Teufel. Ein wenig hat sich diese Motivation für mich in der tragischen Liebesgeschichte verloren. Was bedeutet dieses Mehr an Wissen denn? Dass man 30 Jahre jünger wird? Erkenntnis ist doch etwas anderes. Sie führt doch letztendlich auch dazu, den eigenen Standpunkt zu hinterfragen. Faust wollte sexuelle Lust, vielleicht auch Liebe, aber was versteht er darunter? Um hier mehr aussagen zu können, muss ich das Original lesen. Oder mir ein Hörbuch besorgen. Oder eine DVD ...

Nach dem, was ich im Internet über die Gretchentragödie gelesen habe: sie soll gerichtet werden, für den Kindesmord. Das heißt, man wird sie umbringen. Die irdische Gerechtigkeit erscheint mir hier grausamer als das teuflische Handeln, weil sie auch noch glaubt, sie würde im Sinne Gottes handeln.

Am Ende gab es viel Ablaus, zum Teil standen die Zuschauer.

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